Hej Hej

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Schweden ist schön. Sehr schön. Wunderschön. Viel Wald und Wasser und bunte Holzhäuschen. Wie in Bullerbü.

Dennoch wird es von hier relativ wenig Geschichten geben. Denn meine Geschichten leben von den Begegnungen mit Menschen. Und die gibt es hier nicht. Also, Menschen gibt es schon, zehn Millionen sogar. Aber die reden nicht mit einem. Das liegt nicht an der Xenophobie (die ist hier verboten). Die Schweden reden auch untereinander nicht.

Ich habe eigentlich eine erprobte Methode, um Menschen kennenzulernen: Ich setze mich in den Park, lese ein Buch oder die Zeitung, schreibe, rauche Zigarren und signalisiere so, dass ich entspannt und kommunikativ bin, dass ich Zeit habe und dass ich (wegen Buch oder Zeitung) interessant und intelligent bin. Das funktioniert überall auf der Welt: Früher oder später fragt jemand, was man liest, was man schreibt oder ob ich ein Feuerzeug habe. Dann mache ich Platz auf der Bank, man kommt ins Gespräch, und bald diskutiert man über den neuen James-Bond-Film, über Max Webers Fehlinterpretation der protestantischen Ethik und ob in den Kaiserschmarrn Rosinen gehören oder nicht. Die Älteren erzählen vom Krieg, die Jüngeren von Problemen in Familie und am Arbeitsplatz.

In Schweden funktioniert das nicht. Niemand spricht einen an. Die Menschen holen, sobald sie mich aus der Ferne erblicken, panisch ein Elektrogerät aus der Tasche und spielen damit herum oder sprechen wichtig und dringend auf das Gerät ein. Das muss man sich mal vorstellen: Die Menschen hier sind so soziophob, dass sie die ganze Zeit einen kleinen Fernseher oder was immer das ist, mit sich herumschleppen, nur um für den Fall der Fälle einen Vorwand zu haben, sich mit niemandem unterhalten zu müssen.

Wer smart ist, braucht kein Smartphone.

Na gut, dann gehe ich stattdessen spazieren. Schließlich ist es grün und wunderschön. Das habe ich, glaube ich, schon erwähnt.

Die Schweden gehen auch gerne spazieren. Beim Wandern sind die Leute entspannt, haben Zeit und freuen sich auf ein bisschen Abwechslung. Da kommt man leicht ins Gespräch. Man fragt, woher man kommt, wohin man geht, und teilt die Brotzeit.

Dachte ich.

Aber so funktioniert das nicht.

Die Natur in Schweden ist anscheinend nicht zum Flanieren da, sondern zum zielgerichteten Laufen, Joggen, Mountainbiken und auf Langlaufski Rollen. Manchmal laufen Leute in farbigen Anzügen wie wild querfeldein. Dann findet ein Orientierungslauf statt, bei dem die Teilnehmer bestimmte Punkte abklappern und einen Zettel abknipsen müssen.

Leute, die nicht für Olympia trainieren, haben Hunde. Manchmal einen, manchmal zwei, manchmal acht. Letztere sind die professionellen Hundesitter. In Schweden ist es nämlich gesetzlich verboten, einen Hund länger als 6 Stunden allein zuhause zu lassen. Wer den Hund nicht mit zur Arbeit nehmen kann (z.B. Lokführer oder Matrosen auf Unterseebooten) oder mal ohne Hund in Urlaub fahren will, muss den Hund in ein Hundehotel geben oder einen Dogsitter engagieren. Aus ähnlichen Gründen bin ich nach Schweden gekommen, allerdings kümmere ich mich um eine Katze. Und um einen Sauerteig, den ich jede Woche anrühren muss oder wie das heißt. Für Sauerteig gibt es in Schweden übrigens auch Hotels, wo man den Teig, der sich oft schon in der dritten Generation im Familienbesitz befindet, während des Urlaubs vor dem Absterben bewahren kann. Ehrlich. (Weil man den Sauerteig nicht teilen darf, gibt es in Schweden noch den Fideikommiss, eine erbrechtliche Antiquität, die in Deutschland mit Artikel 155 Absatz 2 Satz 2 der Weimarer Reichsverfassung abgeschafft wurde.)

