Und noch eine Insel!

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9. Juni, das nach drei Monaten doch herbeigesehnte Ende der unfreiwilligen Robinsonade. Mittlerweile freue ich mich schon wieder aufs Festland. Alle Bücher, die ich dabei hatte, sind gelesen. Alle Zigarren sind schon lange geraucht, und das Schiff hat keinen Nachschub gebracht. In der letzten Woche hatte ich schon dreimal von Zigarren geträumt, so schlimm sind die Entzugserscheinungen.

Aber gestern ging endlich der Flug nach Lissabon. Reisen ist derzeit ziemlich trostlos, weil es überall Einschränkungen und Verbote gibt. Kein Handgepäck, kein Essen im Flughafen, keine Sitznachbarn, ein bisschen wie auf einem Gefangenentransport.

Ich blickte auf den Ozean, auf Faial, auf Pico, São Jorge, auf die Inseln, die ich hinter mir ließ.

flying to Sao Miguel

Und bald döste ich ein, was sollte ich auch sonst machen. Irgendwann weckte mich gleichzeitig eine scharfe Kurve nach backbord sowie die Stimme eines der Typen, die das Flugzeug lenken:

„Meine Damen und Herren, es tut uns leid, aber die Regierung Portugals hat ein Landeverbot für Flüge von den Azoren verhängt.“

Oh scheiße, dann würden wir wohl wieder umkehren müssen.

„Unser Treibstoff reicht nicht aus, um nach Faial zurückzukehren.“

Na, vielleicht würde die Reise doch noch lustig. Zum Glück können die Flugzeuge hier im Wasser landen. Und da kann man sich dann treiben lassen, bis ein Schiff vorbeikommt. Das Meer schien sehr ruhig, ich machte mir also keine großen Sorgen. Nur einschlafen konnte ich nicht mehr.

Aber der Navigator hatte eine andere Lösung:

„Die nächstgelegene Insel, die wir erreichen können, ist São Miguel.“

Noch nie gehört. Aber da leben sicher auch Leute. So schlimm kann es also nicht sein.

Beim Aussteigen fragte ich den Piloten, wann es weiter nach Lissabon ginge.

„Das Landeverbot gilt noch mindestens eine Woche. Am 15. Juni erfahren wir dann mehr.“

Eine Woche. Schon wieder gestrandet auf einer Insel mitten im Atlantik! Und weil ich Dummie all meine Ersparnisse für die Weiterreise von Lissabon nach Wien (es war der billigste Flug) und von dort nach Deutschland ausgegeben hatte, war ich bei der Landung so knapp bei Kasse, dass ich entscheiden musste: Zigarren oder ein Bett?

Es war ziemlich warm. Eine Woche sollte ich es aushalten, im Wald zu schlafen und mich im Meer zu waschen. Vielleicht gibt es hier auch so viele leerstehende Häuser wie auf Faial, dann kann ich mich gut verstecken.

empty house near Eremite church

lighthouse storm

Ich sag’s Euch noch mal: Plant für dieses Jahr keine Reisen! Es wird alles schief gehen.

Mit diesen trüben Gedanken ging ich durch die Stadt, anscheinend etwas trüb dreinblickend, denn aus einem Kosmetiksalon kam eine Dame ganz aufgeregt auf die Straße gelaufen:

„Entschuldigen Sie, sprechen Sie Englisch?“ fragte sie mich, wie wenn sie um Hilfe suchte, dabei wollte sie, ganz im Gegenteil, ihre Hilfe anbieten: „Sie sehen etwas verloren aus. Kann ich Ihnen helfen?“

Ich erklärte die missliche Lage. Sie war mitfühlend, wohl auch weil sie eigentlich in den USA wohnt (wie so viele Azoreaner) und nur für einen Monat nach São Miguel kommen wollte. Aber jetzt steckt sie auch auch schon seit ein paar Monaten fest.

Sie war so typisch amerikanisch-optimistisch, dass sie mich mit ihrem „Don’t worry!“ richtig ansteckte. Sie nahm ihr Telefon und rief einen Bekannten an: „Hey Marcos Flavius, how are you? Hör mal, hier ist ein junger Mann, der ist auf der Insel gestrandet. Du hast doch freie Zimmer, oder?“

Der Mann mit dem Namen eines Volkstribuns traute sich anscheinend nicht, nein zu der überschwenglich-resoluten Dame zu sagen. Mir war das äußerst unangenehm, bis sich herausstellte, dass er gar nicht zu Hause war (wahrscheinlich unfreiwillig auf dem Festland gestrandet) und ich ihm daher nicht zur Last fallen würde. Das Haus war praktischerweise gleich gegenüber, und der Schlüssel lag unter dem Blumentopf.

Marcos („you can call me Flave“) sagte, ich solle einfach mal reingehen und mich umsehen, ob es mir gefalle, und dann entscheiden, ob ich bleiben würde. (Sehr großzügig gegenüber jemandem, der sonst im Freien geschlafen hätte.)

yellow palace

Es gefiel mir sehr, und so wohne ich jetzt eine Woche unverhofft in einem kleinen Palast in Ponta Delgada, was übrigens gar keine so kleine Stadt ist. Beim Erkundungsspaziergang im Viertel entdeckte ich sogar noch zwei Zigarrenfabriken in unmittelbarer Nachbarschaft.

Na gut, meinetwegen können diese Flüge noch für ein paar Monate ausgesetzt bleiben. Denn falls ich es jemals nach Lissabon schaffen sollte, dann sind die gebuchten Flüge, Züge und sonst alles lange verfallen, und ich werde per Anhalter nach Bayern zurückkehren müssen. Falls Ihr gerade keinen Atlas zur Hand habt: Das ist wirklich weit.

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Eine Chinesin in Wien

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Bei der UNO in Wien lernte ich während irgendeiner Sitzung irgendeines Ausschusses irgendeiner Unterorganisation eine junge Frau aus China kennen.

Qian machte ein Praktikum als Simultandolmetscherin für Mandarin und Englisch. Simultandolmetscher sind diese Supergehirne, die auf Englisch verschiedenen Teilnehmern an einer Diskussion über den Atomwaffensperrvertrag zuhören und alle Redebeiträge gleichzeitig (!) ins Chinesische dolmetschen. Am Nachmittag machen sie dann das Gleiche zur Fischereipolitik oder zu einem Zoll- und Handelsabkommen.

Sie schlug vor, dass wir uns mal zum Abendessen oder so treffen sollten.

Weil Qian erzählt hatte, dass sie erst seit wenigen Tagen in Wien sei, und weil mir auf Anhieb nichts Schlaueres einfiel, fragte ich zur Vorbereitung eines Treffpunktes, ob sie sich in der Stadt schon auskenne.

„Ja klar, es ist eh eine ziemlich kleine Stadt.“

Wien hat so um die 2 Millionen Einwohner.

