Auf den Spuren des Königs (Tag 3) Ammersee

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Auf langen Wanderungen breche ich gerne früh auf. Die Luft ist noch kühl, es herrscht weniger todbringender Autoverkehr, und es bleibt mehr Muße für Pausen unterwegs.

Aber Reinhard schläft lange, und ich will mich nicht aus dem Staub machen, ohne mich zu verabschieden. Ein paar Stunden nach mir wacht er auf, geht zum Bäcker, macht ein Frühstück, und die Diskussion vom Vorabend geht weiter, so dass ich erst um 10:45 die Stiefel schnüre. Meine Ziele heute waren eigentlich Dießen, Raisting, Wessobrunn und Paterzell. Das ist nicht mehr zu schaffen.

Andererseits habe ich sowieso keine Übernachtungen mehr fixiert, kann also so langsam pilgern wie ich möchte und abends einfach umfallen, wo es mir der Heilige Geist gerade befiehlt.

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Außerdem kann ich ein wenig schummeln. In Fischen habe ich kaum meinen Rucksack von den Schultern genommen und den Daumen rausgestreckt, um die 4 km nach Dießen abzukürzen, schon hält das erste Auto. Zwar nicht wegen mir, sondern weil der Tochter des Fahrers der Schnuller rausgefallen ist. Aber als er sieht, wie dankbar ich bin, dass er gehalten hat, bittet er mich, neben dem Baby auf dem Rücksitz Platz zu nehmen.

„Wo soll ich Sie absetzen?“ fragt der Papa.

Ich brauche erst einmal Zeit zum Schreiben, um die Erlebnisse des Vortages zu Papier zu bringen, bevor sich neue in mein Gedächtnis drängen und sich womöglich noch vermengen, verblassen oder gar verloren gehen.

„Gibt es einen schönen Park in Dießen?“ frage ich deshalb.

„Einen Park? Nein. Dießen ist ein kleines Nest.“

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Na gut, dann eben zum Hafen am Ammersee, da kann man auch entspannt schreiben.

Hier weht ein blauer Punkt auf weißem Grund, die „One World Flag“, ein weltumspannendes Projekt, dessen Flaggen in Dießen genäht werden. Das passt zu meinem Blog, der auch auf allen Kontinenten gelesen wird.

Außer mir sitzt hier ein älteres Ehepaar, das die Schwäne mit Hundefutter anlockt, während ihr kleiner Hund traurig herumstreunt und sich fragt, wieso er nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wenn die Schwäne nicht schnell genug Futter bekommen, fauchen sie ganz fuchtig. Nur die Beobachtung durch die Passanten hält sie davon ab, ihre eigenen flauschigen Jungen zu verspeisen. Um diese barbarischen Bestien für tolle Tiere zu halten, muss man schon so durchgeknallt sein wie Ludwig II.

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Ein kleiner Spaziergang offenbart, dass Dießen durchaus kein langweiliges Nest, sondern ein stilvolles Städtchen mit einer Unmenge an Kunst und Kultur ist.

Die Gärten, ja selbst die Hinterhöfe, wirken wie Freiluftmuseen. Ein Holzkasten zum Deponieren von Haikus steht bereit. Sogar das ehemalige Bahn-Stellwerk wurde zur Kunstgalerie umgewidmet. Viele Bewohner sind anscheinend gerade im Sommerurlaub und haben holzgeschnitzte Stellvertreter im Garten platziert, die derweil auf die Katzen aufpassen. (Viele Leute wissen nicht, dass ich diese systemrelevante Dienstleistung ganz professionell, aber auch ganz unbezahlt anbiete, und insbesondere in einem schönen Städtchen wie Dießen jederzeit zur Verfügung stehe.)

Schon seit Jahrhunderten ist Dießen bekannt für Kunst und Handwerk. Früher waren es die Hafner, Glaser, Zinngießer, Kunstschmiede und Töpfer. Aber auch Komponisten wie Carl Orff oder Maler wie Carl Spitzweg lebten und arbeiteten hier. Hier ist mehr Kunst als in manchen Weltstädten.

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Dießen hat erkennbar eine ganz andere Bevölkerung als Starnberg. Normaler. Angenehmer. Sozialer auch, denn statt Versace-Läden gibt es hier Second-Hand-Basare des Roten Kreuzes und anderer gemeinnütziger Einrichtungen. Hier wird gespendet. Bei den Millionären in Starnberg wird betrogen und steuerhinterzogen.

