Brandstiftung mit Ansage

Die Vorfälle sind so häufig wie alltäglich geworden, dass Rundfunknachrichten nach der stündlichen Vermeldung der aktuellen Verkehrshindernisse und des DAX-Standes bald mit Sätzen wie diesem ausklingen werden: „Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gab es heute in Weissach, Wachtberg, Niederstedem und in Neustadt an der Waldnaab. Die Polizei rät weiterhin, sich von Flüchtlingsunterkünften fern zu halten, da diese derzeit leicht entflammbar seien. In den Abendstunden werden weitere Anschläge erwartet.“

Brände

Ich habe dazu nur eine Frage:

Wenn man aus der Erfahrung der letzten Monate weiß, dass fast jedes Haus, das der Unterbringung von geflohenen Menschen gewidmet wird, Ziel eines Brandanschlages wird, kann man dann in einem der reichsten, bestorganisiertesten Länder der Welt nicht zumindest eine Polizeistreife vor jedes dieser Heime stellen?

Alternativ, falls Deutschland plötzlich nicht mehr genügend Polizisten oder notfalls private Sicherheitsdienste zur Verfügung hat, könnte man doch auch eine dieser Überwachungskameras vor jedem geplanten Flüchtlingsheim aufstellen. Davon haben wir schließlich Tausende im ganzen Land, die bisher nur langweilig leere Bahnhofsvorplätze filmen.

Wenn Tag für Tag Ziele der gleichen Art zum Objekt von Brandanschlägen werden und die Eigentümer dieser Häuser nichts für deren Schutz tun, dann drängt sich irgendwann die Frage auf, ob einige der Kommunen ganz froh um die nachtaktiven Ausländerfeinde sind. Es wäre nicht das erste Mal, dass Bürger Rechtsradikale sogar dafür bezahlen, ein Asylbewerberheim niederzubrennen.

(Dieser Artikel wurde auch im Freitag veröffentlicht.)

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Im Land der sich maximal ausdehnenden Zwerge

Rumänien hat sich noch nie für eine Basketball-WM qualifiziert.

Als mir meine Vermieter das Schlafzimmer meiner neuen Wohnung in Târgu Mureș zeigten, fragten sie mich unsicher: „Ist das in Ordnung?“ Ja, natürlich, bejahte ich. Es sah sehr gut erhalten und gemütlich aus. Die Unsitte, Wohnungen nackt zu vermieten, hat sich glücklicherweise noch nicht über Deutschland hinaus ausgebreitet. „Wir meinen wegen der Länge des Betts“, erklärte die Vermieterin mit einem Gesichtsausdruck, der „Wie hätten wir das wissen sollen?“ fragte. Meine Antwort „ich denke schon“ kam reflexartig, schließlich hatte ich bisher in fast alle Betten gepaßt. Ich bin 1,83 m und damit wirklich nicht aufsehenerregend groß.

Die Vermieter bestanden freundlich darauf, dass ich vor ihren Augen probeliege. Es ging gerade so. Das Bett ist wohl 1.85 m lang. Mit einem alle am Horizont auftauchenden Probleme im Keim zu ersticken versuchenden Lächeln wies ich darauf hin, dass ich diagonal schlafen kann. In den Tagen darauf bemerkte ich, dass ich den Abwasch am besten im Sitzen erledige, dass der Spiegel im Wohnzimmer meinen Kopf abschneidet, und dass ich mit dem breitkrempigen, schwarzen Roma-Hut, ein Modeutensil, das so verwegen und elegant gleichzeitig aussieht, dass es in den Rest Europas exportiert werden sollte, nicht durch den Türstock passen würde. Trotzdem ist die Wohnung die gemütlichste, die ich je hatte. Man schenke mir nur bitte kein Trampolin.

Diese Gedanken kommen mir gerade wieder, weil ich in einem Kleinbus von Târgu Mureș nach Timișoara sitze und nicht weiß, wo ich meine Beine unterbringen soll. Zwei Verbindungen standen zur Auswahl. Die von mir auserkorene war mit extra-bequemen Sitzen angepriesen worden. Die andere muss für Menschen mit abnehmbaren Beinprothesen sein.

Sieben Stunden, und der Weg in die drittgrößte Stadt Rumäniens führt teilweise über Schotterpisten. Den Bus habe ich nur gewählt, weil die Züge seltener und langsamer fahren als in anderen Ländern während des von einer Spartengewerkschaft angezettelten Bahnstreiks. Egal, fast die gesamten sieben Stunden der Fahrt nehme ich mir vor, in Zukunft wo immer möglich den Zug zu nehmen. Und wenn es doppelt so lange dauert. Wenigstens werde ich mich nicht so eingeengt fühlen. Hoffentlich.