„Ähm, es ist die größte Stadt im Land“, erwiderte ich, eher fragend und verwundert als korrigierend.

„Ach ja, du hast Recht“, sagte sie mit einem Lächeln, „es tut mir leid, ich muss mich noch daran gewöhnen.“ Sie blickte so wie eine Riesin, die in ein Minizwergenland kommt, aus Versehen Menschen tottrampelt und sicht selbst am meisten darüber grämt.

Sie war aus Qingdao, einer Stadt, die mir gar nichts sagte, bis Qian geduldig erklärte, dass es sich dabei um Tsingtau handelt, die Hauptstadt der ehemaligen deutsche Kolonie Kiautschou, und dass es dort noch immer das beste Bier in China gibt. Qingdao hat über 8 Millionen Einwohner.

Es gibt in China Hunderte von Städte, die größer als Wien sind. Dass ich davon nur zwei oder drei aufzählen kann, zeigt, dass trotz aller Weltreiserei noch viele weiße Flecken auf meiner Landkarte bestehen. Und alleine die Provinz Hainan, eine der kleinsten Provinzen Chinas, hat so viele Einwohner wie ganz Österreich.

China map population

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Pizzaberatung

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Ich rief bei der Pizzeria an, um eine Big-American-Pizza zu bestellen.

Die Frau von der Pizzeria nahm die Bestellung nicht, wie sonst üblich, mit Freude entgegen, sondern wurde sehr ernst:

„Also, zu der Big American, da muss ich Ihnen etwas sagen.“

„Ja?“

„Das ist eigentlich keine Kreation von uns. Wir haben die von den vorherigen Eigentümern übernommen. Wir führen sie nur noch auf der Speisekarte, weil wir Kunden haben, die sie noch immer bestellen.“

Ja, das würde ich auch gerne machen, dachte ich.

Aber die Frau warnte mich: „Auf dieser Pizza ist alles drauf, wild durcheinander, vollkommen überfrachtet.“

Ich wusste das, hatte mich anhand der Speisekarte dementsprechend informiert und die Entscheidung aufgrund großen Hungers getroffen.

Noch während ich überlegte, worauf sie hinauswollen könnte, wurde sie deutlich: „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen gerne eine Big-American-Pizza zubereiten. Es ist Ihre Entscheidung. Aber ich glaube einfach nicht, dass diese Pizza zu Ihnen passt.“

Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass sie mich gut kannte, denn wir hatten uns nur kurz ein paar Mal gesehen, als ich vorherige, übrigens unproblematisch bestellte, Pizzas abgeholt hatte. Ich mache das immer selbst, weil ich diese ganze Lieferei als überheblich-großbürgerlich empfinde. Es gibt kaum eine sichtbarere Herabwürdigung eines Menschen zum reinen Arbeitstier, als jemanden Essen durch Sturm und Wind herumfahren zu lassen, ungeduldig die Tür zu öffnen, einen kurzen Einblick in die warme Stube zu gewähren, und ihn nach Entwendung des warmen Kartons unverzüglich in die menschliche und meteorologische Kälte hinauszuschicken. Zudem wohne ich hier auf Faial an einem sehr steilen Weg, den ich keinem Fahrradboten zumuten will, zumal der Pizzalieferant, sollte er das derzeit von mir okkupierte kleine Häuschen verpassen, geradewegs auf einen gefährlichen Vulkan zusteuern würde. Ich bin nicht der Meinung, dass meine Zeit wertvoller ist als die eines anderen Menschen, und deshalb soll sich niemand anders abstrampeln, nur damit ich mir eine halbe Stunde Fußweg spare. Außerdem mag ich es nicht, zuhause zu warten und in der Zeit nicht entspannt auf die Toilette gehen zu können.

„Wie gesagt, es ist Ihre Entscheidung“, unterbrach die Pizzabäckerin meinen sozialkritischen Gedankengang.

Ich orderte dann eine Bacon-Pizza, holte sie ab, ging damit auf ein Feld, lehnte mich an einen Heuballen und aß sie genüsslich beim Blick aufs Meer und auf die den Bacon geliefert habenden Kühe.

happy cows on Faial

Wahrscheinlich war in der Pizzeria nur der Mais ausgegangen.

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Flaschenpost von den Azoren

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Wenn man lange genug auf einer Insel im Atlantik festsitzt, kommen einem Geschichten von Edgar Allan Poe, Jules Verne und Astrid Lindgren in den Sinn. Insbesondere wenn die Postschiffe anscheinend nicht fahren, weil noch kein Rettungspaket mit Büchern und Zigarren eingetroffen ist.

Wie die Schiffbrüchigen in Romanen habe auch ich – was für ein Zufall – noch etwas Papier und Tinte und eine gerade geleerte Schnapsflasche zur Hand. Da ich bekanntermaßen allem Technisch-Modernen gegenüber eher skeptisch bin, liegt die Idee nahe, eine gute alte Flaschenpost zu schreiben und zu versenden.

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Schon als Kind habe ich mit diesem Gedanken gespielt, nachdem ich im Atlas, diesem ständigen Entfacher von Fernwehträumereien, eruiert hatte, dass der Ammerbach in die Vils, die Vils in die Naab, die Naab in die Donau und die Donau ins Schwarze Meer fließt. Was für ein romantischer Gedanke, eine Nachricht an Unbekannte zu schreiben, die nach einigen Monaten in Sewastopol, in Samsun oder in Sochumi aus dem Meer gefischt würde. Damals sammelte ich noch Briefmarken und hoffte auf eine entsprechend bunt frankierte Antwort.

Leider musste ich feststellen, dass schon der mickrige aus dem Dorf führende Bach von Wehren, Schleusen und Staudämmen in seinem freien Fluss blockiert wurde und die mit weitschweifiger Prosa gefüllte Flasche immer wieder hängen- und steckenblieb. „Was für eine hämische Metapher auf meine eigene Gefangenschaft in dieser meereslosen Provinz“, beklagte sich das damals etwa achtjährige Ich, wie eben Kinder so sprachen, bevor es Internet gab und man seine Ausdrucksweise noch an echten Büchern schärfte.

Aber jetzt weile ich auf den Azoren, mitten im Atlantik. Nichts steht dem freien Reisen der Flasche entgegen, die ich hier den Wellen übergebe. Die thermohaline Zirkulation des Nordatlantikstroms kann sie bis nach Island, Norwegen, Grönland und Spitzbergen tragen. Aber vielleicht ergreift sie auch der Golfstrom, der Azorenstrom und der Kanarenstrom und trägt sie zu den Kapverdischen Inseln oder an die Küste Mauretaniens oder nach Dakar, wo andere Leute umständlich mit dem Auto hinfahren.

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Zwar trinke ich literweise Cola, aber eine Plastikflasche erscheint mir zu stillos für dieses Projekt. Und vielleicht schwirrt die Post so lange über die Weltmeere, dass beim Empfang Plastik schon verboten sein wird. Zum Glück habe ich gerade eine Flasche Anisschnaps geleert, deren Etikett sogar auf die Azoren hinweist.

