Büchermarkt in Belgrad

Ich beurteile Städte unter anderem danach, wieviele Buchläden es dort gibt. In der kurzen Fußgängerzone von Belgrad habe ich nicht nur mindestens vier Buchhandlungen entdeckt, sondern zusätzlich diesen Bücherflohmarkt.

book market

Und nach lektüremäßig entbehrungsreichen Balkanreisen ist es immer wieder schön, nach Belgrad zurückzukehren und im Zeitschriftenladen gegenüber dem Studentski Park die Süddeutsche Zeitung vorzufinden.

Veröffentlicht unter Bücher, Fotografie, Reisen, Serbien | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Ein romantischer Spaziergang

paar panzer kalemegdan

Fotografiert in der Kalemegdan-Festung in Belgrad, Serbien im Oktober 2014.

Veröffentlicht unter Fotografie, Militär, Reisen, Serbien | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Wo die Gondeln gebaut werden

Mitten in Venedig, zwischen all den prunkvollen Palästen, den Kirchen, Kathedralen und Museen stehen ein paar Holzschuppen, so deplatziert wie wenn sie erst heute morgen mit dem Zug aus Südtirol angekommen wären.

Es ist die Schreinerei, wo die Gondeln gezimmert werden.

Gondelschreinerei

So sehen sie fertig aus:

gondolas Venice

Veröffentlicht unter Fotografie, Italien, Reisen | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Durchgangsstädte

Wer öfter mit dem Zug unterwegs ist, kennt das: Es gibt bestimmte Bahnhöfe, an denen man immer wieder Halt macht, um umzusteigen, aber die dazugehörige Stadt lernt man nie kennen.

So haben ICE-Fahrgäste schon Millionen von Stunden in Fulda oder Kassel zugebracht, sind aber nie über den Bahnhof oder allenfalls die dazugehörige Kneipe hinausgekommen. Man hat meist nur eine Stunde Zeit oder ist auf dem Weg von der Arbeit oder der Fernbeziehung zu müde, um sich historische Altstädte anzusehen. Auf dem Weg von Amberg zur Universität in Regensburg und zurück bin ich hunderte Male in Schwandorf umgestiegen, aber weiter als bis zum Zeitschriftenladen kam ich während der ganzen Zeit nie.

In Rumänien erfüllt der Ort Războieni diese Funktion. Beim Studieren des Fahrplans der rumänischen Eisenbahn fiel mir immer wieder dieser Name auf. Egal ob von Târgu Mureș (deutsch: Neumarkt am Mieresch) nach Cluj (Klausenburg), von Timișoara (Temeschwar) nach Brașov (Kronstadt), von irgendwo sonst nach überallhin, jeder Zug, der das Land durchquert, fährt durch oder endet in Războieni. „Das muss ja eine wichtige Stadt sein“, dachte ich mir und freute mich auf die paar Stunden Aufenthalt, die mir der großzügige Fahrplan dort jedes Mal gwähren würde.

Burgen, Schlösser und Museen erwartend, sprang ich aus dem Zug, rannte durch die Bahnhofshalle und sah – nichts.

field Razboieni

Nur Felder, mit Raureif bedeckt. Ein einzelner Feldweg, an dessen Ende in ein paar Kilometern Entfernung ein Dorf lag. Das war also Războieni, der rumänische Eisenbahnknoten. Dass sich der Weg zu den paar Häusern am Horizont nicht lohnen würde, sah ich auch von hier. Ich drehte mich um, wieder dem Bahnhof zugewandt, und bemerkte erst jetzt dessen armseligen Zustand.

train station Razboieni

Ja, das Foto zeigt den Haupteingang.

Es gab keinen Kiosk, keinen Laden, keinen Getränkeautomaten. Links neben dem Bahnhofsgebäude stand ein Haus, das mal ein Wirtshaus gewesen sein könnte. Es war leer, tot und traurig anzusehen.

restaurant Razboieni

Ich ging in die Wartehalle (es war zu kalt, um draußen herumzustehen), wo schon einige Bahnkunden schliefen. Wenigstens hatte ich genug zum Lesen dabei.

Ähnlichen Duchgangscharakter haben Grenzorte. Wenn man von Rumänien nach Serbien fährt, steigt man kurz nach der Grenze in dem serbischen Ort Vršac um, den auszusprechen einem leichter fällt, wenn man sich an dem deutschen Namen Werschetz orientiert. Vršac ist zwar durchaus eine Kleinstadt (35.000 Einwohner), aber weil man nur eine Stunde Wartezeit hat und man dringend nach Belgrad will, hängt man meist am Bahnhof herum.