Das einzig Unangenehme an Rumänien – neben den Hunden, aber die machen sich ja überall breit, wo es kein Recht auf freien Waffenbesitz gibt – ist nämlich, dass die physische Grenze, die unbekannte Menschen im Umgang miteinander einhalten, nicht existiert oder zumindest auf nahe Null geschrumpft ist. Mein erster Sitznachbar berührt mit seinem mein Bein, wie wenn er die Tatsache, dass ich im Economist gerade zufällig einen Artikel über die Homo-Ehe in den USA lese, fehlinterpretiert hat. In Alba Iulia wird er ausgetauscht durch eine Beifahrerin, die mit ihrem Ellenbogen, ihrem Arm und ihrer Hand meinen Magen und meine Niere untersucht. Ich okkupiere nur mehr die Hälfte meines Sitzplatzes und klebe am Fenster.

coadaDas sind keine Ausnahmen: Als ich das erste Mal auf einem rumänischen Postamt war, dachte ich, dass drei Damen gleichzeitig bedient würden oder zusammengehörten. Erst als die erste Kundin ging, ohne sich von den beiden anderen zu verabschieden, merkte ich, dass der eine Meter Höflichkeitsabstand am Schalter nicht gilt. Die zwei oder drei nächsten in der Reihe stehen immer direkt neben den aktuellen Kunden, wie wenn sie mit diesem verwachsen wären, und inspizieren seine Dokumente oder hören ganz ungeniert dem Beratungsgespräch zu.

Ich bin ganz anders. Ich lasse zur Vorderperson Abstand, egal wie dicht im Nacken mir der Atem eines Anderen sitzt. Schnell habe ich aber bemerkt, wie nachteilig dieses hier ungewöhnliche Verhalten für mich ist: Wenn man zwischen sich und der in der Schlage vor einem stehenden Person mehr als 5 cm (es sind wirklich nicht mehr!) freiläßt, sehen neu hinzukommende Kunden darin eine planmäßige Lücke, die sie so automatisch füllen, wie wenn dem Ganzen ein Naturgesetz zugrundeläge. Das gleiche geschieht in Schlangen vor einem Kiosk, beim Einsteigen in den Bus, im Kino, im Supermarkt. Ich bin also immer der Letzte.

Sympathisch ist mir dieses Land der kleinen lückenfüllenden Menschen aber dennoch sehr, und das nicht nur weil ich auf der siebenstündigen Busfahrt mehr Leute mit Büchern sehe als in einem ganzen Jahr, in dem ich vorher in Italien in Zügen und Bussen unterwegs war.

In Timișoara angekommen (ich steige natürlich als Letzter aus dem Bus) gehe ich zuerst in den Bahnhof, um meinen Entschluss, vom Bus auf den Zug umzusteigen, sofort umzusetzen. Bevor ich mir schließlich einen Fahrschein nach Belgrad kaufen kann, drängt sich ein junges Paar vor mich, dreht sich um und fragt entwaffnend freundlich: „Sie sind doch hoffentlich nicht in Eile, um ebenfalls den 2-Uhr-Zug zu erreichen?“ Bin ich natürlich nicht. Ich will ja erst einmal einen Tag in Timișoara verbringen, um mir endlich die Beine zu vertreten. Der Fahrkartenschalter ist übrigens auf kinderfreundlicher Höhe angebracht.

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Wozu Abitur?

Wozu braucht man ein Abitur?

Na klar: Damit man sich endlich an der exquisiten Abiturienten-Cola laben darf.

Abitur Cola(Gesehen in Litauen, daher die etwas ungewöhnliche Wortendung.)

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Berge in Rumänien

Es gibt Orte, an denen mich jeder besuchen wollte, als ich dort lebte. In Sizilien ging es mir so. Fast jede Woche kamen Verwandte und Freunde, meist nachdem sie gelesen hatten, dass ich unmittelbar am Strand wohnte.

An anderen Orten hat man weitgehend seine Ruhe. Rumänien ist so ein Land, insbesondere weil niemand weiß, wo Târgu Mureș eigentlich liegt. „Was will ich in Rumänien?“ fragen und denken sich die geographisch, historisch und kulturell Ungebildeten im Rest der Welt und verpassen allerhand, nicht zuletzt Berge wie diese.

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Die Fotos entstanden während der Besteigung des Piatra Mică, der mit 1.816 m zwar nicht der höchste, aber der steilste Berg Rumäniens ist. Aber keine Angst, selbst meine 65-jährige Mutter hat es geschafft, also könnt Ihr es auch schaffen!