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Jedenfalls schreibe ich einen kurzen Brief und gehe runter an die Küste, um die Flaschenpost auf ihre Erdumlaufbahn zu bringen. Das ist gar nicht so einfach. An den meisten Stellen bin ich so hoch über dem Meer, dass die Flasche wahrscheinlich an den Felsen zerschellt, wenn ich sie ins Wasser werfen will. Ich bin ja kein Weitwurfweltmeister.

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So wandere ich, auch das eine Metapher für mein Leben, für diese kleine Projekt mit sehr geringen Erfolgsaussichten kilometerweit und stundenlang die Küste entlang, bis ich den mir geeignet erscheinenden Ort erspähe.

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Ja, hier kann ich die Klippen nach unten klettern, von Felsen zu Felsen springen und dann vom vordersten Außenposten der Insel die Flasche ins Meer befördern.

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Dem Ozean gefällt die Idee allerdings überhaupt nicht. Immer wilder und heftiger tobt es. Als die Drohgebärden nicht ziehen, umspült es mich von allen Seiten. Ich bin gerade dabei, den Brief in die Buddel zu stecken, als mein sicher geglaubter Vorposten vom Wasser vollkommen überspült wird.

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„Vielleicht ist das doch ein wenig gefährlich“, würde ich mir denken, wenn ich noch denken könnte. Aber jetzt geht es ums reine Überleben. Ich halte die Flasche, wegen der ich heute schließlich mein Leben riskiere, fest, als ich mich ins Wasser fallen lasse. Und zwar genau als die nächste Tsunamiwelle über mich hinwegfegt in der Hoffnung, so wenigstens an die Klippen anstatt aufs offene Meer geschwemmt zu werden.

Was soll man sonst tun? Es weiß ja keiner, wann die nächste Ebbe kommt. Und wenn man bis zur Dunkelheit auf einem vom Festland abgeschnittenen Felsen herumsitzt, dann wird einem womöglich noch langweilig und man kommt – ganz ausschließen lässt sich das nicht – auf dumme Ideen.

Um es kurz zu machen: Ich habe überlebt, es war sogar irgendwie erfrischend. Aber die Anisflasche ist zerschellt, und mir bleibt nur eine aufgeschnittene rechte Hand. Zum Glück hatte ich im Rucksack noch eine Bierflasche. Die ist zwar weit weniger repräsentativ. Und ob der wiederaufgepfropfte Kronkorken bis in die Antarktis hält, das bezweifle ich. Aber sie geht zumindest nicht unter, bis ich sie aus den Augen verliere.

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Und jetzt heißt es, Geduld zu haben. Der Rekord für die am längsten treibende und schließlich aufgefundene Flaschenpost liegt bei 132 Jahren. Davon hätte ich dann nichts mehr, aber mit mit meinen 44 Jahren oder so kann ich mich relativ entspannt zurücklehnen.

Ich kürze jetzt die mühsame Kletterei über die Klippen ab. Als ich erschöpft und am Ende meiner Kräfte in der Wiese liege, wo mich die Sonne schnell trocknet, ärgere ich mich noch immer über die verlorene Flasche. Zuhause habe ich noch Gurken- und Pepperonigläser, fällt mir ein. Die müssten mit ihrem Schraubverschluss doch ganz sicher wasserdicht sein. Aber die nächsten Briefe werde ich in Horta ins Wasser werfen, da gibt es einen Hafen und sogar einen kleinen Strand.

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Falls Ihr nicht auf den Zufall vertrauen wollt, meine Flaschenpost zu finden, oder nicht am Meer wohnt, schicke ich Unterstützern dieses Blogs auch gerne eine Postkarte von den Azoren.

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Flug nach Horta

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Im Flugzeug auf die Insel Faial sitzen auffallend viele Menschen, die dicke Bücher auf die Reise mitgebracht haben. Auch dafür ist eine Insel gut, und ich frage mich, wieso die Menschen, wenn sie gerne lesen, nicht auch zuhause die Zeit dafür freischaufeln.

Neben mir sitzt ein junges Mädchen und liest das Tagebuch von Anne Frank. Es ist immer wieder die Jugend, die mir noch ein bisschen Hoffnung macht.

In der Reihe gegenüber sitzt ein alter Mann, der durch eine dicke Brille einen dicken Thriller liest. Er selbst sieht aus wie Norman Mailer. Mit einer Spur Clint Eastwood. Jedenfalls wie jemand, der auch einen Roman in sich hätte.

Ich beginne mit der Lektüre von „Moby Dick“ und bereue, kein Schiff auf die Azoren gefunden zu haben.

Aber wenn man über Flüge schreibt, wollen die Leserinnen und Leser nicht, dass man die Mitpassagiere und ihre Lektüre beschreibt, sondern dass man aus dem Fenster guckt. Nun ja, da gibt es nicht viel zu sehen. Wasser halt.

„Mach doch mal Fotos“, sagen die Anfänger dann, weil sie nicht wissen, dass im Ozean das gleiche Wasser wabert wie zuhause in der Wanne. Und wenn man ein Foto von den Inseln versucht, wird es verschwommen und zerkratzt.

Pico from plane

(Das ist der Blick auf die Insel Pico, den wolkenverhangenen Berg Pico und die Stadt Madalena. Aber wenn Ihr etwas über diese Insel erfahren wollt, dürft Ihr nicht nur drüberfliegen, sondern müsst eine Woche herumwandern – oder meinen Artikel lesen.)

Und dann muss ich auch schon die Kamera einpacken, denn es heißt: „Fertig zur Landung“, und das kleine Flugzeug schwenkt auf den Hafen von Horta ein.

Auf den Hafen?

Ja, auf den Hafen, der hier gleichzeitig der Flughafen ist.

Denn das ist vielleicht doch das interessante an diesem Flug: Weil viele Inseln der Azoren zu klein für Flughäfen sind, müssen die Flugzeuge im Wasser landen. Die einzige Ausnahme ist Lajes Field, ein Flughafen, den die britische Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg auf der Insel Terceira errichtet hat. Allein die Erwähnung dieser Zeit lässt die Leserschaft die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und im Chor ausrufen: „Oh nein, nicht schon wieder ein historischer Exkurs!“, was schade ist, da dieser sich nicht auf den Zweiten Weltkrieg beschränken würde, sondern endlich mal die Möglichkeit böte, über die anglo-portugiesische Allianz von 1373 zu referieren. Aber gut, falls Euch das interessiert, drückt einfach auf den Knopf über Eurem Sitz.

Das Flugzeug senkt sich langsam Richtung Wasseroberfläche. Eigentlich ist eine Wasserlandung leichter als eine Bodenlandung, weil man ewig lang „ausrollen“ oder notfalls immer wieder zur Landung ansetzen kann. Aber das Wetter muss besser sein, denn Wellen im Wasser sind noch tödlicher als Wind auf der Landebahn.