Aber ich schweife schon wieder ab, wie in der letzten großen Abschweifungsorgie, die mich überhaupt erst nach Schweden geführt hat. Also zurück zu den Hunden. Leute mit Hunden finden Leute ohne Hunde, die scheinbar sinnlos durch den Wald spazieren, suspekt. Weil die Menschen in Schweden viele Bücher über Verbrechen, Mord und Totschlag und so lesen (die sogenannten Schwedenkrimis), glauben sie, ich würde eine Leiche verbuddeln. Weil ich aber erkennbar keine Leiche bei mir habe, fürchten sie wohl, dass sie diesen Job übernehmen sollen, weshalb sie schnell und grußlos weiterziehen.

Apropos Gruß: Ich bin natürlich immer freundlich, lächle und sage „hej“. Das ist Schwedisch für „hallo“. Manchmal sagt ein anderer Spaziergänger ebenfalls „hej“, und ältere Menschen gucken sogar freundlich. Aber dann sind sie schon wieder weg.

Wenn schwedische Paare spazieren gehen, sprechen sie auch nicht miteinander. Eigentlich spricht im ganzen Land niemand mit niemandem (außer mit seinen Elektrogeräten). Ehrlich, hier kann man stundenlang neben jemandem im Bus oder im Zug sitzen, und die Leute sagen keinen Pieps. Nach einer Busfahrt in Bolivien kennt man die gesamte Familiengeschichte aller Mitreisenden. Nach einer Zugfahrt durch Kanada versteht man das Land viel besser. Bei Wanderungen auf dem Balkan wird man allenthalben eingeladen, bis man nicht mehr gerade laufen kann. In Schweden hingegen kann man für zwei Jahre eine Gefängniszelle mit jemandem teilen, ohne dass man mehr als seinen Namen erfährt.

Das höchste der Gefühle war bisher, dass jemand „hej hej“ sagte. „Hallo hallo“, oh, da ist jemand aber wirklich nett, dachte ich mir. Aber schon war er wieder weiter. Zuhause schlug ich im Wörterbuch nach, dass „hej“ nicht nur „hallo“, sondern auch „tschüss“ heißt.

Wie gesagt: Schweden ist ein schönes Land. Sogar sehr schön. Aber nach meinem Aufenthalt hier muss ich irgendwo hin, wo die Menschen offen und warmherzig sind. Sibirien oder Sachsen oder so.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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35 Antworten zu Hej Hej

  1. Tom schreibt:

    Danke für die schönen Bilder aus Schweden! Nach meiner ersten Reise till Sverige habe ich angefangen, lite Svenska zu lernen. Die Sprache ist irgendwie wie Englisch, Niederländisch und Deutsch tillsammens. Als ich im 2. Jahr beim Mittagessen in gebrochenem Schwedisch die Frau an der Kasse fragte: „Är kaffee ingår?“, war sie freundlich und gab mir zum Kaffee noch einen Haferkeks.
    Aber es stimmt, viele Schweden freuen sich schon auf die Zeit, wenn man nicht 2 m Abstand halten muss; sondern wieder weiter wegrücken darf. Gerade im Norden ist dafür ja viel Platz.
    In diesem Sinne: ha en god tid och lär dig lite Svenska
    Vi ses in Sverige,
    Tom

    • Andreas Moser schreibt:

      Tack!
      Viel mehr habe ich noch nicht gelernt. :/ Ich kann mir meist nicht einmal die ganzen Namen der Seen und Wanderwege merken, wenn ich sie noch nicht aufgeschrieben habe. Aber manchmal gibt es Erfolgsmomente, wenn ich etwas lesen kann, so etwa wie im Niederländischen.

