Weckruf im Dschungel

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In dem einen anstrengenden Tagesmarsch von der nächsten noch einigermaßen befahrbaren Piste entfernten Dorf Buen Pastor im bolivianischen Dschungel beginnt der Tag – typisch bolivianisch – mit Trommeln. Das ist der Weckruf für die Kinder, die hier mitten im Urwald eine kleine Schule haben.

Der Trommelwirbel wurde nach etwa 15 und nach 30 Minuten wiederholt. Der zweite Alarm signalisierte anscheinend, dass es Zeit war, das Haus zu verlassen, während der dritte Alarm „jetzt solltet Ihr schon in der Schule sein“ bedeutete.

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Die Lehrer hatten noch extra Trommeln und einen Gong, um die Pausen und deren Ende anzuzeigen. An einem der Abende wohnte ich einer Gemeindeversammlung bei, die ebenfalls durch einen Trommler einberufen wurde.

(In English.)

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Bud Spencer, 1929-2016

Der Beweis, dass man mit einem Jura-Studium wirklich alles machen kann:

Bud Spencer

Carlo Pedersoli, Künstlername Bud Spencer: Jurist, Schwimmer, Stuntman, Wasserballspieler, Schauspieler, Regisseur, Komponist, Sänger, Drehbuchautor, Modedesigner, Erfinder, Geschäftsmann.

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Nach drei Wochen im Dschungel

So geht man rein: rasiert, sauber, frohen Mutes.

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So kommt man nach drei Wochen raus: mit Bart, schmutzig, erschöpft, und nur noch am Leben dank eines Gewehres, das man einem Indianerstamm abgekauft hat.

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Nächster Umzug: Arequipa in Peru

Je öfter man umzieht, desto mehr lernt man, was einem gefällt und was einem nicht gefällt. Es kristallisiert sich heraus, dass mir Berge und Steppe näher liegen als Meer und Tropen. Richtige Großstädte finde ich unpraktisch, weil man dort zu viel Zeit im Verkehr verliert, kleine Dörfer sind mir auf Dauer zu langweilig. Städte mittlerer Größe, von einigen Hunderttausend bis zu einer Million Einwohner, sind perfekt. Wenn man dann noch ein immer frühlingshaftes Klima hat, könnte man fast bleiben wollen. Wie hier in Cochabamba.

Aber da ich seit Ablauf meines Visums im März illegal im Land bin und deshalb unter ständiger Gefahr eines langen Gefängnisaufenthalts stehe, ist es Zeit, mich auf die Socken zu machen und weiterzuziehen.

Auf der Suche nach einer Stadt in Südamerika mit ähnlicher Lebensqualität bin ich auf Arequipa in Peru gestoßen, wohin ich deshalb im August 2016 ziehen und wo ich bis Ende des Jahres bleiben werde.

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Wie Ihr wisst, bin ich ein großer Fan von Naturkatastrophen. Ein weiteres Plus ist daher, dass es in Arequipa fast täglich Erdbeben gibt und dass ich in Sichtweite von Vulkanen leben werde.

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Auf den – wenn sie nicht gerade ausbrechen – relativ leicht besteigbaren Vulkanen Misti (5.822 m) und Chachani (6.057 m) werde ich versuchen, neue Höhenrekorde aufzustellen.

Auch das Colca-Tal scheint mir für Wanderungen prädestiniert zu sein.

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Ansonsten will ich die nächsten sechs Monate aber langsam angehen. Weniger reisen, stattdessen mehr im Garten unter Palmen sitzen und endlich mal die Geschichten der letzten Jahre zu Papier bringen.

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Video-Blog: WM-Finale 2014

Manche Leute nehmen ihren Jahresurlaub für die Fußball-WM. Ich hingegen habe erst nach der Planung meiner Reise nach Griechenland, Mazedonien und Albanien gemerkt, daß überhaupt eine Fußball-WM stattfindet. Solange dadurch keine Züge ausfallen sollten, war mir das egal.

So war ich am 13. Juli 2014, am Tag des Finalspiels zwischen Deutschland und Argentinien, zufällig in der albanischen Hauptstadt Tirana. Schon den ganzen Tag über sah ich Menschen in Deutschland-Trikots, Deutschland-Fahnen vor Restaurants und Bars und an Autos und andere schwarz-rot-goldene Markierungen. Während einer Wanderung auf dem Berg Dajti hatte ich einen Albaner getroffen, der mich darauf hinwies, daß mit Shkodran Mustafi ein Sohn albanischer Eltern im DFB-Team spielt, aber die Deutschland-Begeisterung schien mir mehr allgemein und unabhängig von einem (sowieso wegen einer Veletzung ausgeschiedenen) Spieler zu sein. Schon bei meiner Ankunft am Tag zuvor hatte mir die Wirtin meiner Pension gesagt, daß sie es nicht erwarten könne, bis die WM vorbei sei, da sie das ewige „Germany, Germany“-Gerede ihres Mannes nicht mehr ertragen könne.

