Eiskalt, aber romantisch

Die Kurische Nehrung ist eines der beliebtesten Ziele für Litauen-Reisende. Zurecht! Aber fast alle Besucher kommen in den Sommermonaten, wenn man schwimmen, sich am langen Sandstrand bräunen oder in den kühlenden Kiefernwäldern Zuflucht finden kann.

Ich war auch mal im Februar dort. Es war bitterkalt. So kalt, daß die Lagune zugefroren war und man auf dem Eis spazieren gehen konnte. Ja, es fuhren sogar Autos über den zugefrorenen Teil des Meeres.

Ich konnte nur wenige Stunden draußen bleiben und mußte mich dann immer wieder in meiner Unterkunft aufwärmen, bevor ich wieder eine oder zwei Stunden der Kälte trotzen konnte.

Aber es war schön.

bench snow

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Fahrraddiebstahl in Italien

Meine Mitbewohner in Bari schleppen ihre schweren Fahrräder täglich in den zweiten Stock, was ich immer als übertrieben ängstlich abtat.

Aber dann sah ich, wie arg es hier mit dem Diebstahl von Fahrrädern bestellt ist. Sehen Sie sich diese Diebesbanden an, die gleich ein Dutzend Fahrräder abtransportieren. Das ist organisierte Zweiradkriminalität. Und das Schlimmste: Die Polizei steht tatenlos daneben.

bicycle theft

(Fotografiert während des Giro d’Italia 2014 in Bari.)

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Ist das Kino noch offen?

Manchmal gibt mir der Wegweiser zu einem Ort schon den Eindruck, dass der Ort gar nicht mehr existiert.

cinema Matera

(Fotografiert in Matera in Italien.)

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Die WG-Diät

Wenn Ihr ein paar Kilos abnehmen wollt, braucht Ihr Euch jetzt nicht mehr mit Kohlehydrat-, Protein-, Wasser-, Fleisch- oder anderen halbwissenschaftlichen Diätschwindeleien herumschlagen.

Ich habe den garantierten Weg zur Gewichtsabnahme gefunden und nenne ihn die WG-Diät.

Diese Diät besteht aus zwei einfachen Schritten:

fridge full(1) Zieht in eine Wohngemeinschaft. Je mehr Mitbewohner, desto besser. Wenn Du einziehst, wird der Kühlschrank schon proppenvoll sein und kein Platz für Deine eigenen Lebensmittel mehr frei sein (so meine derzeitige Erfahrung).

Dadurch wirst Du keine Lebensmittel mehr kaufen und konsequenterweise auch nichts mehr essen.

(2) Vermeide, diesen Ausfall durch Pizzas, Döner und ähnliches Fast Food zu kompensieren.

– – –

Ich befinde mich noch in Phase (1).

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Ist das nicht ironisch? (8) Holger Apfel

Der spätere NPD-Vorsitzende Holger Apfel im ZDF-Morgenmagazin vom 14. September 2005:

„Wir wollen, daß die in Deutschland lebenden Ausländer in ihre Heimat zurückgeführt werden.“

Das war noch eine der zivilisierter ausgedrückten Forderungen des rechten Hetzers, der ansonsten alle Ausländer, von Ausländern abstammende Deutsche, Dunkelhäutige und Nicht-Christen mit allerlei Beleidigungen betitelte. Bei seinen Anhängern blieb es infolge dessen nicht nur beim Beleidigen, sondern es kamen Pöbeln, Brandschatzen, Zusammenschlagen und Morden hinzu.

Jetzt ist der ach so deutsche Holger Apfel ausgewandert und lebt und arbeitet in Spanien. Der Ausländerfeind ist jetzt selbst ein Ausländer. Der Hetzer gegen Migration ist ein Migrant. Ein Wirtschaftsflüchtling, der den Spaniern die Arbeitsplätze wegnimmt.

Holger Apfel Mallorca

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Abhängig vom russischen Gas

– Verdammt! Hätten wir mal in den letzten 20 Jahren besser diversifiziert. Jetzt sind wir abhängig von Öl und Gas wie ein Junkie.

– Und das ist das Allerletzte, was wir jetzt in der Ukraine-Krise brauchen können.

– Dieses verfluchte Gas bindet uns praktisch die Hände. Stell Dir vor, was wir in der Ukraine alles anstellen könnten, wenn wir nicht so rohstoffabhängig wären.

– Ich könte mir in den Arsch beißen vor Wut darüber, daß wir keine alternativen Pipelines gebaut haben. Wenn wir das Risiko gestreut hätten, könnten wir uns unsere Vertragspartner jetzt aussuchen. Und sie vielleicht sogar ein bißchen gegeneinander ausspielen. Aber so!

– 39 Prozent! 39 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs wird aus Russland gedeckt.

– Die haben uns in der Hand!

– Und wir haben uns nie etwas dabei gedacht, nur weil sie immer „vertragstreu“ waren. Selbst zu Zeiten des Kalten Kriegs lief das Gas Tag und Nacht durch die Pipelines.

