In Jugoslawien vertrugen sich sozialistischer Stern und christliches Kreuz ganz gut, scheint es.

(Fotografiert auf dem Friedhof von Velji Zalazi in der Nähe von Kotor, Montenegro. – Read this in English.)
In Jugoslawien vertrugen sich sozialistischer Stern und christliches Kreuz ganz gut, scheint es.

(Fotografiert auf dem Friedhof von Velji Zalazi in der Nähe von Kotor, Montenegro. – Read this in English.)

Fotografiert während der Wanderung auf dem Vrmac.
Gesehen im Flughafen von Santiago de Chile:

Da ich gerade auf dem Weg zur Osterinsel und ziemlich klamm in der Kasse war, gingen leider all meine Pesos für ein allerdings sehr nützliches Buch über die Osterinsel drauf.
Jetzt habe ich gesehen, dass das Buch von Víctor Farías sogar in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Das kommt dann auf der nächsten Chile-Reise in den Rucksack.
Schon den halben Tag war ich auf der unbewohnten Seite der Osterinsel unterwegs. Die Westküste war nicht nur menschenleer, sondern vollkommen kahl. Ich hatte nichts zu Essen oder Trinken gefunden. Die Sonne brannte erbarmungslos.
Auf dem Weg war ich immer wieder über Kadaver und Skelette gestolpert. So langsam dämmerte mir, dass auch ich mein Leben auf dieser Insel lassen würde, wenn die Kräfte nicht für einen ganzen Tagesmarsch reichen sollten. Im Bewusstsein um diese Gefahr wollte ich gerade so etwas wie ein Abschiedsvideo drehen, als mir gerade noch rechtzeitig ein wichtiger Überlebenstrick einfiel.
Das Video gibt es leider nur auf Englisch, denn zu der Zeit auf der Osterinsel sprach ich Spanisch und mehr als zwei Sprachen kann ich nicht gleichzeitig im Kopf behalten.
Dergestalt gerettet und gestärkt, schaffte ich es tatsächlich noch zur Bucht von Anakena im Norden der Osterinsel.

Dort gab es dann auch endlich die ersehnte Coca Cola.
Kann es sein, dass meine Landkarte von Montenegro schon etwas älter ist?

Da braucht man schon einmal eine Pause.

Fotografiert in Cochabamba, Bolivien.
In Montenegro sind die Wanderwege nicht nur farblich markiert, wenn auch verwirrenderweise überall im Land in rot-weiß. Zudem sind an Weggabelungen Katzen postiert, die sicherstellen, dass man richtig abbiegt.

Wenn man die falsche Richtung einschlägt, protestiert die Katze lautstark. Wenn sie merkt, dass man neu in der Gegend ist, geht sie ein Stück in die richtige Richtung mit.
Dabei hat jede Katze ihr eigenes Gebiet. Auf dem Weg zur Festung über Kotor treffe ich zum Beispiel jedes Mal diese Katze an, die mich mittlerweile schon begeistert begrüßt und immer das gleiche Wegstück mitgeht. Aber nie bis ganz zur Festung, und auf dem Rückweg nie bis in die Stadt. Sie hat ihr fest abgestecktes Territorium.


Über die geniale Idee der rumänischen Eisenbahn zur Klimatisierung der Züge im Hochsommer hatte ich schon geschrieben. Allerdings scheint es, dass jemand vergessen hat, die Klimaanlage für den Winter umzustellen. Denn so sah diese Woche der Zug von Iași nach Temeschwar aus:

Die transrumänische Eisenbahn entwickelt sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für die transsibirische.
(Foto von Traditional Romanesc. Danke an Csongor István Ungvári für den Hinweis.)
Juhu, ein Film über Churchill, über den Zweiten Weltkrieg! Ein Film, bei dem auch der Geschichtsstudent ohne schlechtes Gewissen den Schreibtisch verlassen und sich auf den Weg ins Kino machen kann. Doch dort sogleich die erste Enttäuschung: Selbst in einem Film über Churchill darf man im Kino keine Zigarren rauchen.
Um die zweite Enttäuschung von vornherein abzumildern: Die dunkelste Stunde ist kein umfassender Churchill-Film, nicht einmal ein umfassender Churchill-im-Zweiten-Weltkrieg-Film. Es geht ausschließlich um wenige Wochen im Mai 1940, von der Ernennung Churchills als Premierminister bis zur Rettungsaktion für die in Dünkirchen eingeschlossenen britischen Soldaten. Zu letzterer gab es aber kürzlich einen separaten Film.
Weil diesem Blog oft kriegszersetzender Negativismus vorgeworfen wird, beginne ich mit dem Positiven: Churchill wird nicht übertrieben heroisiert, sondern durchaus als Mensch mit Schwächen dargestellt. Als Politiker hat er eine klare Wertvorstellung, aber einen Plan hat er nicht. Oder, um einen seiner Kritiker aus dem Film zu zitieren, er hat jeden Tag hundert neue Pläne. Auch die Schlacht von Gallipoli, ein verheerendes Landungsunternehmen im Ersten Weltkrieg, das auf eine von Churchills grandiosen Ideen zurückging, findet Erwähnung. Wobei den meisten deutschen Zuschauern die kurze Erwähnung von Gallipoli nichts bedeuten dürfte, weil diese Schlacht, wie überhaupt der Erste Weltkrieg, in unserem kollektiven Gedächtnis nicht so sehr verankert ist wie bei unseren angelsächsischen Freunden. Ich selbst habe erst in Australien davon erfahren, als ich an einem 25. April einer Militärparade zum Gedenken an die verlustreiche Schlacht in der Türkei, wo 1915 fast die gesamte damalige australische und neuseeländische männliche Jugend ihr Leben verlor, beiwohnte.
Aber ich schweife schon wieder ab. Das mag daran liegen, und damit sind wir am Ende des positiven Teils dieser Besprechung angelangt, dass mich Die dunkelste Stunde nicht richtig in den Bann zieht. Gary Oldman wurde für seine Darstellung von Churchill viel gelobt, aber ich vermochte nicht zu erkennen, wofür. Man merkt zum Beispiel auf den ersten Blick, dass er nicht gerne raucht und die Zigarre oft unangezündet in der Hand oder im Mund hält.

Zumindest den Teil hätte ich genüsslicher spielen können.
Eine der Sekretärinnen bekommt viel zu breiten Raum eingeräumt, wie wenn sie die zweite Hauptfigur wäre. Die von Lily James ablenkend schön gespielte Miss Layton hat natürlich einen Bruder, der in Dünkirchen ist, weswegen ihr beim Abtippen von Befehlen manchmal eine Träne aus den Augen kullert. Das fällt Churchill auf, der sie deshalb mit in den hochgeheimen Kartenraum nimmt und ihr (und damit den Zuschauern, die es vorher noch nicht verstanden haben und die ohne hilfreiche Beschriftung nicht wüssten, wo Belgien und die Niederlande sind) nochmals die Dramatik der Lage erklärt.

Das ist schon ziemlich kitschig.
Unerträglich kitschig wird es aber, als Churchill mit der U-Bahn zur Arbeit fährt (was historisch natürlich falsch ist) und ins Gespräch mit klischeemäßigen Durchschnittsbriten (einem Maurer, einer jungen Mutter, einem noch jüngeren Paar, einem farbigen Untertanen der Krone) kommt, die ihn alle darin bestätigen, niemals aufzugeben. Sogar ein Kleinkind ruft „never surrender!„, weil ihm die Front in Frankreich und der Sieg über den Faschismus wichtiger sind als ein Erdbeereis. Selbst in sowjetischen Propagandafilmen habe ich noch keine so unglaubwürdige Szene gesehen.

Spart Euch die zwei Stunden und kauft für das Geld lieber Winston Churchills eigenes Buch über den Zweiten Weltkieg. Das ist zwar nicht ganz objektiv, aber Churchill war nicht nur ein hervorragender Redner, sondern auch ein guter Schriftsteller. Nicht umsonst erhielt er für seine Weltkriegsmemorieren 1953 den Literaturnobelpreis.
Oder man fliegt, für wenig mehr Geld als der Kinobesuch kostet, nach London und besucht die im Film gezeigten Cabinet War Rooms, die unterirdische Kommandozentrale während des Zweiten Weltkriegs (wo der Eintritt allerdings happige 18,90 £ kostet), und das Imperial War Museum (Eintritt frei).
(Read the English version of this review. – Diese Kritik erschien auch im Freitag.)
Beim Wandern in Montenegro entdeckt man allerhand. Aber was immer es ist, man kann darauf wetten, dass es menschenleer und verlassen ist.
Habt Ihr gemerkt, wie perfekt die Musik auf die Handlung abgestimmt ist? Und das bei meinem ersten Versuch, ein Video mit Hintergrundmusik zu unterlegen. Jetzt wo ich weiß, wie das geht, werde ich mir meine alten Videos mal vornehmen und sie hollywoodreif machen.
Das Wetter war heute nicht so gut, aber dafür wirkte das Tal umso unheimlicher und damit passend zu dem verlassenen Dorf.
