Unsortierte Gedanken (2)

  1. Noch immer stehe ich jeden Tag vor 6 Uhr auf. Das Problem ist, dass ich spätestens um 10 Uhr schon Spaghetti oder eine Pizza brauche und mittags schon Zigarren rauche.
  2. „Es gibt genügend Lebensmittel auf der Welt, sie müssten nur richtig verteilt werden,“ hört man immer apodiktisch. Dass es nicht so einfach ist, zeigt eine Radioreportage über Nachernteverluste. Insbesondere in einigen Staaten Afrikas geht schon auf dem Weg vom Feld zum Lager ein Drittel der Ernte durch falsche Lagerung, fehlende Kühlung und durch Insekten verloren. Die Reportage zeigt, mit welch einfachen Mitteln man diese Probleme reduzieren kann, und man fragt sich, wieso wir stattdessen am Flug zum Mars forschen.
  3. Bob Dylan. Schon wieder ein Literaturnobelpreisträger, von dem ich noch nie ein Buch gelesen habe. Dieses Mal fühle ich mich darüber aber weniger ungebildet als in den Jahren zuvor.bob_dylan_in_toronto1
  4. Zum Ausgleich könnte beim Eurovision Song Contest doch mal ein Buch gewinnen.
  5. An Donald Trump: „Ich finde diese Frau gar nicht so attraktiv“ ist weder eine wirksame noch eine kluge Verteidigung gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung.
  6. Wenn es weltweit nur eine Fluglinie gäbe, hätte ich schon längst genug Meilen für einen Freiflug gesammelt.
  7. In einem Radiointerview mit dem Richter Thomas Fischer fragt die Moderatorin, warum Recht kein Schulfach sei. Der Richter stimmt zu, dass das eine Sauerei ist. Und ich frage mich, auf welchen Schulen die beiden waren. Ich hatte seit der 9. Klasse jede Woche etliche Stunden Rechtsunterricht. Im Leistungskurs war das immerhin auf einem Niveau, das mir die ersten beiden Semester Zivilrecht an der Universität wie eine Wiederholung vorkommen ließ. (Ich war auf dem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig des Gregor-Mendel-Gymnasiums in Amberg.)
  8. Die ganze Welt schaut voller Angst auf Donald Trump, aber in Bayern lauert Markus Söder.
  9. Wenn ich Nachrichten lese wie die von dem Mann, der im Batman-Kostüm Jagd auf Menschen in Clownkostümen macht, merke ich, dass ich das Vereinigte Königreich doch ein wenig vermisse. In einem lustigeren Land habe ich tatsächlich noch nie gelebt.
  10. Ich schreibe „Vereinigtes Königreich“ anstatt „Großbritannien“ weil beide bei Weitem nicht deckungsgleich sind. Dieser Fehler wird jeden Tag in allen Zeitungen und Fernseh- sowie Radionachrichten wiederholt. Wer weiß, wie ich mich über solche Fehler aufrege, wird sich wundern, dass ich noch keinen Herzinfarkt hatte.
  11. Ich hatte mal einen Kindesentführungsfall zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland, in dem ich als einziger am Verfahren Beteiligter den Unterschied zwischen diesen beiden geographischen Bezeichnungen kannte. Auch den britischen Anwälten war es nicht bewußt. Durch diesen Trick lief die Gegenseite in eine Falle. Irgendwann kann ich das mal ausführlich erzählen.
  12. Falls jemand die „Reichsbürger“-Problematik auch auf Frau Merkel schieben will: Nein, diese Idioten gab es schon vor Jahrzehnten. Jeder Rechtsanwalt kann ein Lied davon singen. Allerdings waren sie nicht nur geistig, sondern auch finanziell minderbemittelt, so dass keiner von ihnen jemals mein Mandant wurde.
  13. Vielleicht gibt es mal Zigarren mit Rocoto-Geschmack.
  14. Warum gibt es keine BDS-Bewegung gegen Donald Trump?
  15. Heute im Krämerladen in Mollendo in Peru: „Tut mir leid, ich führe keine Feuerzeuge und keine Zigaretten, weil ich sonst selbst wieder zu rauchen anfange.“ Ich: „Na gut, dann nehme ich eben zwei Stücke von der Torte. Ist sowieso gesünder.“ „Viel gesünder“ bestätigt die freundliche und gesundheitsbewußte Dame und gibt mir ein drittes Stück gratis.
  16. Gestern habe ich ein Interview mit Evan McMullin gehört, einem der unabhängigen Präsidentschaftskandidaten. Er scheint mir bisher der Intelligenteste und Schlagfertigste von allen zu sein. Und wenn ich als Grünenwähler das über einen Konservativen sage, muss es schon etwas heißen.
  17. Die Grünen in den USA hatten seit Ralph Nader keinen ernstzunehmenden Kandidaten mehr. Leser meines englischen Blogs werden sich an Cynthia McKinney und ihre Verschwörungstheorien erinnern. – übrigens noch immer unübertroffen meine am meisten gelesenen Artikel. Das war ein Spaß auf Malta, als mein Blog das Tagesgespräch im ganzen Land war. Der Vorteil von kleinen Staaten. Vielleicht ziehe ich als nächstes nach Sint Maarten oder San Marino. (Nein, das ist ebenfalls nicht das gleiche.)
  18. An die Leute aus meiner Heimatstadt: Niemand auf der Welt kennt Amberg. Ehrlich. „Ahh, Hamburg“ kommt immer als Antwort, oder allenfalls „ach, Bamberg, kenne ich“. Vielleicht ändert sich das endlich durch diese Nachricht.
  19. Das Video des Tages ist meine derzeitige Lieblingsmusik, die 9. Symphonie von Dvorak. Hervorragend geeignet zur Begleitung von schreibenden oder anderen kreativen Tätigkeiten.