Der Ammersee wurde oft abwertend „Bauernsee“ genannt, im Gegensatz zu dem als „Fürstensee“ titulierten Starnberger See. Ich kann zwar selbst kaum eine Kartoffel von einem Kürbis unterscheiden, aber ich fühle mich bei den Bauern wohler.

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Auch der Circus William, der für ein paar Tage in der Stadt gastiert, bittet um Spenden: „Tierfutter für 40 Kamele“ steht an Zäunen und Laternenpfosten, jeweils mit einer Spendenbox.

Die Dönermeister wetzen schon die Messer für den Fall, dass eines der Kamele verendet.

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Die britische Telefonzelle, die zu einem Bücherschrank umfunktioniert wurde, ist wahrscheinlich eine Spende der Partnerstadt Windermere. Das hübsche Städtchen am Ammersee und der schnuckelige Ort im Lake District, das ist endlich mal eine Städtepartnerschaft, die Sinn ergibt. Nicht so verzweifelt wie Rostock, das sich an Rijeka ranschmeißt. Oder Saarbrücken, das glaubt, in der gleichen Liga wie Tiflis zu spielen.

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Dießen erkennt man schon von weitem an dem auf einem Hügel thronenden Marienmünster. Die Kirche ist bekannt als eine der prächtigsten in Bayern, also fühle ich gegenüber den bildungshungrigen Lesern die Verpflichtung, mich bergauf zu schieben.

Na gut, prächtig ist sie wirklich, aber stilvoll ist etwas anderes.

Die deutsch-nationalen Sprüche über den Listen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen verstören mich zudem.

„Denn es ist uns besser, daß wir fallen im Kampfe, als daß wir sehen unseres Volkes Unglück.“

Nein, das ist nicht besser, denn es ist eine falsche Alternative. Vielleicht hat die Kirche es noch nicht gemerkt, aber das mit dem Kämpfen und Sterben war das Unglück. Und übrigens: Andere Völker haben auch ein Recht auf Glück, einschließlich der Verschonung vor dem Einmarsch deutscher Truppen, die in Belgien und anderswo wirklich nichts zu suchen hatten.

„Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung!“

Nein danke, ich erkenne da überhaupt nichts Nacheifernswertes.

Überall wird derzeit über Statuen von Sklavenhändlern, Kolonialherren, Konföderiertengenerälen und Kaiser Wilhelm II. diskutiert, aber in den Kirchen hängt so ein Stuss, dass einem schlecht wird. Da könnte man mit dem Aufräumen anfangen.

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Dann finde ich doch einen Park. Und was für einen! Der Schacky-Park ist mehr als hundert Jahre alt, und so sieht er aus. Treppenstufen sind abgebrochen und versinken im Boden. Pflanzenarme umranken Säulen. Die Springbrunnen sind versiegt.

Wunderbar! Viel besser als so piekfeine Pfriemelparks. Für mich ist das hier ein Paradies. Gut, dass der königliche Kämmerer Freiherr von Schacky ausreichend Taler für die Privatschatulle abgezweigt hat, um diese 18 Hektar zu erwerben, zu bebauen und anschließend romantisch verwildern, verwuchern und verfallen zu lassen.

Der Park am Stadtrand scheint tatsächlich vollkommen vergessen zu sein. Ich sehe keine anderen Spaziergänger, geschweige denn andere Vagabunden. Und damit ist der Schlafplatz für heute gefunden. Wenn ich erzähle, dass ich in Parks schlafe, stellen sich die Leute grausam kalte Nächte vor. Aber in manchen Parks fühlt man sich wie in einem Schloss. Einem Schloss nur für mich allein.

Aber was, wenn es regnet, fragen die besorgten Leser und Leserinnen, die sich noch an die gestrige Nacht (Kapitel 32) erinnern.

Da wird sich schon etwas finden, antworte ich sorglos und erkunde weiter den Park, bis sich tatsächlich etwas findet. Ein Monopteros!

Und sogar mit Vorhängen an allen Seiten, die man im Falle eines Sturmes oder sonstiger störender Ereignisse herunterlassen kann.

Diese Stadt ist so sozial, hier ist wirklich an alles gedacht, sogar für mittellose Durchreisende. Dankeschön!