Das Spiel wurde in jeder Bar, in jedem Restaurant und in jedem Garten übertragen. Man konnte durch ganz Tirana spazieren, ohne eine Sekunde des Spiels zu verpassen. Der größte Auflauf war im Zentrum, wo etliche große Leinwände aufgestellt waren, Rücken and Rücken, so daß die Zuschauer von beiden Seiten aus zusehen konnten. Alle 50 und 100 Metern dann wieder so eine Doppelleinwand, und so ging es durch die ganze Fußgängerzone.

Hier kam ich gerade zufällig vorbei, als das einzige Tor des Spiels fiel:

Und das war kein neutraler Torjubel. Auch schon vorher waren die Anfeuerungsrufe eindeutig auf das deutsche Team konzentriert. Entsetzt war ich darüber, daß sogar in Albanien, das ja immerhin mal von den Nazis besetzt war, jemand mit einem „Deutschland über alles“-Plakat herumläuft. Mangelndes Geschichtsbewußtsein ist ein globales Phänomen.

Ein Junge konnte mit dem Abbrennen seiner Fackel nicht mehr bis zum Schlusspfiff warten:

Als das Spiel endlich aus war, tanzte die Menge, wie wenn Albanien selbst den WM-Titel gewonnen hätte:

Jemand hatte ein Feuerwerk mitgebracht (und ich frage mich, ob er es auch für Argentinien abgebrannt hätte):

Vom Minarett der nahen Et’hem-Bey-Moschee rief der Muezzin „Allah u akbar“: Gott ist groß. Das fand ich dann wirklich übertrieben.

Man merke sich also: Will man bei zukünftigen Europa- und Weltmeisterschaften dem deutschen Fußballtrubel entgehen, ist Albanien kein gutes Reiseziel. Ansonsten ist es aber ein sehr sympathisches Land.

(To the English version of this video blog.)

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Peru: Integration von Flüchtlingen auf höchster Ebene

Während der Fußball-EM merken auch die sonst eher migrationsskeptischen unter meinen Landsleuten, dass Einwanderer für das sie aufnehmende Land durchaus nützlich sein können. Es ist nicht unwahrscheinlich dass von den Kindern, die jetzt aus Syrien oder Afghanistan zu uns kommen, einige in 15 Jahren in der Bundesliga oder gar in der Nationalmannschaft spielen werden.

In Südamerika, wo es wichtigere Dinge als Fußball gibt, ist man schon viel weiter. In Peru wurde das Kind eines Flüchtlings gerade Staatspräsident. Pedro Pablo Kuczynski ist der Sohn von Max Hans Kuczynski, Medizinprofessor aus Deutschland, der 1933 nach Peru floh. Seine Mutter war Französin. Seine Gegenkandidatin in der Stichwahl war Keiko Fujimori, deren Vater als Kind japanischer Einwanderer ebenfalls schon peruanischer Präsident gewesen war.

Peru's presidential candidate Pedro Pablo Kuczynski of "Peruanos Por El Cambio" party attends a meeting with school principals at Independencia district of Lima

„Die grimmige Laune habe ich von meinen deutschen Vorfahren.“

Vergleichbares würde in Europa zu erhitzten Diskussionen über „Leitkultur“, „Überfremdung“ und „Identität“ führen. In Südamerika ist man da wesentlich lockerer, liberaler und moderner, trotz bekanntermaßen schlechter Erfahrungen mit der ersten europäischen Einwanderungswelle ab 1492. Eine Ausnahme gibt es jedoch auch hier: Wenn Kuczynski von seinen Gegnern als „Ausländer“ bezeichnet wurde, dann meinten sie damit ausschließlich seine US-Staatsbürgerschaft, die er während des Exils in den USA erworben hatte, und auf die er einige Monate vor der Wahl verzichtete. Der Antiamerikanismus ist in Lateinamerika die vorherrschende Form der Fremdenfeindlichkeit, die leider von einigen Regierungen hier gerne geschürt wird.

Dass Nachkommen von deutschen Auswanderern Staatspräsidenten werden ist in Südamerika übrigens keine Seltenheit. Ernesto Beckmann Geisel (Brasilien), Hugo Banzer, Gérman Busch, Alberto Natusch Busch (Bolivien), Alfredo Strössner (Paraguay) waren jedoch allesamt Diktatoren. Fast würde man diesem Kontinent zu einem Verbot deutscher Einwanderer raten wollen. Rein als Vorsichtsmaßnahme.

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Sandstrand? Das interessiert doch keine Sau.

Eine Ausnahme ist der Strand an der Ostküste der Isla del Sol im Titicacasee, wo die Schweine den Strand für sich allein haben.

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Und falls doch mal ein Mensch vorbeiläuft, kümmert das die Ferkel überhaupt nicht. Sie genießen weiter die Sonne, die kühlende Brise und den Blick auf die Kordilleren im Hintergrund.

