So, so, „Asylkritiker“ nennt man jetzt also den brandschatzenden, mordenden, grölenden und besoffenen Mob aus Ausländerfeinden, Rassisten und Neonazis. Da hat jemand gut aufgepaßt im Propagandaunterricht: Harmlose Dinge müssen furchterregende Namen bekommen („Asylantenflut“, „Untergang des Abendlandes“), und die bösen Dinge müssen harmlose Namen bekommen („Identität“, „europäische Wertegemeinschaft“ und „Asylkritiker“).
Ein Kritiker ist jemand, der – wie ich – stundenlang in Cafés herumsitzt, Zigarren raucht und Sachertorte isst, während er mit anderen Intellektuellen streitet, wobei die ganze Runde vergisst, dass sie am Ende des Monats Miete zahlen müssen. Ein Kritiker ist jemand, der – ebenfalls wie ich – vor dem Frühstück, ungeduscht und noch im Schlafanzug feurige Zeilen in seinen Blog tippt. Wer Häuser anzündet, Menschen anpöbelt, bedroht und – sobald die Polizei wieder abgezogen ist – verprügelt, ist ein Krimineller, kein Kritiker. Und wer bei der Zuwanderung von Amerikanern, Norwegern und Iren nicht auf die Straße geht, aber plötzlich durchdreht, weil Farbige und Muslime nach Schutz suchen, der ist ein Rassist.

Falls sich aber durchsetzen sollte, dass solche Leute „Asylkritiker“ heißen, dann schlage ich die folgenden sprachlichen Änderungen vor. Wenn schon, denn schon.
Das hier waren dann konsequenterweise „Literaturkritiker“:

So gehen „Archäologiekritiker“ vor:

Auch die „Architekturkritik“ hat Tradition in Deutschland:

Ach ja, „Systemkritiker“ hatten wir vor einiger Zeit auch schon mal:
