Reizüberflutung am Bahnhof

„Entschuldigen Sie“, spricht mich eine ältere Frau an, „wo geht es denn hier zu den Bahnsteigen?“

Eine auf den ersten Blick absurde Frage. Denn wir stehen im Hauptbahnhof zu Nürnberg. Mitten in der großen Halle.

Aber dann blicke ich um mich und erkenne, dass es für Nichteingeweihte tatsächlich schwierig ist, die dem Bahnhof seine Existenz- und Daseinsberechtigung gebenden Schienenstränge und die darauf hoffentlich noch wartenden Züge zu finden, weil der Bahnhof vor lauter Kommerz und Geschäften und Business und Offerten und Angeboten und Discount nur so glitzert und ablenkt und die unschuldigen Passagiere mit hunderterlei Reizen überflutet, die vom eigentlichen Zweck des Bahnhofsbesuchs ablenken sollen.

Treppe hoch: Da gibt es Mc Donald’s, Kentucky Fried Chicken, eine Spielhalle, den Burger King, eine Sport-Bar (die eher eine Sport-im-Fernseh-anschau-Bar ist), ein Café, eine noch dubiosere Bar, wo man nicht hinter die Vorhänge blicken kann (und eigentlich gar nicht will), die Drogerie Müller, ein Nagelstudio, aber keine Bahnsteige, keine Gleise, keine Züge.

Treppe runter: Da gibt es Bäckereien, Brauereien, Brezelbuden bis zum Abwinken, eine Textilreinigung, eine Bank, einen Autoverleih (für die Reisenden, die die Suche nach dem Zug aufgegeben haben), einen Blumenladen, Döner-, Asia-, Mittelmeer-, Fisch- und sonstige Imbisse, einen Zeitschriftenladen, eine Buchhandlung, ein Zigarrengeschäft, eine Pizzeria, ein paar Bars, ein Kosmetikstudio, eine Metzgerei, den REWE, den Lidl, den Tschibo, aber keine Bahnsteige, keine Gleise, keine Züge.

Es ist fast so, wie wenn die Deutsche Bahn AG ihre Großbahnhöfe nur mehr zur Immobilienspekulation betreibt und die angeblichen Züge, die genauso potemkisch zu sein scheinen wie anderswo die Panzerkreuzer, nur dazu dienen, zahlungskräftige Menschen in ein Labyrinth zu locken, aus dem sie nie mehr herausfinden und am Ende all ihr Geld, mit dem sie eigentlich eine Weltreise mit der Eisenbahn finanzieren wollten, beim Döner-Imbiss lassen. Dabei wäre es, wenn man denn einen Zug fände, angesichts der dramatisch gestiegenen Dönerpreise (6-10 Euro!) wahrscheinlich günstiger, zum Mittagessen gleich nach Saint-Tropez zu fahren.

Und selbst wenn man (ebenerdig, Westtunnel) die Schließfächer findet und sich vor diesem Marktwirtschaftswahnsinn wegsperren will, so kostet das 2 Euro die Stunde.

In diesem Konsum- und Kommerztempel mit 20.000 Quadratmetern und über 150.000 durchgeschleusten Fahrgästen täglich gibt es übrigens (im Obergeschoss, zwischen Kentucky Fried Chicken und den – kostenpflichtigen – Toiletten) acht kostenlose Sitzgelegenheiten. Acht! In einem der größten und wichtigsten Bahnhöfe Deutschlands. Noch dazu ekelhaft unbequeme Metallbänke. – Denn sitzen soll hier anscheinend nur, wer kauft und konsumiert. Wer kein Geld hat, ist kein Mensch. (Und dann wundert sich die Bahn, wenn ich lieber zum Güterbahnhof gehe und auf einen Frachtzug klettere.)

Außerdem sind die Bahnhöfe in Deutschland immer arschkalt.