Oh, da war ein erstes Aufsetzen.

Aber schon ist das Flugzeug wieder in der Luft.

Und wieder ein Aufsetzen.

Erneut hüpft das Flugzeug zurück nach oben, fliegt weiter.

Ich mache mir etwas Sorgen, werde aber später erfahren, dass es sich so gehört. Der Pilot setzt immer wieder ein bisschen auf, um das Flugzeug abzubremsen. Am Ende soll das Flugzeug dann so langsam sein, dass es gerade nicht mehr für den dynamischen Auftrieb reicht, und mit dem fetten Rumpf ins Wasser gleiten. Bei der dann relativ geringen Geschwindigkeit ist das kaum mehr gefährlich.

seaplane landing in Horta

Und da hat es auch schon geklappt. Man merkt, dass man endgültig gelandet ist, wenn die Propeller wieder aufjaulen und das Flugzeug im Wasser eine Kurve beschreibt, um in den Hafen einzufahren.

Dort bin ich überrascht, wie viel Betrieb hier herrscht. Auf der ganzen Insel leben doch nur 15.000 Menschen, was machen all die Flugzeuge hier?

seaplanes parked in Horta

Ich frage die Passagiere, die gerade von einem anderen Flugzeug kommen, was sie denn auf Faial machen.

seaplane passengers

„Oh, das wissen wir selbst nicht. Wir haben ja nur eine Stunde, um uns die Beine zu vertreten und einen Kaffee zu trinken.“ Es ist nur ein Zwischenstopp für sie auf dem Flug von New York nach Lissabon.

Und plötzlich wird mir der große Andrang klar. Die Lage der Azoren mitten im Atlantik macht diese zu einem perfekten, ja eigentlich zum einzigen Halt auf Transatlantikflügen. Gut, man könnte noch über Grönland oder Island fliegen, aber wenn man letztendlich nach Südeuropa will oder von dort kommt, dann ist das ein rechter Umweg. Und wer will sich schon extra für einen kurzen Zwischenstopp eine Winterjacke kaufen?

Die erste Landung eines Flugzeuges in Horta koinzidierte mit dem ersten Transatlantikflug überhaupt. Jetzt denken alle an Charles Lindbergh, aber nein! Der flog 1927 als erster non-stop und alleine über den Atlantik. Aber die erste erfolgreiche Atlantiküberquerung mit einem Flugzeug überhaupt vollbrachte im Jahr 1919 eine Mannschaft der US Navy mit der Curtiss NC-4.

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Im Mai 1919 landete Kapitän Albert Read mit etwas, das jetzt ziemlich nach Klapperkiste aussieht, im Hafen von Horta und jagte den Fischern und Walfängern einen gehörigen Schreck ein. Aber damals ging es noch um Energieeffizienz, nicht um Luxus und Bequemlichkeit. Damals war Fliegen noch ökologisch vertretbar!

Lindbergh kam dann, weil er die Azoren bei dem Non-stop-Flug regelgemäß verpasst hatte, 1933 doch noch, und zwar um den besten Hafen für Zwischenstopps auf der Transatlantikroute auszukundschaften. Horta auf Faial befand er für den besten Hafen, und weil Lindbergh sich damals noch nicht als Nazi disqualifiziert hatte, war die Entscheidung für die großen Fluglinien damit gefallen.

Der erste regelmäßige Flugverkehr von Europa nach New York über Horta lag dann doch in Nazihand. Ob Lindbergh die Informationen heimlich nach Berlin weitergereicht hatte? Ab 1936 flog die Lufthansa mit ihren Dornier-Do-18-Flugbooten. Aber das waren erstens noch immer recht windige Flugzeuge, zweitens nur für Luftpost und konnten, drittens, typisch deutsch-umständlich, zwar im Wasser landen, aber nicht im Wasser starten. Stattdessen musste die Lufthansa ein Schiff bereitstellen, von dem aus das Postflugzeug nach der Zwischenlandung per Katapult wieder in die Luft befördert wurde.

Das ist so in etwa die Technik, die man heute noch auf Flugzeugträgern verwendet. Glaube ich.

Ab 1938 kamen dann aber regelmäßig die großen Passagiermaschinen der PanAm. Ich habe vergessen, im Flugzeug Fotos zu machen, auch weil ich das unhöflich vor den Mitpassagieren gefunden hätte. Aber hier habt Ihr einen Einblick in das Innenleben einer Boeing 314.

seaplane inside

Ich fand es eigentlich ganz geräumig und gemütlich. Jedenfalls besser als bei Ryanair und Konsorten.

Erst nachträglich fällt mir ein, dass das Anne-Frank-lesende Mädchen vielleicht gar nicht von Interesse für den Holocaust motiviert war, sondern sich auf die bevorstehende häusliche Quarantäne vorbereiten wollte.

Praktische Tipps:

  • Weil die Azoren um Gleichbehandlung aller neun Azoreninseln bemüht sind, gibt es ein tolles Angebot: Wer von Portugal aus keinen passenden (also günstigen) Flug auf die Wunschinsel findet, fliegt einfach auf eine andere Insel und bekommt den Anschlussflug gratis. Ihr müsst Euch nur hier rechtzeitig anmelden (gilt für Hin- und Rückflug).
  • Die Flüge mit den Flugbooten sind eher für Nostalgiker, weshalb sie nicht übers Internet angeboten werden. Ihr müsst dazu, wie wir das früher immer gemacht haben, ins Reisebüro gehen.

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Am Ende der Welt

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Fim do Mundo, Ende der Welt, das ist ein selbstironischer Name für ein Café in einem kleinen Kaff auf einer kleinen Insel. Könnte man meinen.

Fim do Mundo

Wenn man nicht wüsste, dass es in Norte Pequeno stimmt. Und zwar auf zweierlei Weise. Eine davon beabsichtigt, die andere nicht.

Schon auf älteren Seekarten waren die Azoren als vage Punkte oder als Überbleibsel von Atlantis eingezeichnet, aber erst ab 1427 wurden die Inseln richtig entdeckt. Die ganze Zeit markierten sie aus europäischer Sicht das Ende der Welt, das Ende des Atlantiks, den Punkt, an dem man allerspätestens umkehren sollte, um nicht von der Erdkante zu fallen.

Erst als Christopher Kolumbus auf die Azoren kam und enttäuscht war, dass man hier gar niemanden versklaven konnte, fuhr er trotzig falsch in die Einbahnstraße und fand so Amerika. Juhu!

Soweit zur beabsichtigen Anspielung des Namens Fim do Mundo.

Was der kreative Kaffeeröster, der diese Bar kurz nach dem Besuch von Kolumbus eröffnete, nicht ahnen konnte: Bald würde über diesen nordwestlichen Teil der Insel Faial tatsächlich das Ende der Welt hereinbrechen.

