Kiew – Tag 5/21 – Sonnenaufgang

Die Ukraine ist gegenüber der Mitteleuropäischen Zeitzone eine Stunde voraus. Das hat den Vorteil, dass die Sonne früher aufgeht, man aber länger schlafen kann, weil man ja in der anderen Zeitzone ist. Oder so. Ich kapiere es selbst nicht, zugegeben. Außerdem wecken mich jeden Morgen die Katzen, weil sie hungrig sind.

Jedenfalls sah es heute Morgen so aus:

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Kiew – Tag 4/21

Im Botanischen Garten habe ich heute ein Eichhörnchen getroffen, das so gar nicht scheu war, sondern geduldig für Fotos posierte.

Eichhörnchen 1Eichhörnchen 2Eichhörnchen 3

Und dann war da noch das Mädchen, das den Park nicht normal durchschritt, sondern ballerinamäßig durchtanzte. Wahrscheinlich werde ich sie demnächst bei einer Vorstellung des Nationalballetts sehen.

Ballerina 1Ballerina 2

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Kiew – Tag 3/21 – Tauben

Ach, müsste ich doch keine Fotos des Maidan Nesaleschnosti für diesen Blog machen, dann würde man mich vielleicht nicht als Tourist erkennen. Aber so kommt ein Mädchen mit zwei Tauben auf mich zu und fragt, woher ich bin.

„Deutschland“, sage ich, obwohl ich es besser wissen müsste.

„Oh, Deutschland! Aus Berlin, Hamburg oder München?“

Ich erkläre, dass Deutschland auch andere Städte und Regionen aufweist, hauptsächlich um sie von ihrem Drehbuch abzubringen. Aber sie spult ihr Programm ab wie ein Roboter, setzt mir Tauben auf den Arm, nimmt meine Kamera, macht ein paar Fotos.

Hinzu kommt ihr Kollege, ebenfalls mit zwei dummen Tauben. „Woher kommen Sie?“ „Aus Deutschland.“ „Oh, Deutschland! Aus Berlin, Hamburg oder München?“ Anscheinend arbeiten alle für die gleiche Taubenfirma, die nicht sehr kreativ ist. Er addiert seine zwei Tauben zu den bereits zwei überflüssigen Tauben.

Das Mädchen wird immer nerviger, sagt dass ich lächeln soll, dies und das machen soll. Menschen, die wie Roboter sind, wollen gerne dass alle anderen Menschen auch wie Roboter funktionieren. Das kennt Ihr ja aus der Arbeit oder der Ehe. Nur weil das Mädchen meine Kamera hält, werfe ich die Tauben nicht in die Luft, um ihnen zu zeigen, dass sie wegfliegen können. Der Platz heißt schließlich Unabhängigkeitsplatz.

Tauben

Als die beiden mir die Tauben abnehmen und die Kamera zurückgeben, rücken sie mit dem Motiv hinter dem Stunt heraus: Es geht , wie sich die Weitgereisten unter Euch schon gedacht haben, um Geld. „Kinder geben normalerweise 200 Hryvna, Erwachsene 300 Hryvna“. Das sind 11,50 €, wirklich zu viel für etwas, das ich weder wollte noch brauche.

Ich biete jedem der beiden Taubenzüchter 50 Hryvna an. „Das sind ja nur 2 €“, erklärt das Mädchen mir und den Lesern meines Blogs dankenswerterweise. „Ich arbeite hier auf Kommission, ich bekomme kein festes Gehalt. Ich bin Studentin“, jammert sie mit einer Leidensmiene, wie wenn Russland gerade einen Teil ihres Landes abgezwackt hätte.

„Ich bin auch Student„, erkläre ich und zeige, da das Portemonnaie schon offen ist, meinen Studentenausweis, stoße jedoch auf keine Sympathie. „Aber Sie sind ein alter Mann“, erwidert der Junge, der offensichtlich nicht viel vom Konzept des lebenslangen Lernens hält.

„Was studieren Sie?“, fragt das Mädchen.

„Geschichte. Deshalb bin ich eigentlich auf diesen Platz gekommen, um mich umzusehen und die Informationen zu lesen“, sage ich in der Hoffnung, dass sie merkt, wie ungelegen mir die columbidäische Gaukelei kommt.

„Ich studiere Medizin.“ Tja, hätte sie mal besser Jura studiert. Dann wüsste sie, dass Tauben-auf-den-Kopf-von-fremden-Menschen-Setzen keinen Fall von Artikel 205 Absatz 3 des ukrainischen Zivilgesetzbuches darstellt und deshalb keinen vertraglichen Vergütungsanspruch begründet.

Am Ende nimmt sie die 50 Hryvna, der Junge verzichtet stolz darauf. Vielleicht muss am Abend eine der Tauben in den Kochtopf.

