
(Fotografiert in Salvador, Brasilien.)

(Fotografiert in Salvador, Brasilien.)
Auf den fünf Linien sehen sie aus wie Noten. Aus der Ferne dachte ich, es wären Vogelnester. Aber es ist nur eine Ansammlung von Gräsern, die sich an den Stromleitungen zu einem Knäuel bildet. Aber wie zum Henker kommen die dort hin, und wie muss der Wind blasen, um sie zu einem runden Knäuel zu formen, das an der Leitung hängenbleibt? Rätsel über Rätsel.


(Fotografiert in Lencois, Brasilien.)
Wir müssen immer Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Schweigen ermutigt den Folterer, niemals den Gefolterten.

Ich empfehle das Buch Die Nacht, einen kurzen aber prägnanten, unvergesslichen und bewegenden autobiographischen Roman von Elie Wiesel.
Hier mal wieder etwas für die Großeltern, die noch immer behaupten, „von nichts gewußt“ zu haben. Die Großdeutsche Buchhandlung hielt beim NSDAP-Parteitag in Nürnberg 1937 jedenfalls nicht hinterm Berg mit Judenhass, Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaft, sondern hielt dieses Gebräu sogar für verkaufsfördernd.

(Aus der Dokumentation Innenansichten mit Dank an Philipp Bergmann für den Hinweis hierauf.)

Fotografiert im Tipnis-Nationalpark in Bolivien.


In dem einen anstrengenden Tagesmarsch von der nächsten noch einigermaßen befahrbaren Piste entfernten Dorf Buen Pastor im bolivianischen Dschungel beginnt der Tag – typisch bolivianisch – mit Trommeln. Das ist der Weckruf für die Kinder, die hier mitten im Urwald eine kleine Schule haben.
Der Trommelwirbel wurde nach etwa 15 und nach 30 Minuten wiederholt. Der zweite Alarm signalisierte anscheinend, dass es Zeit war, das Haus zu verlassen, während der dritte Alarm „jetzt solltet Ihr schon in der Schule sein“ bedeutete.

Die Lehrer hatten noch extra Trommeln und einen Gong, um die Pausen und deren Ende anzuzeigen. An einem der Abende wohnte ich einer Gemeindeversammlung bei, die ebenfalls durch einen Trommler einberufen wurde.
Der Beweis, dass man mit einem Jura-Studium wirklich alles machen kann:

Carlo Pedersoli, Künstlername Bud Spencer: Jurist, Schwimmer, Stuntman, Wasserballspieler, Schauspieler, Regisseur, Komponist, Sänger, Drehbuchautor, Modedesigner, Erfinder, Geschäftsmann.
So geht man rein: rasiert, sauber, frohen Mutes.

So kommt man nach drei Wochen raus: mit Bart, schmutzig, erschöpft, und nur noch am Leben dank eines Gewehres, das man einem Indianerstamm abgekauft hat.

Je öfter man umzieht, desto mehr lernt man, was einem gefällt und was einem nicht gefällt. Es kristallisiert sich heraus, dass mir Berge und Steppe näher liegen als Meer und Tropen. Richtige Großstädte finde ich unpraktisch, weil man dort zu viel Zeit im Verkehr verliert, kleine Dörfer sind mir auf Dauer zu langweilig. Städte mittlerer Größe, von einigen Hunderttausend bis zu einer Million Einwohner, sind perfekt. Wenn man dann noch ein immer frühlingshaftes Klima hat, könnte man fast bleiben wollen. Wie hier in Cochabamba.
Aber da ich seit Ablauf meines Visums im März illegal im Land bin und deshalb unter ständiger Gefahr eines langen Gefängnisaufenthalts stehe, ist es Zeit, mich auf die Socken zu machen und weiterzuziehen.
Auf der Suche nach einer Stadt in Südamerika mit ähnlicher Lebensqualität bin ich auf Arequipa in Peru gestoßen, wohin ich deshalb im August 2016 ziehen und wo ich bis Ende des Jahres bleiben werde.

