Vor einem Café in Hermannstadt (Sibiu), Rumänien:
Einen Kaffee – 6 Lei
Einen Kaffee bitte – 3 Lei
Guten Morgen, einen Kaffee bitte – 2 Lei
Höflich, wie ich es immer bin, komme ich hier günstig weg. 2 Lei sind 0,45 Euro.
Vor einem Café in Hermannstadt (Sibiu), Rumänien:
Einen Kaffee – 6 Lei
Einen Kaffee bitte – 3 Lei
Guten Morgen, einen Kaffee bitte – 2 Lei
Höflich, wie ich es immer bin, komme ich hier günstig weg. 2 Lei sind 0,45 Euro.
Zumindest sah es so aus an jenem Abend im Dezember 2014, als mein Bruder diese Fotos von den Fogarascher Bergen in Rumänien machte:
Ihr kennt diese Spendenkisten auf Flughäfen, in die man sein letztes Kleingeld werfen soll, das man im Urlaub nicht ausgeben konnte? Oft sind sie aus Glas, damit man sieht, dass andere Reisende schon fleißig gespendet haben. Also zieht man die letzten transnistrischen Rubel oder jugoslawischen Dinar aus der Tasche und spendet sie für Kinder, gegen Krebs, für oder gegen Hunde, vielleicht sogar für Flüchtlinge. Alles ganz sinnvolle Maßnahmen.
Am Flughafen in Klausenburg (Cluj-Napoca) in Rumänien dagegen dient die Spendensammelei nicht der Linderung von Hunger, Elend und Krankheit, sondern dem Unterhalt einer Kirche.
Das ist insofern verwunderlich, als der rumänische Staat schon die Kosten für Bau und Erhalt der orthodoxen Kirchen im Land finanziert, wie übrigens auch die Gehälter und Pensionen der Priester und auch sonst allerlei Firlefanz. Noch immer werden jedes Jahr Hunderte von Kirchen neu erbaut, und selbst kleine Dörfer bekommen Kathedralen von der Größe des Petersdoms hingestellt. Eine Schule oder eine Klinik gibt es hingegen oft nicht.
Aber, wie es auf der Spendenbox heißt, „Gott wird Deine Reise segnen“. Mit so einem Versprechen können kranke Kinder oder hungrige Flüchtlinge natürlich nicht mithalten. Dabei läge gleich gegenüber vom Flughafen das Elendsviertel Pata Rat, wo jeder Euro helfen würde.
Ich war nicht nur zu geizig, um für die Kirche zu spenden, sondern auch zu schlau. Damit Gott die Reise segnet, genügt es, wenn einer der anderen Passagiere ein paar rumänische Lei zurückgelassen hat. Schließlich kann nicht ein Teil des Flugzeugs abstürzen und der andere nicht.
So sehen die Hangars am Flughafen in Klausenburg (Cluj-Napoca) in Rumänien aus:
Zugegeben, daneben steht mittlerweile ein etwas modernerer Betonklotz, wie man ihn überall sonst auch sieht. Aber ich fand es schön, dass der alte Hangar nicht abgerissen wurde. So kann man während des Wartens ein bißchen in Erinnerungen an alte Zeiten mit Junkers-Maschinen und Zeppelinen schwelgen.
To the English version of this article.
Die iranische Hauptstadt Teheran ist ein Moloch. Ein ständiges Verkehrschaos, hupende Mopeds, Autos auf der Gegenfahrbahn, Lebensgefahr beim Überqueren einer der achtspurigen Straßen. Die Bevölkerung im Großraum Teherans wird auf zwischen 11 und 15 Millionen geschätzt. Smog, Lärm, Gestank und im Sommer die Hitze rauben einem den Lebenswillen.
Doch dann hebt man den Kopf, blickt über die Hochhäuser zum Horizont, und alles wird gut. Man sieht die Berge, die unmittelbar nördlich der Stadt beginnen, und die selbst diese riesige Stadt ganz klein erscheinen lassen. Die Natur triumphiert über den Menschen und über den Beton.
„Berge im Iran? Da gibt es doch nur Wüste und vielleicht ein paar alte Steine dazwischen.“ So denken viele, bei denen der ganze Mittlere Osten von Marokko bis Persien eine Einheit darstellt, die näher zu ergründen sie zu viel Angst haben. In Wirklichkeit bietet der Iran, wie fast alle größeren Länder, alles von Meer über Wüste, Städte, Wälder und Berge. Richtig hohe Berge sogar. Das Elburs-Gebirge ragt bis auf 5.600 m hinauf. Das sind 800 m mehr als der Montblanc.
Der Totschal, der Hausberg Teherans, erhebt sich immerhin 3.964 m über die Stadt. Wenn ein Münchner davon schwärmt, dass er bei gutem Wetter die Alpen sehen kann, lächelt der Teheraner nur freundlich.
