Die Freiheitsstatue in Bolivien

Nicht nur New York, auch Potosí in Bolivien hat eine Freiheitsstatue.

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Das ist keine Nachbildung der berühmten Schwester, sondern ein eingenständiges Monument. Schwestern sind die beiden dennoch, denn sie haben den gleichen Vater: Frédéric Auguste Bartholdi war der Architekt beider Freiheitsstatuen und noch etlicher mehr in aller Welt. Die in Potosí wurde 1890 aufgestellt, nur vier Jahre nach Einweihung der Statue in New York.

Aber selbst die Kombination der Freiheits- und Justitiastatuen bringt den Bergarbeitern, die in den Minen des Cerro Rico im Hintergrund noch immer unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, weder Freiheit noch Gerechtigkeit.

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Vollmond in Cochabamba

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Alle Fotos entstanden am Platz des 14. September in Cochabamba, Bolivien. Es ist offensichtlich, dass jeder Fotograf mit einem Stativ das besser hinbekommen würde. Wenn man wissen will, wann der nächste Vollmond ist, kann man hier einfach einen der Inkas fragen. Die kennen sich aus in solchen Dingen.

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Gefängnisse in Bolivien

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Ups. Mein Touristenvisum ist abgelaufen und ich bin noch immer in Bolivien.

Also ein weiteres Land, dessen Gefängnisse ich aus erster Hand kennenlernen werde. Im Fall von Bolivien ist der Justizvollzug sogar besonders interessant.

Viele Gefängnisse in Bolivien haben nur außerhalb der Mauern Personal. Drinnen organisieren die Häftlinge alles selbst. Wie eine autonome Kleinstadt, die nur ganz selten von Wärtern oder der Polizei besucht wird.

Es herrscht eine lebendige Marktwirtschaft, denn seine Zelle muss man sich selbst mieten oder kaufen. Wer das Geld dafür nicht hat oder nicht erarbeiten kann, schläft eben auf dem Boden.

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Aber Geld zu verdienen ist kein Problem, denn Arbeit gibt es genug. Alternativ kann man seinen eigenen Laden aufmachen. Es gibt alles von Restaurants über Schreinereien bis zu einem Internet-Café. Mir bliebe wohl nichts anderes übrig, als meinen Lebensunterhalt als Englisch- oder Deutschlehrer zu verdienen. Oder die harten Jungs werden mich dafür bezahlen, dass ich Geschichten erzähle.

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Das San-Pedro-Gefängnis in La Paz wird von Coca Cola gesponsort. Ernsthaft.

Ein weiterer interessanter Aspekt bolivianischer Gefängnisse: Die Frauen und Kinder vieler Häftlinge ziehen zu diesen ins Gefängnis, so dass die Familie auch in schweren Zeiten zusammenbleibt. Der Partner und die Kinder dürfen das Gefängnis natürlich verlassen, wann immer sie wollen. Sie gehen tagsüber zur Arbeit oder in die Schule und kommen abends zurück.

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„Wenigstens haben wir eine spannende Kindheit.“

Leider Zum Glück habe ich weder Familie noch Kinder. Aber das macht nichts, denn auch Freunde können einen besuchen. Nach dieser Preisliste des Palmasola-Gefängnisses in Santa Cruz könnt Ihr für eine kleine Gebühr sogar über Nacht bleiben. Für deutsche Verhältnisse ist die Miete nicht einmal hoch. Und dazu bekommt Ihr kostenlose Konversationsübungen in Spanisch.

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Das San-Pedro-Gefängnis in La Paz verfügt angeblich sogar über ein oder zwei Hotels. Manche Touristen besuchen das Gefängnis mit einer geführten Tour, andere schauen vorbei, um Drogen einzukaufen. Das Gefängnis hat das beste Kokainlabor im ganzen Land.

Ihr braucht gar nicht versuchen, Euch Ausreden dafür auszudenken, warum Ihr mich nicht besucht. Es ist wirklich einfach und kein bißchen gefährlich. Wenn ein ganzes Kamerateam diese beiden deutschen Gefangenen besuchen und filmen kann, dann werdet Ihr ja wohl ein paar Bücher für mich ins Gefängnis schmuggeln können.

Aber jetzt im Ernst:

  • Diese Gefängnisse sind gefährliche Orte, an denen Mord, Vergewaltigung und Folter an der Tagesordnung sind.
  • Das hier sind drastische Beispiele, aber eigentlich ist es überall so: Gefängnisse sind eine Brutstätte für mehr Verbrechen und eine Univerität, an der Kleinkriminelle die richtig harten Dinge lernen.
  • Ich halte absolut nichts davon, wie sich der Staat hier heraushält, aber mir gefällt die Möglichkeit des Familienzusammenlebens. Das hilft bei der Resozialisierung. In anderen Ländern kann sich ein Häftling so gut führen wie er will; wenn bei seiner Entlassung die Frau abgehauen ist, dann fällt er wieder in ein tiefes Loch, gerade dann, wenn er jede erdenkliche Unterstützung gebrauchen könnte.
  • Wenn irgendjemand Freunde oder Verwandte in einem Gefängnis in Bolivien hat und meinen Besuch organisieren kann, bin ich sehr interessiert!
  • Wenn Ihr mal ein paar Wochen nichts von mir hört, wißt Ihr, wo Ihr suchen müsst.

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Formen des Protests in Bolivien

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Bolivien hat es mir so angetan, dass es schwerfällt zu sagen, was mir am meisten gefällt. Aber die lebhaften politischen und sozialen Debatten, die Diskussionskultur, das breite Interesse an gesellschaftlichen Fragen, die Bereitschaft sich einzumischen, gehören auf jeden Fall mit dazu. Als homo politicus fühle ich mich hier wohl.

Interessant sind auch die etwas ritualisierten Formen politischer und sozialer Proteste, die in mehreren Stufen und weitgehend friedlich, freundlich und zivilisiert verlaufen. Die erste Stufe ist dabei die Blockade (bloqueo). Blockaden gibt es jeden Tag, und falls sie nicht spontan entstehen, werden sie in der Tageszeitung unter dem Wetterbericht angekündigt, so dass man sich auf Umwege und Verzögerungen gefasst machen kann.

Heute sah das in Cochabamba so aus:

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Frauen mit attraktiven Kostümen und Hüten setzen sich auf die Straße und mitten in die Kreuzungen rund um das mit Protest zu überziehende Gebäude und blockieren so den Verkehr. Sie breiten ihre Decken aus, auf denen die Kinder spielen oder schlafen. Bald kommen fliegende Händler mit Lebensmitteln und Getränken. Ein paar Leute halten handgeschriebene Plakate hoch. (Heute ging es um irgendeine Schule.)

Das ist alltäglich und akzeptiert. Die Polizei löst die Sitzblockade nicht auf, sondern regelt den Verkehr. Heute sah ich nur einen Motorradfahrer, der über eine der blockierten Kreuzungen wollte. Die Frauen riefen „No paso! No paso!“ („Hier geht’s nicht durch.“) und er kehrte wieder um. Ich höre selten, dass sich jemand über die Blockaden beschwert, und wenn dann sind es abgehobene Snobs („wegen dieser blöden Blockade konnte mich mein Chauffeur heute nicht ins Nagelstudio fahren“). Verständnis und Solidarität herrschen vor.

Etwas krasser und schwerwiegender sind die Blockaden von Berufsgruppen, die über große Autos verfügen: LKW- und Busfahrer.

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Diese legen gerne ganze Fernstraßen lahm und schneiden so einen Teil des Landes vom anderen ab.

