Das waren die Reaktionen als ich den Plan einer Reise nach Abchasien erwähnte:
„Oje, oje, ist das nicht gefährlich?“ (siebzehnmal)
„Pass auf, das ist sehr gefährlich dort!“ (achtmal)
„Was willst Du denn dort?“ (fünfmal)
„Sei vorsichtig! Sprich auf keinen Fall Mädchen an. Die Abchasen verstehen da keinen Spaß. Sobald Du ein Mädchen auch nur ansiehst, tauchen vier ihrer Brüder mit Kalaschnikows auf. Das ist wie in Tschetschenien.“ (einmal)
„Von Reisen nach Abchasien und Südossetien und in die unmittelbare Nähe der Konfliktregion wird dringend abgeraten.“ (Auswärtiges Amt)
Nun war ich bei meinem ersten Besuch nur vier Tage in Abchasien, bin aber immerhin zweimal durch fast das ganze Land gefahren und war jeden Tag von früh bis spät unterwegs. Für einen ersten Eindruck dürfte es also reichen.
Und so sieht es in Abchasien aus:
Wie gefährlich war nun also Abchasien?
Sehr gefährlich! Und zwar gefährlich schön und gefährlich interessant. Noch gefährlicher könnte es für Menschen sein, die von ihrem Vorurteil, dass alles östlich der Elbe gefährlich, böse und arm ist, nicht lassen wollen.
Ganz im Ernst, das gefährlichste war diese Katze, die meine Schnürsenkel fressen wollte.
In Deutschland sah es zur gleichen Zeit übrigens so aus:
Merke: Die meisten Reisewarnungen sind nutzlos bis falsch, weil sie von Leuten abgegeben werden, die noch nie oder letztmals vor 10 Jahren in dem betreffenden Land waren oder die sich in einem Büro verstecken und grundsätzlich Angst haben, sobald sie auf die Straße gehen.
Tiflis ist geprägt von so vielen verschiedenen architektonischen Stilen, dass man es kaum schafft, nur einen davon auf ein Foto zu bannen. Hier drängen sich aus dem Hintergrund noch der Turm einer Moschee aus Backsteinen und von der Seite ein herrlicher Holzbalkon ins Bild.
Das Gebäude mit der blauen Fassade, das an Moscheen in Isfahan erinnert, ist das Orbeliani-Bad. Als ich in Tiflis war, wurde es leider gerade renoviert oder umgebaut und war daher geschlossen.
Alexander Puschkin schrieb nach einem Besuch:
Von Kind an habe ich weder in Russland noch in der Türkei etwas Herrlicheres erlebt als das Bad von Tiflis.
Die Bewohner der Insel Taquile im Titicaca-See waren von den stillosen und unzureichend behüteten Besuchern so schockiert, dass sie am Aufgang vom Hafen eine Steinskulptur errichteten, die signalisieren soll, wie man sich dort zu kleiden habe.
Als kultursensibler Reisender habe ich dem natürlich entsprochen.
Wenn Ihr jemanden kennt, der/die von Schuhen besessen ist, und ihn/sie heilen wollt, könnt Ihr es mit diesem Foto versuchen. Es relativiert so einiges.
Viele Reisende zerbrechen sich den Kopf darüber, mit welcher Fluglinie sie fliegen, welche Klasse sie buchen und welchen Sitzplatz sie reservieren. Als Begründung dafür, dass sie für den gleichen Flug 600 Dollar mehr ausgeben, führen sie dann oft 2 bis 20 cm zusätzliche Beinfreiheit an. Bei wirklich großen Menschen kann ich das verstehen, aber die meisten Passagiere bräuchten eher mehr Bauch- als Beinfreiheit.
Ich nutze eine andere Strategie, um meine Beine ausstrecken zu können: Ich bin freundlich (das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch durch das abweichende Verhalten von 90% der Kunden wird es zu etwas Besonderem) und versuche nicht, Sperrgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Meist habe ich nur ein Buch und ein Notizbuch bei mir. Noch nie habe ich nach einem besonderen Sitzplatz gefragt, doch immer wieder druckt mir das Bodenpersonal eine Bordkarte mit den begehrten Sitzen neben den Notausgängen aus oder einer der Stewards fragt mich, ob ich nicht einen dieser freien Plätze einnehmen will. Anscheinend mache ich den Eindruck, wie wenn ich im Unglücksfall ruhig bliebe und helfen könnte und würde. Zurecht.
