Fütterungszeit

Ich zog die Flasche aus der Tasche. „Gib her“ rief der Bär, und im Nu war sie leer.

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(Fotografiert in Nowy Afon, Abchasien. – Schöner ist es allerdings, Bären in freier Wildbahn zu treffen.)

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Persische Architektur in Georgien

Tiflis ist geprägt von so vielen verschiedenen architektonischen Stilen, dass man es kaum schafft, nur einen davon auf ein Foto zu bannen. Hier drängen sich aus dem Hintergrund noch der Turm einer Moschee aus Backsteinen und von der Seite ein herrlicher Holzbalkon ins Bild.

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Das Gebäude mit der blauen Fassade, das an Moscheen in Isfahan erinnert, ist das Orbeliani-Bad. Als ich in Tiflis war, wurde es leider gerade renoviert oder umgebaut und war daher geschlossen.

Alexander Puschkin schrieb nach einem Besuch:

Von Kind an habe ich weder in Russland noch in der Türkei etwas Herrlicheres erlebt als das Bad von Tiflis.

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Stillleben mit BMW

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(Fotografiert in Tiflis, Georgien.)

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Zutritt nur mit Hut

Die Bewohner der Insel Taquile im Titicaca-See waren von den stillosen und unzureichend behüteten Besuchern so schockiert, dass sie am Aufgang vom Hafen eine Steinskulptur errichteten, die signalisieren soll, wie man sich dort zu kleiden habe.

Taquile nur mit Hut

Als kultursensibler Reisender habe ich dem natürlich entsprochen.

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Schuhfetisch?

Wenn Ihr jemanden kennt, der/die von Schuhen besessen ist, und ihn/sie heilen wollt, könnt Ihr es mit diesem Foto versuchen. Es relativiert so einiges.

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(Das Foto entstand in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, Israel.)

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Beinfreiheit

Viele Reisende zerbrechen sich den Kopf darüber, mit welcher Fluglinie sie fliegen, welche Klasse sie buchen und welchen Sitzplatz sie reservieren. Als Begründung dafür, dass sie für den gleichen Flug 600 Dollar mehr ausgeben, führen sie dann oft 2 bis 20 cm zusätzliche Beinfreiheit an. Bei wirklich großen Menschen kann ich das verstehen, aber die meisten Passagiere bräuchten eher mehr Bauch- als Beinfreiheit.

Ich nutze eine andere Strategie, um meine Beine ausstrecken zu können: Ich bin freundlich (das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch durch das abweichende Verhalten von 90% der Kunden wird es zu etwas Besonderem) und versuche nicht, Sperrgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Meist habe ich nur ein Buch und ein Notizbuch bei mir. Noch nie habe ich nach einem besonderen Sitzplatz gefragt, doch immer wieder druckt mir das Bodenpersonal eine Bordkarte mit den begehrten Sitzen neben den Notausgängen aus oder einer der Stewards fragt mich, ob ich nicht einen dieser freien Plätze einnehmen will. Anscheinend mache ich den Eindruck, wie wenn ich im Unglücksfall ruhig bliebe und helfen könnte und würde. Zurecht.

Auf einem Flug mit LATAM von Iquique nach Santiago de Chile bekam ich einen Platz mit mehr als 2 m Beinfreiheit.

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Das ist besser als erste Klasse.

Diese Strecke dürfte auch für den Piloten eine reizvolle und relativ leicht zu navigierende Route sein. Man fliegt schnurstracks die Pazifikküste nach Süden und blickt auf sich an Steinküsten brechenden und an Sandstränden auslaufenden Wellen von mehreren Metern Höhe.

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Wenn man nach 1700 km Santiago sieht, biegt man nach Osten ab, und schon wieder ist ein Flug geschafft. Aber wahrscheinlich navigiert man so überhaupt nicht mehr. Zum Notlanden verläuft direkt unter einem die Panamericana-Autobahn noch schnurstrackser als die Küste.

Die im Falle der Notlandung ebenfalls zu Handlangerdiensten herangezogen würdenden Passagiere neben mir sind übrigens weit weniger vertrauenserweckend als ich. Ein 70-jähriger Mann fliegt sichtlich dem Tod entgegen. Der Junge schräg vor mir scrollt auf seinem Handy durch Fotos von attraktiven Mädchen (jetzt weiß ich, wofür dieses Instagraph da ist und dass ich es wirklich nicht brauche) und fragt, als er mal eine Nachricht schreibt, ob man „zoologischer Garten“ mit Z oder mit C schreibt. Sein Kumpel haut ihm dafür eine rein und nennt ihn „Idiot“. Dennoch schenken ihm die Stewards fleißig „cerveza“ mit C und Z nach.

Eine andere Strategie zum Erhaschen eines guten Platzes ist Geduld. Jedes Mal wieder frage ich mich, wieso die Leute Schlange stehen oder sich gar drängeln, um ins Flugzeug zu kommen. Es ist doch Platz für alle da. Und wenn nicht, bekommt man eine prächtige Entschädigungszahlung und eine Hotelübernachtung in Chicago oder in Paris.

Ich bleibe also immer seelenruhig im Warteraum, gönne mir ein Eis, lese, beobachte und schreibe, während sich alle anderen stressen. Auf einem Flug von Tel Aviv nach München tat ich mal das Gleiche, stand als letzter auf und präsentierte freundlich und cool meine Bordkarte.

Der Mann von El Al zerriss sie.

„לעזאזל“, wie man in Israel sagt. Sollte ich doch mal zulange gewartet haben?