Ein düsteres Ende.

Ein gewaltiges Ende.

Aber ich greife, um ganz billig einen Spannungsbogen aufzubauen, schon vorweg auf etwas, von dem ich zu dem Zeitpunkt als ich die Bar verlasse, selbst noch nicht weiß. Ich will mich auf den Weg an das alte Ende der Welt machen. Zu Fuß, denn es sind nur noch zwei Kilometer bis zur Westküste Faials. „Sie können sich Zeit lassen“, hatten die anderen Gäste in der Bar gescherzt, als ich meinen Wanderplan kundtat, „am Ende der Insel ist ein Leuchtturm. Sie werden Ihr Ziel also auch bei Nacht finden.“

Weg der zehn Vulkane heißt der Wanderweg, auf den ich wohl etwa beim siebten oder achten Vulkan einbiege. Im Vergleich zum ersten, größten, zentralen Vulkan sind die feurigen Hügel kleiner, aber der Auf- und Abstieg ist dennoch nicht ohne.

Der letzte Vulkan ist der härteste, und das nicht nur, weil ich schon fix und fertig bin, sondern weil er ziemlich frisch ist. Meine Stiefel versinken in der Asche, anstatt auf gefestigtem Stein zwischen grünen Pflanzen Tritt zu finden.

Capelinhos Wanderweg

Wenn ich zurück blicke, wird der Unterschied offensichtlich. Hier pechschwarz, dort grün. Hier Asche, dort Erde. Hier kahl, dort bewachsen. Aber gräme dich nicht, kleiner Vulkan, in ein paar tausend Jahren werden auch auf dir Blumen blühen!

Capelinhos Schlacke und grün
Capelinhos Leuchtturm Büsche

Nur um den Leuchtturm wachsen ein paar Büsche, wie um das ersehnte Ziel vor mir verstecken zu wollen. Leuchtturm bedeutet Küste, bedeutet Inselkante, bedeutet Ende der Wanderung. Ich werde mal klopfen, um nach einem Eis oder einem Bier zu fragen.

Es ist niemand zuhause.

Capelinhos Leuchtturm

Und etwas anderes fällt mir auf: Die Insel ist noch gar nicht zu Ende. Da ist ein weiterer Vulkan, ein ziemlich großer sogar. Auf der Landkarte ist er nicht eingezeichnet. Ich werde doch nicht unterwegs falsch abgebogen und auf einer anderen Insel gelandet sein?

Capelinhos Blick auf Vulkan (1)
Capelinhos Blick auf Vulkan (2)

Ein alter Herr lehnt an einem Holzgeländer vor dem Leuchtturm. Ich frage ihn: „Sagen Sie, wie heißt denn der Vulkan da vor uns?“

„Das ist der Capelinhos.“

Andreas Moser Leuchtturm (1)

Angestrengt blicke ich auf die Karte, aber er taucht immer noch nicht auf dem Papier auf. Ich will keine allzu dummen Fragen stellen. Zum Glück merkt der Herr, der wahrscheinlich mal Navigator für sich ständig verfahrende Kapitäne war, was los ist: „Sie haben wohl eine alte Karte?“

Naja, aus dem Zweiten Weltkrieg halt.

„Der Capelinhos ist neu, der ist da noch nicht drauf.“ Jetzt guckt er zufrieden, weil er einem Fremden etwas erklären kann. Wenn ich gewusst hätte, wie lange er dafür braucht, hätte ich mich gesetzt, aber so kann ich Euch wenigstens warnen. Macht Euch eine heiße Tasse Schokolade oder einen Gin Tonic!

Seine Erzählung beginnt im September 1957. „Damals hatten wir zweihundert Erdbeben in zwei Wochen“, sagt er und wiederholt: „Zweihundert!“ Was eine Warnung der Erde hätte sein sollen führte dazu, dass sich die Menschen daran gewöhnten. Wann immer es bebte und rumpelte, ein Haus einstürzte oder jemand in eine Erdspalte fiel, dachte man sich nur mehr: „Huch, schon wieder ein Erdbebchen.“

Manche wollten fliehen, evakuieren, Vorsorge treffen. Die Wissenschaftler des Königlich-Azoreanisch-Seismologisch-Vulkanologisch-Geodätischen Instituts warnten, dass etwas Großes im Busch war. Doch andere sagten: „Ach, diese angeblichen Experten ändern doch ständig ihre Meinung. Mal ist der Vulkan gefährlich, mal nicht.“ Die Priester beruhigten: „Wir müssen nur beten.“ Und die Liberale Partei flehte: „Die Wirtschaft darf nicht leiden!“

Am Morgen des 27. September 1957 brach ein Vulkan aus. Und zwar ganz heimtückisch keiner der bekannten, sondern ein neuer. Etwa 1 km westlich von Faial, im Meer. Es begann mit einer Rauchwolke, das Wasser brodelte und dampfte und kochte und zischte, und ein neuer Vulkan schob sich aus den Tiefen des Atlantiks in unsere Welt.

Capelinhos eruption 1

Und dazu bebte weiter die Erde. Von unten taten sich Spalten auf, von oben regnete es Asche, Lava und Gesteinsbrocken. Es war wie das Ende der Welt. Menschen wurden verschluckt. Menschen wurden verschüttet. Menschen verbrannten, verglühten, verdampften.

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Und das auf einer Insel. Wo niemand weg kann.

Jetzt, wenn Ihr Euch das möglichst realistisch vorgestellt habt und nur mehr schluchzend „Mamma mia!“ ausrufen könnt, werdet Ihr froh sein, wenn Ihr meinen Rat befolgt habt, Euch einen Drink zu mixen und zu setzen. Denn der große Schock kommt erst noch:

Diese Hölle auf Erden dauerte bis zum 24. Oktober 1958. Dreizehn Monate lang!

Capelinhos eruption 4 with lighthouse big

Am Ende war der im Ozean geborene Vulkan so groß, dass er sich mit der Insel verband und diese um 2,4 Quadratkilometer vergrößerte. „Deshalb, mein Herr, steht der Leuchtturm heute nicht mehr an der Küste, wo er sinnvollerweise einst stand.“ (Ihr erkennt den Leuchtturm auf dem folgenden Foto ganz unten am Bildrand.)

Capelinhos eruption 2 with lighthouse small

Der Vulkan hat neues Land geschaffen. Allerdings Land, das niemandem nützt. Nichts wächst dort, auch 60 Jahre später. Man kann den neuen Vulkan nicht einmal besteigen, weil sich immer wieder Spalten auftun oder Klippen abbrechen. Bis Asche zu Stein wird, das dauert ein paar Millionen Jahre. Und außerdem: Wer will schon auf einem Grab herumspazieren?

