Unsortierte Gedanken (17)

  1. Der Putzfimmel ist die Fortsetzung des Faschismus mit neurotischen Mitteln.
  2. Ich ahnte nicht, dass Luxemburg eine Weltmacht ist, aber jetzt habe ich gelesen, dass die luxemburgische Armee im Koreakrieg kämpfte.
  3. Wenn Deutschland keinen Familiennachzug erlaubt, ist ein Umzug nach Deutschland die einfachere Alternative zur Scheidung.
  4. Warum haben die drei baltischen Länder so ein unausgeglichenes Verhältnis von Frauen zu Männernsex ratio.JPG
  5. Die Zahlen für die verschiedenen Altersstufen geben einen Hinweis. Bei den bis zu 55-jährigen ist alles normal, erst darüber nimmt der Anteil der Männer ab. Über 65 Jahren ist das Missverhältnis dramatisch: Auf einen Mann kommen zwei Frauen.
  6. Mein Vater ist mal rechtzeitig aufgestanden, um für Euch einen Sonnenaufgang zu fotografieren. Hirschberg%20MO_DSC3135.korr.jpg
  7. Man spart sich eine Menge Zeit, wenn man nur eine große Mahlzeit am Tag isst anstatt drei kleiner über den Tag verteilt.
  8. Mit Venedig habe ich kein Glück. Jedes Mal wenn ich hinkomme, ist die Stadt total überflutet.
  9. Von einer BBC-Sendung über den Vogelzug erfuhr ich, dass die ersten Hinweise auf Überwinterungsflüge Störche waren, die im Frühjahr mit afrikanischen Pfeilen und Speeren in ihren Körpern nach Europa zurückkehrten. 
  10. Vielen Dank an Carolina Noguera für die Übersendung der Bücher Europa erfindet die Zigeuner: Eine Geschichte von Faszination und Verachtung von Klaus-Michael Bogdal, Kaisers Rumpelkammer: Unterwegs in der Habsburger Geschichte von Simon Winder, Der Kampf um die europäische Erinnerung: Ein Schlachtfeld wird besichtigt von Claus Leggewie und Noch 172 Tage bis zum Sommer: Eine istrische Reise von Lidija Klasi. 
  11. Vielen Dank an Ana Alves für Hotel Bolivia: Auf den Spuren der Erinnerung an eine Flucht vor dem Nationalsozialismus von Leo Spitzer. Während des Holocaust war Bolivien eines der wenigen Länder, das seine Tore für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich immer offen hielt.
  12. Flussbegradigungen sind übrigens keine neue Sache. Die Begradigung des Rheins wurde schon 1817 begonnen.
  13. Für die Weltausstellung 1937 in Paris entwarf ein Architekt diesen 700 m hohen und befahrbaren Aussichtsturm: 
  14. In Katalonien scheint es einen gewissen Hang zum Viktimismus zu geben. Vielleicht erklärt das die Geschichte von Enric Marco.
  15. Beim Lesen von Basar auf Schienen von Paul Theroux bemerkte ich, dass ich mir die Mühe hätte sparen können, die längstmögliche Zugreise herauszufinden, denn er schreibt: „Der Weg ist frei von Hanoi bis zum Bahnhof Liverpool Street in London, alles mit dem Zug.“ Er nimmt dann aber trotzdem den Umweg über Japan und Wladiwostok.
  16. Früher durfte man auf Passfotos noch seinem Charakter und seinen Vorlieben Ausdruck verleihen. Pass
  17. Nach der Aufnahme eines erneuten Studiums muss ich mich erst wieder daran gewöhnen, überall nach Studentenrabatt zu fragen.
  18. Jede Generation hat das Recht auf ihren eigenen Spanischen Bürgerkrieg.
  19. Diesem Angebot zu widerstehen war nicht leicht: 5 kilo Schokolade
  20. In Deutschland haben wir ja schon Erfahrung mit österreichischen Kanzlern ohne Studienabschluss.
  21. Auch Luther hat übrigens sein Jura-Studium abgebrochen bevor er sich selbst radikalisierte.
  22. Woher so ein Feiertag kommt, ist doch egal. Hauptsache Feiertag.
  23. Daran erkennt man schwierige Mandanten:
    „Hallo Andreas,
    es mag sein, dass Du Deine Gebühren nicht ohne Berechtigung verlangst – aber …“
    (An dem Punkt habe ich zu lesen aufgehört.)
  24. Das Leben als Student wäre viel bequemer, wenn es gesellschaftlich akzeptabel wäre, in Jogginghosen in die Vorlesung zu gehen.
  25. Am Tag nach der Zeitumstellung habe ich verschlafen, weil ich dachte, es gäbe sie jetzt jeden Tag. Sehr verwirrend das Ganze.
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Studium der Geschichte an der Fernuniversität in Hagen

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Juhu! Ich bin wieder Student!