Dabei geht es auch anders, wie jeder Bahnweltreisende weiß. Von großzügigen Wartehallen in Kanada, wo es auch im Winter wohlig warm ist und einem die Eisenbahnangestellten Bonbons schenken,

bis zu majestätischen Wartehallen wie in Kiew, wo es warme Suppe und einen Ofen in der Ecke gibt, der signalisiert: „Hier bist du willkommen, Reisender, lass dich nieder, ruh dich aus, fühl dich wie zuhause.“

Oder man nehme als positives Gegenbeispiel den Bahnhof von Baia Mare in Rumänien, wo einen keinerlei Kommerz bedrängt und wo es für die durch- und abreisenden Studenten sogar Schreibtische gibt, an denen sie während der Wartezeit promovieren können.

Das einzig frivole Angebot ist der Bahnhofsfriseur, bei dem man sich im Falle von Verspätungen die Zeit vertreiben kann. Das ist praktisch, denn in Rumänien sind die Züge oft so verspätet, dass man sonst mit vollkommen anderer Frisur und Vollbart nach Hause käme. Außerdem kann man so, wenn man auf der Flucht vor dem Geheimdienst ist, rechtzeitig sein Äußeres verändern.

Am Bahnhof von Breslau in Polen gibt es nicht nur einen Warteraum mit warmen Getränken und Spielzeug für Kinder, sondern sogar eine öffentliche Bibliothek!

Wenn die Deutsche Bahn sich so etwas erlauben würde, dann stünden ihre Ladenmieter erbost vor der Tür und würden sich darüber beschweren, dass man Menschen kostenlos Lesestoff, einen Sitzplatz, Wärme, Strom und eventuell sogar noch die Luft zum Atmen lässt, obwohl sich doch mit alledem Geld verdienen ließe. Wo soll das hinführen?!

Aber, liebe Deutsche Bahn AG, es gibt Wichtigeres im Leben als Geld.

Ich habe die alte Frau am Bahnhof in Nürnberg dann persönlich zum Gleis geführt. Hoffentlich wird sie im Zug nicht von Supermärkten, Ferienwohnungsverkäufern, Lottoannahmestellen und Versicherungsvertretern belästigt.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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31 Antworten zu Reizüberflutung am Bahnhof

  1. Anke schreibt:

    Bahnhöfe, so austauschbar wie die Einkaufsgalerien der Großstädte, wirklich traurig.
    Auch in Mailand war ich im Sommer froh, genug Aufenthalt zu haben, um die Toiletten zu finden, und danach die Gleise. Die kreative (ich sage konfuse) italienische Art von Ausschilderungen tat dort über den Kommerz hinaus ihr Übriges.
    Schön, dass es anderswo noch anders geht.

    • Andreas Moser schreibt:

      In Italien erinnere ich mich positiv an den Bahnhof von Taormina (Sizilien), nicht nur weil er so hübsch ist, sondern weil er auch eine kleine Ausstellung mit Ausgrabungsstücken hat.

      Ansonsten habe ich in Italien immer den Eindruck, dass alle (Provinz-)Bahnhöfe gleich – und sehr stark nach der Architektur des Faschismus – aussehen.

    • Anke schreibt:

      Eine Ausstellung ist eine gute Initiative. Um die Wartezeit zu überbrücken, schauen da bestimmt mehr Menschen, als ins Museum gehen würden. So ging es mir zuletzt am Dresdener Flughafen. Der ist immer so leer, dass ich fürchte, er wird irgendwann noch geschlossen. Angesichts der gähnenden Langeweile, ohne Geschäfte (die mich aber auch nicht interessieren täten), schaute ich mir mehrmals die ausgestellten Aquarelle Dresdner Hobbykünstler an.
      Die Architektur des Faschismus ist tatsächlich sehr dominant. Damals, so könnte man argumentieren, hat eben einer für Arbeit gesorgt, die Infrastruktur ausgebaut und Bleibendes geschaffen. Leider auch in manchen Köpfen.

    • Andreas Moser schreibt:

      Wenn ich die Architektur von der Zeit lösen kann, finde ich sie auch gar nicht so schlecht. Quadratisch, praktisch, gut, wie gemacht für Bahnhöfe.

      Und es kann ja nicht jeder Ort einen Bahnhofspalast wie Leipzig, Breslau oder Iasi haben.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ob die Schließung des Flughafens in Dresden so schlimm wäre? 😛
      Die paar Flüge von/nach dort rentieren sich wohl wirklich kaum. Und bis auf die Inseln kommt man zu den meisten Zielen doch fast genauso schnell mit dem Zug oder per Anhalter.