Dieser ist jedoch um vieles schöner und strahlt den Glanz des Habsburger- oder des jugoslawischen Königreichs aus. Auch tummelt sich hier die internationale Jugend, die ihre Ersparnisse oder ihr BAföG in die Erkundung des Kontinents gut investiert.

Vrsac train station

Auf der Rückfahrt nach Timișoara traf ich hier zwei Amerikaner, von denen einer kein Hotelzimmer für die Nacht und auch keinen Plan zur Beseitigung dieses Notstands hatte. Da ich schon ein Doppelzimmer gebucht hatte, nahm ich ihn kurzerhand mit und machte dann die ganze Nacht kein Auge zu, weil Tyler aus Tennessee schnarchte wie ein Bär.

Ob dieser Hund, der mein Gepäck beschnüffelte, zur Zollkontrolle gehörte oder einfach nur herrenlos herumspazierte, konnte nicht geklärt werden. Jedenfalls fand er nichts Interessantes.

Vrsac dog

Außerhalb des Bahnhofs steht die obligatorische alte Diesellok vor dem obligatorischen verfallenden Haus aus besseren Zeiten.

Vrsac train

Und dann hingen im Wartesaal noch Bilder von dem gleichen Zweck gewidmeten Orten aus aller Welt an der Wand, wie z.B. das Foto dieser auf den Zug wartende Familie aus Tunesien. Eindrücke aus der weiten Welt in einem verschlafenen Balkanstädtchen, wie wenn der Bahnhofsvorsteher von Vršac ausrufen will: „Wenn Ihr dämlichen Touristen schon keinen Tag in unserer Stadt verbringen wollt, dann hänge ich halt ein paar internationale Fotos auf!“

Vrsac Bir Bouregba

Und schon kommt der Zug nach Belgrad, und es geht weiter, an die Orte, die es aus einer Laune der Geographie oder der Geschichte zu Hauptstädten und Metropolen gebracht haben.

– – –

Habt Ihr auch so einen Ort, an dem Ihr jeden Tag oder jede Woche umsteigt, eine halbe Stunde verbringt, aber noch nie jenseits des Bahnhofs- oder Flughafengebäudes geblickt habt?

Veröffentlicht unter Fotografie, Reisen, Rumänien, Serbien | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hoffnungsvolle Enten

ducks

Leider hatten wir kein Futter für sie. Stattdessen wurden wir selbst schon langsam hungrig, so dass die Enten am Ende froh sein konnten, dass wir sie alle wieder von dannen ziehen ließen.

Fotografiert von meinem Bruder im Zentralpark in Klausenburg (Cluj-Napoca), Rumänien.

Veröffentlicht unter Fotografie, Rumänien | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Sonnenuntergang in Venedig

sunset1 sunset2 sunset3 vaporetto Venice water bus at night

Veröffentlicht unter Fotografie, Italien, Reisen | Verschlagwortet mit , | 6 Kommentare

Ein Palast für die Kranken, Siechen und Lahmen

„Kein Hotelzimmer mehr frei? Kein Problem, ich gehe gerne ins Krankenhaus“, könnte man in Venedig zu sagen geneigt sein, wenn man das örtliche Krankenhaus kennt.

Krankenhaus

Und das ist nur der Hintereingang. Zum Vordereingang wird der verwunde(r)te Besucher mit dem Boot gebracht.

Ambulanza ambulance boat Venice

Veröffentlicht unter Fotografie, Italien, Reisen | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

Die engen Gassen von Venedig

Wenn nur nicht ständig dieses dämliche Hochwasser wäre, jedes Mal wenn ich in Venedig bin!