Da ich sowieso ständig lese, nachdenke und schreibe, dachte ich mir, dass ich doch mal wieder studieren könnte. Schließlich hat mir Studieren immer mehr Spaß gemacht als Arbeiten, und irgendein Hobby braucht jeder. Ich blättere eben lieber in Büchern und browse durch Bibliotheken als – Achtung, Alliterationsallergiker! – mich mit anderen Buben auf dem Bolzplatz zu balgen oder in Blechboliden über die Bundesstraße zu brausen.

Ich wollte schon immer Geschichte studieren. Direkt nach dem Abitur habe ich das nicht gemacht, weil ich auch andere Fächer mein Interesse auf sich gezogen hatten. Aufgrund familiärer Prägung (um jemand anderem die Schuld zu geben) und des damaligen neoliberalen Zeitgeists dachte ich, dass Berufsaussichten ein relevanter Faktor bei der Studienwahl sein müssten, womit Geschichte in der Relegation ausschied. Das Finale zwischen Jura und Volkswirtschaft entschied dann die Angst vor höherer Mathematik und vielleicht auch die Lust am Streiten und Diskutieren.

Zwei Fächer gleichzeitig und dafür ein bisschen länger zu studieren, kam mir damals gar nicht in den Sinn, wohl wegen des Gedankens, so schnell wie möglich fertig werden und sich produktiv in die Volkswirtschaft einbringen zu müssen. Mitte der 1990er Jahre dachte man eben so, schließlich spielte das Radio jeden Tag „wir steigern das Bruttosozialprodukt“. Aber, liebe Kinder, die Ihr vor dem Abitur oder der Matura steht, lasst Euch Zeit! Es ist vollkommen egal, ob Ihr mit 24 oder mit 26 den Job bei der Versicherung oder am Fließband bekommt. Studiert so lange Ihr könnt!

Vielleicht erschien direkt nach dem Ende des Kalten Krieges die Geschichte kurzzeitig auch nicht mehr so interessant. Coca-Cola hatte gegen Vita-Cola gewonnen, und das war’s. Ende der Geschichte.

Aber egal. Jetzt ist 2017, der hundertste Jahrestag der Russischen Revolution, der Peripetie des Ersten Weltkrieges und des eigentlichen Beginns des 20. Jahrhunderts. Das ernsthafte Studium der Geschichte halte ich derzeit wieder für wichtig, weil in politischen Diskussionen vermehrt auf vereinfachte und falsche Geschichte(n) rekurriert wird („früher war alles besser“, „christlich-abendländische Kultur“, „das war schon immer russisch/serbisch/sonstwas“) bzw. alte Diskussionen wieder aufbrechen. Egal ob es um Denkmäler für Südstaatengeneräle oder für Holocaust-Opfer oder um von unseren europäischen Freunden plötzlich geltend gemachte Reparationsforderungen geht, ohne einen fundierten Blick in die Geschichte kann man das kaum ernsthaft diskutieren.

Da sich mein Lebensmodell bekanntlich an der Völkerwanderung orientiert, habe ich es nicht übers Herz gebracht, mich für etliche Jahre für einen festen Standort zu entscheiden. Deshalb, wegen der freien Zeiteinteilung und weil ich keine Lust habe, mit kichernden Teenagern im Hörsaal zu sitzen, kam nur die Fernuniversität in Hagen in Frage.

Dort lässt sich (abgesehen vom MA und von der Promotion, aber soweit wollen wir dieses Semester noch nicht denken) Geschichte nur als BA in Kulturwissenschaften mit dem Nebenfach Literatur oder Philosophie studieren.

Kuwi

Das stört mich nicht, dachte ich – bis ich die einführenden Studienbriefe für die Literaturwissenschaft in Händen hielt und über so unliterarisch anmutende Konzepte wie die selbstreferentielle Geschlossenheit der Theorie des Strukturalismus und donquijotteske Übertragungen des Gelesenen auf dekontextualisierte allegorische Dimensionen stolperte, ja geradezu abstürzte. Ich mag Literatur, und ich würde sie gerne weiterhin genießen. Der erste und womöglich voreilige Eindruck sagt mir, dass ich mich dazu von der Literaturwissenschaft besser fernhalte. Essen schmeckt ja auch besser, wenn man nicht weiß, wie es zubereitet wurde. Als Nebenfach werde ich also die Philosophie wählen und darauf spekulieren, dass mein MA in Philosophie weitgehend anerkannt wird, so dass ich mich in den nächsten Jahren auf Geschichte konzentrieren kann.

Die große Mehrheit der Leserschar, die diesen Blog nicht als Bildungsromanersatz sondern wegen der Reiseberichte liest, wird, so sie nicht schon lange abgesprungen ist, jetzt verängstigt fragen, ob der reisende Reporter die nächsten vier bis sechs Jahre nur mehr am Schreibtisch sitzen und keine berichtenswerten Abenteuer mehr erleben wird.