Hier eine andere Version für die Hörer, die es mit mehr Dirigentenfirlefanz und mit Papst mögen:

So, und jetzt tu ich mir die letzte Präsidentschaftsdebatte des Jahres an. Hillary Clinton und Donald Trump werden auch froh sein, dass sie sich nie mehr sehen müssen.

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„Terror – Ihr Urteil“ – nur dumm oder schon Volksverdummung?

Big Brother, Eurovision Song Contest, Wetten Dass, überall kann man anrufen und abstimmen. Die ARD hat das getoppt und uns dazu aufgefordert, „über das Schicksal eines Menschen“ abzustimmen.

Da „Schicksal“ etwas ist, worum sich traditionell die Götter kümmern, ist das sprachlich verhunzt. Dabei sollte es an jenem Abend nicht bleiben. Wer sich an Sprache vergeht, vergeht sich meist auch an der Logik.

Die Prämisse des Films war schon so falsch, dass ich nicht erwartete, der Fernsehabend würde auch nur einen Funken Aufklärung oder Information bringen. Es kam noch schlimmer.

„Held oder Mörder“ wird dramatisierend gefragt, wie wenn diese Entscheidung in einem Strafprozess zu treffen sei. „Heldentum“ ist keine juristische Kategorie. Wenn man sich auf Friedhöfen umsieht, welche Gräber es sind, die das „Heldentum“ oder den „Heldentod“ auf dem Grabstein führen, so ist es nicht einmal historisch gesehen eine sehr treffsichere Kategorie.

Aber auch die den Zuschauern am Ende abverlangte Entscheidung nach „schuldig oder unschuldig“ war vereinfacht, und zwar so vereinfacht, dass nach einem „Prozess“, der vieles Irrelevante miteinander vermischte und viel Relevantes unberücksichtigt ließ, die Enthaltung die einzig richtige Entscheidung gewesen wäre.

Diese angebotene Dichotomie ärgert mich nicht nur als Juristen, sondern auch als aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, der sich um 2000 Jahre ins römische Kolosseum zurückgeworfen fühlt, wo das Volk den Daumen hebt oder senkt um über ein Menschenleben zu entscheiden.