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Danke an meinen Bruder für die Fotos!

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Sonne, Regen und das Meer

Falls Ihr Euch nicht entscheiden können, welche dieser Naturgewalten Euch die liebste ist, genießt Sie dieses Foto, das alle drei vereint und das ich während einer Wanderung entlang der Westküste von Lipari gemacht habe:

sun rain sea Lipari

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Erinnert sich noch jemand an die Transparenzoffensive?

Die Glaskuppel des Reichstagsgebäudes war als Symbol der Transparenz gedacht. Durchaus eine gute Idee, architektonisch gelungen, ein Höhepunkt jeder Berlinreise.

reichstag

Dem wollte der BND in nichts nachstehen. Etwas ungewöhnlich für einen Geheimdienst, versprach dessen Präsident mehr Transparenz.

BND

Der BND missverstand das Transparenzgebot dann jedoch. Er dachte anscheinend, dass es darum ginge, die gesamte Kommunikation der Deutschen gegenüber amerikanischen und britischen Geheimdiensten transparent zu machen. Mission erfolgreich. Und anschließend, ganz anders als einst so blumig angekündigt, mauern, schweigen, lügen, selbst gegenüber dem Bundestag.

Auch der Verfassungsschutz versprach mehr Transparenz:

BfV

Ja, das ist jener Herr Maaßen, der kürzlich Journalisten, die bei der Transparenzoffensive ein wenig mithelfen wollten, des Landesverrats bezichtigte. Ja, das ist jene Behörde, in der Akten über Unterstützer des NSU vernichtet wurden – ganz zufällig nur Stunden nachdem diese Terrorgruppe aufgeflogen war.

Bei all der Geheimniskrämerei und Vertuschung wäre das hier das bessere Symbol:

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Höflicher Kaffee

Vor einem Café in Hermannstadt (Sibiu), Rumänien:

cafe 6 lei

Einen Kaffee – 6 Lei

Einen Kaffee bitte – 3 Lei

Guten Morgen, einen Kaffee bitte – 2 Lei

Höflich, wie ich es immer bin, komme ich hier günstig weg. 2 Lei sind 0,45 Euro.

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Die Karpaten stehen in Flammen

Zumindest sah es so aus an jenem Abend im Dezember 2014, als mein Bruder diese Fotos von den Fogarascher Bergen in Rumänien machte:

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Leicht zu verwechseln (34) Mülltrennung

Mülltrennung in Deutschland:

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Mülltrennung in Rumänien:

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Ein paar Almosen für die Kirche

Ihr kennt diese Spendenkisten auf Flughäfen, in die man sein letztes Kleingeld werfen soll, das man im Urlaub nicht ausgeben konnte? Oft sind sie aus Glas, damit man sieht, dass andere Reisende schon fleißig gespendet haben. Also zieht man die letzten transnistrischen Rubel oder jugoslawischen Dinar aus der Tasche und spendet sie für Kinder, gegen Krebs, für oder gegen Hunde, vielleicht sogar für Flüchtlinge. Alles ganz sinnvolle Maßnahmen.

Am Flughafen in Klausenburg (Cluj-Napoca) in Rumänien dagegen dient die Spendensammelei nicht der Linderung von Hunger, Elend und Krankheit, sondern dem Unterhalt einer Kirche.

SpendenboxDas ist insofern verwunderlich, als der rumänische Staat schon die Kosten für Bau und Erhalt der orthodoxen Kirchen im Land finanziert, wie übrigens auch die Gehälter und Pensionen der Priester und auch sonst allerlei Firlefanz. Noch immer werden jedes Jahr Hunderte von Kirchen neu erbaut, und selbst kleine Dörfer bekommen Kathedralen von der Größe des Petersdoms hingestellt. Eine Schule oder eine Klinik gibt es hingegen oft nicht.

Aber, wie es auf der Spendenbox heißt, „Gott wird Deine Reise segnen“. Mit so einem Versprechen können kranke Kinder oder hungrige Flüchtlinge natürlich nicht mithalten. Dabei läge gleich gegenüber vom Flughafen das Elendsviertel Pata Rat, wo jeder Euro helfen würde.

pata rat Ich war nicht nur zu geizig, um für die Kirche zu spenden, sondern auch zu schlau. Damit Gott die Reise segnet, genügt es, wenn einer der anderen Passagiere ein paar rumänische Lei zurückgelassen hat. Schließlich kann nicht ein Teil des Flugzeugs abstürzen und der andere nicht.

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