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Solche Protestaktionen können durchaus ein paar Tage andauern, so dass man ungewollt zwei oder drei Tage länger in einer Stadt bleiben muss, weil keine Busse mehr fahren. 2010 wurde Potosí fast drei Wochen lang blockiert. Da die Stadt auf über 4.000 Meter Höhe im kargen Gebirge liegt, wurden die Lebensmittel knapp. Bewohner und Touristen saßen fest, weil auch die Rollbahn des Flughafens mit Steinen blockiert wurde.

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So schlimm war es heute in Cochabamba nicht. Vor dem Gebäude der für Schulen verantwortlichen Behörde standen die Menschen dichtgedrängt. Das Tor wurde von ein paar Soldaten bewacht, aber die Stimmung war nicht aufgeheizt. Die Demonstranten warten einfach, bis jemand in der Behörde nachgibt und mit ihnen spricht oder ihre Forderungen akzeptiert. Von Zeit zu Zeit wurden laute Böller abgefeuert. (Feuerwerke gehören in Bolvien zu jedem Protestzug.)

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Da es so etwas in Cochabamba jeden Tag gibt, blieb ich nicht länger. Ich wollte zum einzigen Postamt in der Stadt mit 600.000 Einwohnern (ein Protest für mehr Postämter wäre mein Vorschlag), um Eure Postkarten abzuschicken. Das Postamt war zwar offen, aber die Schalter waren zu, die Mitarbeiter saßen auf Stühlen in einem großen Kreis. Ein handschriftliches Plakat erklärte den Grund dieses Protests:

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Interessant war, dass die Kunden, wenn sie ins Postamt kamen, Reden zur Unterstützung des Protests hielten, von den Streikenden beklatscht wurden, und wieder gingen. Niemand war so egoistisch, zu glauben, dass sein Paket oder sein Einschreiben wichtiger wäre als die Zahlung ausstehender Löhne.

Um die Ecke vom Postamt, am Platz des 14. September, gab es den nächsten Protest. Hier lagern und übernachten schon seit zwei Monaten die Rollstullfahrer, die für eine monatliche Unterstützung von 500 Bolivianos (65 Euros) und für eine rollstuhlfahrerfreundliche Stadtplanung demonstrieren.

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Da diese Forderungen noch nicht erfüllt wurden, tritt die nächste Eskalationsstufe in Kraft: der Marsch nach La Paz, auch das ein Ritual mit Tradition. Im August 1994 marschierten 5000 Kokabauern von Villa Tunari nach La Paz, nachdem Evo Morales verhaftet worden war. Nach seiner Freilassung schloss er sich dem Marsch an. 1998 führte Morales einen weiteren Protestmarsch der Kokabauern von El Chapare nach La Paz an. Mittlerweile ist Evo Morales Präsident und muss jetzt in La Paz regelmäßig diejenigen empfangen, die aus allen Ecken des Landes dorthin marschieren. Zur Zeit sind die Rollstullfahrer aus Cochabamba unterwegs. 350 km Distanz und über eine Gebirgskette mit 4000 Metern Höhe.

Rollstullfahrer march

Die Rollstullfahrer waren zudem besonders kreativ und mutig und erfanden eine neue Protestform, die von anderen Gruppen voller Anerkennung kopiert werden wird: Sie hängten sich von Brücken.

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Reisende erkundigen sich manchmal besorgt nach den Straßensperren und fragen, ob Bolivien ein sicheres Land sei. Bolivien ist wohl das sicherste und friedlichste Land in ganz Lateinamerika. Ich würde mir viel mehr Sorgen um ein Land machen, in dem es keine Proteste gibt. Es gibt auch keinen Grund, sich von den Protesten fernzuhalten, denn gerade hier bekommt man einen Eindruck von der politischen Dynamik. (Gewaltsame Niederschlagungen von Protesten, die früher alltäglich waren, gibt es kaum mehr, und die sechs Toten beim Brand des Rathauses in El Alto waren eine tragische Ausnahme.)