Einer der Zivilisationsfortschritte, den wir seither gemacht haben, ist die Differenzierung von Sachverhalten, wie sie unter anderem im Rechtssystem Ausdruck findet. Dass Recht angeblich so kompliziert sei, ist keine schlechte sondern eine gute Sache, weil man damit mehr und mehr Einzelfällen gerecht wird. Auch Medizin und Quantenmechanik sind in den letzten Jahrhunderten komplizierter geworden. Darüber beschwert sich niemand. Aber gerade Rechtswissenschaft, dieses Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, soll so einfach gestrickt sein, dass der Stammtisch der Metzgerlehrlinge auch nach 17 Bieren noch mitreden kann?

Aber jetzt im Einzelnen, und ich nehme mir hier wirklich nur die gröbsten Schnitzer vor:

1) Die Frage, ob die Tötung unschuldiger Passagiere rechtmäßig oder rechtswidrig ist, wurde vom Bundesverfassungsgericht 2006 entschieden. Danach verstieß der entsprechende § 14 III Luftsicherheitsgesetz gegen das Recht auf Leben (Art. 2 II 1 Grundgesetz) und die Menschenwürde (Art. 1 I Grundgesetz).

Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts haben Gesetzeskraft (§ 31 II 1 Bundesverfassungsgerichtsgesetz). Damit Schluß, aus, Ende der Debatte. Wem das nicht passt, der kann versuchen, das Recht auf Leben und die Menschenwürde aus dem Grundgesetz zu tilgen, wofür ihm Al-Qaida und ISIS ein großes Dankeschön schuldig wären, wobei er aber über Art. 79 III Grundgesetz stolpern würde.

Verfassungsänderungen finden nicht in Strafprozessen statt.

2) Wer das zugrundeliegende philosophische Problem der Abwägung von vielen gegen wenige Menschenleben diskutieren mag, der kann sich Gedanken über den Weichenstellerfall machen.

Die Diskussion von ethischen Problemen gewinnt dadurch, dass man sie anhand von Strichmännchen namens A, B und C anstatt mit stereotyischen (und damit fremden) Terroristen auf der einen und fahnenschwenkenden deutschen Fußballfans auf der anderen Seite führt. Letztere Konstellation gleitet schon ein bißchen in Richtung Krieg ab, mit allen negativen Folgen für Recht, Moral und klares Denken.

3) Jetzt wird es kurz kompliziert für Nichtjuristen: Nur weil eine Straftat rechtswidrig ist, bedeutet das nicht, dass der Täter bestraft werden muss. Zusätzlich zu Rechtfertigungsgründen (das wären Notwehr und Nothilfe), die hier gegenüber den unschuldigen Passagieren nicht einschlägig sind weil von diesen kein Angriff ausgeht, sieht das Strafgesetzbuch Entschuldigungsgründe vor.

Der entschuldigende Notstand (§ 35 I 1 Strafgesetzbuch) erfordert jedoch ein Näheverhältnis zu den durch die Straftat geretteten Personen. Wenn die Familie des Luftwaffepiloten im Stadium wäre, so wäre seine Tat entschuldigt. Er würde nicht bestraft. Notate bene: Ich schreibe nicht „dann dürfte er die Passagiermaschine abschießen“, denn dürfen würde er es dennoch nicht. Er würde nur für etwas, das er nicht durfte und das rechtwidrig war, nicht bestraft. (Dies ist ist nicht nur der Punkt, an dem viele Leser verzweifeln, sondern an dem im zweiten Semester auch etliche meiner Kommilitonen entschieden: „Jura ist nichts für mich. Ich wechsle auf Grundschullehramt.“)

Die Besprechung des übergesetzlichen Notstands erspare ich Euch, denn zum einen ist diese Rechtsfigur noch nicht praktisch erprobt, zum anderen würde ich mich als Verteidiger des Majors auf etwas ganz anderes stürzen und stützen: § 35 II Strafgesetzbuch sieht Straffreiheit oder Strafmilderung vor, wenn der Kampfpilot fälschlicherweise annahm, dass eine ihm nahestehende Person in dem bedrohten Stadium gewesen wäre. Bei 70.000 Zuschauern wird sich das für einen findigen Anwalt doch konstruieren lassen, und schon hat das Gericht die goldene Brücke, über die es augenzwinkernd gehen kann. (Dies zeigt, wie wichtig es ist (a) einen kreativen Rechtsanwalt zu engagieren, und (b) auf keinen Fall vor der Besprechung mit diesem irgendwelche Aussagen zu machen.)