  2. sinnlosreisen schreibt:

    Sauerteig-Sitting, was für eine ungewöhnliche Beschäftigung! 😂
    Hoffentlich fängst du nicht mit Selbstgesprächen an…

    • Andreas Moser schreibt:

      Apropos Selbstgespräche: In Schweden laufen viele Leute durch den Wald und telefonieren stundenlang.
      Am Anfang dachte ich schon: „Oh, endlich jemand, der spricht“, aber es war dann doch nur Home Office to go.

  3. Is echt so, wie meine Schüler sagen würden. Allerdings hatten wir bei unserer Schwedenreise das ungewöhnliche Glück, in einer coolen Location ein paar coole gesprächsbereite junge Schweden zu treffen, das waren allerdings gelernte Schauspieler. Interessant wäre jetzt zu wissen, ob die schwedischen Hauskatzen ähnlich zurückhaltend sind…

  4. danysobeida schreibt:

    „como en la última gran orgía de divagaciones que me llevó a Suecia en primer lugar“… he reído bastante con esta frase. Suecia hermosa pero fría, ahora entiendo el porque de la mirada del gatito, seguro te va a extrañar.

  5. Kasia schreibt:

    Was für ein krasses Land. Man hört so viel von den schwedischen Landschaften, aber die Zurückhaltung der Menschen wurde mir noch nie so vor Augen geführt. Dann konzentriert man sich wohl wirklich auf die Landschaft und unterhält sich mit dem Sauerteig, der wird vermutlich gesprächiger sein? 🙂

    • Andreas Moser schreibt:

      Oh, danke, dass du mich an den Sauerteig erinnerst! Heute ist Wochenende, da muss wieder ein Löffel Roggenmehl und etwas Wasser in das Glas.
      Ich weiß nicht, wofür, denn es gibt hier auch überall Bäckereien, wo man fertiges Brot kaufen kann. Aber vielleicht haben die Leute Angst, dass sie dort jemand fragt, wie es ihnen geht.

      Je mehr ich reise, umso mehr merke ich, dass Deutschland gar nicht mal so falsch ist. Nicht so übertrieben kommunikativ wie Italien, aber doch viel lockerer als Skandinavien. Genau die richtige Mitte.

    • Kasia schreibt:

      Das war bei mir schließlich auch die Quintessenz. Bis auf die nicht vorhandene Digitalisierung ist es ein prima Land zum Leben… und wenn man um die Welt ziehen will, gibt Deutschland einem die Möglichkeiten dazu. Ich wollte nirgendwo anders hin.

    • Andreas Moser schreibt:

      Mir ist ja schon alles zu digital. 🙂
      Ich hätte gerne noch Morgen- und Abendzeitungen, die von Jungen auf Fahrrädern unter lauten Rufen unters Volk gebracht werden.

    • Kasia schreibt:

      Back to the roots statt lauter Rufe nach Digitalisierung? 🙂

    • Andreas Moser schreibt:

      Ja.
      Ich finde, Digitalisierung schließt bestimmte Personengruppen (insbesondere Ältere und Arme) aus.
      Außerdem macht sie Menschen zu Autisten, die nicht mehr miteinander direkt menschlich kommunizieren können und dann völlig aus dem Häuschen geraten wenn mal das App nicht funktioniert.
      Und Digitalisierung macht das Leben langweilig, wie man an dem Beispiel des im Schließfach vergessenen Koffers in dieser Erzählung sieht: https://andreas-moser.blog/2021/08/22/schlafentzug/- Oder man muss sich nur daran erinnern, wie spannend Reisen vor der Digitalisierung war. Man fuhr nach Karte oder fragte sich durch. Man stieg in irgendeinem Schuppen ab, ohne irgendwelche „Bewertungen“ gelesen zu haben. Man traf einfach Fremde, ohne vorher zu googeln, couchsurfen oder tindern. Man wurde viel mehr überrascht. Das Interweb, das es jetzt überall gibt, macht diese Serendipität zunichte.

    • Kasia schreibt:

      Ich weiß nicht. Für mich – um es mal auf das Reisen zu beziehen – ist es ein Gefühl der Sicherheit, dass ich mir das meiste im Vorfeld „erarbeiten“ kann. Das gibt einen gewissen Puffer und lässt mich der Reise entspannter entgegensehen…

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich verstehe das mit der Sicherheit. Zwar habe ich keine Angst, mich zu verlaufen oder so, aber es ist schon beruhigend, vorher zu wissen, wo man schlafen wird.