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Man mache sich diesbezüglich bitteschön keine Sorgen, denn:

  1. Noch sind die meisten meiner bisherigen Reisen nicht journalistisch ausgeschlachtet worden, und etwa ein Dutzend Notizbücher mit Schokoladenflecken und Einschusslöchern warten auf ein hungriges Publikum, das sie jahrelang füttern können.
  2. Ich erinnere daran, dass auch bisher etliche meiner Reiseberichte mit geschichtlichem Wissen angereichert waren, was meinen Blog von den 08/15-Sonne-Strand-Caipirinha-Reiseblogs abhebt. Das wird in Zukunft noch fundierter.
  3. Da ich das Fernstudium von überall betreiben kann, werde ich während dieses Projekts einige Male umziehen, demnächst wahrscheinlich wieder nach Osteuropa.
  4. Außerdem gibt es auch im Fernstudium Seminare. So war ich zum Beispiel gerade eine Woche in Hagen zu einer intensiven Geschichtswoche. Nach Haifa und Hanga Roa wolltet Ihr sicher schon immer mal etwas über Hagen in Nordrhein-Westfalen lesen. Das nächste Seminar findet im Dezember in Frankfurt statt („Krise der europäischen Moderne – Umbrüche und Aufbrüche: Das Epochenjahr 1917“).
  5. Im Juni 2018 gibt es sogar eine Exkursion nach Krakau („Erinnerungs- und Geschichtspolitik einer polnischen Metropole von 1900 bis 1970“). Darauf freue ich mich ganz besonders, weil ich beschämenderweise noch nie im Nachbarland Polen war. (Sogar meine Großväter sind diesbezüglich schon weiter herumgekommen, wenn auch nur im Rahmen einer Invasion.) Vielleicht hänge ich da vorher und/oder nachher ein paar Extramonate in Polen dran.
  6. Aufgrund eines Seminars über Mesopotamien (leider ohne Exkursion) spiele ich mit dem Gedanken einer Reise in den Irak. Nur leider gibt es seit dem kurdischen Referendum keine Flüge mehr in den Nordirak, was alles komplizierter, teurer und damit weniger wahrscheinlich macht. Mal sehen, was mir da einfällt. Ich habe schon gesehen, dass es einen regelmäßigen Bus von Amman nach Bagdad gibt, und jetzt wo ISIS in Konkurs gegangen ist, ist es dort supersicher.
  7. Und dann gibt es ja noch das Erasmus-Programm! Als ich in Bari eine Wohnung mit mehr feiernden als studierenden Erasmus-Gören teilte, habe ich mich noch darüber lustig gemacht, jetzt freue ich mich auf die EU-Förderung für ein oder zwei Auslandssemster. Auf die dämlichen Parties muss ich ja nicht gehen.
  8. Für die Praktika lasse ich mir sicher etwas Interessantes und Exotisches einfallen. Ihr kennt mich doch. Sooo lange hält es mich nun auch nicht ohne Unterbrechungen am Schreibtisch. Der Rucksack ist nicht eingemottet.

Auch ein Studium kann also eine spannende Entdeckungsreise sein.

Da es auf diesem Blog auch bisher schon viel um Geschichte ging, wird es Euch hoffentlich nicht stören, wenn ich mal von einem Seminar berichte oder ein Hausarbeitsthema zu einem Artikel verarbeite. Vielleicht wäre es auch interessant, über das Fernstudium an sich zu schreiben, denn ich merke in meinem Bekanntenkreis, dass der Trend zum Zweit- oder sogar Drittstudium geht. (Oder vielleicht ist das nur bei Rechtsanwälten so, die alle vom Burnout geplagt sind.)

Schließlich habe ich noch meine Bücherwunschliste um einen auf das Studium zugeschnittenen Teil erweitert, was für Weihnachten hilfreicher ist als schon wieder Socken mit Bärenmuster. 😉

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Hotel in Humberstone

“Kann man dort übernachten?” haben manche von Euch gefragt, die nach Lektüre des Artikels über Humberstone der Stadt ebenfalls einen Besuch abstatten möchten.

Natürlich gibt es dort ein Hotel:

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Vom Zimmer aus hat man einen Blick auf den zentralen Platz der Stadt.

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Und das Schwimmbad sowie das Theater liegen gleich nebenan. Perfekt.

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Schafe in Montenegro

Es war der letzte Tag im Oktober. Es war neblig. Es war kalt. Es war feucht. Es war düster.

Aber diesen Schafen in Žabljak in Montenegro schien das nichts auszumachen.

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Woher kommt das Schwarz-Rot-Gold?

Nach der gängigen Überlieferung tauchten erstmals am Hambacher Fest 1832 schwarz-rot-goldene Fahnen auf.

Tatsächlich waren die Fahnen damals aber noch gold-rot-schwarz:

Erst zur Märzrevolution 1848 wurden die Farben in die jetzige Reihenfolge gerbracht:

Eine diesbezüglich interessante Entdeckung habe ich an einem unerwartenen Ort gemacht. In der Garibaldi-Gedenkstätte auf Caprera hing das Gemälde Carga de Cavalaria von Guilherme Litran.