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Kiew – Tag 2/21

Diese Säule solltet Ihr eigentlich erkennen:

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Genau, vor sechs Jahren sah es hier so aus:

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Wenn man durch das Zentrum von Kiew geht, stößt man überall auf Erinnerungen an die Euromaidan-Proteste.

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Aber dazu muss ich mich in den kommenden Wochen erst einmal selbst schlau machen, bevor ich darüber schreibe.

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Kiew – Tag 1/21

Weil ich während der kommenden drei Wochen in Kiew wahrscheinlich so viele Eindrücke sammeln werde, dass der daraus entstehen sollende Artikel sowieso zu lang für die meisten Leser wird, veröffentliche ich in der Zwischenzeit schon mal jeden Tag ein Foto aus der ukrainischen Hauptstadt. Praktisch so wie Instagraph oder wie das heißt, was die jungen Leute heutzutage machen.

Ich beginne mit dem Ausblick aus der Wohnung, auf die ich mitsamt zwei süßen Katzen aufpasse.

Wenn man abends ankommt, kann es ziemlich düster sein um diese Jahreszeit.

Hochhäuser im Nebel

Ich wohne ganz im Westen der Stadt, etwa 10 km vom Zentrum entfernt, aber durch die U-Bahn hervorragend angebunden. Ziemlich viele Hochhäuser, aber dazwischen stehen doch immer mal wieder ein paar schnucklige historische Gebäude oder Kirchen herum.

Aber wenn dann die Sonne scheint, bemerkt man die Vorzüge sowjetischer Stadtplanung: Egal wohin ich aus der Wohnung im 19. Stock blicke, überall wurden Grünflächen, Parks und Alleen hingebaut. Das ist auch viel sinnvoller als jedem Spießbürger einen Garten zu verkaufen, so das Land künstlich zu verknappen und zu verteuern, und es im Endeffekt 99% der Zeit brachliegen zu lassen. Hier hingegen kann das ganze Volk im nahen Grünen spazieren gehen, joggen, Schach spielen, Klimmzüge machen, Hunde ausführen und Eichkätzchen füttern.

Blick von Wohnung auf Kirche

Und jetzt ist Dezember, wo die meisten Bäume kahl sind. Man stelle sich dies in den freundlicheren Jahreszeiten vor!

Falls Ihr Kiew kennt, freue ich mich über Anregungen. Falls nicht, freue ich mich über Fragen.

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Fütterungszeit

Westpark in Aachen. Vormittags um 11 Uhr. Anfang Dezember, aber noch mild und sonnig genug, um die Jacke zu öffnen, ein Buch herauszuholen und für eine 30-minütige Zigarre zu verweilen.

Keti-Kikoshvili-Hangerweiher

Im Teich wäscht sich ein Mann, so etwa 45 Jahre alt. Sein volles schwarzes Haar und Bart, mit dem er sofort in die orthodoxe Mönchsakademie aufgenommen würde, werden ebenfalls intensiv gewaschen und gepflegt. Er trägt dicke Kleidung, eigentlich etwas zu warm für den Tag.

Vielleicht ist er noch zerfroren von der Nacht. Denn wer sich im öffentlichen Park wäscht, hat höchstwahrscheinlich kein Haus, keine Wohnung, kein Zimmer, nicht einmal hilfsbereite Freunde.

Aber eine zweite Unterhose hat er. Die wäscht er jetzt ausgiebig in dem Gewässer, das ich bisher nie für besonders sauber gehalten habe. Wenn ich nah am Wasser sitze, laufen manchmal Ratten vorbei. Aber man kennt das ja aus den Dokumentationen über den Ganges oder den Senegal: Schmutziges Wasser ist besser als gar kein Wasser.

Wir sind hier jedoch in Deutschland, einem schon übertrieben reichen Land.

Deshalb kommt jetzt ein Vater mit Kind auf dem Rücken und Einkaufsbeutel in der Hand. Unter den großen und wachen Augen des in diesem Moment lebenslange Verhaltensweisen lernenden Kindes nimmt der Vater ein Kürbiskernbrot und zwei Schrippen aus der Tüte und reicht das Frühstück den Enten. Dem Menschen, der ein paar Meter weiter seine Kleidung wäscht, bietet er nichts an.

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Filmkritik: „Donbass“

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Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges, könnte man den Film Donbass zusammenfassen, der mich mehr verwirrt als informiert hat. Allerdings in durchaus beeindruckender, teils verstörender, teils amüsanter Weise.

In 13 Episoden stellt Sergei Loznitsa das Leben in der umkämpften Ostukraine vor. Oder seine Vorstellung vom dortigen Leben. Oder die Vorstellung der Separatisten. Oder die Vorstellung, von der die Ukraine will, dass wir sie von den Separatisten haben. Oder noch komplizierter. Immer wieder geht es um falsche Verdächtigungen, doppeltes Spiel und dreiste Lügen.