    • Anke schreibt:

      Für uns schon. 😉 Wir haben praktisch nur im August Ferien, aber einen Teil der Familie dort. Solange meine Mutter noch lebt, möchte ich zwischendurch auch mal kurz übers Wochenende hinkönnen.
      Ansonsten stimme ich dir natürlich zu. Ein für Dresden lukratives Geschäft, die Flüge von und nach Moskau, sind auch weggefallen, da müssen sie schon kämpfen.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich habe den deutschen Regionalflughäfen schon einmal eine Wette angeboten, dass ich mindestens die Hälfte der von ihnen angeflogenen Ziele günstiger auf dem Land- und Seeweg als durch einen Flug (mit Gepäck) erreichen kann.
      Ist aber keiner darauf eingegangen.

    • Anke schreibt:

      😂👍

  2. Uwe Zimmer schreibt:

    Hallo Herr Moser,

    seit ein paar Monaten verfolge ich Ihre Reportagen, die mir meistens gut bis sehr gut gefallen. Alle Achtung!

    Und gerade die letzten beiden gefallen mir sehr gut. Die heutige über den Bahnhof in Nürnberg und andere Bahnhöfe dieser Welt – wirklich gut und treffend geschrieben. Zumal wir kürzlich in Nürnberg waren (30.11./01.12.) und genau diesen Bahnhof vorgefunden haben. Uns ist es möglicherweise gar nicht mehr bewusst, wie reizüberflutet unsere Welt (nicht nur die Bahnhöfe!) sind. Ich kann mich aber noch an die Zeit der 1960er Jahre (meine Kindheit) erinnern, wo man noch eine Karte für den Bahnsteig brauchte. Und für mich als damals kleinen Jungen war es eine dolle Sache, wenn ich mich auf die große Waage stellen konnte, die dann auch eine Karte mit dem genauen Gewicht ausgespuckt hat, kostete 10 Pfennig, wenn ich es recht erinnere.

    Hervorragend finde ich auch Ihren Beitrag über die Nichtsesshaften Randgruppen und den Zusammenhang zwischen Nichtsesshaftigkeit und Armut sowie den Teufelskreis aus Armut und Repression. Ich kann mich auch noch gut an die 1960er Jahre erinnern, wenn Zigeuner im Dorf unterwegs waren. Dann hieß es stets macht das Tor zu und schließt die Türen, denn „die betrügen und stehlen“. Ansonsten standen bei uns tagsüber immer alle Türen offen …
    Glücklicherweise bin ich mit 17 Jahren vom Dorf mit 120 Einwohnern in die ganz große Stadt Frankfurt am Main gekommen und konnte mir über die Jahre und Jahrzehnte ein eigenes Bild von „dieser unserer Welt“ machen.

    Ich wünsche Ihnen noch viele interessante Begegnungen und Orte, achten Sie auf sich und bleiben Sie gesund!

    PS: Interessant finde ich den Ansatz des Equilibrismus, deren prominentester Vertreter wohl Peter Ustinov war (leider schon verstorben).

    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe J. Zimmer

    Uwe J. Zimmer
    Steuerberater

    Kirchstr. 6
    36039 Fulda
    Fon: 0661 – 380 894 – 0
    E-mail: info@stb-suz.de

    • Andreas Moser schreibt:

      Vielen Dank, Herr Kollege! (Wenn ich die rechts- und steuerberatenden Berufe mal großzügig zusammenfassen darf.)

      Ja, ich glaube tatsächlich, dass vielen nicht mehr bewusst ist, dass es auch anders geht. Dabei muss man, wie die wenigen Beispiele zeigen, gar nicht sooo weit fahren, um zu sehen, was man alles anders (natürlich nicht unbedingt immer besser) machen kann.

      Ich bin auch dagegen, eine Dichotomie zwischen Kapitalismus und Kommunismus aufzumachen, wie wenn es zwischen Wall Street und Gulag gar nichts gäbe.
      Und gerade im öffentlichen Raum und bei der öffentlichen Daseinsfürsorge finde ich, dass nicht alles kommerzialisiert werden muss. Es ist auch in Ordnung, wenn Leute einfach mal (meinetwegen unproduktiv und ohne Beitrag zum BIP) zusammensitzen und reden.