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Auch an mittel- und elternlose Kinder ist gedacht. Gleich hinter dem Schacky-Park wurde 1958 das erste SOS-Kinderdorf in Deutschland eröffnet. Hier können die Waisenkinder leben, die es geschafft haben, sich aus den kindesmissbrauchenden Klosterschulen (siehe Kapitel 27) zu befreien.

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Ich verstaue meinen Rucksack in einem Gebüsch, wahrscheinlich eine vollkommen übertriebene Vorsichtsmaßnahme, gehe mir einen Kameldöner holen und lustwandele durch den Park, mich an die Geschichte der Schmuckeremiten erinnernd. Früher, als zu solchen Parks noch Schlösser gehörten, hielten es manche Schlossherren für schmuck (daher der Name), sich im Park einen Eremiten, also einen Einsiedler zu halten. Der sollte dann in einer (meist künstlichen) Höhle oder einer Hütte wohnen, durfte sich nicht rasieren und sorgte für Exotik und Gesprächsstoff bei Gartenpartys (also das, wozu man sich heutzutage Hunde oder Kinder hält).

Tja, früher, da gab es noch Arbeit für Menschen wie mich.

Aber jetzt, alles wegrationalisiert. Traurig.

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In meine Träumereien von alten Zeiten platzen ein Telefonanruf und die modernen Zeiten. Ein bisher nur aus dem Internet Bekannter, Michael aus Amberg, hat auf meinem Blog von der Wanderung gelesen und macht gerade Urlaub am Ammersee.

„Willst du mal vorbeikommen?“

„Gerne!“

Er wohnt allerdings in Breitbrunn und damit auf der anderen Seite des Ammersees, in vollkommen entgegengesetzter Richtung von der geplanten Wanderung.

„Dann nimm doch den Dampfer“, schlägt er vor. Der geht um 16 Uhr in Dießen und fährt im eineinhalbstündigen Zickzack über Riederau, Herrsching und Utting nach Breitbrunn. Das hört sich verlockender an, als um den ganzen See herumzuwandern. Und außerdem, so kann ich alle Entscheidungen rechtfertigen: Die Leserschaft will doch auch eine romantische Schiffsfahrt erleben und nicht nur meinen langweiligen Trippelschritten auf irgendwelchen Waldwegen folgen. Nicht wahr?

Allerdings geht an dem Tag kein Schiff mehr zurück. Also muss ich Michael, der sich wahrscheinlich nur auf ein Bier treffen wollte, frech um ein Nachtquartier fragen.

„Da wird uns schon etwas einfallen“, beruhigt er mich.

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Als ich außer Atem wenige Minuten vor der pünktlichen Abfahrt am Hafen eintreffe, bin ich sehr froh über diese Entscheidung. Denn sie erlaubt mir, Euch die Fahrt auf einem Schaufelraddampfer zu präsentieren.

Ein bildschönes Schiff, angetrieben von zwei hölzernen Rädern wie auf den Mississippi-Dampfern. Auch innen viel Holz. Die Wasserhähne im Bad sind vergoldet.

Nach 70 Jahren Pause ist es das erste Schaufelradschiff, das vom Stapel lief, verkündet der Kaleu stolz. Schade, was die Beschränkungen des Versailler Vertrags so alles an maritimer Innovation zum Maschinenstopp gebracht haben. Allerdings, gibt er zu, sieht das Schiff nur aus wie ein Dampfschiff. In Wirklichkeit werden die Schaufelräder von zwei Dieselmotoren mit je 520 PS angetrieben. Wenn man die Kapazität von 500 Passagieren bedenkt, ist das aber immer noch ein besseres Verhältnis von Aufwand und Ertrag als all die übermotorisierten fetten Fahrzeuge an Land.

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Über den Lautsprecher ertönen Informationen, wie man sie auf Schiffsausflügen eben bekommt und wie sie die täglichen Pendler schon nerven müssen: Drittgrößter See in Bayern. Bis zu 81 Meter tief. Irgendwas breit, irgendwas lang, 47 Quadratkilometer groß. Es gibt also Staaten, die sind kleiner als der Ammersee (Sint Maarten, Tuvalu, Nauru, Monaco und natürlich der Vatikan, aber das erzählt der Unterhaltungsoffizier nicht, vielleicht weil dieses Jahr keine Gäste aus Übersee an Bord sind.)