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Der Vogel auf dem Vogel

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Der große Vogel ist der Andenkondor aus dem bolivianischen Wappen. Der kleine Vogel denkt sich: „Du bist zwar groß und stark und berühmt, aber ich bin frei und kann fliegen, wohin ich will.“

(Fotografiert am Platz des 14. September in Cochabamba, Bolivien. – To the English version.)

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Meine nächste Reise: Sucre und Potosí

Diese Woche reise ich endlich nach Sucre, der Stadt in Bolivien, in die ich eigentlich ziehen wollte (obwohl ich mich jetzt in  Cochabamba richtig heimisch fühle). Hoffentlich werde ich von den berühmten weißen Fassaden der eigentlichen bolivianischen Hauptstadt nicht zu sehr geblendet.

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Und hoffentlich bleibt noch genug Zeit, um außerhalb der Stadt auf den Inkastraßen zu wandern, um Dinosaurierspuren zu entdecken, um einige der traditionellen Dörfer in der Gegend zu besuchen und um den Cerro Obispo zu besteigen.

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Weiter geht es mit dem Zug von Sucre nach Potosí. Lustigerweise wissen die meisten Bewohner Sucres nicht, dass diese Zugverbindung existiert. Seit ich diesen Reiseplan bekannt gegeben habe, sagen mir meine bolivianischen Freunde immer wieder: „Dort gibt es keinen Zug.“ Aber ich bin mir ziemlich sicher, denn ich habe in einem Buch davon gelesen (ok, das Buch war möglicherweise aus dem vorletzten Jahrhundert) und habe sogar ein Foto gefunden:

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Wie dem auch sei, nächste Woche werden wir erfahren, ob der berühmte Zug noch fährt oder nicht.

Potosí: Schon seit ich das Buch “1493” gelesen habe, wollte ich diese Stadt besuchen. Nicht viele Menschen außerhalb Südamerikas kennen sie, aber Potosí war einst – gleichzeitig – die höchstgelegene größere Stadt der Welt (auf 4.090 m), die reichste Stadt der Welt, die größte Stadt in Nord- und Südamerika und die brutalste Stadt der Welt. Und all das lag an einem Berg, dem Cerro Rico, der mit genug Silber gefüllt war, um das spanische Weltreich und die spanischen Kriege in Europa zu finanzieren.

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Der große Silberboom ist vorbei, die Stadt ist nicht mehr der Motor der Weltwirtschaft, aber der Bergbau geht weiter. Dass nach 470 Jahren des Abbaus noch immer Silber (und Zinnerz) gefunden wird, gibt eine Ahnung von der Größe der Vorkommen. Und der Abbau ist genauso schwer und gefährlich wie vor 400 Jahren. Vielleicht sogar gefährlicher, weil so viele Schächte in den Berg getrieben wurden, dass er irgendwann in sich zusammensacken wird.

Es ist naheliegend, dass ich sowohl den Berg besteigen (4.782 m, was ein neuer Höhenrekord für mich wäre) als auch in die Minen gehen will. Irgendwie will es noch nicht ganz in meinen Kopf, dass ich gleichzeitig so hoch wie nie zuvor (der Cerro Rico ist auf Mont-Blanc-Niveau) und tief in einer pechschwarzen Mine sein kann. Bolivien, das Land der verrrückten Rekorde.

Wenn Ihr eine Postkarte wollt, gebt Bescheid. Sicherheitshalber werde ich sie verschicken bevor ich in die Mine gehe.

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Streitbefangenheit

Im deutschen Zivilprozessrecht gibt es den schönen Begriff der Streitbefangenheit, wie übrigens überhaupt Gesetzestexte zu den Glanzleistungen der deutschen Sprache gehören.

§ 265 I ZPO besagt, dass eine Sache, über die ein Prozess geführt wird, auch während der Dauer des Prozesses veräußert und erworben werden kann. Das ist die naheliegende Regelung, denn Prozesse können Jahre dauern. Es ist eine wichtige Regelung, weil ansonsten jeder jeden mutwillig mit Klagen überziehen würde, um seine Konkurrenten am Verkauf von dann streitbefangenen Sachen zu hindern. Und außerdem: Woran soll der Erwerber merken, ob eine Sache streitbefangen ist?