Es zeigt die Aufständischen während der Farrapen-Revolution, die von 1835 bis 1845 gegen das Kaiserreich Brasilien geführt wurde.

Aber was hatte das noch nicht existierende Deutschland mit einem Bürgerkrieg in Brasilien zu tun? Nun, schon 1830 hatte es eine Verschwörung deutscher Einwanderer in Brasilien gegeben, um die Monarchie zu stürzen. Sie wollten den Deutschen Samuel Gottfried Kerst zum Präsidenten ausrufen, aber dieser Aufstand scheiterte. (Kerst schrieb übrigens ein interessantes Buch, Über brasilianische Zustände der Gegenwart, mit Bezug auf die deutsche Auswanderung nach Brasilien und das System der brasilianischen Pflanzer, den Mangel an afrikanischen Sklaven durch deutsche Proletarier zu ersetzen, aber das würde jetzt zu weit führen.) Kerst kehrte nach Deutschland zurück und nahm an der Revolution 1848 teil. In der Frankfurter Nationalversammlung war er Abgeordneter.

Nahmen die Deutschen die schwarz-rot-goldene Farbe nach Brasilien? Oder brachten sie diese Farbkombination erst aus Brasilien zurück? Oder war die identische Fahne ein Zufall? Oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun?

Auf das obige Gemälde von Guilherme Litran kann man nicht zu viel geben, denn er malte es erst 1893, also Jahrzehnte nach dem Geschehen. Auf dem Gemälde Proclamação da República Piratini von Antônio Parreiras ist eine ähnliche Fahne zu sehen, aber das Bild ist von 1915, also noch später.

Die Republik Piratini ging kurzzeitig (1836-1845) aus der Farrapen-Revolution hervor und hatte die Staatsfarben grün-rot-gold. Noch heute findet man diese Farbkombination in der Flagge und im Wappen des Nachfolgebundesstaates Rio Grande do Sul (und in der des Nachbarlandes Bolivien).

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Vielleicht ist bei der Rückkehr der deutschen Revolutionäre nach Europa das Grün so verrußt (war ein betrügerischer Dieselfilter schuld?), dass die deutsche Nationalflagge ganz aus Versehen entstand.

Links:

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Theater im Zug

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Das Duell 2017

Für die geschätzten Leser dieses Blogs habe ich meinen Abend geopfert, mich mit einer Kanne Erkältungstee vor den Fernseher gesetzt, den Verlockungen der konkurrierenden Sender (passenderweise ein Horror-Abend auf Tele 5) getrotzt und das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz angesehen. Hier meine Kommentare:

  1. Es wurde immer prophezeit, dass eine Große Koalition die extremen linken und rechten Ränder stärke. Mal sehen. Auf jeden Fall kann man feststellen, dass eine Große Koalition das Kanzlerkandidatenduell langweilig macht.
  2. Ein guter Moderator wäre besser als eine Große Moderatorenkoalition. 
  3. Warum geht es beim Themenkomplex Migration immer nur um Einwanderung, aber nie um Auswanderung? 2015 verließen 998.000 Menschen Deutschland, eine Steigerung um 9%.
  4. Gut fand ich, dass Angela Merkel Menschen ausdrücklich nicht als „Bedrohung“ sieht, dass sie nochmals die humanitären Beweggründe für die temporäre Nichtanwendung der Dublin-II-Verordnung im September 2015 erläuterte und dass Martin Schulz die italienische Marine für ihre Rettungseinsätze lobte. Ich finde ja, dass der Friedensnobelpreis 2012 an die italienische Marine anstatt an die EU gehen hätte sollen.
  5. Allerdings lässt Martin Schulz bei aller berechtigter Kritik an Viktor Orbán unter den Tisch fallen, dass auch Deutschland Italien bis 2015 mit der Flüchtlingsaufnahme weitgehend allein ließ.
  6. Wenn Schlepper immer wieder als „Verbrecher“ bezeichnet werden, erinnern sich die älteren unter uns an die Zeiten, als Schlepper das Bundesverdienstkreuz erhielten.
  7. Als Claus Strunz die „Flüchtlinge, die schlecht oder gar nicht ausgebildet sind“ anspricht, kommt niemandem die Idee, darauf hinzuweisen, dass das mit der formellen Ausbildung schwer ist, wenn man – wie in Syrien – seit fünf Jahren von der eigenen Regierung bombardiert wird.
  8. Außerdem schafft man es auch ohne Abitur zum Kanzlerkandidaten.
  9. Dass der Islam zu Deutschland gehört, ergibt sich schon aus Artikel 4 des Grundgesetzes.
  10. Die Frage an beide Kandidaten, ob sie diesen Sonntag in der Kirche waren, war wohl die blödeste Frage des ganzen Abends. Man will doch hoffen, dass Spitzenpolitiker im Wahlkampf ihre Zeit besser investieren.
  11. Maybrit Illner ist besorgt um den ausländischen Einfluss in deutschen Moscheen. Dass viele Kirchen in Deutschland vom sexualstraftäterschützenden Vatikan gesteuert werden, scheint niemanden zu stören. Geschweige denn, dass auch Deutschland mit nach antisemitischen Hasspredigern benannten Schulen im Ausland missioniert, wie zum Beispiel in Jerusalem: Martin Luther Schule.JPG
  12. Immer wenn es um Integration geht, denke ich an all die Deutschen, die nicht richtig integriert sind, sondern unverständliche Dialekte sprechen, das Grundgesetz nicht kennen und nicht einmal wählen.
  13. Maybrit Illner versucht, ein bisschen Panik zu verbreiten, und spricht von „100 Millionen Menschen, die sich auf den Weg machen“. Das ist erstens eine aus der Luft gegriffene Prognose. Zweitens enthalten all diese enormen Flüchtlingszahlen die Binnenflüchtlinge, die z.B. aus dem Dschungel in Kolumbien nach Medellin oder Bogotá geflüchtet sind. Von denen kommt niemand nach Deutschland, trotz Visumsfreiheit. Und noch immer nehmen ärmere Länder wesentlich mehr Flüchtlinge auf als alle Länder der Europäischen Union.
  14. Zur Türkei: Es wird immer überschätzt, was Land A für im Land B inhaftierte Bürger des Landes A tun kann.
  15. Als Angela Merkel erklärt, dass sie morgen mit Emmanuel Macron, Donald Tusk und Waldimir Putin wegen Nordkorea sprechen wird, hört sich das so an: „Liebe Welt, mach Dir keine Sorgen wegen Donald Trump. Ich habe alles im Griff.“
  16. Dass „eine Millionen Langzeitarbeitslose eine Million zu viel“ sind, gaukelt fälschlicherweise vor, dass die Arbeitslosigkeit auf Null zu senken wäre.
  17. Wenn eine „Umrüstung der Software“ das Dieselproblem löst, wieso dann nicht auch eine Softwarelösung gegen Arbeitslosigkeit, Terrorismus und Nordkorea?
  18. Niemand kann erklären, wie eine Software die Schadstoffbelastung verringern kann. Und wenn das ginge, wieso verwenden wir die gleiche Software dann nicht bei Kohlekraftwerken?
  19. Die Autoindustrie wird noch immer zu zart angefasst. „Vertrauensverlust“ (Martin Schulz) und „Vertrauensbruch“ (Angela Merkel) sind nicht die richtigen Begriffe für jahrelangen, gezielten Betrug gegenüber Verbrauchern und Aufsichtsbehörden. Immerhin nehmen beide Kandidaten später das Wort „Betrug“ in den Mund.
  20. Bei der Diskussion der Automobilität kann man fast den Eindruck gewinnen, wie wenn auch Autos in Deutschland wählen dürfen.
  21. Die Frage nach der „Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft“ zeugt von der Ahnungslosigkeit des Fragenden. Korrekterweise stellt Angela Merkel auch richtig, dass es in Deutschland keine generelle doppelte Staatsbürgerschaft gibt. (Wobei ich persönlich damit kein Problem hätte.)
  22. Angela Merkel kritisiert ihren Amtsvorgänger scharf: Gerhard Schröder „untergräbt die Sanktionen gegen Russland.“
  23. Martin Schulz ist weniger scharf, stimmt aber in der Sache zu: „Er hätte lieber Geld für seine Memoiren nehmen sollen.“ Eine Autobiographie von Gerhard Schröder erscheint mir tatsächlich eine interessante Idee.
  24. Angela Merkel sagt, dass Kennzeichnung von Polizisten ein Misstrauensbeweis wäre. Was sind dann eigentlich Kfz-Kennzeichen?
  25. Zum ersten Mal seit Langem sieht es wieder so aus, dass Rechtsextreme in den Bundestag einziehen könnten. Keiner der Kandidaten findet dazu Worte der Warnung. Das ist schwach.
  26. Martin Schulz verschusselt sein Schlusswort, aber ansonsten konnte ich keinen klaren Gewinner erkennen.
  27. Das Duell war insgesamt zivilisiert, respektvoll und reich an Substanz. In nur einem Duell gab es hier wesentlich mehr inhaltliche Informationen zu gewinnen als in drei Duellen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. 
  28. Peter Kloeppel verabschiedet sich keck mit „Wir hätten nächsten Sonntag Zeit für ein zweites Duell“, und ein ganzes Land ist genauso wenig begeistert von der Idee wie die beiden Kandidaten.
  29. Mein Lieblingszitat des Abends: „Ich mach das doch nicht aus Spaß.“ (Angela Merkel)
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Du wartest noch auf meine Postkarte?

Danke an alle, die meinen Blog unterstützen! Wie versprochen bekommst Du dafür eine Postkarte von unterwegs.

Falls sie noch nicht angekommen ist, war es vielleicht die Postkarte, die ich in Humberstone in Chile aufgegeben habe. Ich hätte eigentlich ahnen sollen, dass dieser Briefkasten nicht mehr regelmäßig geleert wird.