    • Andreas Moser schreibt:

      Oh, und so etwas wie Bahnsteigkarten gibt es noch auf dem Busbahnhof von Podgorica in Montenegro.
      Kostet einen Euro (Montenegro hat ja einfach frech und frei den Euro eingeführt, ohne in der EU zu sein), und dafür bekommt man einen Jeton, mit dem man durch das Drehkreuz zu den Abfahrtssteigen gehen kann.

      Ich fand das eigentlich ganz praktisch, weil so viele der sonst nervigen Abschiedsszenen mit Tränen und Blumen oder Flüchen und Verwünschungen wegfallen. So groß sind Liebe oder Verzweiflung dann doch nicht, dass man einen Euro extra bezahlt.

  3. sinnlosreisen schreibt:

    Reizüberflutung? Ich bin seit zwei Tagen in Delhi und habe dieses Wort jetzt mit neuer relativierter Bedeutung belegt. Oh Mann, ich wusste gar nicht, dass es so viele Menschen gibt.

    • Andreas Moser schreibt:

      Da bin ich gespannt auf deine Berichte!
      Trotz großem Interesse habe ich mich genau deswegen bisher noch nicht nach Indien getraut. Da muss ich mal in ganz besonderer Stimmung sein, um so viele Menschen und den Trubel auszuhalten.

      Aber Delhi hat einen schönen Bahnhof, habe ich zumindest mal in einem Film gesehen. Sieht von außen aus wie eine Kopie des Breslauer Bahnhofs.

    • sinnlosreisen schreibt:

      Das ist wohl Old Delhi Railway Station. Daneben hat Delhi noch fünf oder sechs weitere Bahnhöfe. Ein Alptraum für Introvertierte 😱

    • Andreas Moser schreibt:

      Danach brauchst du erst einmal Urlaub!

  4. Richard Hebstreit schreibt:

    Ist Budapest Keleti pályaudvar auch schon so verhunzt?

    • Andreas Moser schreibt:

      Budapest Keleti ist noch immer schön!
      Da gibt es natürlich auch Läden, ist ja auch sinnvoll, aber halt im normalen Rahmen. Einen Pizzastand, einen Zeitungsladen, u.s.w.
      Es ist ganz eindeutig Bahnhof geblieben und nicht zur Shopping-Mall geworden.

      Budapest Kelenföld hingegen hat eher ein kaltes U-Bahn-Feeling.

  5. Andreas Moser schreibt:

    Hier gibt es aktuelle Bilder aus der mondänen Wartehalle in Kiew, die jetzt zu einer Aufwärmhalle umfunktioniert wurde:

  6. Kain Schreiber schreibt:

    Cooler Einblick in die Welt der Bahnhöfe, die ich nicht wirklich kenne, da ich meist Auto fahre…

    • Andreas Moser schreibt:

      Wobei es durchaus Bahnhöfe gibt, deren Besuch auch aus architektonischem Interesse ans Herz zu legen ist.
      Leipzig ist zB, obwohl es auch ein bisschen shopping-mallisiert wurde, ein Prachtstück, das nur in New York ebenbürtige Kollegen findet.

    • Kain Schreiber schreibt:

      Leipzig ist ein cooler Bahnhof, den ich – ausnahmsweise – kenne. Ich hab auch schon mal in einer Dokumentation gehört/gelesen, dass er nur mit irgendeinem New Yorker – ich vermute, dort gibt es mehr als einen – vergleichbar wäre.
      allerdings finde ich ihn heutzutage auch zu reizüberflutend.

    • Andreas Moser schreibt:

      Das ist die Grand Central Station, bekannt aus Dutzenden von Filmen:

      Ich war da mal, konnte mir aber keinen Zug, sondern nur einen Greyhound-Bus nach Washington leisten.
      Das war Anfang August 2008, und ein paar Tage vorher war in einem Greyhound-Bus jemand geköpft worden. Aber ich hatte Glück und kam mit Kopf und allem drum und dran in der Hauptstadt an.