Terror

Hier liefert der Fernsehrichter einen ganz groben Schnitzer. Er belehrt uns, dass es auf die innere Sicht, auf die Motive und die subjektive Meinung des Angeklagten nicht ankäme. Falsch! So falsch, dass dieser Richter sofort wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt würde.

4) Eine weitere naheliegende Strategie, die hoffentlich jeder Rechtsanwalt ergreifen würde, wäre es, sich auf den Gegensatz von Freispruch und lebenslänglicher Haft nicht einzulassen. Neben Mord gibt es ja auch noch den Totschlag, für den die Strafe in einem minder schweren Fall auf bis zu ein Jahr Gefängnis reduziert werden kann (§ 213 Strafgesetzbuch).

Nach diesen beispielhaft erwähnten Kritikpunkten erkennt man den roten Faden des Films. Auf jede Frage gibt es nur zwei Antworten: Schuldig oder unschuldig, Held oder Mörder, Tod oder Leben, die oder wir. Der Film suggeriert, dass es keine Kompromisse, keine Graustufen gäbe und dass das Rechtssystem dafür nicht ausgelegt wäre. Das ist falsch, es ist irreführend, es ist gefährlich vereinfachend. Deshalb mein Urteil: Das war Volksverdummung anstatt Bildung.

Jetzt werden einige sagen: Es war doch nur ein Film. Das ist Kunst. Die muss sich nicht an Fakten orientieren.

Stimmt. Kunst darf jeden Mist erzählen. Aber – Achtung, hier wird wieder differenziert – nicht alles was man darf, muss man auch machen. Insbesondere muss man nicht so tun, wie wenn es realistisch wäre. Und wirkliche Kunst läge vielleicht in dem Versuch, die tatsächliche Komplexität auf eine Art und Weise abzubilden, dass es interessant genug für einen Fernsehabend wäre.

Für solch intelligente Kunst gibt es durchaus Beispiele. Man sehe sich nur „Die zwölf Geschworenen“ an. Der Film ist zwar in schwarz-weiß gedreht, bietet aber wesentlich mehr Facetten als das Schwarz-Weiß-Denken in „Terror – Ihr Urteil“.

(Eine gekürzte Fassung dieses Kommentars erschien auf VICE.)

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Bücher und Schuhe

Es wäre keine schlechte Idee, Buchläden und Schugeschäfte zu kombinieren. Dann können wir Bücherwürmer einige Stunden lesen, während unsere von Schuhen besessenen Freundinnen  einkaufen.

Aber ich glaube nicht, dass das die Idee hinter der Dekoration dieses Geschäfts in Las Palmas auf Gran Canaria war.

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Da hat jemand meinen Blog vergessen.

Liebe Verschwörungsfuzzis von Pegida, ich weiß, dass Euer Plakat dadurch noch unübersichtlicher und konfuser würde (was allerdings Euren Gehirnen entspräche), aber ich bitte doch herzlichst um Aufnahme in den schlampig gezeichneten Kreis der am „Genozid“ Mitschuldigen, die anscheinend nur BMW und Porsche, aber niemals VW oder Opel fahren.

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Unsortierte Gedanken (1)

Jeden Tag sammeln sich in meinem Kopf, in Notizbüchern und auf in der Wohnung verstreuten Zetteln Ideen für Artikel, Kommentare zum Zeitgeschehen und Links auf andere interessante Artikel an, die ich mal verarbeiten möchte. Irgendwann. Dazu kommt es dann nie, weil ich am nächsten Tag neue Ideen habe oder nach dem recht teuren Ausflug auf die Osterinsel auch mal wieder arbeiten muss.

