Man merkt, daß an der Bildungslandschaft etwas faul ist, wenn Universitätsabschlüsse wie Fahrräder oder Pauschalreisen zu „999 €“-Preisen angeboten werden.
(Fotografiert an der European University in Skopje, Mazedonien.)
Man merkt, daß an der Bildungslandschaft etwas faul ist, wenn Universitätsabschlüsse wie Fahrräder oder Pauschalreisen zu „999 €“-Preisen angeboten werden.
(Fotografiert an der European University in Skopje, Mazedonien.)
Durch die beiden Ausrufezeichen erschien mir das „Hier wird Deutsch gesprochen!!“ eher wie ein Befehl als wie ein Angebot. Freunde des deutschen Leitkultur-Gedankens können sich auf der Halbinsel Sinis auf Sardinien also wie zuhause fühlen.
Da ich in Italien aber gerne Italienisch spreche, radelte ich weiter.
Fotos von UFOs im Flug zu machen ist keine Herausforderung. Sie sind laut, haben eine Menge blinkender Lichter und versuchen unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Deshalb gibt es Tausende von Fotos von fliegenden UFOs.
Aber bis jetzt hat noch niemand herausgefunden, wohin die UFOs anschließend entschwinden. Um zu tanken oder wenn die Besatzung ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten muß.
In Sardinien entdeckte ich den geheimen UFO-Parkplatz, gerade als eines der UFOs dort gelandet war. Das gelang mir nur, weil es seine Lichter noch nicht abgeschaltet hatte.
(Die Fotos habe ich in Oristano auf Sardinien gemacht. Falls Ihr selbst nachsehen wollt, kann ich Euch die genauen Koordinaten geben. – Click here to read this scoop in English.)
Als Blogger ist man ständig Gefahren ausgesetzt. Wenn man sich über Al-Qaida lustig macht, wird man irgendwann geköpft. Wenn man über mexikanische Drogenkartelle schreibt, wird man plattgemacht. Und dann sind da noch die ständigen Abmahnungen und Klagen wegen Urheber- oder Markenrechtsverletzungen, Verleumdung, Beleidigung und Geheimnisverrat.
Letzteres macht mir aber nichts aus.
Nicht nur weil ich Jurist bin und deshalb weiß, daß man Abmahnungen getrost ignorieren kann, sondern weil ich in Italien lebe. Wenn jemand droht, mich zu verklagen, kann ich mit ruhigstem Gewissen rufen: „Gerne. Verklag mich!“ und meine zustellungsfähige Anschrift zur Verfügung stellen. Denn bis die Klageschrift zugestellt wird, wohne ich höchstwahrscheinlich schon wieder woanders.
Die durchschnittliche (!) Dauer eines italienischen Zivilprozesses bis zum rechtskräftigen Abschluss beträgt 8 Jahre. Nun sind Zivilprozesse grundsätzlich nicht schnell (das liegt nicht nur an den Gerichten, sondern auch an den beteiligten Parteien und Anwälten, die oft ein eigenes Interesse daran haben, den Fall hinauszuzögern), aber die Grafik rechts zeigt, daß italienische Gerichte sich besonders viel Zeit lassen. Ich selbst habe – allerdings in Deutschland – 7 Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet. Hätte ich die gleiche Zeit als Advokat in Italien geschuftet, wäre womöglich an meinem letzten Arbeitstag noch keiner meiner Fälle abgeschlossen gewesen. Das muß unbefriedigend sein.
Als Mario Barbuto vor 12 Jahren Präsident des Zivilgerichts von Turin wurde, entdeckte er daß der älteste der an seinem Gericht noch anhängigen Fälle 43 Jahre zuvor eingeleitet worden war. Da streiten sich wahrscheinlich Generationen von Klägern, Beklagten, Rechtsanwälten, Insolvenzverwaltern, Nebenintervenienten und Streitverkündungsempfängern wie in Charles Dickens Bleak House. Italienweit gibt es einen Rückstand von 5,2 Millionen Fällen.
Das Problem und der daraus zu ziehende taktische Nutzen sind unter der martialischen Bezeichnung „italienischer Torpedo“ auch außerhalb Italiens bekann. Wer z.B. aufgrund einer (Ab-)Mahnung befürchtet, bald vor einem deutschen Gericht verklagt zu werden, reicht vorher in Italien eine negative Feststellungsklage bezüglich des gleichen Streitgegenstands ein. Dann ist das deutsche Gerichtsverfahren erst einmal nachrangig [grob vereinfacht für juristische Laien], bis das italienische Gericht entschieden hat. Und das kann eben dauern.
Es ist also einfach, sich über die italienische Justiz lustig zu machen. Angebracht ist es nicht. Denn von Zeit zu Zeit gibt es hier Verfahren, die mir Anerkennung abringen. Nur zwei Beispiele, allerdings aus dem Strafrecht:
Von Italien könnte man also auch etwas lernen.