Da gehe ich lieber, nachdem ich mich für die Erklärungen bedanke, in die andere Richtung. Wenn man über das Schlackenfeld hinab zum Wasser geht, fühlt man sich schon wie am Strand. Nur eben schwarz, nicht sandfarben. Es wäre idyllisch, wenn nicht plötzlich der Giebel eines verschütteten Hauses aus der noch warmen Asche ragte.

Capelinhos Weg zum Strand
Capelinhos Ruinen (2)

Jetzt, wo mein Blick geschärft ist für das Drama, das sich unter meinen Füßen abspielte, erblicke ich immer mehr Zeugnisse des Dorfes Comprido, das den Naturgewalten nicht rechtzeitig wich. Wie Pompeji, nur mit besserer Aussicht.

Capelinhos Ruinen (3)
Capelinhos Ruinen (1)

Vereinzelt haben sich Äste oder Bäumchen nach oben gegraben, wie verspätete Hilfeschreie der Toten. Ganz vorsichtig trete ich auf, um niemanden aufzuwecken. Insbesondere nicht den Herrn Vulkan.

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In den Wolken

Es war ein schöner Tag auf der Insel, und er wurde verschönert durch weiße, fluffige Kleckse, die durch den tintenblauen Himmel schwebten.

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clouds on Faial (1)

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“Sind das Luftschafe?”, fragte ich den Farmer auf dem Feld, denn wer würde mehr über boden- und luftgestützte Tiere wissen als jemand, der sie zum Lebensunterhalt melkte und schlachtete.

“Nein”, sagte er, wie wenn er es mit einem ahnungslosen Städter zu tun hatte, womit er nicht ganz falsch gelegen haben mag.

“Das sind Wolken”, erklärte er, was überhaupt nichts erklärte.

“Sie sind schön”, sagte ich, worauf er mit den Schultern zuckte.

Er war wohl einer jener Menschen, die sich für nichts interessieren, das man weder essen, noch ins Bruttoinlandsprodukt einrechnen kann.

Ich hingegen bin ein abenteuerlustiger Ästhetizist und machte mich daran, den steilen Vulkan zu erklimmen, der das Zentrum, das Fundament und den Gipfel der Insel bildet, um den Wolken näher zu kommen.

Nun, ich kam ihnen sehr nahe. Ich klettere direkt in die Wolken hinein. Sie waren kalt, windig und nass.

Vielleicht bewundert man Wolken, wie Menschen und andere Dinge, am besten aus der Ferne.

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Idee und Wirklichkeit

Als ich den Auftrag auf den Azoren bekam, suchte ich sofort nach einem Schiff, um auf abenteuerlichere und romantischere Art dorthin zu kommen als mit dem Flugzeug.

Vergebens.

Aber ich buchte keinen Rückflug, in der Hoffnung, in drei Monaten auf Faial genug Bekanntschaften mit Fährleuten, Fischern und Weltumseglern zu machen, um vielleicht per Anhalter zurück zum Kontinent schippern zu können.

Und dann gab es noch immer die Möglichkeit, mich als blinder Passagier an Bord eines Frachtschiffes zu schleichen.

Auch die anderen Inseln des Azoren-Archipels würden sich perfekt per Schiff erkunden lassen. 7 Stunden nach Terceira, 9 Stunden nach Flores, so entschleunigt und entspannt kann man selten reisen.

Aber heute geht es erst einmal nach Pico, die nahe Nachbarinsel. 30 Minuten dauert die Überfahrt.

Ich entere das Oberdeck, um den besten Ausblick zu haben. Es ist eine kleine Fähre, mit etwa zehn Sitzreihen auf jeder Etage, die meisten davon in Fahrtrichtung. Wie in einem Flugzeug. Nur mit freier Platzwahl. Ich setze mich direkt neben die offene Tür, um Sonne, Wind und Wasser zu genießen.

Fast unbemerkt löst sich das Fährboot von der Anlegestelle. Die kräftigen Motoren schieben es mit Leichtigkeit durch den Hafen, ganz sanft Richtung Ausgang.

Als es die beiden schützenden Kaimauern verlässt und aufs offene Meer hinausfährt, beginnt das Schiff aber schon zu schaukeln. Oder eher zu wippen, von vorne nach hinten. Das ist wohl so, beim Übergang von Hafen zu Meer, versuche ich mich zu beruhigen.

Aber die Bewegungen hören nicht auf, sondern werden stärker. Immer höher hebt sich das Boot. Immer tiefer fährt es hinab. Mein Magen hebt und senkt sich ebenso. Ich bin froh, noch nichts gegessen zu haben.

Warum fährt man bei so Monsterwellen raus aufs Meer? Andererseits, versuche ich mich wieder zu beruhigen, der Kapitän wird auch nicht sterben wollen. Sicher hat er den Wetterbericht angeguckt bevor er „Leinen los!“ gerufen hat.

Durch die Tür kommt frische Luft. Ich atme tief und bewusst. Aber auch immer mehr Wasser spritzt mir ins Gesicht. Auf den Wellen tanzt weißer Schaum. Fotos kann ich keine machen, weil ich mich mit beiden Armen ganz fest in den Sitz kralle. Es gibt keine Gurte, und wenn ich mich nicht festhielte, fiele ich aus der Halterung. Wenigstens sitze ich gleich neben der Tür, denke ich mir, so kann ich rausspringen, wenn das Boot kentert.

Aber was dann? Die Wellen sind mittlerweile höher als das Boot. Wenn wir auf dem Grund des Wellentals sind, sehe ich vorne nicht mehr Pico, sondern nur mehr wuchtige Wassermassen. Niemals könnte ich gegen diese Wellen anschwimmen. Das ist der Atlantik, kein Mittelmeer oder so. Und das Meer hat endlose Kraft, endlose Energie, endlos Wasser, wie ein Perpetuum Mobile. Es wird nie müde werden. Ich dagegen habe schon kaum mehr Kraft, mich festzuhalten.

Ein Matrose läuft durch den Flur, ganz schief, weil das Boot jetzt auch von backbord nach steuerbord und zurück schlingert. Er schließt die schwere Eisentür vor meinem Sitz und schlägt einen Holzkeil ein, damit sie nicht mehr aufzubekommen ist. Der Fluchtweg ist versperrt.

Das Auf-und-Ab war schlimm, aber das seitwärtige Schlingern ist hundertmal schlimmer. Das Boot legt sich nach steuerbord, wo ich sitze, und ich kann den Hammerhaien in die Augen schauen. Dann legt es sich nach backbord, und ich hänge in der Luft wie die Aasgeier. Währenddessen gewinnt und verliert das Boot etwa 10 Meter an Höhe. Alles zusammen, alles durcheinander, alles außer Kontrolle.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir uns noch nach vorne bewegen oder nur auf der Stelle tanzen wie ein Spielball Poseidons. Eines Poseidons, der heute ziemlich wütend ist. Vielleicht ist seine Fußballmannschaft abgestiegen.