Um den Kopf für ausführlichere Artikel und Geschichten freizubekommen, werde ich von nun an einen Teil des restlichen Gedankengeschwirrs alle paar Tage in eine Liste wie die folgende packen. Das entspricht in etwa den Kommentare oder Links, die ich sonst auf Facebook oder Twitter posten würde, aber ich finde, dass auf Blogs meist eine qualitativ höherwertige Diskussion entsteht. Außerdem, aber da beginne ich doch gleich mal mit der Liste:

  1. Ich habe meinen Computer so eingestellt, dass ich bis 13 Uhr und nach 22 Uhr keinen Zugriff auf Facebook, Twitter, YouTube, Tinder, OKcupid und natürlich auf keine Spiele habe. Selbst zwischen diesen Sperrstunden ist der Gesamtverbrauch auf 2 Stunden pro Tag beschränkt. Es ist nämlich erschreckend, zu analysieren, wieviel Zeit man mit all diesen Dingen vergeudet. Kein Wunder, dass ich mit 41 Jahren weder promoviert noch ein Buch veröffentlicht habe.
  2. Überhaupt finde ich es erschreckend, wie sehr man sich selbst ablenkt von dem, was man eigentlich machen will. Andererseits kann man Disziplin und Produktivität auch recht schnell zu einer Routine machen.
  3. Seit ein paar Tagen bin ich in dem Rhythmus, dass ich vor 6 Uhr aufwache und zu schreiben/arbeiten beginne. An einem Tag habe ich vormittags so viel geschafft, dass ich um 11 Uhr das Haus verließ und die Nachbarn mit „buenas tardes“ grüßte, weil für mich gefühlt schon ein ganzer Tag vergangen war.
  4. Zu Al-Bakr: Jeder hat ein Recht auf Selbstmord. Alles andere würde bedeuten, einen Menschen als Mittel zum Zweck, hier der Aufklärung eines Sachverhalts, zu sehen. Das hat uns schon Immanuel Kant untersagt. Diese Selbstzweckformel halte ich für den wichtigeren Teil des Kategorischen Imperativs als die Universalisierungsformel, die bei näherer Betrachtung nicht so viel Sinn ergibt, wie uns im Ethikunterricht weisgemacht wurde.
  5. Philosophie ist übrigens so ein Fach, das ich mit dem mittlerweile gewonnenen Abstand von ein paar Jahre gerne noch einmal studieren würde.
  6. Auf meinem englischsprachigen Blog habe ich mal wieder eine Kurzgeschichte veröffentlicht. Es ist komisch, aber Reportagen und Aufsätze schreibe ich lieber auf Deutsch, während ich für Kurzgeschichten Englisch bevorzuge.
  7. Zu dem Thema: Auf der Osterinsel traf ich einen deutschen Archäologen. Da eine Chilenin dabei war, sprachen wir alle Englisch. Als die Chilenin ein paar Minuten in die Küche ging, fuhren wir auf Englisch fort. Als sie zurückkam, fragte sie verwundert „Wieso sprecht Ihr nicht Deutsch miteinander?“ Übereinstimmend erklärten wir, dass es für (manche) Deutsche irgendwie komisch/uncool/gekünstelt wirke, nach einer Unterhaltung auf Englisch ins Deutsche zu wechseln.
  8. Das Schlimmste an dieser Woche waren ja wohl die Frauen, die Donald Trump gegen Vorwürfe der sexuellen Nötigung verteidigen, nachdem dieser selbst damit geprahlt hat.
  9. Mit Chile habe ich übrigens gerade mein 50. Land bereist. Hier die vollständige Liste. Mir ist es wichtig, dass die Zahl der bereisten Länder immer höher ist als mein Alter. Zur Zeit habe ich also einen gemütlichen Puffer und könnte mich ein paar Jahre ausruhen.
  10. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus Arequipa schreibt einen hervorragend amüsanten Blog über Peru. Allerdings auf Französisch.
  11. Ein erstes Foto von der Osterinsel. Bald werden ich so viele veröffentlichen, dass sie Euch zum Hals raushängen.tongariki-from-afar
  12. Nach all den „asymmetrischen“ Kriegen ist es eine fast wohltuende Abwechslung, mal wieder eine vorher angekündigte, große Schlacht um eine befestigte Stadt zu erleben. Den kurdischen Kollegen wünsche ich viel Erfolg. Aber bitte keine Kriegsverbrechen!
  13. Gibt es eigentlich ein anderes Beispiel dafür, dass NATO-Staaten eine Gruppierung/ein Volk unterstützen, die/das gleichzeitig von einem anderen NATO-Staat bekämpft wird?
  14. Früher hieß „postfaktisch“ einfach nur „idiotisch“.
  15. Wenn Ihr als Nicht-Game-of-Thrones-Seher mit Game-of-Thrones-Fans sprecht, bekommt Ihr dann auch den Eindruck, dass diese Serie etwas quasireligiöses hat?
  16. Die BBC arbeitet an einer neuen Dokumentarreihe Planet Earth II. Nach dem Trailer zu urteilen wir das etwas ganz Tolles.