In Bolivien gibt es auf letztere Frage eine einfache Antwort. Wenn ein Rechtsstreit über ein Haus geführt wird, sprüht man mit roter Farbe an die Wand: „casa en litigio judicial“.

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Das ist auch viel einfacher als eine Eintragung im Grundbuch zu erwirken. Das Grundbuch ist in Bolivien sowieso nicht so wichtig, weil sich viele bei der Eigentumsübertragung (und fast alle bei der erbrechtlichen Übertragung) die zusätzlichen Gebühren und den Aufwand sparen. So stehen im Grundbuch oft noch die schon lange verstorbenen Urgroßeltern, während das Haus in Wirklichkeit zu unterschiedlichen Teilen den 18 Urgroßenkeln und deren Geschwistern und Neffen gehört.

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Farbkopien

Dass das Schild, das Farbkopien anbietet, etwas schief und schepps von Hand gemalt wurde, läßt ahnen, auf welche Weise die Farbkopien angefertigt werden.

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(Fotografiert in der Calle Sucre in Cochabamba, Bolivien.)

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Sonnenblumen

In Transnistrien wanderte ich von der Hauptstadt Tiraspol nach Kizkany, um das dortige Kloster zu besuchen. Am Grenzfluss Dnestr entlang ging es über Feldwege, meist in der prallen Sonne. Gerade jetzt im Sommer merkt man, weshalb sich die Sowjetunion mit dem Hitler-Stalin-Pakt das Gebiet von Moldawien einverleibte: gute Böden, genug Wasser, keine steilen Hänge, perfekt für die Landwirtschaft und zur Versorgung eines Landes, das anderswo das halbe Jahr zugefroren ist.

Bis dahin hatte ich noch nie so riesige Sonnenblumenfelder gesehen. Ein paar Tage später sah ich in Moldawien allerdings noch größere.

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Selbst in den Weizenfeldern hat sich die gelbe Gefahr schon ausgebreitet.

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Manche der Sonnenblumen waren größer als ich, wobei ich immerhin 6 Fuß messe.

Andreas Moser sunflowers

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Wo findet man noch Postkarten?

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Um etwas Crowdfunding-Elemente in diesen Blog zu bringen, habe ich jedem Spender eine Postkarte aus Südamerika versprochen. Als dann die ersten Spenden eintrudelten, merkte ich erst, wie schwer es 2016 geworden ist, noch Postkarten zu finden.

Noch vor 10 Jahren konnte man an jedem Flughafen, an jedem Bahnhof, an vielen kleinen Kiosks und oft beim Postamt Ansichtskarten der jeweiligen Stadt und sogar kleiner Dörfer erstehen. Jetzt ist es selbst in Millionenstädten oder bei gutbesuchten Touristenattraktionen schwer, Postkarten zu finden. In Bolivien habe ich bei den UNESCO-Weltkulturerben El Fuerte und bei der Jesuitenkirche in San José de Chiquitas keine Postkarten gefunden. Als ich im Museum in San José danach fragte, wurde ich milde belächelt, wie jemand, der ein paar Jahrzehnte zu spät auf die Welt gekommen ist.

Ich verstehe ja, dass jetzt jeder selbst Fotos macht, aber Ihr könnt die nicht ausdrucken und Ihr könnt nichts darauf schreiben. Ach, Ihr stellt einfach die Fotos bei Facebook ein? Aber das hat doch nicht die gleiche romantische Wirkung wie etwas Handgeschriebenes, vom Regen Verwaschenes, das Wochen später ankommt. Und die exotischen Briefmarken, die immer eine interessante Kleinigkeit über das Absenderland verraten! Das ist Euch alles egal? Was für eine schnöde neue Welt.