Auf einem Flug mit LATAM von Iquique nach Santiago de Chile bekam ich einen Platz mit mehr als 2 m Beinfreiheit.
Das ist besser als erste Klasse.
Diese Strecke dürfte auch für den Piloten eine reizvolle und relativ leicht zu navigierende Route sein. Man fliegt schnurstracks die Pazifikküste nach Süden und blickt auf sich an Steinküsten brechenden und an Sandstränden auslaufenden Wellen von mehreren Metern Höhe.
Wenn man nach 1700 km Santiago sieht, biegt man nach Osten ab, und schon wieder ist ein Flug geschafft. Aber wahrscheinlich navigiert man so überhaupt nicht mehr. Zum Notlanden verläuft direkt unter einem die Panamericana-Autobahn noch schnurstrackser als die Küste.
Die im Falle der Notlandung ebenfalls zu Handlangerdiensten herangezogen würdenden Passagiere neben mir sind übrigens weit weniger vertrauenserweckend als ich. Ein 70-jähriger Mann fliegt sichtlich dem Tod entgegen. Der Junge schräg vor mir scrollt auf seinem Handy durch Fotos von attraktiven Mädchen (jetzt weiß ich, wofür dieses Instagraph da ist und dass ich es wirklich nicht brauche) und fragt, als er mal eine Nachricht schreibt, ob man „zoologischer Garten“ mit Z oder mit C schreibt. Sein Kumpel haut ihm dafür eine rein und nennt ihn „Idiot“. Dennoch schenken ihm die Stewards fleißig „cerveza“ mit C und Z nach.
Eine andere Strategie zum Erhaschen eines guten Platzes ist Geduld. Jedes Mal wieder frage ich mich, wieso die Leute Schlange stehen oder sich gar drängeln, um ins Flugzeug zu kommen. Es ist doch Platz für alle da. Und wenn nicht, bekommt man eine prächtige Entschädigungszahlung und eine Hotelübernachtung in Chicago oder in Paris.
Ich bleibe also immer seelenruhig im Warteraum, gönne mir ein Eis, lese, beobachte und schreibe, während sich alle anderen stressen. Auf einem Flug von Tel Aviv nach München tat ich mal das Gleiche, stand als letzter auf und präsentierte freundlich und cool meine Bordkarte.
Der Mann von El Al zerriss sie.
„לעזאזל“, wie man in Israel sagt. Sollte ich doch mal zulange gewartet haben?
„Tut mir leid, diese Bordkarte ist nicht mehr gültig. Ich drucke Ihnen eine neue aus“, erklärte der junge Mann, und das tat er auch. Etwas verwundert stieg ich in das Flugzeug und merkte erst dort, dass er mir einen Platz in der ersten Klasse zugewiesen hatte. Da konnte ich die vier Stunden mal so richtig gut schlafen und verpasste besseres Essen als ich sonst verpasse.
Jetzt bin ich aber noch immer in Chile. Rechts sinkt die Sonne in den Pazifik. Links glitzern die Gipfel der Anden, an denen immer wieder Flugzeuge zerschellen und die Passagiere sich dann gegenseitig essen müssen.
Beim Gedanken daran nehme ich mir vor, keine Witze über Dicke mehr zu machen.
Wie wenn LATAM erraten hätte, dass ich diesen Artikel schreiben würde, bekam ich beim Rückflug zwei Wochen später übrigens einen Sitzplatz in der ersten Reihe.
Wenn ich mal in einer Quiz-Show bin, nehme ich als Telefonjoker den Typen, der die Wikipedia geschrieben hat.
Was passiert eigentlich wenn keine Partei über die 5%-Hürde kommt?
Wenn ich all die gut gemeinten Ratschläge befolgt hätte, die ich bekommen habe, wäre mein Leben wesentlich langweiliger.