Weil weder ich noch Ihr etwas über die Würmeiszeit oder über endemische Kilche hören wollt, hole ich mir einen imaginierten Bierkrug aus dem geschlossenen Bordrestaurant und mache mich bereit, endlich die historischen Fragen zu beantworten, die Euch schon seit der ersten Etappe unter den Nägeln brennen und die mit jeder zusätzlichen Etappe wie Blasen unter den Füßen mehr drängen und drücken.

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Vom Schiff aus erblicke ich das Kloster Andechs, dem ich erst gestern einen Besuch abgestattet habe, und erinnere mich an das dort (Kapitel 24-26) gegebene Gelübde, etwas aus der guten alten Zeit der Säkularisation zu berichten.

Säkularisation bezeichnet die staatliche Einziehung kirchlichen Eigentums, meist von Grundbesitz und Klöstern, aber auch von Kunstschätzen oder Bibliotheken. Das ging bis zur Annexion und Einverleibung ganzer kirchlicher Fürstentümer.

Einzelne Bestrebungen dazu gab es schon vorher, aber ab 1802 machte Bayern richtig Tabula rasa. Fast alle Klöster, Hochstifte, Reichsabteien und Fürststifte wurden aufgelöst, ihr Eigentum wurde verstaatlicht. (Das war die Erfindung des Kommunismus, noch weit vor Marx und Lenin!) Nur einige Klöster wurden als sogenannte Aussterbeklöster belassen. Dort durften die bisherigen Mönche noch ergebnislos beten, aber das Kloster war vom Transfermarkt ausgeschlossen und konnte keine neuen Mitspieler aufnehmen.

Das Projekt wurde generalstabsmäßig durchgezogen. Zuerst waren die Klöster der Bettelorden dran, für die sich natürlich niemand einsetze. („Selbst schuld, dass sie arm sind“, denken Reiche oft über Arme.) In die reichen Prälatenorden entsandte Bayern Kommissare, die auflisteten, was alles an Gold, Weihrauch und Myrrhe da war. 1803 kam es zu dem zumindest dem Namen nach bekannten Reichsdeputationshauptschluss, in dem das Heilige Römische Reich den Gliedstaaten freie Hand gegenüber den Klöstern ließ. Bayern schlug sofort zu und enteignete gnadenlos wie das Landgewinnungskomitee zum Bau der Baikal-Amur-Magistrale. Ein Beweis, dass Beten nicht hilft.

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Nur leider hatte diese Säkularisation zwei Mängel:

Zum einen wurden nur die selbständigen Klöster und Fürstbischöfe enteignet, nicht aber die katholischen oder protestantischen Kirchen als solche. Die gewöhnlichen Pfarrkirchen und Kathedralen blieben also bestehen. Eine verpasste Chance.

Zweitens haben sich die Kirchen mittlerweile fette Entschädigungszahlungen für die einstigen Enteignungen gesichert. Ich könnte jetzt viel verwirren mit dem Konkordat zwischen dem Königreich Bayern und dem Heiligen Stuhl von 1817, warum Bayern die Bischöfe besoldet, dem Konkordat des Freistaats Bayern von 1924, der Einführung der Kirchensteuer, dem Konkordat des Deutschen Reichs von 1933, den Konkordatslehrstühlen, sowie der Frage, warum auch heute noch die Religionsverfassungsartikel der Weimarer Reichsverfassung gelten.

Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 verlangte, dass die Länder die Entschädigungszahlungen durch einmalige Zahlung ablösen, wofür das Deutsche Reich aber die Rahmengesetzgebung verabschieden sollte. Das geschah nie. Als 1949 das Grundgesetz die Möglichkeit zum Neuanfang gegeben hätte, war die Sache schon so unübersehbar kompliziert geworden, dass man in Artikel 140 des Grundgesetzes einfach die teilweise Weitergeltung der Weimarer Reichsverfassung anordnete und hoffte, dass es niemandem auffallen würde. Es scheint tatsächlich nie jemandem aufgefallen zu sein, denn auch in der Geschichte der Bundesrepublik kam es nie zu der geforderten Ablösung.