So machte sich schon die Befürchtung breit, dass ich etwas versprochen hatte, was ich nicht halten konnte und dass die Verträge aufgrund Unmöglichkeit der Leistungserbringung rückabgewickelt werden müssten. In Cochabamba in Bolivien startete ich einen letzten Versuch. Laden um Laden klapperte ich ab. Nichts. Museen? Vergebens. Kirchen und Klöster? Vergebens. Mein letzter Besuch galt der Touristeninformation an der Plaza Colón. Keine Postkarten. Aber ein Herr dort gab mir etwas Hoffnung: „Im Schreibwarenladen in den Arkaden an der Plaza 14 de Septiembre gibt es noch Postkarten. Glaube ich.“

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Ich fand den Laden, sah aber zwischen all den Notizblöcken, Landkarten und Geschenkpapier keine Postkarten. Schon ganz verzweifelt wagte ich die Frage: „Haben Sie vielleicht Ansichtskarten von Cochabamba?“ „Ja“, antwortete der Ladeninhaber, der allein im Laden war, „aber die sind schon etwas älter.“ Das mache gar nichts, erklärte ich erfreut.

Er stieg auf eine Holzleiter und kramte hinter einem alten Fernseher auf einem schiefen Holzregal eine kleine, braune Schachtel hervor. Offensichtlich hatte schon seit Jahren niemand mehr nach Postkarten gefragt. Als er sie öffnete, erblickte ich Zeugnisse einer Zeit, die ich selbst nicht erlebt hatte. Die Postkarten waren mehr als „schon etwas älter“.

Hier zum Beispiel die Postkarte, die den Flughafen von Cochabamba zeigt.

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„Diese Fluglinie gibt es nicht mehr“, erklärte er mir bedauernd und fragte, ob ich wisse, was für ein Fugzeugtyp abgebildet ist. Die Rückseite der Postkarte gibt leider keine Auskunft, nicht einmal über das Jahr der Aufnahme. Ich habe nicht viel Ahnung von Flugzeugen und fand erst bei der späteren Recherche heraus, dass es wohl eine Lockheed L-188 Electra war, die zuletzt 1961 produziert wurde, aber natürlich bis weit später in Betrieb gewesen sein konnten.

Die Postkarten stammen alle aus der gleichen Zeit, die ich auf die 1960er, spätestens 1970er schätze. Der Onkel des Schreibwarenhändlers hatte die Fotos selbst aufgenommen, und sein Neffe kann gar nicht erahnen, wie froh ich bin, dass er sie trotz wahrscheinlich jahrzehntelanger Unverkäuflichkeit aufgehoben hat.

Das ist La Paz:

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Das ist Copacabana am Titicaca-See.

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Er hatte noch wesentlich mehr Karten im Angebot, hauptsächlich mit Detailaufnahmen von Cochabamba. Wir gingen durch die ganze Kiste und ich erkannte etliche der Kirchen oder den Palacio Portales der Patiño-Stiftung, als ein junger Mann den Laden betrat und fragte, ob es hier tinta gäbe. „Was für Tinte?“ fragte der Ladenbesitzer. „Für eine Druckerpatrone.“ Fast beleidigt winkte der Schreibwarenhändler ab. „Nein, sowas haben wir nicht. Da müssen Sie zum La-Cancha-Markt gehen.“ Das ganze Geschäft ist noch in der Vergangenheit verhaftet, aber gut zu wissen, wo ich mein Tintenfass auffüllen kann.

Apropos La Cancha: Auch vom Markt gibt es natürlich eine Postkarte.

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Den hätte ich allerdings nicht erkannt. Jetzt stehen dort überall feste Buden und der Markt befindet sich aufgrund der Ausbreitung Cochabambas nach Süden mitten in der Stadt. Nur die Art der Waren und die Kleidung der Cholitas haben sich kaum verändert.

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Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass diese Postkarten die letzten ihrer Art sind und dass sie bei Auktionen bald Preise in schwindelnder Höhe erzielen werden. Jetzt zugreifen!

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