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Die Insel des Generals

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Im November 1860 hätte Giuseppe Garibaldi alles haben können. Er hatte einen Feldzug mit weniger als tausend Mann begonnen, aber marschierte von Sieg zu Sieg. Er hatte Begeisterung entfacht für eine Idee, die bis dahin unrealistisch schien: ein vereintes Italien. Dafür war er zum Tode verurteilt worden, dafür war er geflohen, dafür hatte er Jahre im Exil verbracht, um jedes Mal wieder nach Italien zurückzukehren und zu kämpfen.

Ohne Garibaldi gäbe dieses Italien nicht, und ohne Garibaldi wäre Victor Emmanuel II. nicht König dieses Landes geworden.

Also fragte der König den General, was er sich als Belohnung für seine Lebensleistung wünschte. Einen Kabinettsposten? Die Herrschaft über eine Provinz? Ein Schloss? Einen Adelstitel?

„Gebt mir einen Sack Kartoffeln, damit ich eine Landwirtschaft beginnen kann“, antwortete der 53-Jährige, bestieg ein Boot und segelte nach Caprera, einer kleinen, eher unwirtlichen Insel nördlich von Sardinien.

Die Reise nach Caprera bietet viel Gelegenheit für Seekrankheit, denn zuerst muss man von Italien nach Sardinien, von Sardinien nach La Maddalena und zuletzt von La Maddalena nach Caprera. Immer kleiner werden die Inseln, und immer kleiner werden die Boote. Aber um für Euch herauszufinden, weshalb sich „die einzige uneingeschränkt bewundernswerte Person in der modernen Geschichte“ (so der Historiker Alan Taylor) auf eine Insel mit ein paar Pferden und Eseln zurückzog, muss ich den Weg auf mich nehmen.

Für das letzte Stück braucht man mittlerweile kein Boot mehr. Zwischen La Maddalena und Caprera wurde eine 600 Meter lange Straße gebaut, die durch eine Brücke von (kleinen) Booten durchquert werden kann. Gerade zischt ein ziviles Schnellboot hindurch und an dem ehemaligen Marinestützpunkt vorbei. Ich hingegen zische mit einem Fahrrad auf die Insel des Nationalhelden. Schließlich bin ich heute hauptsächlich unterwegs, um in der Geschichte des 19. Jahrhunderts zu stöbern, und halte ein vormodernes Fahrzeug daher für angebrachter.

Kiefern und ein paar Eukalyptusbäume spenden Schatten. Als Garibaldi nach Caprera zog, war die Insel fast vollkommen kahl, weil wie überall im Mittelmeer die rodenden Römer gewütet hatten. (Ein Glück, dass sie niemals den Amazonas entdeckten.) Jetzt spielt der Wind mit den Kiefern, ansonsten herrscht Stille. Nur wenige Vögel zwitschern.

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An einem Rastplatz trägt eine aus Holz gezimmerte Bar den Namen „il barone rosso“. Hoffentlich ist sie nicht benannt nach dem ebenfalls so bezeichneten Flieger aus dem Ersten Weltkrieg. Zwischen den Kiefern sind Hängematten gespannt.

Die Straße gabelt sich. Links geht es zum Garibaldi-Museum, rechts zur Garibaldi-Gedenkstätte. Erst einmal rechts. Je höher ich mich strample, desto niedriger werden die Kiefern, desto größer werden die Latschensträuche, desto weniger werden die Fußgänger. Auf dem Gipfel ist ein rifugio für müde Wanderer. Praktischerweise liegen eine Menge Kiefernzapfen zum Grillen herum. Warum findet man die größten und meisten Butzelkühe immer da, wo man wegen Waldbrandgefahr kein Feuer machen kann?

Vom Garibaldi-Komplex fällt die Aussicht auf ein Meer, das blauer ist als in der Karibik. Überhaupt kann sich die Karibik sparen, wer Sardinien schon kennt. (Und ja, ich habe die Mühe auf mich genommen, die Karibik persönlich zu erkunden, bevor ich diesen Ratschlag erteile.)

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Die Gedenkstätte ist in einer alten Festung, dem Forte Arbuticci, untergebracht, die bis zum Zweiten Weltkrieg in Gebrauch war und auf die jetzt ein im Vergleich dazu kleines Museum aufgepfropft wurde. Klein, aber fein. Das Museum ist modern, multimedial, informativ und interessant. Aber die meisten Informationen sind nur auf Italienisch. Insofern ist es gut, dass Ihr mich hingeschickt habt, der ich alles für Euch übersetze.

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Gut ist auch, dass ich allein unterwegs bin, denn in solch einem Museum lese ich alle Tafeln, studiere alle Karten und mache mir seitenweise Notizen. Die anderen Besucher rauschen durch, schauen ein paar Filmchen an, setzen sich ins Auto und düsen weiter. Ich kann hier Stunden verbringen. Vielleicht auch weil kein Auto, sondern nur ein Fahrrad und die heraufziehende Mittagshitze auf mich warten.