Da ich eher ein Berg- als ein Stadtmensch bin, war ich bei meinem ersten Besuch in Teheran im Dezember 2008 hocherfreut darüber, wie viele Leute mich zu einer Wanderung in die Berge einluden. Mit ein paar neuen Bekanntschaften gingen wir am Samstagmorgen zuerst in eine Halim-Bude. Ich sage Bude, weil Restaurant wirklich ein übertriebenes Wort wäre. An einer belebten Straßenkreuzung gelegen, die Türen trotz kaltem Wind sperrangelweit offen, Metalltische und -stühle stehen kreuz und quer. Die meisten Gäste waren Männer im mittleren Alter, so Typen von der Art Taxifahrer, Obststandinhaber und Fußballfans. Eine Speisekarte gab es nicht, man rief einfach nur „jek, do, se“, eins zwei oder drei für die Anzahl der Schüsseln Halim, die man haben wollte. An jenem Tag lernte ich, dass man das beste Essen dort findet, wo keine Speisekarte nötig ist, weil nur ein Gericht im Angebot ist.
Mir kam das Halim vor wie ein heißer, zähflüssiger Grießbrei. Auf dem Tisch standen Zucker- und Zimtstreuer, von letzterem machte ich reichlich Gebrauch. Es war das perfekte Frühstück vor dem Aufstieg in die Berge, sättigend, warm, wohltuend und schmackhaft. Am liebsten wäre ich noch länger sitzengeblieben, aber es war Hochbetrieb, und die nächsten hungrigen Kunden drängten sich schon um die Tische. – Später erfuhr ich, dass Halim aus Fleisch, Zwiebeln und Getreide gemacht wird; eine Information, die sich noch immer nicht mit dem süßen Geschmack deckt, den ich in Erinnerung habe.
Auf geht’s also. Teheran wächst beständig, auch nach Norden an die Berghänge heran, und so läuft man durch die Straßen, bis man plötzlich das derzeit letzte Haus (und ein Paintballspielfeld) hinter sich hat und auf dem Wanderweg zum Berg Totschal ist. Allein ist man hier allerdings nicht. Tausende von Bergwanderern sind unterwegs, darunter Hunderte von jungen Leuten. Ich bin beeindruckt, weil die europäischen Altersgenossen dieser fitten jungen Iraner um diese Zeit noch im Bett liegen und auch den Rest des Tages eher vor dem Computer als im Gebirge verbringen werden.
Ich schweife immer wieder vom Weg ab, klettere auf den Felsen und zwischen Wasserfällen herum, während meine iranischen Freunde artig auf dem Weg bleiben.
Sie werden langsamer, benötigen immer mal wieder eine Pause, atmen schwerer (wir sind schon über 2.000 m). Es dauert eine Weile, bis ich zwei weitere Lektionen in dem umfangreichen Lehrgang, als den sich meine Iran-Reise herausstellen sollte, kapiere:
Ich wollte ja eigentlich ganz auf den Gipfel des Totschal, aber ich sehe, dass das mit meinen Freunden nicht zu machen ist. Und ganz ehrlich, vielleicht habe ich auch nicht die richtige Kleidung für die Besteigung eines Fast-Viertausenders im Winter an. Ich halte nichts davon, sich für Hunderte von Euros in Fachgschäften einzudecken, sondern orientiere mich eher am Bekleidungsstil der Mallory-Everest-Expedition von 1924.
Auf 2.400 m ist dann Schluß für heute. Hier steht die zweite der sieben Seilbahnstationen (und eine Bude, die Hamburger und Hot Dogs verkauft), und in einer wackligen Gondel rumpeln wir zurück in die Stadt. Aber auch in den kommenden Tagen wird mein Blick immer wieder nach oben, in diese majestätischen Berge wandern.
Übrigens, wenn Ihr mal in der Gegend seid und gerne in die Berge geht: Gleich nebenan ist Pakistan mit einigen Achttausendern; auch so ein unterschätztes Bergsteigerparadies.
Es ist ja nett gemeint von der Presse, die Nachnamen von Beschuldigten und Zeugen in Strafverfahren abzukürzen, aber es ist nervig, wenn man den gleichen Vornamen und den selben Anfangsbuchstaben wie mutmaßliche Kriminelle, Terroristen oder Nazis hat.
Ich erkläre deshalb an dieser Stelle mal ausdrücklich, mit keiner der nachfolgend angesprochenen Personen identisch zu sein.
Am folgenreichsten für mich ist wahrscheinlich der Dschihadist aus Bonn, der jetzt in Afrika leben soll. Wenn mich irgendwann mal eine von einer Drohne abgefeuerte Rakete zerfetzt, wird es an dieser Namensgleichheit gelegen haben.
Auch die Erwähnung eines in Kenia ausgesetzten Kopfgeldes ist etwas beunruhigend.
Wie wenn das nicht schon genug wäre, gibt es dann noch jenen Andreas M., der den Hitlergruß zeigt. Ich hoffe, dass alle Medien immer das Foto abdrucken, um die Verwechslungsgefahr zu verringern.