      Andererseits kann ich mich auch noch an die Zeit vor dem Interweb erinnern, und eigentlich hat es da auch immer geklappt. Man flog einfach nach Casablanca, spazierte ein bisschen rum und fand ein Bett. Oder flog nach Texas, mietete sich ein Auto, fuhr durch die Wüste, und jeden Abend stand ein Motel am Straßenrand, das immer ein günstiges Zimmer hatte.
      Nur das eine Mal, als ich zu spät nach Jerusalem kam, war schon alles zu und die ganze Nacht schlief. Aber dann verbrachte ich halt die ganze Nacht im Park. War auch ganz interessant, weil eine weitere Reisende im gleichen Bus genauso schlecht, also gar nicht, geplant hatte. So wurde es zwar etwas kühl (wir wollten kein Feuer anzünden), aber nicht langweilig.

      Nächstes Jahr werde ich mal versuchen, einen Monat ganz ohne Telefon und Interweb und so zu reisen. Mal sehen, wie das funktioniert…

    • Kasia schreibt:

      Ich hatte in der Zeit vor der Internetrecherche noch keine Reisen unternommen, hm, vielleicht kommen daher meine Vorbehalte. Es war auch schwierig, sich in Georgien darauf einzulassen, dass Menschen für mich planten. Vielleicht kommt da ein kleiner Kontrollfreak zum Vorschein, ich weiß nicht 🙂

    • Andreas Moser schreibt:

      Ja, bei Euch jungen Leuten merke ich oft, dass die sich gar nicht vorstellen können, wie normal das früher war.
      Frag doch einfach mal deine Eltern oder Onkels. 😉

      Mir ist das auch erst so richtig bewusst geworden, als ich in Bolivien war (mit Interweb) und dachte, dass ich ein riesiger Abenteuer sei.
      Bis mein Onkel nach meiner Rückkehr sagte: „Ach, Bolivien, da war ich auch mal.“ Irgendwann in den 1960ern oder 1970ern, ohne irgendwas zu planen. Einfach Flug gebucht, Wörterbuch gekauft und hin. Karte bekommt man vor Ort, Restaurants und Hotels erkennt man irgendwie schon. Und die Leute damals hatten ja nicht einmal eine Kreditkarte.

      Ein wunderbares Buch über jene Zeit ist „Unerkannt durch Freundesland“, das illegale Reisen von DDR-Bürgern in der Sowjetunion beschreibt:
      https://andreas-moser.blog/2020/10/18/udf/
      Anstatt booking.com hatten die manchmal von Freunden einen Zettel mit einer Adresse bekommen, wo diese vor ein paar Jahren untergekommen waren. Da standen sie dann einfach vor der Tür. Drei Jahre später und vollkommen unbekannt. Und wurden immer hereingebeten!
      Genau das ist es, was das Interweb kaputtgemacht hat, fürchte ich. Wenn jetzt zwei Typen vor dr Tür stehen und fragen, ob sie mal ne Woche auf dem Sofa schlafen können, dann freut sich der auserkorene Gastgeber nicht, sondern denkt sich: „Wieso habt Ihr nicht vorher Bescheid gegeben?“ oder „Ich könnte das Zimmer eigentlich bei AirBnB vermieten.“ oder „Ich kenne ja nicht einmal Euren Instagraph-Account, weiß also gar nichts über Euch.“ Traurige neue Welt. 😦

    • Kasia schreibt:

      „Bei euch jungen Leuten“?? Ich werde neununddreißig… Meine Familie verreist weitestgehend nicht… gut, mein Onkel hat jetzt damit angefangen, nutzt aber auch das gute, alte *hüstel* http://www... Nichtsdestotrotz machst du mir Mut, auch mal Ziele anzugehen, die ich bis dato als „schwierig“ empfand, und ich danke dir dafür. Ich finde es immer gut, Menschen zu treffen, die mich inspirieren. Was später daraus wird, wird sich zeigen…
      (So viel älter bist du doch nicht…? Oder?)