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Menschen-Affen

Read this article in English.

Aus aktuellem Anlass ist die Diskussion über das Wesen von Affen und darüber, als was wir sie betrachten und wie wir sie behandeln sollen, in vollem Gange. Daran musste ich denken, als ich den Machía-Park in Villa Tunari in Bolivien besuchte, in dem unter anderem Affen leben. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Zoo, sondern es liegt an den Affen, ob sie vorbeischauen oder sich in den angrenzenden Dschungel verziehen möchten.

Zuerst war ich allein im Park und bemühte mich, leise zu sein, um die Affen nicht zu stören. Ich erblickte nur einen von ihnen, hoch oben in einer Baumkrone. Bei einem Aussichtspunkt über den Fluss stieß jedoch eine Gruppe von jungen Reisenden hinzu, die weniger leise und vorsichtig als ich waren. Ich hoffte inständig, dass sie sich bald verziehen würden, denn ich wollte Affen beobachten, keine Hippies. Aber dabei unterschätzte ich den Wunsch der Affen nach sozialer Interaktion. Nachdem sie Menschenlaute vernommen hatten, kamen sie kletternd und springend durch die Bäume.

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Zuerst ließen sich die Affen nur auf das Dach herab und beobachtenen uns mit Neugier und Scheu, kamen dann aber immer näher.

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Jetzt waren die Affen so mit der anderen Gruppe beschäftigt, dass sie mich gar nicht bemerkten, als ich mich von hinten anschlich.

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Ein Affe setzte sich neben einen der Jungen, schmiegte sich eng an dessen Bein und schlief in dieser Position bald ein.

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Ganz anders hingegen der Fitness-Freak unter den Affen, der demonstrativ Stretching und Klimmzüge machte und durch das Publikum angespornt zu sein schien.

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Als die Gruppe abzog, passierte etwas Wundervolles. Ein Junge war aufgetaucht, der das gleiche Verhalten gegenüber der Natur wie ich zu Tage legte: so leise wie möglich sein, die Aussicht genießen. Schweigend stand er am Geländer der Aussichtsplattform und sah in die Ferne, als sich ihm vorsichtig ein Affe näherte.

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Der Junge sagte nichts, so dass sich der Affe abwandte, um ihn nicht zu stören. Als aber ein zweiter Affe auftauchte, rückte der erste Affe näher zu dem jungen Mann und legte den Arm um seine Schulter und um seinen Hals, wie wenn er ihm bedeuten wollte “Sei nicht so einsam! Du kannst auch zu unserer Gruppe gehören.”

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Es war ein bewegender Anblick. In diesem Moment war die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier verschwommen. Zumindest mit Affen haben wir weit mehr gemeinsam, als uns trennt. Dass wir ihre Sprache nicht verstehen, gibt uns kein Recht, sie in Zoos einzusperren. Andernfalls könnten wir ja auch die Mehrheit der Chinesen und junge Babies einsperren, denn mit denen kann ich mich auch nicht unterhalten.

Und vielleicht gilt das auch für andere Tiere. Nicht alle haben die gleichen Möglichkeiten, ihre Gefühle auszudrücken wie Affen und Menschen, aber das bedeutet nicht, dass eine Kuh oder ein Schwein nicht an dem Kalb oder dem Ferkel hängt, das Ihr für Euren Grillabend schlachtet.

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Geduld mit der Aufklärung!

Nach Moses Mendelssohn kann es noch bis 2240 dauern, bis das Projekt verwirklicht wird:

2240

(Aus „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum“ von 1783.)

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Papyrus

Ausgehend von meinen Konsumgewohnheiten kommen nur zwei Pflanzen als Lieblingspflanzen für mich in Frage: die Tabakpflanze und Papyrus. Auch wenn die meisten der Bücher, die ich lese, nicht mehr aus Papyrus angefertigt werden, so hege ich doch eine besondere Wertschätzung für die Pflanze, die einst der Literatur (und profaneren Schriftstücken) diente.

In der Nähe von Syrakus in Sizilien wachsen entlang des Flusses Ciane diese wilden Papyrusstauden.

Papyrus

Kaum jemand verirrt sich hierher. Ich kam auch nur in die Gegend, weil ich auf einer Orangen- und Zitronenplantage übernachtete. Am nächsten Morgen hing der Nebel noch über dem Fluss.

Papyrus Nebel

Papyrus Nebel 2Benannt ist der Fluss Ciane bzw. die Quelle, die hier entspringt, nach der Nymphe Kyane. Sie versuchte, Hades‘ Raub der Persephone zu verhindern, blieb dabei erfolglos und löste sich in Tränen auf. Diese speisen noch heute diese Quelle.

Auch in der Stadt Syrakus selbst wächst der Papyrus:

Papyrus Siracusa(To the English version.)

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