Gasse1 Gasse2 Gasse3 Gasse4 Gasse6

Veröffentlicht unter Fotografie, Italien, Reisen | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Kuba, bevor die Amerikaner kommen

Sobald ich meinen bevorstehenden Umzug nach Lateinamerika bekanntgegeben hatte, trudelten die unerbetenen Ratschläge ein. Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie, waren dabei aber so wortgleich, wie wenn sie ein und demselben Drehbuch entstammten: „Schau Dir Kuba an bevor die Amerikaner kommen!“

Diese Warnung ist die Fortsetzung der Verklärung der einzigen Diktatur in der westlichen Hemisphäre, die trotz Zensur, Unterdrückung, Haft und Ausreiseverboten immer nur Bilder von alten (wohlgemerkt US-amerikanischen) Straßenkreuzern, Palmen, Zigarren, verfallenen Häusern und tanzenden Menschen heraufbeschwört. Ich habe sie satt, diese Hochglanzberichte aus Havanna, die ein Paradies vorgaukeln, während Regimegegner und Journalisten in kubanischen Gefängnissen schmoren. Das Lesen von Zeitungen und Büchern oder das Verfolgen der Nachrichten gehört anscheinend nicht mehr zum Rüstzeug der Karibikreisenden. Reisen bildet? So nicht!

Wenn ich bei den Unkenrufern nachfrage, was sie konkret von einer Öffnung Kubas befürchten, kommt fast genauso einstimmig die Antwort: „Dann eröffnet in Havanna bald ein McDonalds.“ – Oh Schock! Das wiegt natürlich schwerer als Meinungsfreiheit, Reisefreiheit und Gewaltenteilung. Soweit ich weiß, wird in keinem Land, in dem es McDonalds gibt, irgendjemand gezwungen, dort zu essen.

Die kulinarischen Pessimisten nehmen im Endeffekt das Leiden einer fremden Bevölkerung in Kauf, um ihre eigenen Wünsche nach einem in vergangenen Zeiten gefangenen Museumseiland zu befriedigen. Mit der gleichen Argumentation hätte man 1989 einem der Ostblockländer den Weg zu Demokratie, Freiheit und Wohlstand versagen können. (Der DDR wegen der kultigen FKK-Strände? Rumänien wegen der putzigen Waisenkinder?) Vielleicht könnte man für Besucher aus Übersee eines der sowieso zu zahlreich vorhandenen Bundesländer in einen NS-Staat zurückverwandeln. Sachsen-Anhalt böte sich jetzt an.

Der Zweck von Menschen ist es doch nicht, zur Erbauung gelegentlicher Besucher oder Betrachter von Fernsehdokumentationen arm und unfrei zu bleiben.

Selbst den Kuba-Apologeten sollte zu denken geben, dass sowohl die kubanische Regierung als auch die Bevölkerung die Annäherung zwischen Kuba und den USA begrüßen. Die Castros selbst hatten das seit Jahrzehnten gefordert. Die Menschen in Kuba feierten, als sie die Mitteilung von Präsident Obama über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen vernahmen.

US Cuba

Der Drink Cuba Libre hat einen gehörigen Anteil an Cola. Schaden tut ihm das nicht.

(Dieser Artikel wurde auch im Freitag veröffentlicht. – Read this article in English.)

Veröffentlicht unter Kuba, Politik, Reisen, USA | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Warum Osteuropa nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen kann

Liebe Westeuropäer,

wie es scheint, seid Ihr ein bißchen sauer über unsere mangelnde Bereitschaft, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Es wäre schade, wenn darüber unsere Partnerschaft zerbräche, also gestattet uns bitte, Euch die Lage mal aus osteuropäischer Perspektive darzustellen. Wir sind uns sicher, dass Ihr uns besser verstehen werdet, wenn Ihr Euch mal unsere Argumente anhört.

Erstens: Wir haben wirklich keinen Platz. Wir sind winzige Länder. Die meisten Menschen würden Litauen oder die Slowakei nicht einmal auf der Landkarte finden. Wie sollen uns also die armen Flüchtlinge finden? Was hören wir Euch antworten, „große ungarische Tiefebene“, „Polen ist das sechstgrößte Land in der EU“? Naja, Polen kann man nicht wirklich zählen, weil das Land die schlechte Angewohnheit hat, immer mal wieder große Teile seines Territoriums zu verlieren.

Zweitens: Wir sind schon voll. Unsere Häuser und Wohnungen sind so rappelvoll, dass nicht einmal eine zusätzliche Katze reinpassen würde. Wir wissen nicht einmal, wo wir unsere eigene Bevölkerung unterbringen sollen!