In einem Artikel über die besondere Art der Literaturförderung in Rumänien erwähnte ich das Buch des Flüsterns von Varujan Vosganian. Danke an den Carl-Hanser-Verlag für die Übersendung eines Rezensionsexemplars!
Dieser Bericht und insbesondere die Fotos machen Lust auf Tiflis. Die verfallenden Villen, denen man auch in Rumänien überall begegnet, wirken auf mich schöner als herausgeputzte oder klinisch saubere Städte.
Nach meiner Südamerika-Reise habe ich eine Packung ungenützter aber nicht generell unnützer Anti-Malaria-Medizin abzugeben.
Andererseits, dank des Klimawandels werden wir auch in Europa bald Malaria-Mücken haben.
Aber so weit muss man gar nicht sehen. Die Katholische Kirche in Deutschland leidet so sehr unter dem Priestermangel, dass sie über diesbezügliche „Fehltritte“ hinwegsieht.
In ganz Saudi-Arabien gibt es nur ein Kino.
Überall in Lateinamerika hörte ich das Lob „oh, Dein Spanisch ist aber gut“. Ich nahm es immer als persönliches Kompliment auf, bis mir klar wurde, dass mich nur der bolivianische Akzent so kultiviert erscheinen läßt.
Aberglaube bringt Unglück.
Im 18. Jahrhundert versuchten katholische Priester in Mexiko, den Nahuatl-Gott Quetzalcoatl zu Missionierungszwecken einzusetzen, indem sie behaupteten, er sei in Wirklichkeit der Apostel Thomas, der vor den Spaniern in die Neue Welt gekommen sei, um die Indianer zu bekehren.
Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco liest sich wie eine Satire auf Dan Browns Sakrileg, nur dass ersteres vor letzterem erschien.
Danke an den dtv-Verlag für ein Rezensionsexemplar der deutschen Neuübersetzung eines meiner Lieblingsromane, Martin Eden von Jack London.
Meine persönliche Erfahrung, dass seit dem Brexit eine drastisch steigende Zahl von Briten die deutsche Staatsbürgerschaft möchte, wird vom Bundesverwaltungsamt bestätigt. Zu deren erhöhtem Arbeitsaufkommen trage ich mit meinen Ratschlägen wahrscheinlich wesentlich bei.
Begeistert stelle ich fest, dass es Ritter Sport jetzt auch in 250-Gramm-Tafeln gibt. Das reicht ja für den ganzen Tag.
Dieser Vortrag zur Raubkunst ist interessant, spannend und lebendig.
Wenn Ihr am 14. Juli bei der Parade zum französischen Nationalfeiertag seit, achtet auf die Pioniere der Fremdenlegion.
In dem Artikel über Humberstone erwähnte ich das Buch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Erst jetzt erfuhr ich, was mir als Kind nicht auffiel: Das Buch ist eine Gegengeschichte zu nationalsozialistischen Bilderwelten, zu zeitgenössischen Fehlinterpretationen des Darwinismus, zur NS-Rassenpolitik und zu arischen Atlantismythen.
Ich fahre ja wirklich gerne mit dem Zug. Aber wenn der Fernbus nur ein Drittel der Bahnfahrt kostet, dann werde ich eben mit dem Flixbus nach Berlin fahren.
Ich habe große Bewunderung für Menschen, die Word-Dokumente formatieren können.
Es ist schön, dass Königin Elizabeth II. die Opfer des Feuers im Grenfell Tower in London besucht.
Aber wenn man in einem Palast mit 775 Zimmern wohnt, könnte man einigen der jetzt Obdachlosen eigentlich eine Unterkunft anbieten, oder?
Die verheerenden Waldbrände in Portugal gingen mir noch näher ans Herz, weil ich erst vor einigen Wochen in diesen Wäldern spazieren ging – und dabei schon die leicht brennbare Monokultur aus Kiefern und Eukalyptusbäumen feststellte – und weil ich über Couchsurfing von einem Feuerwehrmann und seiner Schwester herzlich aufgenommen wurde. Er ist jetzt im Einsatz.
Fremdenfeindlichkeit beschränkt sich nicht auf Nichtdeutsche. Diese Erfahrung, die Norddeutsche beim Urlaub in Bayern machen, erlebten auch schon die deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier gibt es das Buch darüber.