  1. Ich kriege es nicht hin, die Nummerierung der Absätze nach einem eingefügten Video fortzuführen, also ist hier Schluss.

Natürlich freue ich mich über Eure Kommentare. So kristallisiert sich vielleicht auch heraus, welches Thema einen separaten Artikel verdient.

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Video: Schreiben im Pazifik

Ins Schreiben vertieft, bemerkte ich kaum den Tsunami, der hinter mir heranrollte. An der Südküste der Osterinsel:

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Filmkritik: James Bond „SPECTRE“

Dieser Filmkritik wird keine Spoiler-Warnung vorangestellt, weil im jüngsten James-Bond-Film SPECTRE sowieso keine Handlung zu erkennen ist. Er ist eher eine unorganisierte Aneinanderreihung von schlecht geschriebenen und lustlos gespielten Szenen. Wie eine Resterampe, auf der alles verramscht wird, was in den letzten James-Bond-Filmen als Schnittabfall übrig blieb.

Es beginnt in Mexiko, mit einer Szene, die in fast jedem Artikel als „die beste Action-Szene, die es je gab“ bezeichnet wurde, was den Verdacht aufwirft, dass viele Filmkritiker genauso geschmiert wurden wie die Produzenten von Mexiko Stadt mit Millionen dazu bewogen wurden, diese Szene in den Film einzubauen. Denn der Film beginnt nicht fulminant, sondern schlecht. Der Dia de los Muertes, dieses lateinamerikanische Allerheiligenspektakel, wäre eine dankbare Umgebung, aber der Film nützt sie nicht. Die Mexikaner sind reine Statisten, bleiben im Hintergrund, James Bond interagiert mit keinem von ihnen, keiner von ihnen tritt als Person in Erscheinung. Sie sind eine amorphe Masse ohne Individuen. Wie wenn der Film nicht genau weiß, was er mit ihnen anfangen soll.

Man merkt, dass Mexiko Stadt nicht nur die Szene gekauft hat, sondern auch die Schauspielerin Stephanie Sigman, zwischen der und Daniel Craig kein Funke überspringt. Noch schlechter sind die Actionszenen. Die Explosionen, die einstürzenden Häuser und die Blicke aus dem Helikopter sind so offensichtlich computeranimiert, dass man sich fremdschämt. Wenn Actionsequenzen 2015 schlechter aussehen als 1975, dann sollte man sich vielleicht mal wieder auf die damalige Technik besinnen (Tipp: Stuntmänner statt Computerjungs).

Die Filmmusik Writing’s on the Wall von Sam Smith  ist zum Einschlafen. Im Vorspann erscheinen Bilder der Protagonisten aus den drei vorangegangenen Filmen und bestätigen meine Befürchtung: ein weiterer Rückschau- und Rückblenden-Bond, anstatt ein alleinstehender Film. Und dazu eine vollkommen blöde Familiengeschichte, in der Bond und der Bösewicht Blofeld eine gemeinsame Kindheit hatten. Nur dumm, dass dies keinem der früheren Bonds oder Blofelds je einfiel, geschweige denn in den Büchern von Ian Fleming erwähnt wurde.