Ich gebe Euch mal die Zusammenfassung: Geburt in Nizza, Seefahrt, Reisen bis nach Russland, Aufstand in Piemont, Verurteilung zum Tod, Flucht über Marseille nach Südamerika, Revolution in Brasilien, Flottenkommando für Uruguay im Krieg gegen Argentinien, Rückkehr 1848 zur Revolution in Sizilien, Anführer der Revolutionsarmee, nach Scheitern der Revolution Flucht nach Tanger und New York, Reisen nach China, Australien, Peru, Chile, Schiffbruch, erneute Rückkehr nach Italien, Kämpfe in den Alpen, Befreiung Siziliens, Eroberung Neapels, Kampf gegen den Papst, Verwundung, Gefängnis, Kampf auf Seiten Frankreichs im Krieg gegen Preussen 1870/71.

Ein Leben wie ein Roman von Karl May.

Ach ja, im Alter schrieb Garibaldi selbst noch drei Romane.

Noch beeindruckender als das ganze Segeln und Schießen und Schlachten finde ich die politischen Ideen Garibaldis. Er setzte sich ein gegen die Todesstrafe (nun gut, das mag noch aus Eigennutz gewesen ein), für das allgemeine Wahlrecht, für die Emanzipation der Frauen, für eine europäische Förderation, für die Selbstbestimmung der Völker auf dem Balkan, für die Abschaffung des Papsttums.

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Während des Bürgerkriegs in den USA verhandelten die Nordstaaten mit Garibaldi, dem zuerst ein Generalsrang, dann der Oberbefehl über die gesamten Truppen angeboten wurde. Aber Garibaldi machte zur Bedingung, dass der Krieg mit dem ausdrücklichen Ziel der Abschaffung der Sklaverei geführt würde. Dazu war Präsident Lincoln zu jenem Zeitpunkt noch nicht bereit.

„Held zweier Welten“ wurde Garibaldi genannt, weil er in Europa und in Amerika kämpfte. Wenn ihn jemand über die Lage im Kongo oder im Kaschmir informiert hätte, wäre er wahrscheinlich auch dorthin geeilt. Selbst Einheiten, die gar nichts mit Garibaldi zu tun hatten, benannten sich nach ihm, wie die Garibaldi Guard im US-amerikanischen Bürgerkrieg, das Garibaldi-Bataillon im spanischen Bürgerkrieg, die kommunistischen Garibaldi-Brigaden in Italien während des Zweiten Weltkriegs und die Garibaldi-Partisanendivision in Jugoslawien.

Nach ein paar Stunden weiß ich jetzt also bis ins privateste Detail, wer dieser Garibaldi war, von dem es überall in Italien Hunderte von Statuen und Gedenktafeln gibt. Jedes Dorf hat mindestens eine Garibaldi-Straße und einen Garibaldi-Park. Das beste Denkmal sind meiner Meinung nach aber die Garibaldi-Zigarren von Toscano, die es zum Glück ebenfalls in fast jedem Dorf gibt. Und nicht einmal teuer. Aber ich schweife schon wieder schmauchend ab, obwohl der Leser wünscht, dass ich stattdessen meinen Blick von der Festung über die Insel schweifen lasse.

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Caprera ist eher karg. Steinig. Windig. Die Kiefern, die jetzt die Insel schmücken, wurden erst von Garibaldi angepflanzt. Er selbst hatte also noch nicht viel davon. Eine schöne Küste zum Wandern, aber für den Lebensabend? Da muss einer die Menschheit schon ziemlich satt gehabt haben.

Die Dame von der Gedenkstätte empfiehlt mir einen Weg zurück, aber auf der Landkarte habe ich schon eine Abkürzung entdeckt: einen Wanderweg vorbei an militärischem Sperrgebiet und Ferienanlagen. Beides ist verlassen. Die Gebäude verfallen, in den Ferienanlagen sind ein paar Plastikstühle umgestürzt, es sieht so aus, wie wenn seit Monaten niemand hier war. Sehr gespenstisch.

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Gerade im Süden Italiens habe ich nie kapiert, wieso sich der Tourismus auf zwei Monate im Sommer beschränkt und im Rest des Jahres fast alles leer steht. Ich bin im Mai unterwegs, es ist warm, sogar schon heiß, aber meine italienischen Freunde sind ganz entsetzt: „Niemand fährt jetzt nach Sardinien! Wir fahren da alle erst im August hin.“ Auch Familien ohne Kinder, die von den Sommerferien unabhängig wären, fahren alle pünktlich zum 15. August eines jeden Jahres los, am liebsten in die schon seit Jahrzehnten gleiche Ferienwohnung am gleichen Ort. Die Schwiegereltern mieten die Ferienwohnung nebenan, und man trifft sich jeden Tag zum Mittagessen mit den Menschen, die man schon von zuhause kennt. Individualismus scheint in Italien keinen hohen Stellenwert zu haben. Auch deshalb ist es nicht ganz das richtige Land für mich.

Aber heute bin ich allein und frei wie ein Revolutionär.