Wie Ihr wisst, bin ich ein großer Fan von Naturkatastrophen. Ein weiteres Plus ist daher, dass es in Arequipa fast täglich Erdbeben gibt und dass ich in Sichtweite von Vulkanen leben werde.

Auf den – wenn sie nicht gerade ausbrechen – relativ leicht besteigbaren Vulkanen Misti (5.822 m) und Chachani (6.057 m) werde ich versuchen, neue Höhenrekorde aufzustellen.
Auch das Colca-Tal scheint mir für Wanderungen prädestiniert zu sein.

Ansonsten will ich die nächsten sechs Monate aber langsam angehen. Weniger reisen, stattdessen mehr im Garten unter Palmen sitzen und endlich mal die Geschichten der letzten Jahre zu Papier bringen.
Manche Leute nehmen ihren Jahresurlaub für die Fußball-WM. Ich hingegen habe erst nach der Planung meiner Reise nach Griechenland, Mazedonien und Albanien gemerkt, daß überhaupt eine Fußball-WM stattfindet. Solange dadurch keine Züge ausfallen sollten, war mir das egal.
So war ich am 13. Juli 2014, am Tag des Finalspiels zwischen Deutschland und Argentinien, zufällig in der albanischen Hauptstadt Tirana. Schon den ganzen Tag über sah ich Menschen in Deutschland-Trikots, Deutschland-Fahnen vor Restaurants und Bars und an Autos und andere schwarz-rot-goldene Markierungen. Während einer Wanderung auf dem Berg Dajti hatte ich einen Albaner getroffen, der mich darauf hinwies, daß mit Shkodran Mustafi ein Sohn albanischer Eltern im DFB-Team spielt, aber die Deutschland-Begeisterung schien mir mehr allgemein und unabhängig von einem (sowieso wegen einer Veletzung ausgeschiedenen) Spieler zu sein. Schon bei meiner Ankunft am Tag zuvor hatte mir die Wirtin meiner Pension gesagt, daß sie es nicht erwarten könne, bis die WM vorbei sei, da sie das ewige „Germany, Germany“-Gerede ihres Mannes nicht mehr ertragen könne.
Das Spiel wurde in jeder Bar, in jedem Restaurant und in jedem Garten übertragen. Man konnte durch ganz Tirana spazieren, ohne eine Sekunde des Spiels zu verpassen. Der größte Auflauf war im Zentrum, wo etliche große Leinwände aufgestellt waren, Rücken and Rücken, so daß die Zuschauer von beiden Seiten aus zusehen konnten. Alle 50 und 100 Metern dann wieder so eine Doppelleinwand, und so ging es durch die ganze Fußgängerzone.
Hier kam ich gerade zufällig vorbei, als das einzige Tor des Spiels fiel:
Und das war kein neutraler Torjubel. Auch schon vorher waren die Anfeuerungsrufe eindeutig auf das deutsche Team konzentriert. Entsetzt war ich darüber, daß sogar in Albanien, das ja immerhin mal von den Nazis besetzt war, jemand mit einem „Deutschland über alles“-Plakat herumläuft. Mangelndes Geschichtsbewußtsein ist ein globales Phänomen.
Ein Junge konnte mit dem Abbrennen seiner Fackel nicht mehr bis zum Schlusspfiff warten:
Als das Spiel endlich aus war, tanzte die Menge, wie wenn Albanien selbst den WM-Titel gewonnen hätte:
Jemand hatte ein Feuerwerk mitgebracht (und ich frage mich, ob er es auch für Argentinien abgebrannt hätte):
Vom Minarett der nahen Et’hem-Bey-Moschee rief der Muezzin „Allah u akbar“: Gott ist groß. Das fand ich dann wirklich übertrieben.
Man merke sich also: Will man bei zukünftigen Europa- und Weltmeisterschaften dem deutschen Fußballtrubel entgehen, ist Albanien kein gutes Reiseziel. Ansonsten ist es aber ein sehr sympathisches Land.