Wenn man nicht schon etwas über den Krieg in der Ukraine gelesen hat, wird man anhand des Films kaum etwas verstehen. Was einem aber eindringlich bewusst wird, ist dass es in einem europäischen Land seit 2014 wieder Krieg gibt. Dass man den Rest Europas daran überhaupt erinnern muss, ist Teil des Problems.

Der Film ist nichts für zarte Gemüter, denn einige Episoden sind arg grausam, wie das Lynching oder das Massaker im Schminksalon. Andere hingegen sind komisch, wie der Checkpoint, an dem Soldaten hoffen, von den Omas etwas Speck abstauben zu können. Oder die verzweifelt an ihren Telefonen hängenden Männer im Gefängnis.

Was den Film trägt, sind die durchweg guten Schauspieler, von denen man nie weiß, ob sie überhaupt Schauspieler, Komparsen oder einfach sie selbst sind und die Kamera gar nicht bemerken.

Ich war zwar noch nicht in der Ukraine – ein Mangel, der demnächst behoben wird -, aber viele der Charaktere in Donbass sind mir so oder so ähnlich in meinen Jahren in Osteuropa begegnet. Einschließlich der Russen, die einen mit „Hitler kaputt“ begrüßen, sobald sie merken, dass man aus Deutschland ist:

Habt Ihr für meinen bevorstehenden Aufenthalt in der Ukraine noch weitere Film-Empfehlungen?

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Unser Zwangsarbeiter

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Vor kurzem weilte ich mal wieder bei meinem Vater in Bayern, wo es sehr formlos zugeht und man die Füße auf den Tisch legen und in der Wohnung rauchen darf. Wir waren beide in die Lektüre vertieft, mein Vater in die der Süddeutschen Zeitung, ich in die eines Buches über das Ende der Sowjetunion, als ich mir eine Zigarre aus der auf dem Wohnzimmertisch stehenden Schatulle angelte.

Es ist ein Holzkästchen, filigran verarbeitet, mit Intarsien aus Bernstein, wie ich immer annahm, das sich aber beim näheren Hinsehen als Stroh herausstellte. Die Schatzkiste ist schon ein bisschen abgegriffen, aber man erkennt, dass sich hier liebevolle Handarbeit mit auf generationenübergreifende Qualität angelegter Handwerkskunst gepaart haben.

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„Schöne Kiste“, sagte ich anerkennend, zum einen weil sie mir wirklich gefällt, zum anderen weil Eltern gerne hören, dass einige der Gebrauchsgegenstände, für deren Erwerb sie einst am Fließband standen oder in den Kohlenschacht einfuhren, von den nachfolgenden Generationen geschätzt werden anstatt unmittelbar nach dem Ableben des Ersterwerbers dem Wertstoffhof oder der Tante, die Nachlässe auf dem Flohmarkt verkauft, zugeführt werden.

„Die Kiste stammt von Dimitri“, sagte mein Vater kryptisch. Wir haben zwar Schreiner und andere Holzkünstler, aber keinen Dimitri in der Verwandt- oder Bekanntschaft. Meine Verwunderung bemerkt habend, fuhr er fort: „Das war ein sowjetischer Kriegsgefangener, der auf dem Bauernhof meiner Großeltern im Bayerischen Wald lebte.“

Das klingt so nach Urlaub auf dem Bauernhof, aber mich täuscht das nicht: „Also ein Zwangsarbeiter?“

„Ja, gewissermaßen“, gibt mein Vater zu, der, und das muss man bei Angehörigen dieser Generation ja mittlerweile lobend erwähnen, durchaus kein Geschichtsrevisionist ist.

Wir reden uns beide ein, dass die Familie nichts dafür konnte, weil die Kriegsgefangenen vielleicht als Zwangsarbeiter zugewiesen wurden, und dass es Dimitri, von dem sonst gar nichts bekannt ist, auf dem Bauernhof bei Kötzting sicher besser ging als in einem Bergwerk, einem Rüstungsbetrieb oder einem Konzentrationslager. Aber schockierend finde ich es schon. Wenn sogar eine kleine Bauernfamilie mit ein paar Kühen einen Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs hatte, wieviele andere Familien und Betriebe im Deutschen Reich hatten dann welche? Ich glaube, die Keksprinzessin ist nicht allein mit ihrer Unwissenheit.

Und wie immer beim Thema Nationalsozialismus: Je mehr man darüber liest, umso schlimmer wird es. Erstens wurden nicht nur Kriegsgefangene zur Arbeit verpflichtet, sondern auch Millionen von osteuropäischen Zivilisten ins Deutsche Reich verschleppt.