30 Minuten soll die Überfahrt dauern. Ich traue mich nicht, auf die Uhr zu sehen. Ich versuche, an etwas anderes zu denken, aber komme nur so weit, dass ich irgendwann von Pico zurück nach Faial muss. Wieder mit dem Schiff!

Aber alle weitere Pläne streiche ich. Die Überfahrt mit dem Schiff auf andere Azoreninseln. Die mindestens siebentägige Rückfahrt nach Portugal sowieso. Die Idee, von Odessa nach Georgien zu fahren. Die Kreuzfahrt nach Sankt Petersburg. Die Überquerung des Ärmelkanals. Alles gestrichen! Ich will nur mehr festen Boden unter den Füßen haben, möglichst weit weg von diesem alles verschlingenden Meeresschlund.

Irgendwie taucht dann doch Madalena auf, der Hafen von Pico. Das Schiff taumelt noch an zwei gefährlichen Felsen vorbei. Aber dank der Felsen kann ich wenigstens erkennen, dass wir gute Fahrt machen. Als wir in den Hafen einfahren, liegt da schon eine andere Fähre, auf Grund gelaufen. Mit dem Meer ist also wirklich nicht zu spaßen.

ferry sinking

Weil es Leser gibt, die sagen „ach, der Andreas übertreibt immer“, habe ich hier noch zwei Videos von Fähren auf der gleichen Strecke. Aber denkt dran, diese Filme zeigen nur die Ausfahrt aus dem Hafen. Auf hoher See wird es dann erst richtig wild.

Für die Rückkehr nach Portugal habe ich dann gleich einen Flug gebucht.

Links:

  • Die Insel Pico war ganz schön.
  • Die Rückfahrt nahm ich von einem anderen Hafen, weshalb sie volle 2 Stunden anstatt 30 Minuten dauerte. Aber diesmal war es ein bisschen ruhiger. Ein bisschen.
  • Da fällt mir ein, dass ich endlich über meine zwei Atlantiküberquerungen schreiben muss. Aber das ist so ein Riesenprojekt, es waren ja insgesamt drei Wochen auf dem Meer mit Stopps auf Madeira, Sint Maarten und Antigua, da muss ich noch ein bisschen Unterstützung für diesen Blog einsammeln. Vielen Dank!
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Rückkehr zur Normalität

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Man kann wieder in die Stadt gehen. In den Parks sind die Absperrbänder entfernt worden, wie wenn das dort begangene Verbrechen aufgeklärt wurde. Die Türen der Läden stehen weit offen. Manche haben ein Schild davor, auf dem sie bitten, dass zu jeder Zeit nur ein Kunde im Laden sein soll. Wie bei den Banken, die Angst vor Banküberfällen mit Geiselnahme haben. Beim Postamt ist es auch so, nicht dass irgendein Philatelist durchdreht.

Die Straßen, die Gehwege, alles ist so voll, wie es schon lange nicht mehr war. Voller als ich es in Erinnerung hatte, um ehrlich zu sein. Vielleicht weil manche Leute noch nicht arbeiten (Lehrer, Stewardessen, Studenten) und deshalb in die Stadt drängen. Manche tragen den Mundschutz, manche lassen ihn sinnlos von einem Ohr baumeln, andere stecken ihn mit zur Schau gestellter Verächtlichkeit in die Hosentasche, sobald sie aus dem Supermarkt treten.

Die Autos dürfen auch wieder raus. Jeder Parkplatz ist belegt. Die Straßen sind voll mit Qualm und Quietschen und Hupen und Blechschäden. Und dazu noch Hunde, die schlimmsten von allen.

Wie eine Lawine bricht alles auf mich herein. Der Lärm, die Bewegung überall, Menschen sprechen einen an. Man muss wieder aufpassen, nicht überfahren zu werden. Warum gilt der Vorrang von Menschenleben schon nicht mehr?

Es ist mir alles zu viel, ehrlich gesagt. Ich schwitze, wohl nicht nur wegen des Mundschutzes. Mein Puls geht schneller. Überall muss man die Augen gleichzeitig haben. Ich will schnell wieder nach Hause. Das ist so ein Stress im Vergleich zu den vergangenen Monaten. Die Stadt ist mir zu emsig und trubelig geworden.

Die Stadt ist Horta, mit ungefähr 6000 Einwohnern.

Horta Gesamtansicht

Horta von oben

Wie ich das erst aushalten soll, wenn ich mal wieder auf dem Festland bin, kann ich mir gar nicht vorstellen.

Wahrscheinlich werde ich ganz flugs den Rucksack packen und in die mitteleuropäischen Wälder verschwinden.

Links:

  • Mehr Berichte von den täglich stressiger werdenden Azoren.
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Azorische Gesichtsmasken

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Als ich von Lissabon am ich-weiß-nicht-mehr-das-genaue-Datum-aber-es-war-Anfang-März auf die Azoren flog, saß diese Person am Flughafen und amüsierte sich wahrscheinlich innerlich über all die Leute, die glaubten, ein Mundschutz reiche aus gegen das Virus. Und selbst den trug damals kaum jemand.

Corona-Schutzanzug

Damals, vor nur zwei Monaten, auch wenn es sich jetzt anfühlt, wie wenn es zwei Jahre gewesen wären, wusste diese Person schon, was auf uns alles zukommen würde. Ich kann nur vermuten, dass es sich um einen Virologen oder den portugiesischen Gesundheitsminister handelte.

Überall anders auf der Welt würde man beim Anblick solch eines Kapuzenmenschen an den Ku Klux Klan denken. Nicht in Portugal. Denn es gibt keine Radikalen in Portugal, keine Extremisten, keine Terroristen. Jeder und alles in Portugal ist moderat. „Sogar unsere Kommunisten sind moderat“, hatte mein Freund Romeu mir in Lissabon erklärt, durchaus mit Enttäuschung, weil das seinen eigentlich entschiedenen Antikommunismus ebenfalls moderiert. Lasst uns nicht vergessen, wir reden hier über das Land, in dem die CDU Hammer und Sichel im Parteilogo führt.

Egal, Ihr seid nicht hier, um über Politik zu lesen, und außerdem stand schon das kleine Flugzeug bereit, mit dem ich auf die Insel Faial entschweben würde. Oh, über den Flug gäbe es vieles zu erzählen, aber erinnert mich daran, das in einer anderen Geschichte zu tun, denn wir wollen die Ablenkungen hier auf einem Minimum halten und uns stattdessen auf den Schutz unserer Atemwege und die unserer Mitmenschen konzentrieren.

Ich überlebte den Flug (im portugiesischen Luftraum gibt es nur moderate Turbulenzen), und als ich den Hafen verließ (das werde ich in der Geschichte über den Flug erklären, aber hört doch bitte auf, Euch immerzu unterbrechen zu lassen), sah ich ein paar Menschen, die meisten von ihnen Frauen, wie mir schien, die sich des Virus offenbar sehr bewusst waren und schon Gesichts-, ja eigentlich richtige Kopfmasken trugen.