Und so zahlen deutsche Steuerzahler seit mehr als 100 Jahren Staatsleistungen an die katholischen und protestantischen Kirchen wegen der Säkularisation von vor 200 Jahren. Wohlgemerkt aus dem allgemeinen Steueraufkommen; das hat nichts mit der Kirchensteuer zu tun. Hier zahlen auch die Atheisten mit. Aber gut, in diesem Jahr sind es nur 656 Millionen Euro, und die Kirche revanchiert sich dafür, indem sie staatliche Behörden nicht mit Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs belastet, sondern die kriminellen Angelegenheiten kostengünstig intern klärt.

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Als das Schiff in Herrsching zum Zwischenstopp anlegt, sticht das Kurparkschlösschen ins Auge, das einem italienischen Adelspalast nachempfunden ist.

Heute beherbergt es die Volkshochschule, in der die Schlauen noch schlauer werden, und einen Trauungssaal, in dem sich die nicht so Schlauen ihr Leben versauen.

Ich könnte noch viel Schlaues erzählen, aber ich bin schlau genug, zu erkennen, wann die Aufnahmebreitschaft der schlauen Leserschaft erschöpft ist. Gucken wir also lieber auf den See, auf die Berge und in die Sonne, genießen das sanfte Tuckern auf diesem Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst, und freuen uns über die Einladung nach Breitbrunn.

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Michael lässt es sich nicht nehmen, mich schon am Bootssteg in Empfang zu nehmen, wo er mir eröffnet: „Meine Frau war gar nicht begeistert von der Idee, einen wildfremden Vagabunden einzuladen.“

Oje, das Paar ist selbst auf Urlaub, und jetzt funke ich mit meiner Landstreicherei dazwischen. Aber als die Frau des Hauses mich wenig später sieht, weicht ihre Furcht sogleich dem mütterlichen Instinkt, und sie bereitet Bratkartoffeln mit Spiegelei zu. Den ganzen Abend werde ich so viel Käse, Wurst und Brot gereicht bekommen, dass ich noch Tage davon zehren kann.

Ebenso zehren kann ich von der Unterhaltung mit Michael. Er hat ein vollgepacktes Leben, begutachtet Entwicklungshilfeprojekte in aller Welt, war als Kameramann bei der Fremdenlegion in Französisch Guyana, unterrichtet Fotografie auf Sri Lanka, hilft bei der Eingliederung von Geflüchteten in Amberg und fährt Essen für die Tafel aus. Alles mit der Effizienz eines Managers.

Die Stunden auf der Terrasse verrinnen, während wir uns in Erzählungen aus New York, Lagos und Wien verlieren. Michaels Frau hat sich schon zurückgezogen. Sie ruft ihn noch ein paarmal an, vorgeblich, um zu fragen, ob wir kulinarischen oder alkoholischen Nachschub benötigen, in Wirklichkeit wahrscheinlich, um zu sagen, dass wir endlich ruhig sein sollen, weil wir das ganze Haus wachhalten.

Apropos Haus: Auf dem Grundstück sind gleich zwei davon, so dass ich trotz meines ungeplanten Auftauchens eines für mich allein bekomme. Und zwar das ältere und schönere. Rustikal-stilvoll ist es eingerichtet, mit Holzboden, Eichenschränken und einer Terrasse mit Blick auf den See. Im Kühlschrank stehen Veuve Moreaux Champagner und Bombay Gin.

Und vor ein paar Stunden dachte ich noch, ich würde die Nacht im Park verbringen.

Eines der Bücher, die ich auf der Reise wieder lese, ist „Die Zeit der Gaben“ von Patrick Leigh Fermor, der auf seiner Wanderung durch Europa manchmal auf Fürstensitze und Schlösser eingeladen wurde. Zumindest heute ist mir das gleiche Glück hold.

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Morgen wird es nicht so locker.

Stattdessen erwarten Euch: Der härteste Tag der Wanderung, ein spukiger Friedhof und die Wahrheit über 5G.

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Über Andreas Moser

Travelling the world and writing about it. I have degrees in law and philosophy, but I'd much rather be a writer, a spy or a hobo.
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3 Antworten zu Auf den Spuren des Königs (Tag 3) Ammersee

  1. danysobeida schreibt:

    Una ciudad encantadora. 43. Y un antiguo y bello parque!

  2. Pingback: Auf den Spuren des Königs (Tag 4) Der längste Tag | Der reisende Reporter

  3. Pingback: Auf den Spuren des Königs (Tag 7) Füssen | Der reisende Reporter

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