Monica Bellucci als Witwe eines eben erst Getöteten wird nicht verführt, sondern regelrecht sexuell belästigt. So etwas hatten wir ja schon in Skyfall, wo der ehemaligen Kinderprostituierten das gleiche Los widerfährt. Von der Diskussion um die Grenzen zwischen einvernehmlichem Sex und Vergewaltigung scheinen James Bond, die Drehbuchschreiber, Regisseure und Produzenten nichts zu halten. Der Gesichtsausdruck von Monica Bellucci bringt ihre Gedanken deutlich zum Ausdruck: „Was soll diese Scheiße? Ich hätte solch eine Rolle vor 20 Jahren bekommen sollen.“

SPECTRE Monica Bellucci

„Wann ist dieser Film endlich vorbei? Knallt mich doch bitte jemand ab!“

Nun ist mir durchaus bewusst, dass James-Bond-Filme noch nie durch in sich schlüssige Geschichten bestochen haben. Dass Bond Flugzeugabstürze überlebt, von Maschinengewehrsalven nie auch nur ein einziges Mal getroffen wird, und der Bösewicht am Ende immer seinen Plan preisgibt, daran haben wir uns gewöhnt. Das stört uns nicht. Aber was einem in SPECTRE vorgesetzt wird, ist wirklich eine Beleidigung der Zuschauer. Nicht einmal der halbseidenste rote Faden ist vorhanden.

Bond wird zum mittlerweile dritten Mal suspendiert, behält aber nicht nur seinen Job, sondern kann aus dem MI6-Keller unentdeckt ein Auto entwenden und erhält die Unterstützung von Q, der anscheinend seinen Arbeitsplatz für ein paar Tage in Österreich verlassen kann, ohne dass ihn – trotz Totalüberwachung, dem Thema des Films – jemand vermisst.

Mit eben jenem Auto fährt Bond dann schnurstracks von London nach Rom, wo überhaupt kein Verkehrschaos herrscht, so dass sich Bond und ein Verfolger eine angeblich rasante Verfolgungsjagd liefern können. Dass das einzige Auto, das ihn aufhält, ein Fiat 500 mit einem alten Italiener, der eine Oper hört und mitsingt, ist, zeigt, in welche kitschigen Tiefen dieser Film sinkt.

Als Bond in Rom das geheime Treffen der Geheimorganisation SPECTRE findet, das – ganz geheim – in einem riesigen Palast mit Dutzenden von Luxusautos vor der Tür stattfindet, wird er von Oberhauser schon erwartet. Komisch nur, dass Oberhauser/Blofeld, der sonst an alles denkt und vorausplant, Bonds Wagen einfach so auf dem Parkplatz stehen lässt, damit Bond fliehen kann.

Mr White will sich vor SPECTRE verstecken, baut aber eine Webcam in seinem Wohnzimmer auf, die alles in die SPECTRE-Zentrale überträgt. Im Hotel in Tanger (ich glaube, es ist das aus den mittlerweile besseren Jason-Bourne-Filmen) hat er einen Geheimraum voll mit laufenden Computern, den er aber anscheinend nach jedem Besuch zumauert und von dem das Hotel nichts bemerkt.

Wieso will der für Oberhauser/Blofeld arbeitende Dicke im Zug James Bond töten, wenn Oberhauser/Blofeld ihn doch bereits erwartet? Und in Marokko kann man anscheinend unbehelligt den Zug an der Haltestelle „Geheimes Hauptquartier des Bösewichts in der Wüste“ verlassen, nachdem man die Waggons zerstört hat.

Geredet wird in dem Film nicht viel, womöglich weil dann die fehlende Handlung auffiele. Die wenigen Dialoge sind so etwas von flach („Warum bist Du gekommen, James?“ – „Ich bin gekommen, um Dich zu töten.“ – „Und ich dachte, Du bist gekommen, um zu sterben.“ soll wohl ein billiger Goldfinger-Aufguss sein) und werden vorgetragen wie bei einem Schülertheater. Gerade bei Daniel Craig und Christoph Waltz kam es mir vor, wie wenn sie unter Protest spielten. Christoph Waltz bringt in jeden Talkshow-Aufritt mehr Elan. Ja, selbst seine gedruckten Interviews lesen sich spannender als dieser Film.