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Abartige Mode, mögt Ihr denken, aber die Inseln sind Tausende von Kilometern vom Festland entfernt, und die Zeit läuft hier nach anderen Gesetzen ab. Faial war zuletzt im Winter von 1717 und 1718 von der Beulenpest heimgesucht worden, aber wenn mir die Leute davon erzählten, klang es, wie wenn sie selbst dabei gewesen waren. „Es hat Henrique hinweg gerafft“, erinnerten sie sich an einen ihrer Urahnen und wischten eine Träne aus dem Auge. Oder „Maria Luísa hat es nie überwunden, dass sie den kleinen Cajó verlor.“ Natürlich hatten die Insulaner noch die alten Antipestkleider im Schrank hängen, allzeit bereit, um auch nach 13 Generationen wieder zum Einsatz zu kommen.

Als ich sagte, dass ich in der Gemeinde Cedros wohnen würde, informierte man mich mit leichenblassem Blick: „Oh, Cedros, dort haben die Menschen am meisten unter der Pest gelitten“, wie wenn in den 300 Jahren seither nichts Bemerkenswertes oder Desaströses passiert wäre. In Wirklichkeit gab es in der Zwischenzeit Hunderte von Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Tsunamis, Erdrutsche und Wirbelstürme.

Ich schweife schon wieder ab, oder? Also lasst uns die alte Standuhr vordrehen ins Jahr 2020, das Jahr der Coronapest. Ich sah eigentlich selten jemanden mit Gesichtsmaske, weil auf der Insel sowieso nicht zu viele Menschen leben. Und die Leute hier sind vernünftig, sie küssen und umarmen sich nicht einfach auf der Straße. (Die Azoreaner, die sich dergestalt verhielten, sind schon lange nach Brasilien ausgewandert.)

Aber letzte Woche ging ich in den Supermarkt und merkte, dass ich plötzlich der einzige ohne Mundschutz war. Von einem Tag auf den anderen hatte sich alles geändert. Ich fühlte mich komisch, fast nackt. Der Wachmann ließ mich dennoch rein und Schokolade einkaufen.

Als Gast auf der Insel möchte ich mich natürlich anpassen. Ich ging zur Apotheke, in der Hoffnung, dort eine Gesichtsmaske zu bekommen. Aber an der Tür hing schon ein handgeschriebener Zettel, der das Publikum informierte, dass die Masken ausverkauft seien bis das nächste Schiff ankäme. Ich erfuhr dann noch, dass das Tragen des Mundschutzes im Supermarkt oder im Bus jetzt gesetzlich vorgeschrieben war.

Und dann meldeten sich Freunde, die ich wohl besser „Freunde“ nenne, mit „hilfreichen“ Ratschlägen, wie ich meinen eigenen Mundschutz bauen könnte: „Es ist ganz einfach: Du nimmst ein Stück Stoff, am besten Baumwolle und unbenutzt, bügelst es, stanzt ein paar Löcher hier und hier, schneidest es so, faltest es so, nähst die Ecken ein und befestigst ein Gummiband, und schwupp, schon hast du eine Maske.“

Ich konnte nicht einmal den Instruktionen folgen, geschweige denn erahnen, wo zum Henker ich Bügeleisen, Nähmaschine und Gummiband herbekommen sollte. Was glauben die Leute eigentlich, was ich in meinem Rucksack habe? Wenn ich solcherlei Firlefanz mit mit führte, hätte ich schon lange ein Raumschiff konstruiert.

Je mehr „Ratschläge“ mir die Leute gaben, umso fuchtiger wurde ich. Es war in etwa so, wie wenn sich jemand darüber beschwert, dass ihm oder ihr langweilig ist, und ich würde antworten: „Oh, das ist einfach. Du schreibst ein Drehbuch, stellst ein paar Schauspieler ein, baust ein Filmstudio, drehst einen Film, und am Abend kannst du im Heimkino dein eigenes Werk genießen.“ Ganz ehrlich, es nervt, wenn Menschen annehmen, jeder habe praktisches Talent – und noch dazu das notwendige Werkzeug. Ich meine, ich laufe ja auch nicht durch die Gegend und tue mein Entsetzen darüber kund, dass sich nicht jeder im Verfassungsrecht auskennt oder für die Geschichte Boliviens interessiert, oder?

Also rationierte ich bereits die Lebensmittel und dachte, dass ich mir wohl einfach einen Sack über den Kopf stülpen und zwei Löcher für die Augen reinschneiden würde. Aber da bewahrheitete sich wieder mal eines meiner Lebensmottos: Wenn es ein Problem gibt, warte einfach! Irgendwie löst es sich immer von allein.

Gestern, als ich vom Meer (ich war dort zum Lernen gesessen, nicht beim Schwimmen gewesen) zurück nach Hause fuhr, kam ich am Postauto vorbei. Die Briefträgerin winkte mir, dass ich anhalten sollte. Ich gehorchte natürlich, und sie überreichte mir ein Paket. „Ein Geschenk von der Regierung der Azoren“, erklärte sie.

facemasks (1)

Darin waren nicht nur eine, sondern drei frisch gewaschene Mundschutzmasken! Sogar mit Anleitung.

facemasks (2)

Das mag moderat sozialistisch sein, aber ich finde es toll, wenn Regierungen, die das Tragen von Mundschutz verpflichtend machen, dann Pakete mit ausreichend Masken an jeden Haushalt im Land verschicken, sogar an die Menschen, die auf einem kleinen Stück Vulkan in der Mitte des Atlantischen Ozeans sitzen. Insbesondere, wenn die Briefträgerin mich auf der Straße stoppt, um ganz sicherzugehen, dass ich eine Maske erhalte.

Und da kamen mir wieder meine Freunde aus Lissabon, Romeu und Mafalda, in den Sinn. Als sie mir die Stadt zeigten, kamen wir an einem Wandgemälde über die Geschichte Lissabons vorbei, das Ihr findet, wenn Ihr am Aussichtspunkt Portas do Sol nach den Toiletten fragt. Anhand der Comic-Zeichnungen dort bekam ich einen Schnelldurchlauf durch die portugiesische Geschichte. Als sie zu der Epoche kamen, während der Portugal irgendwie mit Spanien vereinigt war (von 1580 bis 1640, glaube ich), sagte Romeu, natürlich im Scherz, denn er ist ein (moderater) Patriot: „Manchmal wünschen wir, dass wir in der Iberischen Union verblieben wären, denn in Spanien läuft vieles besser als bei uns.“ Ich kannte beide Länder nur ein bisschen, hatte aber das Gefühl, widersprechen zu müssen. Soweit ich gesehen hatte, ist Portugal ein bestens organisiertes Land. Wie diese Episode bestätigt, kann man sich Portugal als die Schweiz der iberischen Halbinsel vorstellen.

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