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich glaube, internetmäßig ist das genau die entscheidende Altersgrenze: Ich bin 46, habe also meine ersten Auslandsreisen (Australien, Israel, Frankreich) noch ganz ohne Mobiltelefon und sonstige Technologie durchgezogen. Bei meinen ersten Flügen (1992) gab es sogar im Flugzeug noch Raucherabteile.

      Schon die Leute, die nur ein paar Jahre später geboren wurden, wuchsen in eine Welt voller Technik, Kabelsalat und wahrscheinlich sogar schon Satellitenfernsehen.

      Aber auch ich habe noch immer Reiseziele, die ich als „schwierig“ empfinde und die mir Respekt einflößen. Vor allem, wenn ich die Sprache nicht spreche, also alles von Polen bis Turkmenistan.

    • Kasia schreibt:

      Polen ist easy. Die Menschen sprechen in der Regel englisch, vor allem die jüngeren. Was die Vorabreservierung allerdings betrifft, die hat sich inzwischen auch bei uns durchgesetzt…

      Nach Turkmenistan will ich auch, das wird wahrscheinlich dann eine Gruppenreise werden. Wenn es darauf ankommt, bin ich halt ein Schisser 😉

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich muss sagen, ich bin auch gar nicht gegen Gruppenreisen.
      Es ist halt nur so, dass ich meist viel mehr Zeit, aber dafür viel weniger Geld als die meisten Reisegenossen habe.
      Deshalb bietet es sich für mich an, schön langsam, aber auch genügsam zu reisen, womit ich meist alleine ende.

      Aber insbesondere für Länder, wo man sich wirklich nicht verständigen kann oder wo man ein bisschen Bammel hat, halte ich Gruppenreisen für einen guten Einstieg. (Meine erste Reise nach Israel war z.B. mit einem Jugendaustausch.) Wenn man dann mehr sehen will, kann man später allein wiederkommen. (Oder ganz geschickt den Rückflug verpassen. 😉 )
      Und auch für erschwingliche Tagesausflüge habe ich mich schon manchmal gerne einer Gruppe angeschlossen, anstatt mühsam alles selbst zu organisieren.

    • Kasia schreibt:

      Ich bin eigentlich gerne alleine unterwegs, aber da gibt es Ausnahmen. Und ja, oft sind Gruppenreisen bequemer. Es ist ja eh so, dass man zurückkehrt, wenn einem das Land gefallen hat…

  6. Anne Sirk schreibt:

    Haha, die schweigsamen Schweden habe ich ähnlich erlebt. Wobei ich es eigentlich ablehne, über Reiseziele zu lästern, da halt alle irgendwie sind wie sie sind und einen ja keiner zwingt, da hinzufahren. Schweden lässt mich aber die Höflichkeit vergessen… ich muss sagen, es war mir einfach zu idyllisch da. Hatte das Gefühl, die Leute sind alle so sehr mit sich im Reinen, dass man da als verkorkster Mitteleuropäer mit Geschichtstick gar nicht recht hinpasst. Wer sehr schön über Schweden lästert, ist Karl Ove Knausgard, der ja eine Weile mit seiner Ex-Frau in Schweden gewohnt hat… also zumindest ließ er das immer so ein wenig durchscheinen in seinen Büchern, dass ihm die schwedische Mentalität zu überkorrekt ist. Im Gegensatz zur Norwegischen. Die stell ich mir ja so eher als die Tschechen des Nordens vor … so, genug Halbwissen, Spekulationen und gefühlte Wahrheiten verbreitet. Schöne Zeit noch!

    • Andreas Moser schreibt:

      Nach Norwegen werde ich auf dieser Reise leider nicht mehr kommen, denn die erkennen den gelben WHO-Impfpass nicht an, sondern wollen so einen elektrischen Coronapass, den ich natürlich nicht habe. 😦

      Aber dann fahre ich halts ins richtige Tschechien, das ist nämlich genau die Art von Land, die ich jetzt vermisse! Auch sehr schön, aber mit richtigem Leben, mit Ecken und Kanten.