Obwohl ich mich nach dem Besuch der Gedenkstätte schon sehr gut informiert fühle, radle ich als nächstes zum Museum, das im ehemaligen Wohnhaus Garibaldis untergebracht ist. Es zieren eine Lokomotive, ein Fass für die Weinproduktion, landwirtschaftliche Produktionsmittel, eine Mühle und Sicheln. Wie ein kleines Heimatmuseum sieht es aus.

Haus1
Haus2
Haus3

Im Wohnhaus stehen eine Kutsche und ein kleines Piano und hängen vier Säbel, fünf Bajonette, Gemälde, Landkarten, neun Musketen. Bequem und stilvoll, aber nicht prunkvoll. Das beste ist der Ausblick durch die hohen Fenster. Der Wind kühlt die Räume. Im Kinderzimmer stehen die gleichen Betten wie im Schlafzimmer der Erwachsenen. Egalität!

Zwei Museumswärter passen auf, dass ich im Haus keine Fotos mache.

Im Raum, in dem Garibaldi starb, stehen gepolsterte Krücken und Medizin neben dem Bett. Vom Sterbebett aus blickt man auf das nahe Korsika. Kalender und Uhr zeigen den 2. Juni 1882 um 6:20 Uhr an.

Die Führung strebt jetzt konsequenterweise zum Grabstein im Garten, wo man wieder fotografieren darf. Auch hier ist Schlichtheit angesagt. Der General wünschte keinen Firlefanz. Seine Frau und Kinder haben wenigstens geschliffene Grabsteine mit Inschriften, Garibaldi hat sich unter einem unbehauenen Granitbrocken zur ewigen Ruhe gelegt.

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Und das war’s auch schon. Die Besuchergruppe wurde regelrecht durch das Haus gejagt. Bei der Gedenkstätte habe ich wesentlich mehr erfahren als im Museum, und das in entspannterer Atmosphäre.

Nachdem ich im Weißen Haus Garibaldis nicht so lange verweilen durfte, wie ich dem Ort gerne Ehre erwiesen hätte, weite ich meine Fahrradtour um die Insel aus. Bis ganz zur Südspitze Capreras komme ich über hügelige Straßen und Wege, und das letzte Stück zu Fuß. Eine Bucht ist schöner als die andere. Manche mit Sandstrand,

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andere mit Felsen,

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aber fast alle menschenleer.

Endlich finde ich ein schattiges Plätzchen für ein Picknick. Etwas schüchtern stupst mich plötzlich von hinten jemand an: ein Schwein.

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Da Garibaldi angeblich Tierfreund und Vegetarier war, lasse ich es leben. Ausserdem ist es ruhig und freundlich, passend zur Insel und zum ganzen Tag.

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Praktische Hinweise:

  • Nach Caprera geht kein Flugzeug und kein regelmäßiger Schiffsverkehr. Ihr müsst also von Sardinien mit der Fähre von Palau nach La Maddalena fahren. Die Fähre geht fast jede Stunde und kostet 9 Euro hin und zurück.
  • Nach Palau kommt man mit dem Zug aus jeder größeren Stadt Sardiniens.
  • Unterkünfte findet man in La Maddalena außerhalb der Sommersaison problemlos.
  • Überhaupt sollte man nicht gerade im Juli und August nach Sardinien fahren: überfüllt, ausgebucht, zu teuer und zu heiß. Ich war im Mai, und es war perfekt.
  • Beide Inseln sind wunderbar zum Wandern und Radfahren, wobei man zu Fuß näher an der Küste entlang gehen kann.
  • Ein gutes Fahrrad kostete 10 Euro pro Tag, aber für zwei Tage bekam ich es für 15 Euro. Der Laden an der Via Amendola (gleich gegenüber dem Fährhafen) vermietet auch Vespas und Quads. Telefon 0789-737606, E-Mail mgmega@tiscali.it. Es gibt ein paar Hügel auf der Insel, aber nichts, was man mit dem Fahrrad nicht überwinden könnte.
  • Angeblich gibt es auf La Maddalena einen Bus, der auch nach Caprera fährt. Da viele Besucher von La Maddalena nach Caprera fahren, dürfte es auch kein Problem darstellen, per Anhalter hin und zurück zu kommen.
  • Das kombinierte Ticket für beide Museen auf Caprera kostet 10 Euro bzw. 5 Euro für 18-25-Jährige. Wie so oft in Italien ist der Eintritt für Jugendliche und für Senioren (ab 65 Jahren) kostenlos.
  • Die Gedenkstätte ist nur von Donnerstg bis Sonntag und nur von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Das Wohnhaus Garibaldis hat von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 20 Uhr offen.
  • Sonnencreme und Hut nicht vergessen! Insbesondere auf La Maddalena gibt es kaum Bäume und kaum Schatten.
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Die deutsch-türkischen Beziehungen waren schon einmal besser

Das lief für das Osmanische Reich aber auch nicht so gut. Eine Allianz mit Großbritannien, Frankreich und Russland wäre möglicherweise besser gewesen.

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