– Schalt mal den Fernseher an! Zeit für die Tagesschau.

… hieß es aus Brüssel, daß man den Konflikt in der Ukraine nicht anheizen wolle … keine Mehrheit für härtere Sanktionen gegen Russland … deutsche Industrie will weiterhin in Russland investiert bleiben …

– Wir haben mehr Glück als Verstand.

– Trotzdem ist mir nicht wohl dabei: 80% unserer Exporte entfallen auf Rohstoffe, das meiste davon in die EU. Wenn die das mal ausnützen, sind wir schneller pleite als Gorbatschow es war.

– Aber wir haben wenigstens unsere Häuser in London!

Beide lachen.

– Wenn die in Brüssel sich nur einmal einigen wären…

Jetzt können sich die beiden Mitglieder des Gazprom-Vorstandes vor Lachen kaum noch halten.

Russian_Export_Treemap_(2011)

Ich verstehe dieses Gerede von der wirtschaftlichen Abhängigkeit der EU von Russland nicht ganz. Ein Vertragspartner hat einen Haufen Geld, der andere hat schwarzen Schleim, der aus dem Boden kommt. Man würde doch denken, daß der mit dem Geld wesentlich mehr Möglichkeiten hat, es zu verwenden, und damit am längeren Hebel sitzt.

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Leicht zu verwechseln (22) Bauprojekte

Bauprojekte, die innerhalb von 10 Jahren fertiggestellt wurden:

  • suez-canal-constructionZwischen 1859 und 1869 wurde ein 162 km langer Kanal für den Schiffsverkehr durch die ägyptische Wüste getrieben, um Mittelmeer und Rotes Meer zu verbinden. 24 m tief, bis zu 345 m breit. Ein Teil des Aushubs erfolgte von Hand, mit bis zu 34.000 Arbeitern mit Binsenkörben. Der Bau fand fernab jeglicher Städte statt, Material und Werkzeuge mußten mit Kamelen und einer eigens errichteten Eisenbahn antransportiert werden.
  • Vor 100 Jahren wurde der Panamakanal fertiggestellt, der auf 82 km den Atlantik und den Pazifik verbindet. Die letztendliche Fertigstellungsphase dauerte trotz enormer geologischer Schwierigkeiten und Malariaepidemien nur von 1906 bis 1914.

Bauprojekte, die nach 10 Jahren Bauzeit immer noch nicht fertiggestellt sein werden:

  • Bau eines normalen Flughafens in einem der reichsten und technisch am meisten entwickelten Länder der Welt. Im 21. Jahrhundert. Keine besonderen technischen Anforderungen. Berlin hatte schon drei funktionierende Flughäfen, Deutschland insgesamt circa 40.

Fortschritt?

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Abendspaziergang

Männer führen ihre Frauen vor.

Frauen führen ihre Kinder vor.

Kinder führen ihre Hunde vor.

Hunde führen ihre Familien vor.

(In English.)

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Video-Blog: Giro d’Italia 2014

Eigentlich wollte ich nur kurz hinausgehen, um zu sehen, wieso die Nachbarn die Nationalhymne und Verdi-Opern abspielen und mit Holzlöffeln auf Backbleche und Töpfe schlagen.

Die Polizei kam in immer größerer Einsatzstärke vorbei, um die Party zu beenden oder doch zumindest einzudämmen. Ohne Erfolg. Und dann fand ich heraus, was hier los war: Der Giro d’Italia 2014, ein dreiwöchiges Radrennen sollte heute durch Bari kommen.

Nach ein paar Minuten kam die Gruppe der Radrennfahrer schon wieder vorbei.

Und dann nochmals und nochmals und immer wieder. Mit beeindruckender Geschwindigkeit, wie ein vorbeirasender Zug. Die den Zug begleitenden Autos und Motorräder hatten Mühe, nicht zurückzufallen.

(Click here for the English version.)

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„Italia dei Valori“ erklärt anti-deutsche Wahlkampagne

„Europäer, nicht Deutsche“ plakatiert die italienische Partei Italia dei Valori („Italien der Werte“) derzeit. Wie ich schon ausführlich dargestellt habe, finde ich das reichlich mißglückt und unangebracht.

Über Twitter antwortete Ignazio Messina, der Parteivorsitzende von Italia dei Valori, auf meinen Artikel, daß ich den aus drei Wörtern bestehenden Slogan missverstanden habe und daß man „Wir wollen Europäer sein, keine Deutschen“ schreiben habe wollen. Er wende sich gegen ein „germano-zentrisches“ Europa und gegen ein „Diktat“ von Frau Merkel.

IdV Europei non tedeschi Twitter Ignazio MessinaIch wunderte mich, was Italia dei Valori dagegen unternehmen will, daß Deutschland geographisch halt nun mal im Zentrum Europas liegt und welchen Teil Europas sie abschneiden wollen, um das zu ändern. Das Wort „Diktat“ finde ich auch reichlich deplatziert für einen europäischen Meinungsbildungsprozess, in dem Italien ja durchaus keine ungewichtige Stimme hat.