      Vielleicht spricht hier auch niemand mit mir, weil ich gegen das Gebot der Überkorrektheit verstoßen habe? Schließlich gehe ich immer schräg und manchmal sogar bei Rot über die Straße.

    • Andreas Moser schreibt:

      Ich war gerade wieder spazieren und habe an deine Formulierung „zu idyllisch“ denken müssen.
      Ja, es ist schon teilweise zu bilderbuchmäßig putzig. Ich bin froh, dass ich in Älta (etwas südlich von Stockholm) sowjetisch erscheinende Plattenbauten sehe, wenn ich aus dem Fenster blicke.
      Und es ist wenigstens nicht gar so übertrieben bilderbuchmäßig wie in der Schweiz, wo zudem noch überall Verbotsschilder für und gegen alles hängen.

      Aber zum Ausgleich brauche ich jetzt mal Bosnien oder Transnistrien oder vielleicht gleich Afghanistan…

  7. Anne Sirk schreibt:

    In Bezug auf Ecken und Kanten macht Tschechien wirklich keiner was vor : ) In Ungnade fällt man dort ja höchstens als Bei-Rot-Stehenbleiber.

    • Anne Sirk schreibt:

      Ja, das ist wohl so ein bisschen das Kriegsberichterstatter-Mindset, kenne ich gut. Ist halt auch irgendwie ein Wohlstandsproblem, dass es uns so gut geht, dass wir uns das erlauben können, uns nach Bosnien zu wünschen, weil wir ja nicht dortbleiben müssen… wünsche dir auf jeden Fall noch ein paar schöne Plattenbauten. (Das war jetzt der Kommentar zu deinem obigen, ich glaub, da kann ich nicht direkt darauf antworten.)

  8. Anke schreibt:

    Jetzt würde mich ja mal interessieren, ob es italienische Einwanderer in Schweden gibt. Und wie es denen dort ergeht 😂 Sehr interessanter Bericht, danke. Falls wir es im Urlaub mal nach Schweden schaffen (seit langem geplant, aber die deutschen Verwandten gehen immer vor, wenn es um das knappe Urlaubszeitbudget geht) muss ich meinen Mann vorwarnen. Saluti aus dem kommunikationsfreudigen Italien 😎

    • Andreas Moser schreibt:

      Ja, das wird ein Kulturschock.

      Ich scheine ein paar südamerikanische Nachbarn zu haben, die sich aber wohl schon eingelebt haben. Denn als ich sie Spanisch sprechen hörte und freundlich mit „buenos dias“ und einem Lächeln grüßte, blickten sie mich sehr verdächtig an und gingen weiter.

      Vielleicht fahren deshalb alle Touristen immer auf Campingplätze? Damit sie da wenigstens andere Nationalitäten zum Reden haben.

    • Anke schreibt:

      Oder gemeinsam mit Freunden in ein Ferienhaus … 😂

    • Andreas Moser schreibt:

      Deshalb merken die meisten Skandinavienreisenden diesen Kulturschock wahrscheinlich gar nicht. Weil sie ja eh immer aufeinander sitzen.

      Als Alleinreisendem fällt einem das eher auf.

  9. Pingback: Hej Hej | The Happy Hermit

  10. robertelstner schreibt:

    Hallo, ich habe Schweden im Sommer zum zweiten Mal bereist und mich leider nur in die Landschaft verliebt. Die Menschen blieben mir reichlich fremd und das gut gepflegte Bild einer stilisierten Öko-Nation kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Robert

    • Andreas Moser schreibt:

      Aber dafür hast du die Landschaft richtig gut kennengelernt, wie ich auf deinem Blog gesehen habe!
      Und die alten amerikanischen Straßenkreuzer, die doch ein gutes Symbol für die Öko-Nation sind. 😉 Denn wer ein Auto 70 Jahre lang fährt, spart all die Ressourcen, die man ansonsten für ständig neue Autos bräuchte.

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