Der Nazi aus Freital schaffte es sogar bis in die Presse am anderen Ende der Welt.
Wie peinlich, wenn das meine ehemaligen Schulkameraden in Australien lesen. Zum Glück stimmt das angegebene Alter nicht ganz mit meinem überein.
Mit den folgenden Strafverfahren habe ich übrigens auch allesamt nichts zu tun. Weder als Opfer,
noch als Täter.
Hoffentlich bürgert sich „Andreas M.“ nicht als Standardname in der deutschen Presse für all diejenigen ein, deren richtiger Name nicht genannt werden soll, so wie „John/Jane Doe“ in den USA.
Während meines Jura-Studiums wollte ich ein Praktikum beim Auswärtigen Amt absolvieren, um mir mal den Diplomatischen Dienst anzusehen. Natürlich nicht in Bonn (ja, so lange liegt das zurück), sondern in einer der Auslandsvertretungen.
Ich versandte also meine Bewerbungsfaxe (siehe oben) rund um die Welt und erhielt im Gegenzug Dutzende von Absagen, die höchste Telefonrechnung meines Lebens und drei Zusagen. Die Zusagen stammten von den Konsulaten/Botschaften in
Ich entschied mich für New York. Der Flug in die USA war billiger als der Flug in den Jemen, in den USA kannte ich mich aus, ich kannte das Rechtssystem, auch aus einem vorangegangenen Praktikum bei der Staatsanwaltschaft in Las Vegas, mein Englisch (fließend) war besser als mein Arabisch (null), so dass ich mich bei der Arbeit sinnvoll einbringen konnte anstatt nur zuzusehen oder herumzusitzen. Außerdem war ich noch nie an der amerikanischen Ostküste gewesen.
Die Zeit in New York war extrem spannend. Ich war im September 1998 dort, während der UNO-Generalversammlung, ich traf den damaligen Außenminister Klaus Kinkel, und ich konnte mir interessante Aufgaben aussuchen, die mir Recherchen außerhalb des Büros erlaubten. Ich besichtigte Gefängnisse, suchte nach untergetauchten jungen Deutschen, war nachts im Polizeiauto in der Bronx unterwegs, brachte ihr Dreimonatsvisum überschritten habende Deutsche mit sanften Drohungen zum Flughafen zurück und lernte Auswanderer kennen, die vor den Nazis geflohen waren.
Und überhaupt, New York! Für jemanden aus einem kleinen Dorf in Bayern war das die richtig große Welt. Ich habe nie so wenig geschlafen wie in jenem Monat. Die mitgeschleppten Bücher über Zivil- und Verwaltungsrecht blieben ungelesen, dafür sah ich Saving Private Ryan in einem Kino voller Weltkriegsveteranen, aß mich durch Chinatown, italienische, mexikanische Restaurants und die Hot-Dog-Stände im Central Park und besuchte einen Flugzeugträger.
Trotzdem war die Entscheidung falsch.
Anstatt die einfache, naheliegende, logische, auch bequeme Wahl zu treffen, hätte ich mir überlegen sollen, wohin ich später sowieso noch reisen können würde. Und tatsächlich war ich in späteren Jahren noch einmal in New York und auch in Boston. In den Jemen hingegen bin ich bis heute nicht gekommen, auch weil er als Reiseziel nicht leichter zugänglich geworden ist. Immer wenn ich Bilder aus Sanaa sehe und Berichte über Entführungen und Kriege im Jemen höre, bereue ich diese verpasste Chance.
Wenn bei Euch die nächste Reise ansteht, traut Euch doch mal, etwas Neues zu sehen! Erweitert den Horizont! Die Welt ist so groß, so vielseitig, so interessant, muss es da wirklich immer der gleiche Campingplatz in Italien oder die gleiche Ferienwohnung im Allgäu sein?
Die Begegnung mit dem Unbekannten, dem Neuen, auch dem anfänglich Unverständlichen ist etwas Erfrischendes. Die Erfahrung, mal wieder etwas Neues zu lernen, Ängste zu überwinden, Ansichten zu revidieren, hält jung, intellektuell wie emotional. Der Geist verkümmert doch, wenn er nicht ständig neue Herausforderungen bekommt.
Die meisten meiner Studienkollegen absolvierten ihr Praktikum übrigens beim Amtsgericht in Regensburg, in Straubing oder in Amberg. Nun ja.
Eines der 10 besten Fotos im diesjährigen Fotowettbewerb von National Geographic kommt aus Rumänien. Eduard Gutescu stand wahrscheinlich früh auf, um diese Herbstlandschaft in den Bergen zwischen Bran und Sinaia einzufangen.
Das Foto erinnert mich an ähnliches Herbstwetter, in dem Fotos wie dieses entstanden,
und an einige der Fotos, die mein Bruder gemacht hatte, als er im Dezember in Transsilvanien/Siebenbürgen zu Besuch war.
Ja, es ist wirklich so schön hier! Und zwar in jeder Jahreszeit.