Der angeblich so geniale Bösewicht lässt Bond seine explosive Uhr, die dieser trotz Fesselung freibekommt, und die er so zur Detonation bringen kann, dass sie all seine Fesseln auf wundersame Weise sprengt, ihn selbst unverletzt lässt und Blofeld die Gesichtsverletzung verpasst, trotz derer er wenige Stunden später schon wieder aktiv ist. Bond selbst leidet auch keine Sekunde unter dem Schlagbohrer, der ihm vorher das Gehirn zerstört hat. (Die Drehbuchautoren hingegen scheinen diese Methode selbst mit mehr Erfolg ausprobiert zu haben.)

SPECTRE Daniel Craig plane

Abgestürzt und fluguntauglich. Wie der ganze Film.

Bond entkommt, Blofeld lockt ihn wieder in eine Falle, natürlich wieder in London, wie in all den vorherigen Filmen. Wieder wird das Mädchen irgendwo festgebunden, und Bond muss sie retten bevor die aus Goldeneye bekannte 3-Minuten-Bombe losgeht. Zum Glück steht das Boot aus Die Welt ist nicht genug noch fahrbereit in der völlig ausgebrannten MI6-Zentrale, der Schlüssel steckt, der Tank ist voll, und Bond kann einen Helikopter mit einem Schuss aus der Pistole zum Absturz bringen, den Blofeld natürlich erneut überlebt.

Und so weiter, und so weiter. Nichts als schwachsinniger Stuss und dämliche Kopien der letzten Filme. Zum Teil werden die Szenen eins zu eins übernommen, leider jedoch wieder die unlogischsten. Wie schon in der Anfangsszene von Casino Royale merkt der Schreibtischspion nicht, dass seiner Pistole das Magazin entnommen wurde und drückt ab. Wer jemals eine Pistole mit und ohne Magazin in der Hand gehalten hat, wird den Gewichtsunterschied sofort bemerken. So dumm ist niemand. So dumm, die gleiche dumme Szene zweimal zu verwursten, ist leider doch jemand.

Als James-Bond-Fan fällt es mir schwer, solch ein hartes Urteil abzugeben, aber ich kann mich wirklich an nichts Positives an dem ganzen Film erinnern. Spart Euch das Geld, dieser Film verdient keine müde Mark, und die Drehbuchautoren verdienen eine besondere Schmähung.

(Read this review in English.)

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Video: Wohnungssuche in Südamerika

Wie Ihr mitbekommen habt, hatte ich in Südamerika bis jetzt kein großes Glück bei der Wohnungssuche. Insbesondere war es überall zu laut zum Lesen, Schreiben und Denken, geschweige denn zum Schlafen.

Ein Immobilienmakler hat mir schließlich diese Wohnung in Humberstone in Chile vorgeschlagen:

Ich habe sofort zugegriffen.

Die Vermieter waren so nett, mir die Wohnung einzurichten. In der Küche lag sogar eine Schale mit Obst bereit.

esszimmer

Am gemütlichsten wurde das Wohnzimmer.

wohnzimmer

Das Gästezimmer ist eher spartanisch eingerichtet, verfügt aber immerhin über einen Ofen, an dem Ihr Euch wärmen könnt, wenn Ihr mal vorbeischaut.

ofen

Besonders aufmerksam fand ich, dass meine Bemerkung, dass ich mich schreibend betätige, zur ungefragten Zurverfügungstellung einer Schreibmaschine führte. Endlich kann ich das N mit Tilde tippen: ÑÑÑÑÑÑ.

schreibmaschine

Neben der Stadt gibt es einen arg windigen Hügel, von dem aus ich Euch einen Panoramablick über die gesamte Ansiedlung offerieren kann.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Ich glaube, Humberstone ist die einzig vollkommen autofreie Stadt in Südamerika. Vorbildlich. Internet gibt es hier allerdings auch nicht.

(Read this in English.)

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Nach dem Hurrikan

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Emma & Timmi

Man sagt, dass Blogs beliebter werden, wenn sie Katzenfotos veröffentlichen.

Zum Glück hat mir meine Mutter diese Fotos ihrer beiden Katzen Emma (braun) und Timmi (grau) geschickt.

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