Modevorhersage 2016

Nachdem ich 2015 begonnen habe, einen neuen Trend zu setzen, ist eine Sache klar: 2016 wird das Jahr des Hutes. Männer, wenn Ihr nicht bald ganz schön altmodisch aussehen wollt, empfehle ich Euch schleunigst, zum nächsten Hutmacher zu reiten.

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Die Fotos entstanden während meiner Wanderung zum Morro do Pai Inacio, dem markanten Tafelberg im Hintergrund, in Brasilien.

Quentin Tarantino springt in seinem neuen Film The Hateful Eight schon auf diese Postkutsche auf.

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Morgenstund‘

Als Némo sagte „wir treffen uns am Samstag um 4:45 Uhr, und wir kommen am Montag gegen Mitternacht zurück“, wußte ich, dass ich den richtigen Führer für die dreitägige Wanderung durch das Vale do Pati gefunden hatte.

Manche Agenturen im Chapada-Diamantina-Nationalpark in Brasilien bieten Ausflüge an, die Stunden nach dem Frühstück gemütlich aufbrechen, und bei denen die Touristen in Jeeps herumgefahren werden und allenfalls die letzten paar Schritte zu einem Wasserfall laufen müssen. Ich aber wollte wandern, wollte tief in die Natur, dorthin, wo nicht einmal Allradfahrzeuge vordringen. Die 50 km in drei Tagen hörten sich bezwingbar an, wobei ich die Schwierigkeit des Terrains und die zu überwältigenden Höhenunterschiede unterschätzte.

Erst auf dem Weg zur Bushaltestelle fiel mir ein, dass auch der Zweite Weltkrieg um 4:45 Uhr begonnen hatte. Meine Überlegungen nach einer diesbezüglichen witzigen Bemerkung wurden jäh unterbrochen durch den Sonnenaufgang, eines jener Naturschauspiele, das man wegen ungünstiger Terminierung nur selten zu Gesicht bekommt.

Morgenstund1Morgenstund2Morgenstund3Morgenstund4

Der Sonnenaufgang ist der zu Unrecht vernachlässigte Partner des Duos an Gegebenheiten, zu denen die Sonne über die Erdkante wuppt.

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Mein Weihnachten 2015: Pai Inacio

Was macht man an Weihnachten, wenn man nicht daran glaubt und wenn man direkt neben einem Nationalpark wohnt? Klar, man geht wandern. Die 20 km von Lencois zum Morro do Pai Inacio schienen genau die perfekte Entfernung für einen Tagesmarsch.

Kurz nach Lencois tauchten schon die ersten Berge auf. Bei so einer Aussicht macht wohl selbst die Gartenarbeit Spaß.

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Oder auch weniger, wenn ringsherum die Waldbrände wüten.

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Im Minutentakt wechselten sich die Landschaften ab, von Bachläufen im Herbstlaub zu wüstenartiger Landschaft, dann wieder Palmen und Alleen aus Obstbäumen.

Der Weg folgte ab etwa halber Strecke sowohl einem alten Aquädukt als auch einer Spur der vom Brand geschlagenen Verwüstung.

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Nach etwa drei Stunden Wanderung, immer leicht bergauf, tauchte zum ersten Mal das Ziel am Horizont auf: der markante Morro do Pai Inacio. Eine Szene wie aus einem Westernfilm, nicht zuletzt dank meines passenden Hutes.

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Der Berg schien nah, der Weg dorthin direkt, doch beides war eine Täuschung. Wie bei einer Fata Morgana blieb die Entfernung noch für mehr als eine Stunde optisch genausoweit, egal wie schnell ich ging.

Und wie in der Wüste tauchte eine nicht auf meiner Landkarte verzeichnete Oase auf. Ein verfallendes Haus mit riesigen, prallvollen Mangobäumen. Annehmend, dass dieses Anwesen verwaist war (von den Tieren lagen nur Skelette im Garten), wollte ich einen der Bäume besteigen, als ich auf der Veranda einige Schuhe und eine zum Trocknen aufgehängte Goldgräberjeans sah.

Plötzlich hatten die Totenschädel im Garten eine ganz andere Bedeutung, und ich nahm reißaus, quer durch einen Wald, durch den ich mich die letzte Stunde schlug, bis ich endlich vor dem Pai Inacio stand.

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Da erst merkte ich „holla, ganz schön steil, dieses Teil“ und wunderte mich, woher all die Touristen ihre Fotos vom Gipfel dieses Brockens hernahmen. Die würden doch kaum alle eine senkrechte Wand hochklettern. Und tatsächlich: Von hinten ist der Berg ganz leicht zu besteigen, und außer mir fuhr jeder Besucher bis auf die letzten fünfzehn Minuten mit dem Auto hinauf.

Das löste wenigstens ein Problem, das sich aufgrund des fortgeschrittenen Tages stellte: In zwei Stunden würde es dunkel werden, und für den Hinweg hatte ich sechs Stunden benötigt. Selbst wenn ich auf dem Rückweg schneller wäre und keine Pausen einlegen würde, müßte ich die Hälfte der Strecke im Schein des Vollmondes bewältigen. Romantisch, aber auch irgendwie spukig mit all den Schlangen, Pumas und fleischfressenden Pflanzen. Aber wo Menschen mit dem Auto hinkommen, würde sich hoffentlich jemand finden, der mich zurück nach Lencois nehmen könnte. Gerade an Weihnachten.

Bevor ich überhaupt jemanden fragen mußte, sprach mich Davi an, ein Brasilianer, der zusammen mit zwei Freunden die Steilwand hochgeklettert war, die ich als unbezwingbar abgetan hatte. Ob Haken zur Sicherung in der Wand wären, fragte ich. „Nein, hier gibt es gar nichts in der Wand. Hier ist man vollkommen frei, das ist ja gerade das Schöne“, lachte er. Und als er von meiner Wanderung hörte, bot er mir sogleich an, mich nach Lencois zurückzunehmen.

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Je mehr ich die Welt bereise, umso mehr universell gültige Grundsätze lerne ich. Einer lautet: In jedem Land der Welt trifft man die freundlichsten, hilfsbereitesten und oft auch interessantesten Menschen in Nationalparks und in Bibliotheken.

Zum Glück waren Davi und seine Kollegen nicht in Eile, so dass ich auf dem Plateau den kühlenden Wind und grandiose Ausblicke genießen konnte. Leider gibt es hier Nationalparkwächter, die sicherstellen, dass niemand auf dem Berg übernachtet.

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Auf der Rückfahrt stellte ich anhand des „Advogado“-Aufklebers an seinem Auto fest, dass Davi ebenfalls Jurist ist. Zum Vergnügen unserer Beifahrer beschlossen wir den Tag mit einer rechtsvergleichenden Diskussion über Verfassungsprozessrecht, die ich gerne noch den ganzen Abend fortgesetzt hätte. Zuhause angekommen, gab es die nächste Überraschung: Meine Vermieter warteten mit Braten und Bier mit Whiskeygeschmack.

So kann man Weihnachten ertragen.

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„Magia Salvaje“ steigert die Vorfreude auf Kolumbien

In einigen Monaten werde ich hoffentlich in Kolumbien sein.

Dieser Dokumentarfilm steigert die Vorfreude ins Unermessliche.

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Weihnachten in Brasilien

Mit kurzer Hose vor dem Weihnachtsbaum. Was dank Klimawandel seit Neustem auch in Mitteleuropa möglich ist, ist in Brasilien Normalität.

Weihnachten Salvador 1

Bei mir stellt sich in den Tropen dennoch keine Weihnachtsstimmung ein. Da können noch so viele Lichtergirlanden über die Straßen gespannt werden und Weihnachtslieder im Kaufhaus erklingen. Und diese ganzen roten Mützen wirken einfach deplatziert. Selbst im Familiengericht in Salvador trugen zwei der Angestellten rote Weihnachtsmannmützen, während sie Antragsteller für Vaterschaftsfeststellungen registrierten.

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Fast alle Brasilianer haben eine romantische Vorstellung von Schnee, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen habe. „Einmal im Leben möchte ich Schnee sehen, Schnee anfassen, Schnee essen!“ höre ich allenthalben. Als ich bei bei einer Anwaltskollegin in Lauro de Freitas zum Grillen eingeladen war, konnte ich mich vor Lachen kaum halten, als ich bei 35 Grad Hitze diese Dekoration an der Haustür sah:

let it snow

„Let it snow!“, wie ein verzweifeltes Gebet, das keiner der vielen Götter Brasiliens kaum je erhört. Dabei gibt es durchaus Schnee in Brasilien, nur eben selten und in weniger besiedelten Hochlagen. In Rio de Janeiro schneite es zuletzt 1985, in Sao Paulo 1975. Und wenn es schneit, dann natürlich im Juni, Juli oder August. Keinesfalls zu Weihnachten.

Ich finde es erstaunlich, dass sich mehr als 500 Jahre nach der „Entdeckung“ Südamerikas keine eigene Weihnachtstradition herausgebildet hat, sondern im Hochsommer auf Männer in roten Mützen und mit Schlitten zurückgegriffen wird.

Wie mein Weihnachten aussieht? Ich gehe Wandern im Chapada-Diamantina-Nationalpark. Hier zwei Fotos von meiner letzten dreitägigen Wanderung als Vorgeschmack auf kommende Berichte:

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Im Urwald zu schlafen ist hundert Mal besser als mit Leuten, die jedes Jahr das gleiche erzählen, um einen Baum zu sitzen, zu viel zu essen und Dinge geschenkt zu bekommen, die man nicht braucht.

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Meine Spende an die Stadtbibliothek

Dass ich auch im Jahr 2015 noch nicht auf elektronische Bücher umgestiegen bin, hat zwei praktische Nachteile:

  • Jedes Jahr werden allein für meinen Lesestoff einige Bäume abgeholzt.
  • Wenn ich länger an einem Ort bleibe, sammelt sich eine kleine Bibliothek an, von der ich mich beim Umzug wieder trennen muss. Das Verschiffen von Bücherkisten ist einfach zu teuer.

Deshalb lasse ich viele Bücher schon in Zügen, Parks und Restaurants liegen, wenn ich sie dort gerade ausgelesen habe, und hoffe, dass sie von einem anderen Bücherwurm (auf)gelesen werden.

Während meines letzten Jahres in Rumänien hat sich trotz dieser Methode ziemlich viel angesammelt:

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In Târgu Mureș hatte ich zu viele Freunde, die sich um die Bücher gebalgt hätten, wenn ich sie verschenkt hätte. Die naheliegendste Lösung war es also, diesen Schatz der öffentlichen Bibliothek von Târgu Mureș zu vermachen.

Bedenkt also: Wenn Ihr mir Bücher schickt, dann erfreut das nicht nur mich, sondern zusätzlich Hunderte von anderen Lesern. Die nächste Bibliothek, die dergestalt beglückt werden wird, ist die Deutsche Bibliothek in Cochabamba in Bolivien. Jede Eurer Büchersendungen kann also dazu beitragen, dass arme bolivianische Kinder nicht mehr in der Silbermine von Potosí schuften, sondern durch gerade Dein Buch die Liebe zur Literatur, zur Wissenschaft und zur weiten Welt entdecken, Dynamit und Schaufel aus der Hand legen, aufs Gymnasium gehen, studieren und erfolgreich und glücklich werden.

(Read this in English.)

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Ein Vogelhaus für Geier

Zumindest konnte ich mir dieses gigantische Vogelhaus nicht anders erklären, das ich in Cetinje in Montenegro sah:

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Video-Blog: Löschflugzeug

Vorgestern half ich bei der Waldbrandbekämpfung im Chapada-Diamantina-Nationalpark in Brasilien, nachdem ich beim Wandern zufällig auf einen Trupp freiwilliger Feuerwehrleute gestoßen war.

Die Arbeit war hart, vor allem weil es so viele Brandherde im unzugänglichen Gelände gab. Wir mussten immer wieder zu einem Fluss laufen (eine halbe Stunde einen steilen Abhang hinab), die Wasserkanister mit jeweils 20 Litern auffüllen, auf den Rücken schnallen und eine halbe Stunde wieder einen steilen Hang nach oben klettern. In der Zwischenzeit hat sich das Feuer natürlich ausgebreitet, und weitere Brandherde tun sich auf. Eine deprimierende Arbeit.

Da war das Löschflugzeug eine willkommene Unterstützung. Es flog sehr tief und ließ das Wasser puntkgenau da ab, wo es benötigt wurde.

Wir arbeiteten uns dann dichter in den tropischen Wald vor, um uns manuell die vielen kleinen Brandherde vorzunehmen, die vom Flugzeug aus nicht gesehen werden.

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Video-Blog: Waldbrände in Chapada Diamantina

Wie versprochen halte ich Euch über die Waldbrände im brasilianischen Nationalpark Chapada Diamantina auf dem Laufenden.

Während ich gestern Wandern war, sah ich aus der Ferne diese Brände. Natürlich schlug ich sofort die Richtung ein, aus der der Rauch kam. Wer könnte der Neugier auf so ein Spektakel schon widerstehen?

Hier ein Video mit ein paar Erklärungen, allerdings nur auf Englisch.

Zwei Aussages muss ich allerdings korrigieren:

  • Es war gar nichts abgesperrt. Am Eingang des Nationalparks hatte ich zwei Militärpolizisten gesehen und hatte daraus diesen falschen Schluss gezogen. Später sah ich jedoch etliche andere Wanderer, die in die gleiche Richtung wie ich gingen.
  • Die Information, dass die Feuerwehrleute nur tagsüber arbeiten, war eine Fehlinformation. Ich war mittlerweile mit den Freiwilligen selbst unterwegs, die mir erklärt haben, dass rund um die Uhr gearbeitet wird.

Ich wanderte also immer weiter diese Schlucht hinauf, dem Flussbett entlang, um dem Feuer näher zu kommen.

Geographisch war ich dem Waldbrand dann tatsächlich ziemlich nah, aber das Problem war, dass as Feuer über mir, auf der südlichen Seite der Schlucht war. Steile Klippen trennten das Feuer von mir, und ich hätte fast senkrecht ein paar hundert Meter hochklettern müssen.

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Ich versuchte tatsächlich, die nördliche Seite der Schlucht hochzuklettern, weil ich mir dachte, dass ich von dort einen besseren Ausblick auf die Brände haben würde. Aber nach circa 50 Metern musste ich aufhören, weil die Vegetation zu dicht wurde. Außerdem waren die Felsen hier gefährlich rutschig wegen der Wasserfälle. Aber so bekommt Ihr wenigstens ein Video, dass einen Waldbrand und einen Wasserfall zeigt:

Auf dem Rückweg, als es schon dunkel wurde, sah ich dann zum ersten Mal die eigentlichen Feuer anstatt nur die Rauchwolken.

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Diese Brände machten einen sehr aktiven Eindruck, und sie loderten immer wieder auf. Aber trotz des Windes  schienen sie sich während des ganzen Tages nicht weit ausgebreitet zu haben. Die Brände waren relativ stationär. Aber dann sah ich am Horizont Rauchsäulen aus vielen anderen Teilen der Chapada Diamantina aufsteigen.

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Ich ziehe nach Bolivien.

Ab Januar 2016 werde ich für mindestens drei Monate einen Stützpunkt in Bolivien aufschlagen.

Wozu eine Basis, wenn ich doch eigentlich reisen will?

Ich fühle mich zwar bekanntermaßen überall sofort zuhause und lebe mich schnell ein, aber zum Arbeiten und vor allem zum Schreiben benötige ich doch die Ruhe, die erst einkehrt, wenn ich nicht mehr aus dem Rucksack lebe und meinen Schreibtisch nicht alle drei Tage räumen muss.

Da ich die nächsten Jahre in Lateinamerika verbringen möchte, sollte ich Spanisch lernen. Um die dafür notwendige Struktur in meinen Tagesablauf zu bringen, ist ein etwas festerer Wohnsitz hilfreich.

Auch finanziell ist es wesentlich günstiger, für ein paar Monate eine Wohnung zu mieten als jeweils nur Zimmer auf Tages- oder Wochenbasis.

So eine Basis erleichtert sogar das Reisen, weil ich nicht mehr ständig all meine Bücher, den Laptop und den ganzen Kram rumschleppen muss (sagt der, dessen gesamter Besitz in zwei Taschen paßt), sondern alles zuhause lasse und jeweils nur mit einem leichten Rucksack für ein paar Wochen auf Tour gehe.

Warum Bolivien?

Im Zentrum Südamerikas gelegen, bietet sich Bolivien schon geographisch an.

Aber viel wichtiger: Ich glaube, dass Bolivien ein Land ist, das mir liegt und das zu mir passt. Die Berge, die geringe Bevölkerungsdichte, das relativ milde Klima (im nicht-tropischen Teil des Landes). Es ist natürlich gefährlich, sich vorab ein Bild von einem Land zu machen, aber ich stelle mir Bolivien genauso vor wie ich selbst bin: ruhig, entspannt, naturnah, freundlich, eher politisch interessiert als ein Partymensch, eher an Substanz als an Oberflächlichkeit interessiert, zivilisiert, aber mit Understatement. Einfach liebenswürdig. Aber dennoch voller Abenteuer.

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Insbesondere nach dem ständig feiernden oder am Strand liegenden Brasilien, das für meinen Geschmack ein bißchen zu laut und hedonistisch ist – obwohl ich natürlich auch das andere Brasilien kennengelernt habe -, freue ich mich auf einen Rückzugsort in den Bergen.

Und wo genau in Bolivien?

Mein Traumziel war Sucre, die außerhalb Boliviens weitgehend unbekannte konstituionelle Hauptstadt und Sitz des Verfassungsgerichts. Mit 240.000 Einwohnern und einer durchgehenden Höchsttemperatur von 20 Grad – in Brasilien erleide ich das doppelte davon – scheint diese Stadt auf 2.800 m Höhe genau in das Raster zu passen, dass sich nach meinen verschiedenen Erfahrungen langsam herausbildet. Allerdings habe ich hier auf die Schnelle keine Wohnung gefunden.

Also ziehe ich erst einmal nach Cochabamba, mit 630.000 Einwohnern zwar größer als ich es benötige, doch viele Leute von dort haben mir versichert, dass es sich in der viertgrößten Stadt Boliviens wie in einer Kleinstadt lebt. Mal sehen. Das Klima ist jedenfalls perfekt: Mit Höchsttemperaturen von 25 Grad das ganze Jahr über wird Cochabamba die Stadt des ewigen Frühlings genannt. Und als ich dann noch sah, dass in dieser Stadt in den bolivianischen Bergen nächstes Jahr schon zum 27. Mal das Bertolt-Brecht-Theaterfestival stattfindet, sagte mein Herz schneller „ja“ als meinem Gehirn noch irgendwelche Fragen einfallen hätten können.

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Für die Entscheidung, in welches Land und in welche Stadt ich ziehe und welche Wohnung ich miete, habe ich übrigens zwei Tage benötigt. Weniger Zeit, als manche Menschen über den Kauf eines Telefons oder einer Waschmaschine grübeln.

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