Zweitens führte Deutschland den rassistisch motivierten Vernichtungskrieg gegen sowjetische Kriegsgefangene weiter. Diese wurden systematisch unterernährt und schlechter behandelt als westeuropäische oder nordamerikanische Gefangene. Etwa die Hälfte von ihnen kam in deutscher Gefangenschaft ums Leben.

Drittens wurden die überlebenden sowjetischen Kriegsgefangen nach ihrer Befreiung im Mai 1945 in der Sowjetunion stigmatisiert, als Verräter und Kollaborateure betrachtet und kamen oft erneut in Arbeitslager. Die Gefangenschaft war ein lebenslanger Makel und wurde sowohl öffentlich als auch in den Familien tabuisiert.

Und viertens verweigerten die Nachfolgestaaten des Deutschen Reichs bis in die 1990er Jahre jede Entschädigung für zivile Zwangsarbeiter. Erst im Jahr 2000 wurde die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ für diese Aufgabe gegründet. Da waren die meisten schon verstorben. Die Kriegsgefangenen wurden überhaupt nie entschädigt.

Was wohl aus Dimitri geworden ist?

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Zwei Kätzchen in Kiew

Nachdem ich den vergangenen Winter in Kanada verbracht habe, würde man es mir verzeihen, wenn ich dieses Jahr ein wärmeres Ziel ausgesucht hätte, wie Zypern oder Ceylon. Aber dann erhielt ich einen Anruf von zwei Kätzchen in der Ukraine, denen ich nicht widerstehen konnte.

Stella & Stuart

Stella und Stuart sind erst fünf Monate alt, ich übernehme also eine viel größere Verantwortung als bei der Pflege von erwachsenen Katzen. Sie befinden sich noch in den prägenden Monaten, und ich werde ihnen ein gutes Beispiel sein müssen: gesunde Ernährung, fleißig studieren, früh zu Bett gehen und ein rundherum anständiger Lebenswandel.

Ich freue mich besonders über diesen Auftrag, weil es nur selten Housesitting-Angebote aus Osteuropa gibt, obwohl ich gerne mehr Zeit dort verbringen würde. Und in der Ukraine war ich noch nie, es wird also alles neu und spannend für mich!

Vom 14. Dezember bis 5. Januar werde ich in Kiew sein, und danach habe ich hoffentlich noch Zeit, ein bisschen mehr von der Ukraine zu sehen. Weil ich mit dem Zug oder per Anhalter fahre, werde ich auf der Hinreise auch einen Halt in Lemberg einlegen.

Für diejenigen, die sich in Kiew auskennen, die Wohnung ist in der Nähe der Metro-Station Schytomyrska. Mir ist aufgefallen, dass das ziemlich in der Nähe von Babi Jar liegt, was schon ein grausamer Gedanke ist. Aber andererseits studiere ich Geschichte mit einem besonderen Interesse am 20. Jahrhundert und an Osteuropa, so dass ich mich langsam an das gewöhnen sollte, woran man sich nie gewöhnen kann.

Mit Katzen, Schreiben und Studium werde ich ziemlich beschäftigt sein, aber falls jemand aus Kiew mitliest, würde ich mich über einen Kontakt freuen. Schließlich will ich in den freien Stunden nicht nur planlos durch die Stadt laufen, sondern vor allem etwas über das Leben in der Ukraine erfahren, über Geschichte und Politik diskutieren, und am Ende mehr verstehen als am Anfang.

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Und jetzt muss ich Kyrillisch lernen…

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Möchtest du eine Postkarte?

Ihr wärt überrascht, herauszufinden, wie schwer es vielerorts geworden ist, noch Postkarten zu finden. Aber für Euch, geschätzte Leserinnen und Leser, mache ich mich auf die Suche nach diesen Relikten vergangener Zeiten.

€10,00

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„Alleinsein“

„Ich will einfach mal ein bisschen allein sein“, sagte die Freundin, bevor sie sich durch außerordentliche Kündigung zur Ex-Freundin machte und sogleich ins Fitness-Studio rannte, einen Stadtbummel machte, zum Abendessen in ein belebtes Restaurant ging, sich zum Spanischkurs anmeldete, einen Flug nach Lissabon buchte, dazwischen whatsappte und instagrammte und am Abend noch Mama, Schwester, Freundinnen und Kolleginnen anrief, um von ihrem Tag zu erzählen.

Ich ging währenddessen allein durch den Wald. Das war immer etwas, das die Ex-Freundin, die jetzt „Zeit für sich selbst braucht“, ganz sonderbar fand.

Andres Moser forest WHW

Vielleicht sollte man – wenn überhaupt – nur eine Beziehung eingehen mit einem Menschen, der wirklich allein sein kann. Bei allen anderen weiß man nie, ob man nicht nur zum Zeitvertreib während einer Krise dient. Wenigstens dauerte diese aufgrund meiner geschätzten Analysefähigkeit und meinen einleuchtenden Ratschlägen nicht zu lange. Gern geschehen.

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