Kiew – Tag 19/21

Heute war wieder so ein schöner Tag, dass ich einfach losgewandert bin. So weit und so schnell und so planlos, dass ich anscheinend über die Stadtgrenzen von Kiew hinaus kam, denn plötzlich sah es ziemlich ländlich aus.

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Den ganzen Tag fühlte ich mich wie auf einem Spaziergang durch die Gemälde von Konstantin Kryschizki.

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Kiew – Tag 18/21 – Friseur

Wenn ich erzähle, dass ich länger in ein Land fahre, dessen Sprache ich nicht verstehe, kommt oft die entsetzte Frage: „Aber was machst du dann, wenn du zum Arzt musst?“

Na, dann gehe ich zum Arzt, ganz einfach. Oder in die Poliklinik, wenn es dringend erscheint. Sprechen muss man da nicht viel, weil Ärzte die Symptome selbst erkennen und sicher alles schon hundertmal gesehen haben. Einfach zeigen, wo es zieht oder drückt, und schon wird einem geholfen.

Nein, die wirkliche Horrorvorstellung des Reisenden ist ein Friseurbesuch ohne Verständigungsmöglichkeiten. Aber heute musste es sein, und ich ging in eine dieser Friseurbuden, die am Straßenrand stehen. Denn, liebe Leser, je schäbiger etwas aussieht, umso günstiger kommt Ihr davon. (Das gilt übrigens auch bei den Polikliniken.)

Friseur

Die Friseurin fragte während des Schneidens immer wieder „normalni?“ und ich sagte jedes Mal „da, da“, denn etwas Besonderes wollte ich gar nicht. Und was hätte ich auch sonst sagen können? Die Haare wurden dann zwar kürzer als gewünscht, aber gar nicht schlecht. Für 80 Hryvnas, also 3 Euro, kann man sich so ein Experiment schon mal gönnen.

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Kiew – Tag 17/21 – Nationalfarben

Schon als ich in Polen den ukrainischen Zug bestieg, fiel mir die patriotische Farbgebung auf.

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In Kiew wird das Markenimage in der U-Bahn konsequent fortgeführt.

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Und ab da fiel es mir überall auf:

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Ich glaube nicht, dass diese patriotischen Plastiktüten zufällig da hängen.

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Kiew – Tag 16/21

An manchen Orten ist Regen das passendste Wetter.

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Und der Anbruch der Nacht die beste Zeit.

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In jenem Moment richteten sich die ewige Flamme für die unbekannten Soldaten des Zweiten Weltkriegs, die Gedenkstätte für den Holodomor und eine Kirche, die ich nie von den anderen Kirchen unterscheiden kann, in einer Linie aus.

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Kiew – Tag 15/21 – Panzer

Muss ich mir Sorgen machen, wenn plötzlich Panzer vor dem Haus stehen?

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Kiew – Tag 14/21 – Schnee

Kürzlich sind wegen des milden ukrainischen Winters alle vor Neid explodiert, jetzt kann ich Entwarnung geben: Es hat endlich geschneit und ist ein bisschen kühl geworden.

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Bevor Ihr jetzt sagt „huch, ist das hübsch“, sollte ich darauf hinweisen, dass die Fotos alle aus Babi Jar und dem Gebiet des ehemaligen KZ Syrez stammen.

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Kiew – Tag 13/21 – Kirchen

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Kiew – Tag 12/21 – Kommunismus und Kapitalismus

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An der Ästhetik kann es nicht gelegen haben, dass der Kapitalismus über den Kommunismus gesiegt hat.

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Kiew – Tag 11/21 – Holodomor

Jetzt, wo alle darüber klagen, dass sie an Weihnachten zu viel gegessen haben, ist das eigentlich das richtige Bild. Das abgehungerte Mädchen sowie das dahinter sichtbare Mahnmal erinnern an den Holodmor, eine dramatische, durch die Sowjetführung absichtlich verursachte Hungersnot in den Jahren 1932/33. Es starben fast vier Millionen Menschen.

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Über das eigentliche Massenverbrechen hinaus ist der Holodomor interessant als Paradebeispiel für den Umgang mit Geschichte in Osteuropa: Leugnung/Verschweigen durch die Sowjetunion. Wichtiger Bestandteil des ukrainischen Geschichtsbewusstseins. Nach der Unabhängigkeit ein Fokus der ukrainischen Regierung auf Geschichtspolitik, sowohl intern (Gedenkstätten, Schulbildung) als auch international (Streben um Anerkennung als Völkermord). Klar erkennbare nationale Trennlinien zwischen ukrainischen und russischen Historikern bei der Einschätzung der Hungerkatastrophe. Ob man den Holodomor nun als Genozid, Soziozid, Politizid oder Ökonomizid einstuft, dass es ein Verbrechen war, bezweifelt ernsthaft niemand.

Viele ukrainische Frauen gedenken übrigens heute noch dem Holodomor, indem sie nicht mehr als die gerade erforderliche Nahrung zu sich nehmen und so weit wie möglich abmagern. Das sind wohl irgendwelche vererbten Traumata.

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Kiew – Tag 10/21 – Strand

Solange es in Kiew noch sonnig und warm ist, könnte ich eigentlich an den Strand gehen, dachte ich mir. „Warte mal“, höre ich die geographisch begabten Leser wiedersprechen, „Kiew liegt doch gar nicht am Meer.“

Naja, irgendwie schon, denn der Fluss Dnepr verbindet die Stadt mit dem Schwarzen Meer und ist breit genug, um auch großen Schiffen die Fahrt bis in die Hauptstadt zu ermöglichen.

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Falls Ihr mal ein Ausflugsboot sucht, das ist das Hafengebäude. Sehr aktiv schien es mir allerdings nicht zu sein.

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Und ja, es gibt tatsächlich Strände.

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Wie man in dem Gemälde von Iwan Aiwasowski aus dem Jahr 1872 sieht, sollte der Fluss im Winter eigentlich zugefroren sein. Aber jetzt halten sowohl das Atomkraftwerk in Tschernobyl sowie die Atommülldeponie der Chemiefabrik Prydniprovsky das Wasser wärmer als üblich.

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Die Frau, die ich auf der Truchaniw-Insel sah, hätte sich selbst von Eis nicht abhalten lassen. Ich lehnte an einem Baum, las ein Buch, rauchte eine Zigarre und war mir sicher, dass ich der einzige Mensch am Strand bin. Da kam eine alte Frau mit Wollmütze und einer dicken lilafarbenen Jacke, ging zum Fluss hinunter, zog sich komplett aus (es wehte ein eiskalter Wind, so dass ich trotz Schal und allem zitterte) und ging schwimmen. Ihr Ausflug ins andere Element dauerte nur etwa zehn Sekunden, aber ich war beeindruckt. Sie zog sich wieder an und ging dann wahrscheinlich zum Postamt oder zum Einkaufen.

Die Wassertemperatur des Flusses im Dezember beträgt 3 Grad, und da ist die Radioaktivität schon berücksichtigt.

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