Fragt der eine Neonazi pikiert: „Sag mal, arbeitest Du etwa für den Verfassungsschutz?“
Nach einer kurzen Pause antwortet der andere Neonazi: „Wieso, Du etwa nicht?“
Beide: „Hahaha!“
= = =
Ich lese gerade Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie der NSU von Stefan Aust und Dirk Laabs. Bisher bin ich auf fast jeder Seite mit schockierenden Erkenntnissen konfrontiert.
Es ist erschreckend, wie eng Rechtsextremisten und staatliche Stellen verbandelt sind. Die Neonazis führen den Verfassungsschutz mit selektiven Informationen an der Nase herum und lassen sich so aus Steuergeldern finanzieren. Der Verfassungsschutz finanziert dabei nicht nur das Leben der Neonazis, sondern auch rechtsextreme CDs, ihre Computer, Mobiltelefone und Autos, Geldstrafen bei Verurteilungen und den Rechtsanwalt für Familie Böhnhardt. Schließlich gibt es auch noch 2000 DM dafür, dass die NSU-Terroristen sich falsche Pässe besorgen können.
Mazedonien ist voll von Friedhöfen.
Vielleicht kam es mir auch nur so vor, weil es in den größeren Orten keine gemeinsame Ruhestätte für die Ahnen gibt, sondern immer mindestens einen christlichen, einen islamischen und einen jüdischen Friedhof. Letzterer weist aber kaum Gräber auf, weil nahezu alle mazedonischen Juden 1943 von den bulgarischen Besatzern ins KZ Treblinka deportiert und dort ermordet wurden.
Dazu kommen deutsche, französische und britische Friedhöfe. Zwar wußte ich, daß der Erste Weltkrieg sich nicht nur auf die mitteleuropäische West- und Ostfront beschränkte (sonst hätte er schließlich die Bezeichnung als Weltkrieg nicht verdient), aber so richtig in mein Bewußtsein drang die geographische Ausbreitung dieses Krieges erst, als ich die 100 Jahre alten und streng national getrennten Totensammelstellen im fernen Mazedonien sah.
Der schönste Friedhof in Mazedonien ist der türkische Friedhof in Bitola, aus der Zeit des Osmanischen Reichs und seit dessen Zusammenbruch nicht mehr gepflegt. Wenn er nicht auf dem Stadtplan verzeichnet gewesen wäre, hätte ich ihn nie entdeckt. Und falls ich ihn zufällig entdeckt hätte, wäre ich achtlos vorbeigelaufen oder hätte allenfalls ein Foto gemacht und unter dem Titel „Kornfeld mit Wolken“ veröffentlicht.
Erst beim zweiten Hinsehen erkannte ich einige Grabsteine zwischen Hafer und Gerste.
Je mehr ich mich auf diesem verwilderten Hügel umsah, desto mehr Zeugnisse der Vergangenheit entdeckte ich, leider allesamt in einer von mir nicht entzifferbaren Schrift. Dieser türkische Friedhof wurde aufgegeben bevor Mustafa Kemal Atatürk das lateinische Alphabet durchsetzte. Atatürk selbst war höchstwahrscheinlich ein paar Mal auf diesem Hügel gewesen, denn seine militärische Ausbildung begann 1896 an der Militärschule in Bitola. Vielleicht rauchte er hier heimlich seine ersten Zigarren.
Diese historische Ansicht aus dem Ersten Weltkrieg zeigt den Blick vom Friedhofshügel auf die Stadt (die auf türkisch und griechisch Monastir heißt). Schon damals war erkennbar wie die Natur anfängt, sich die Kontrolle über den Hügel zurückzuerobern.
Mitten in einem Land, das in den letzten 100 Jahren etliche Kriege, Bürgerkriege, Revolutionen und Freiheitskämpfe erlebt hat, gibt es einen Ort, an dem die Zeit stillsteht. Die goldenen Getreidehalme wiegen sich im Wind. Die Wolken eilen vorüber und werfen ihre Schatten, so wie es die Geschichte immer wieder getan hat.
Schon immer war es so, daß dienjenigen, die durch Neuerungen etwas zu verlieren haben, besser organisiert sind und mit übertriebenen Untergangsszenarien auf sich aufmerksam machen können als jene, die von diesen Neuerungen profitieren, aber (noch) nicht organisiert sind und größtenteils noch nicht einmal wissen, daß sie davon profitieren werden.
Bei aller Kritik am Markt, manche Entscheidungen kann man ruhig diesem amorphen Treiben von Anbietern und Nachfragern überlassen.
Manchmal, wenn ich gerade wieder auf einer Insel gestrandet bin und sie umrunde, um nach Spuren menschlichen Lebens und nach Nahrung zu suchen, komme ich mir vor wie Robinson Crusoe.
Was für ein hartes Los!
Dieses selektive Rauchverbot entdeckte ich in einer verlassenen Siedlung auf der Insel Caprera vor Sardinien.