Ich wandte mich also mit den folgenden Fragen direkt an Herrn Messina:

  • Was genau ist das Problem, das Ihre Partei mit den Deutschen hat?
  • Warum die personenbezogene Formulierung des Plakats? Warum „Deutsche“ anstatt zum Beispiel „Deutschland“?
  • Haben Sie bedacht, welche Auswirkungen dies auf das Verhältnis von Italienern und Deutschen haben könnte?
  • Ich habe diese Poster nur im Süden Italiens gesehen (bisher in Palermo und in Polignano a Mare). Verwenden Sie diese auch im Norden? Hängen Sie diese Plakate in den deutschsprachigen Gebieten in Südtirol auf?
  • Wie würden Sie reagieren, wenn eine Partei in Deutschland mit dem Slogan „Europäer, nicht Italiener“ werben würde?

Bei allen Meinungsverschiedenheiten muß ich anerkennen, daß prompt eine höfliche Antwort kam.

Caro Andreas,

noi non ce l’abbiamo con i tedeschi e non nutriamo alcun risentimento verso di loro. Noi vogliamo un’Europa diversa da quella che c’e‘, non germanizzata come accade adesso: un’Europa che non sia di proprietà delle banche, un’Europa dove i salari sono equivalenti. E’ questo che intendiamo con un’Europa germano-centrica, perché di fatto la signora Merkel ha fatto pagare all’Italia un prezzo troppo alto in termini di austerità bloccando qualunque tentativo di crescita. Non e’ possibile che le imprese italiane paghino il 40% di tasse sul lavoro mentre negli altri paesi dell’Unione si paga il 21%. Inoltre le banche debbono ricevere per il credito alle industrie e alle famiglie non piu’ del 5%. Siamo europei, non sudditi della Germania e della sua scellerata politica economica, questo lo vogliamo ribadire. Da quando c’e’ l’euro gli italiani hanno perso il 50% del potere di acquisto. Questo perché non si è fatta l’Europa politica ma solo quella monetaria. Si doveva fare il contrario. I Paesi deboli debbono essere aiutati da quelli più forti, non come sta facendo la Germania che fagocita le aree più deboli.

A questo proposito ti invito a guardare questo video in cui chiarisco meglio la nostra posizione:

Un caro saluto

Herr Messina beteuert, daß seine Partei kein Problem mit den Deutschen habe, aber daß sie kein „eingedeutschtes“ Europa wie das jetzige wolle. Er wolle kein „germano-zentrisches“ Europa.

Dann behauptet er, daß Italien wegen Frau Merkel (anscheinend zieht IdV ihre Angriffe gerne ins persönliche) einen zu hohen Preis bezahlen müsse. Angebliche Sparmaßnahmen blockierten jedes Wachstum. (In Wirklichkeit hatte Italien auch schon vor der Schuldenkrise seit etlichen Jahren kein oder kaum Wirtschaftswachstum.)

Den Hinweis darauf, daß Unternehmen in Italien 40% Steuern bezahlen und in anderen EU-Ländern (welchen?) 21%, kann ich schlecht als Rechtfertigung für den Anti-Germanismus akzeptieren, denn ich wüßte nicht, daß Deutschland Italien gezwungen hätte, seine Steuersätze so hoch anzusetzen (und dafür vielleicht bei der Steuereintreibung zu sparen). Außerdem ist die prozentuale Steuerlast für Unternehmen in Deutschland genauso hoch.

„Wir sind Europäer, keine Untertanen Deutschlands und seiner ruchlosen Wirtschaftspolitik,“ hört man weiter das Megafon aus der E-Mail. Haben Berlusconi und Grillo das politische Klima in Italien so vergiftet, daß solche Aussagen jetzt normal sind?

Seit der Einführung des Euro (die Italien befürwortete und die nun wirklich niemandem von Deutschland aufgezwungen wurde) haben die Italiener angeblich 50% ihrer Kaufkraft eingebüßt. Wie es halt so passiert bei einer Kombination von Nullwachstum und steigenden Staatsausgaben. Es heißt Inflation, und die gab es mit der Lira auch schon (sogar viel drastischer).

Auf meine spezifischen Fragen wollte der Parteivorsitzende nicht eingehen. Ich erkenne eine gewisse Obsession mit Deutschland, das für alles verantwortlich gemacht wird, was einem nicht behagt, auch wenn das meiste davon auf Entscheidungen Italiens oder der Mehrheit der EU-Länder basiert. Das erinnert mich an die „Kanada ist an allem schuld“-Kampagne aus dem Film South Park. Dann erkenne ich noch eine kleine Prise „früher war alles besser“. Und daß alle Deutschen unabhängig von ihrer politischen Meinung für Meinungen der derzeitigen Bundeskanzlerin haftbar gemacht werden, überrascht aus dem Land, das bis vor kurzem von Silvio Berlusconi regiert wurde, schon ein bißchen.

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