Eastern Europe shrinking population

Eastern Europe shrinking cities

Oh. Naja, das sind aber Zahlen aus der Vergangenheit. In Zukunft wird unsere Bevölkerung dramatisch wachsen, weil wir an die patriotischen Pflichten unserer jungen Frauen appellieren. Was, unsere jungen Frauen sind schon alle nach Westeuropa und Amerika abgehauen? Verdammt. (10 der 11 Länder, für die bis 2050 der größte Bevölkerungsschwund – bis zu 50% – vorhergesagt wird, liegen in Osteuropa.)

Na also, da seht Ihr es! Wir sind Experten in Auswanderung, nicht in Einwanderung. Ihr könnt doch nicht erwarten, dass wir plötzlich umschwenken und etwas ganz Anderes machen. Das würde zu dramatischen Umwälzungen in unserer Gesellschaft führen. Es wäre so, wie wenn man eine kommunistische Planwirtschaft von einem Jahr zum nächsten in eine marktwirtschaftliche Demokratie überführen würde. Verrückt! So etwas würde nie und nimmer funktionieren.

Drittens: Unsere Sprachen sind fast unlernbar. Niemand hat jemals Ungarisch gemeistert. Litauer sind stolz darauf, eine Sprache zu haben, die niemand anders erlernen kann. Es wäre unfair, von den Flüchtlingen das Erlernen einer so schweren Sprache zu verlangen, wenn sie stattdessen nach England oder Italien mit ihren simplen Sprachen ziehen könnten. Oder nach Malta, dort spricht man schon Arabisch.

Viertens: In unseren Wäldern gibt es Bären. Es ist wirklich nicht sicher hier, wahrscheinlich sogar gefährlicher als in Syrien.

Fünftens: Wir sind zu kalt. Nein, nicht wir als Menschen, das Klima meinen wir. Habt Ihr Doktor Schiwago gesehen, mit all dem Schnee? Ja, genauso sieht es hier aus. Ihr könnt doch nicht ernsthaft von Wüstenmenschen erwarten, dass sie sich in Sibirien ansiedeln. Nein, wir haben nichts davon gehört, dass Norwegen und Schweden Hunderttausende von Flüchtlingen aufnehmen. Außerdem ist deren Schnee nicht so kalt wie unserer. Und wir glauben auch nicht, dass Doktor Schiwago Ägypter war. Und selbst wenn, dann habt Ihr ja gesehen, wie unglücklich er in Osteuropa war.

Sechstens: Die meisten Flüchtlinge sind Muslime. Wir besaufen uns jeden Tag mit Wodka, Pálinka, Rakija und Slivovitz. Das würde die Gefühle der Flüchtlinge beleidigen, so dass es besser ist, sie weiter in alkoholfreie Länder wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien zu schicken, wo sie nicht ständig mit Bier und Wein konfrontiert werden.

Siebtens: Wenn Ihr die Wahrheit wissen wollt, wir sind entweder aufrichtig ausländerfeindlich und rassistisch oder wir sind einfach wirklich schlecht im Aufbauen von funktionierenden Staatswesen. Wir sind deshalb besorgt, dass uns die Wähler an unseren Misserfolgen in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Bildung, Gesundheitswesen und anderen komplizierten Dingen messen. Dagegen ist es viel einfacher, Familien, die gerade erst der Hölle des Krieges entkommen sind, zu beleidigen und sie alle als Terroristen zu brandmarken. Sie sind so ausgezeichnete Sündenböcke, diese Neger mit Namen wie Mohammed oder Ali. (Wenn sie nur nicht so süße Kinder mit Lockenköpfen hätten, das macht unsere Demagogie nicht einfacher.)

Und zu guter Letzt, habt Ihr mal gesehen wie wir unsere eigenen Roma-Minderheiten behandeln? Wenn wir selbst unseren eigenen Bürgern die Grundversorgung mit Wasser, Abwasser, Straßen oder Schulen verweigern, wie könnt Ihr dann von uns erwarten, dass wir das für Ausländer tun?

Wir hoffen, dass Ihr ein Verständnis unserer absolut nachvollziehbaren Beweggründe bekommen habt, aus denen wir jegliche Solidariät, Hilfe, Mitgefühl und Menschlichkeit verweigern.

Solidarność,

Eure Osteuropäer

PS: Die nächste Rate aus dem Strukturfonds ist am kommenden Montag fällig. Bitte stellt die rechtzeitige Überweisung sicher!

(To the English version of this article.)

Veröffentlicht unter Europa, Litauen, Polen, Politik, Rumänien, Ungarn | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare