Mit dem Bus in die Vergangenheit

Wenn man in Transnistrien den Bus nimmt, fährt man nicht nur von A nach B, sondern auch in die 1950er oder 1960er. Mit schönen alten Kurven und Farben, wie man sie sonst nur aus Hitchcock-Filmen kennt.

bus vorne

bus orange

bus hintenFür derartige Exotik muss man also gar nicht bis nach Kuba.

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Rumänien ist die Wiege unserer Zivilisation

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Einer der amüsanten Aspekte, denen man im Falle des Umzugs von einem großen Land (Deutschland) in ein kleines oder bevölkerungsärmeres Land (Rumänien) begegnet, ist die dortige Fixierung auf das Image, das man im Ausland hat. Eine der häufigsten Fragen, die mir in Rumänien gestellt werden, lautet: „Was war Deine Vorstellung von Rumänien bevor Du hierher kamst?“ Dass mein jetziger, aufgrund eigener Erfahrungen gewonnener Eindruck höchst positiv ist, hat der Fragesteller schon erfreut bemerkt, aber dennoch ist er besorgt um das Image seines Landes im Ausland.

Ich bin dann ehrlich und erkläre, dass ich nicht viel wußte, außer einer vagen Vorstellung von Bergen, Burgen und der Donau. Ich bewunderte Rumänien angesichts der Konsequenz, mit der es sich von seinem Diktator verabschiedet hatte, ich habe Erinnerungen an die Bilder aus den Waisenhäusern im Kopf, und ich bin stolz dass ich anders als die meisten Transsilvanien-Besucher weiß, dass der Dracula von Bram Stoker eine rein literarische Figur ist.

Oft kommt dann die hoffnungsvoll geäußerte Frage: „Aber sicher erinnerst Du Dich auch an Nadia Comăneci?“ Ähm, nein. „Nadia Comăneci! Olympische Spiele in Montreal 1976!“ Noch nie gehört, tut mir leid. Ich werde aufgeklärt, dass Fräulein Comăneci damals im Alter von nur 14 Jahren als erste Turnerin überhaupt die Höchstnote von 10 Punkten erhielt. Mein Gegenüber strahlt und glüht vor Stolz, wie wenn Rumänien die Fußball-WM gewonnen hätte oder wie wenn Leben auf dem Mond entdeckt worden wäre. Wenn ich mich jetzt noch immer nicht an diese sportliche Glanzleistung erinnere, ernte ich Entsetzen und Unverständnis. „Was nützen ihm die 9 Jahre Gymnasium, wenn er nichts über Gymnastik weiß?“ scheint sich der patriotische Rumäne zu fragen.

Dafür weiß ich, was es mit der Statue der Kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus auf sich hat, die vor jedem größeren Rathaus in Rumänien steht, z.B. hier in Târgu Mureș.

wolf

Sehr simplifiziert und etwas falsifiziert ist Rumänien der eigentliche Nachfolger des Römischen Reiches. Daher bildet es diese romanische Sprachinsel mitten in Osteuropa, mit einer Sprache, die dem Italienischen sehr nahe ist und erklärt, weshalb Rumänen mit Leichtigkeit Italienisch und Spanisch lernen (allerdings nicht, weshalb viele zudem noch fließend Englisch, Deutsch und Ungarisch sprechen).

Bis zu den Dakern und Römern muss man aber gar nicht zurückgehen, um die Bedeutung Rumäniens für unsere Zivilisation richtig einzuschätzen. Kurz gesagt: Wir wären heute noch im Mittelalter, wenn nicht findige Rumänen ein um die andere Erfindung getätigt hätten. Wir haben es hier mit dem innovativsten Land Europas zu tun, quasi einem frühen Silicon Valley.

Nur ein paar Beispiele:

  • Zuerst einmal wurde hier der Mensch erfunden, wie wir ihn heute kennen. In der Knochenhöhle im Banat wurden die ältesten Überreste des modernen Menschen in Europa (40.500 Jahre alt) gefunden. Ohne die rumänische Weiterentwicklung zum Homo sapiens wären wir noch immer Neandertaler.
  • Es ist unklar, wo genau die Schrift erfunden wurde, und Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, aber was nützt einem all das ohne ein praktisches Schreibwerkzeug? Zum Glück erfand Petrache Poenaru 1827 den Füllfederhalter.
  • 1884 war Timișoara die erste Stadt in Europa mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Endlich konnte man ohne Sicherheitsbedenken auch spätnachts eine Runde joggen.
  • Zwar gab es anderswo frühe Flugpioniere wie die Gebrüder Lilienthal oder Wright, aber mit deren klapprigen Dingern konnte man nicht weiter als über ein paar Maisfelder fliegen. Die modernen Flugzeuge verdanken wir Henri Marie Coandă, der schon 1910 das erste Düsenflugzeug baute.
  • Passend dazu erfand Anastase Dragomir den Schleudersitz.
  • Nicolae Paulescu entdeckte 1921 das Insulin, wurde bei der Vergabe des Medizin-Nobelpreises hierfür im Jahr 1923 jedoch übersehen. Leider entwickelte er kein Mittel gegen den krankhaften Antisemitismus, an dem er litt, so dass dieses Problem auch heute noch schwieriger zu behandeln ist als Diabetes.
  • Hermann Oberth entwickelte die ersten Raketen und legte damit den Grundstein für die Raumfahrt.
  • Ohne Ion Basgan säßen wir heute auf dem Trockenen, denn er erfand die Technik, die auch heute noch zur Erdölfördeung angewendet wird.
  • Ich weiß zwar nicht, was Kybernetik ist, aber ihr Vater ist Ştefan Odobleja. Wahrscheinlich gäbe es ohne ihn keine Computer oder so.
  • Jedenfalls erfand Eugen Pavel die Hyper-CD-ROM mit einer Speicherkapazität von einer Million Gigabyte.
  • Ihr kennt den Traum vom Perpetuum mobile? Schon erfunden! Seit über 60 Jahren gibt die von Nicolae Vasilescu-Karpen gebaute Karpen-Zelle Energie ab.

Und so weiter, und so weiter. Angesichts dieser technischen Glanzleistungen kann es einen schon ärgern, wenn Rumänien in Westeuropa oder im Rest der Welt als ärmliche Gegend mit Vampiren abgetan wird. Das Sympathischste an Rumänien ist jedoch, dass hier niemand mit „Wir sind die Größten“-Getöse herumrennt wie in anderen Ländern. Selbst wenn das Gespräch auf einige der oben erwähnten Pioniertaten kommt, erwähnen es Rumänen mit einem Augenzwinkern, und weisen darauf hin, dass die meisten Rumänen schon lange im Ausland lebten, als sie ihre Kreativität entfalteten. Womit sich der Kreis zur Gegenwart schließt. Angeblich ist Rumänisch bei großen Computerunternehmen in den USA die am zweitmeisten gesprochene Sprache. Ich persönlich glaube das allerdings nicht, denn dann wären die Google- oder Bing-Übersetzungen aus dem Rumänischen besser als sie es sind.

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Das perfekte Paket

Paket1 Paket2 Paket3Bücher, Schokolade, Zigarren. Mehr braucht man nicht zum Leben.

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Video-Blog: Geburtstagslied in Tiraspol

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Um meinen 40. Geburtstag nicht rechtswirksam werden zu lassen, verbrachte ich den 6. Juli 2015 in dem von keinem anderen anderen Staat anerkannten Transnistrien. Wie immer plante ich keine große Feier, sondern die Reise und die neuen Eindrücke und Erfahrungen waren Feier, Geschenk und Belohnung genug.

Am Abend saß ich im Park mit dem typisch sowjetischen Namen „Sieg“ und feierte nach einem langen Spaziergang durch die Hauptstadt Tiraspol den Sieg der ersehnten Erholung über den bisher heißesten Tag des Jahres, den selbst ein fünfzehnminütiger Wolkenbruch nicht abzukühlen vermocht hatte. Ja, in der Sowjetunion gab man sich nicht mit langweiligen Namen wie „Stadtpark“ zufrieden. Und wieso umbenennen? „Sieg“ ist immer gut, auch wenn das siegreiche Land schon lange untergegangen und zerfallen ist.

Victory Park
Victory Park 2

Unter den Augen eines mir nicht näher bekannten planmäßig ordensbehangenen und außerplanmäßig von einer Taube besetzten Sowjetoffiziers genoss ich die letzte Zigarre aus meinem Vorrat (pikanterweise eine vom ehemaligen Klassenfeind aus Virginia) und las einen Spionageroman. Das Beisichführen derartiger Lektüre mag bei meinen intellektuelleren Lesern zum Naserümpfen führen, ist aber meine Versicherung gegen den Vorwurf, selbst ein Spion zu sein. „Wenn ich wirklich ein Spion wäre, würde ich wohl kaum Spionageromane lesen, oder?“ würde selbst den härtesten KGB-Offizier überzeugen. Mit Puschkin oder Dostojewski wäre da nichts gewonnen. Und ja, in Transnistrien heißt der Geheimdienst noch KGB. Wieso umbenennen? Die Marke ist bekannt.

Victory Park statue

Schon bald bauen sich zwei Jungs von der Sorte „kein Schulabschluss, aber dafür umso aggressiver“ etwas zu nahe vor mir auf und reden auf Russisch auf mich ein. Ich erkläre freundlich, uneingeschüchtert und auf Englisch, dass ich leider kein Russisch verstehe. Es geht ein paar Sätze hin und her, bis sie mir klarmachen, dass sie (m)eine Zigarre wollen. Auf keinen Fall! Meine letzte Zigarre, und das an meinem Geburtstag, da bleibe ich standhafter als das oben erwähnte Denkmal.

Die Jungs ziehen missmutig ab, kommen aber nach wenigen Minuten zurück. „Haben sie in der Zwischenzeit Englisch gelernt?“ frage ich mich. Nein, aber jetzt haben sie einen Deal vorzuschlagen, wobei „vorschlagen“ für ihre aufdringliche Art zu freundlich klingt. Sie wollen von mir Zigarren im Tausch gegen Marlboro-Zigaretten. Ganz abgesehen davon, dass ich keine weitere Zigarre dabei hätte, wären die angebotenen vier bis sechs Marlboro-Zigaretten wirklich ein schlechter Tausch für mich. Interessanterweise können sie jetzt wirklich drei Wörter Englisch, die sie immer wieder anpreisend wiederholen: „American, duty free!“ Ja, das glaube ich, dass diese Zigaretten zollfrei sind. Transnistrien ist ein Paradies für Schmuggler, für alles von Zigaretten und Alkohol über Waffen und Plutonium bis hin zu Organen und ganzen Menschen.

Endlich ziehen die beiden Aufdringlinge ab, und ich kann mich wieder der Zwischenkriegszeit widmen und das Treiben im Siegespark beobachten. Ein paar Bänke weiter rechts von mir vermietet eine Frau Plastikautos an Eltern, die ihre Kinder derart beschäftigen wollen. Die Kinder können die Autos selbst fahren oder die Eltern können die Autos über Funk fernsteuern. Interessanterweise dürfen die Buben selbst fahren, während bei allen Mädchen die Eltern die Kontrolle behalten. Wenn die Mutter lenkt, ruckelt das Auto so erratisch vor und zurück, dass die Kleinen ein Schleudertrauma bekommen. Hoffentlich haben sie vorher kein Eis gegessen. So vererben sich also schlechte Fahrkünste von Mutter auf Tochter.

Auf der gegenüberliegenden Seite des großzügigen Areals, auf dem ich die Abendsonne genieße, haben zwei Jungs mitbekommen, dass ich Ausländer bin. Sie stehen von ihrer Parkbank auf und kommen schüchtern aber zielstrebig auf mich zu. Diese beiden sind erkennbar von der Sorte „höflich und gut erzogen“, ein willkommener Kontrast zu meinem vorherigen Besuch. Sie fragen nicht nach Zigarren, sondern ob sie ihr Englisch mit mir trainieren dürfen. Sie seien beide gerade mit der Universität fertig, haben dort neben ihrem Ingenieursstudium Englisch gelernt, aber hätten in Tiraspol keine Möglichkeit, es praktisch anzuwenden.

Igor ist 23, Denis ist 24, beide sind in der Phase nach dem Studium und dem Militärdienst und überlegen, ob es sich lohnt, sich auf die mühsame Jobsuche zu begeben oder ob sie zuerst irgendeine ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen sollen, dank derer sie reisen könnten. Wir sprechen übers Reisen, darüber wie man es finanziert, über Prioritäten im Leben, über Beziehungen, Freiheit, Politik, Transnistrien, Moldawien, Russland und über Sprachen.

Schließlich packt Igor seine Gitarre aus, und die beiden Jungs spielen und singen ein paar Lieder für mich, ohne zu wissen dass mein Geburtstag ist.

Eisschleckende und händchenhaltende Paare sehen uns lächelnd und interessiert zu, während sie vorbeischlendern. Ich amüsiere mich über all die Warnungen vor Transnistrien, die ich vor meiner Reise erhielt. So viel Unkenntnis, so viel unnütze Angst, und es wäre so leicht, dagegen anzugehen. Einfach mal in einen Zug steigen, in ein anderes Land fahren, und mit offenen Augen und offenem Geist das Gespräch suchen. Probiert es doch mal aus!

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Der wahrscheinlich dümmste Finanzminister aller Zeiten

Gute Nachrichten für alle Rassisten und Ausländerfeinde: Wenn Ihr wegen fremdenfeindlicher Äußerungen Euren Arbeitsplatz verliert oder gar gemobbt werdet, gibt es eine sichere Fluchtmöglichkeit für Euch. Kommt einfach nach Bayern!

Hier kann man sich selbst als Finanzminister so richtig tumb fremdenfeindlich austoben, ohne sich Sorgen um seine politische Zukunft zu machen.

Söder FluchtanreizIch stimme schon mit der Prämisse nicht überein, dass wir den Flüchtlingszustrom begrenzen müssten. Wer auf der Flucht ist, hat ein Recht auf Schutz. Das ist ein international anerkanntes Prinzip, dem sich Deutschland verschrieben hat, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Hunderttausenden von Deutschen, die in der Vergangenheit in anderen Ländern Zuflucht und Schutz fanden. Wir haben Platz, wir können helfen, und im Vergleich zu wesentlich ärmeren Staaten wie Jordanien, dem Libanon oder der Türkei werden wir nun wirklich nicht von Flüchtlingen überrannt.

Ganz besonders dumm – und/oder offen ausländerfeindlich, weil den Flüchtlingen unlautere Motive unterstellend – ist der Verweis auf angebliche finanzielle Anreize. Man sehe sich nur einmal das folgende Video an und frage sich, wie wahrscheinlich es ist, dass syrische Restfamilien nach einem Bombardement oder Massaker in den Ruinen ihres Hauses zittern und sich Tabellen ansehen, in denen Zahlungen nach dem deutschen Asylbewerberleistungsgesetz (die bis vor kurzem laut Bundesverfassungsgericht „menschenunwürdig niedrig“ waren) mit denen in Italien oder Schweden verglichen werden.

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Philipp Mißfelder, 1979-2015

Philipp Mißfelder hatte sich dafür eingesetzt, dass die gesetzliche Krankenversicherung ab einem bestimmten Alter nicht mehr alle Leistungen gewährt, weil man ja sowieso nicht mehr lange zu leben habe. Sicherheitshalber, und um der Solidargemeinschaft nur ja nicht auf der Tasche zu liegen, ist er jetzt selbst im Alter von 35 Jahren gestorben.

Respekt vor dieser Konsequenz!

philipp-missfelder

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Kinder und Krieg

In seinem Text „Alter und Aussehen egal“ bringt Max Goldt seine Gedanken zu diesem Thema, die weitgehend meinen entsprechen, besser auf den Punkt als ich das könnte:

„Zum Thema Kinder und Krieg gibt es eine Floskel, die einem in der Kriegsberichterstattung des Fernsehens und in Spendenaufrufen immer, immer wieder und immer aufs neue begegnet: Die Kinder leiden am meisten darunter. Das ist eine anmaßende Behauptung, denn das Leiden kann man nicht messen. Zudem spricht die gesamte menschliche Erfahrung dagegen, daß die Leidensgröße mit dem Alter abnimmt. Zahnweh, Liebeskummer, Einsamkeit, das Gefühl, nichts wert zu sein – das ist in allen Lebensabschnitten gleich furchtbar. Warum sollen denn nun Kinder ausgerechnet unter einem Krieg mehr leiden als Ältere? Wer maßt sich an, die Nöte eines Soldaten im Schützengraben für geringer zu erachten als die eines Kindes? […] Worin sich Kind und Soldat unterscheiden, ist nicht die Intensität des Leidens, sondern des Mitleids, das Außenstehende empfinden. Das Mitleid mit dem Kind ist größer, weil es beim Leiden niedlicher aussieht. Nun steht aber das Mitleid selten in einer logischen Beziehung zum Leid des Bemitleideten.“

Den Vergleich mit Soldaten finde ich unpassend, weil der Soldat den Krieg mitfabriziert, was man den Kindern, so sehr sie einem im Einzelfall auf die Nerven gehen, nicht vorwerfen kann.

„Am meisten unter einem Krieg leiden wohl diejenigen, die von Kriegshandlungen unmittelbar betroffen sind. Alter und Aussehen egal.“

Make-believe conquers the tools of war as Muslim children clamber over an abandoned antiaircraft gun.  Discarded shells around the gun may still be live, like the explosive grievances and vengeance harbored  by many of Beirut's factions.  Will there at la

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Klimatisierte Züge in Rumänien

Züge in Rumänien benötigen keine Klimaanlage. Man läßt während der Fahrt einfach die Türen offen.

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Aufgrund der geringen Geschwindigkeit kann man so auch bequem unterwegs aussteigen.

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Ein Nickerchen in der Moschee

Der praktischste Nutzen von Moscheen liegt darin, dass sie im Trubel der Großstadt einen Ort der Ruhe bieten. Man kann sich sogar zu einem Nickerchen hinlegen.

Foto0174-Esfahan Jameh Mosque

Das Foto entstand während meiner ersten Iran-Reise zum Jahreswechsel 2008/2009. Das ist die Freitagsmoschee von Isfahan, eine der ältesten und zugleich größten Moscheen im Iran. Der Komplex ist enorm und lädt zum stundenlangen Wandeln durch die säulenverzierten Hallen oder über den großen Innenhof mit seinen Wasserbecken ein.

Die bisher gemütlichste Moschee zum Ausruhen auf meinen Reisen fand ich in Syrien: die mit Decken und bequemen Kissen ausgestattete Umayyaden-Moschee in Damaskus. Leider hatte ich damals keine Kamera dabei. Und wer weiß, ob die Moschee noch stehen wird, wenn ich das nächste Mal in Syrien bin.

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Die rumänische Eisenbahn

Wenn man wissen will, wie es um die Eisenbahn in Rumänien steht, muss man nur zum Bahnhof in Târgu Mureș (deutsch: Neumarkt am Mieresch) gehen.

Man erkennt ihn an diesem Schild: etwas Holz von einer alten Obstkiste, auf das jemand mit Hand das Logo der rumänischen Staatsbahn CFR draufgepinselt hat.

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Es ist angebracht an einem alten Warenhaus neben den Schienen. Fahrkarten werden in einem kleinen Raum verkauft, in dem eine Landkarte hängt, auf der Jugoslawien und die Sowjetunion noch existieren.

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Wer jetzt denkt, das sei halt ein kleiner Dorfbahnhof, der irrt. Târgu Mureș ist immerhin eine Stadt mit 135.000 Einwohnern, und von hier verkehren Direktzüge nach Budapest und Bukarest. Das wäre in etwa so, wie wenn am Bahnhof in Regensburg oder in Innsbruck über dem Eingang nur ein handgemaltes Schild im Wind knarzte.

Wenn ich in Rumänien sage, dass ich gerne mit der Bahn fahre, ernte ich entgeisterte Blicke, wie wenn ich verrückt wäre. Die Züge sind aber pünktlich, günstig und bieten wunderschöne Ausblicke. Es wäre nur schön, wenn es mehr davon gäbe. Und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h muss man viel Zeit (und Bücher) mitbringen.

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