  7. danysobeida schreibt:

    „La única oferta frívola es la peluquería de la estación de tren, donde puedes pasar el tiempo en caso de retrasos. Esto es práctico, porque en Rumania los trenes a menudo llegan tan tarde que, de lo contrario, regresarías a casa con un peinado completamente diferente y una barba poblada. Además, si está huyendo del servicio secreto, puede cambiar su apariencia a tiempo“.

    Tan divertido como interesante, que contrastes de estación a estación en lo que nosotros los americanos imaginamos Europa el ojo crítico de un viajero experto, me han encantado las estaciones de Rumanía y Polonia.

    • Andreas Moser schreibt:

      En Sudamerica, me parece que muchos estaciones de tren tambien funcionan como museuos.
      Eso he visto por ejemplo en Sucre y en Tacna.
      Y la estacion de tren en Cochabamba sirve como parte del mercado La Cancha, al menos en los dias cuando no hay trenes. (Que es la mayoridad del mes, lamentablemente.)

    • danysobeida schreibt:

      La cancha no cambiará y eso aunque no sea propicio para la movilidad urbana, es un medio de vida para miles de personas que han encontrado su fuente de sustento en el sector terciario informal, pero el tren si, Cochabamba como el resto de países del mundo esta siguiendo las directivas de las políticas globales para reactivas sistemas de transportes mas amigables con el clima. Mira: https://es.wikipedia.org/wiki/Mi_Tren

    • Andreas Moser schreibt:

      Mi querido Cochabamba siempre a la vanguardia del progreso!
      Qué buenas noticias. Y la linea amarilla pasa tan cerca de mi ex-casita en Cala Cala (cerca del estadion).
      Pues, una razón más para volver a la ciudad más amable del mundo!

  8. Kasia schreibt:

    Das Mindeste, was es in den Warschauer Bahnhöfen gibt, sind ausreichend Sitzplätze und eine warme Küche (Piroggen und Co.) Es scheint dort selbstverständlich zu sein, dass wartende Menschen sitzen wollen. In Deutschland steckt hinter dem System eine ausgeklügelte Taktik: lässt man die Bahnhofshalle kalt und leer, ohne die Möglichkeit, sich niederzulassen, dann bleibt einem ja fast keine Wahl mehr, als sich die Wartezeit in einem oder mehreren der diversen Konsumpaläste zu vertreiben. So kurbelt sich die Wirtschaft praktisch von alleine an.

    • Andreas Moser schreibt:

      In manchen Städten (nicht nur in Deutschland, vor allem in Nordamerika und Großbritannien habe ich das gesehen) habe ich den Eindruck, die gleiche Politik wird bei der Gestaltung des öffentlichen Raums betrieben:
      Wo einst große, grüne Parks mit Dutzenden, ja Hunderten von Bänken waren, ist jetzt eine kahle Betonfläche, so dass man in die umliegenden Cafés und Fischsemmelbuden getrieben wird.

      Zum Glück gibt es noch Friedhöfe als Rückzugsorte. Ich gehe dort mittlerweile oft zum Essen und zum Rauchen hin. (Wenn gerade keine Beerdigung ist.)
      Bisher hat es noch niemanden gestört. Einmal, in Berlin, hat sich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu mir gesetzt und hat mich nur – wirklich freundlich – daran erinnert, dass das Rauchen dazu führt, dass ich schneller bei denjenigen lande, die um uns herum unter der Erde liegen.

      Ich glaube, als nächstes kommen automatische Stromschläge durchs Telefon, wenn man in den vergangenen 60 Minuten noch nichts gekauft hat.

  9. danysobeida schreibt:

    Muy buenas razones.

  10. Pingback: The most beautiful city in Germany that you have never heard of | The Happy Hermit

  11. Andreas Moser schreibt:

    Ich habe jetzt ein Interview mit Meinhard von Gerkan, dem stolzen Erbauer des potthässlichen Berliner Hauptbahnhofs gehört.
    Zur Begründung, warum es dort kaum Sitz- und Verweilmöglichkeiten gäbe, sagte er: „Die Leute brauchen das nicht mehr, weil die Züge so pünktlich sind.“

    Man merkt, dass er allenfalls von A nach B fuhr, aber nie umsteigen oder mal eine Nacht am Bahnhof verbringen musste

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