„Tut mir leid, diese Bordkarte ist nicht mehr gültig. Ich drucke Ihnen eine neue aus“, erklärte der junge Mann, und das tat er auch. Etwas verwundert stieg ich in das Flugzeug und merkte erst dort, dass er mir einen Platz in der ersten Klasse zugewiesen hatte. Da konnte ich die vier Stunden mal so richtig gut schlafen und verpasste besseres Essen als ich sonst verpasse.

Jetzt bin ich aber noch immer in Chile. Rechts sinkt die Sonne in den Pazifik. Links glitzern die Gipfel der Anden, an denen immer wieder Flugzeuge zerschellen und die Passagiere sich dann gegenseitig essen müssen.

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Beim Gedanken daran nehme ich mir vor, keine Witze über Dicke mehr zu machen.

Wie wenn LATAM erraten hätte, dass ich diesen Artikel schreiben würde, bekam ich beim Rückflug zwei Wochen später übrigens einen Sitzplatz in der ersten Reihe.

Links:

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Er war ein Fußball-Fan

Fussball Friedhof

(Fotografiert auf dem Friedhof von Prilep, Mazedonien.)

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Unsortierte Gedanken (14)

  1. Wenn ich mal in einer Quiz-Show bin, nehme ich als Telefonjoker den Typen, der die Wikipedia geschrieben hat.
  2. Was passiert eigentlich wenn keine Partei über die 5%-Hürde kommt?
  3. Wenn ich all die gut gemeinten Ratschläge befolgt hätte, die ich bekommen habe, wäre mein Leben wesentlich langweiliger.
  4. In einem Artikel über die besondere Art der Literaturförderung in Rumänien erwähnte ich das Buch des Flüsterns von Varujan Vosganian. Danke an den Carl-Hanser-Verlag für die Übersendung eines Rezensionsexemplars! 
  5. Dieser Bericht und insbesondere die Fotos machen Lust auf Tiflis. Die verfallenden Villen, denen man auch in Rumänien überall begegnet, wirken auf mich schöner als herausgeputzte oder klinisch saubere Städte. 
  6. Nach meiner Südamerika-Reise habe ich eine Packung ungenützter aber nicht generell unnützer Anti-Malaria-Medizin abzugeben.
  7. Andererseits, dank des Klimawandels werden wir auch in Europa bald Malaria-Mücken haben.
  8. Auch in Kolumbien gibt es Neo-Nazis
  9. Aber so weit muss man gar nicht sehen. Die Katholische Kirche in Deutschland leidet so sehr unter dem Priestermangel, dass sie über diesbezügliche „Fehltritte“ hinwegsieht.
  10. In ganz Saudi-Arabien gibt es nur ein Kino.
  11. Überall in Lateinamerika hörte ich das Lob „oh, Dein Spanisch ist aber gut“. Ich nahm es immer als persönliches Kompliment auf, bis mir klar wurde, dass mich nur der bolivianische Akzent so kultiviert erscheinen läßt.
  12. Aberglaube bringt Unglück.
  13. Im 18. Jahrhundert versuchten katholische Priester in Mexiko, den Nahuatl-Gott Quetzalcoatl zu Missionierungszwecken einzusetzen, indem sie behaupteten, er sei in Wirklichkeit der Apostel Thomas, der vor den Spaniern in die Neue Welt gekommen sei, um die Indianer zu bekehren.
  14. Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco liest sich wie eine Satire auf Dan Browns Sakrileg, nur dass ersteres vor letzterem erschien.
  15. Danke an Silke Wahle für die Übersendung von Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand von Timothy Snyder.
  16. Danke an den dtv-Verlag für ein Rezensionsexemplar der deutschen Neuübersetzung eines meiner Lieblingsromane, Martin Eden von Jack London. 9783423280815
  17. Meine persönliche Erfahrung, dass seit dem Brexit eine drastisch steigende Zahl von Briten die deutsche Staatsbürgerschaft möchte, wird vom Bundesverwaltungsamt bestätigt. Zu deren erhöhtem Arbeitsaufkommen trage ich mit meinen Ratschlägen wahrscheinlich wesentlich bei.
  18. Begeistert stelle ich fest, dass es Ritter Sport jetzt auch in 250-Gramm-Tafeln gibt. Das reicht ja für den ganzen Tag.
  19. Dieser Vortrag zur Raubkunst ist interessant, spannend und lebendig.
  20. Wenn Ihr am 14. Juli bei der Parade zum französischen Nationalfeiertag seit, achtet auf die Pioniere der Fremdenlegionsoldiers-from-the-foreign-legion-d19f-diaporama
  21. In dem Artikel über Humberstone erwähnte ich das Buch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Erst jetzt erfuhr ich, was mir als Kind nicht auffiel: Das Buch ist eine Gegengeschichte zu nationalsozialistischen Bilderwelten, zu zeitgenössischen Fehlinterpretationen des Darwinismus, zur NS-Rassenpolitik und zu arischen Atlantismythen.
  22. Ich fahre ja wirklich gerne mit dem Zug. Aber wenn der Fernbus nur ein Drittel der Bahnfahrt kostet, dann werde ich eben mit dem Flixbus nach Berlin fahren.
  23. Ich habe große Bewunderung für Menschen, die Word-Dokumente formatieren können.
  24. Es ist schön, dass Königin Elizabeth II. die Opfer des Feuers im Grenfell Tower in London besucht. 96518230_hi040085267
  25. Aber wenn man in einem Palast mit 775 Zimmern wohnt, könnte man einigen der jetzt Obdachlosen eigentlich eine Unterkunft anbieten, oder?
  26. Die verheerenden Waldbrände in Portugal gingen mir noch näher ans Herz, weil ich erst vor einigen Wochen in diesen Wäldern spazieren ging – und dabei schon die leicht brennbare Monokultur aus Kiefern und Eukalyptusbäumen feststellte – und weil ich über Couchsurfing von einem Feuerwehrmann und seiner Schwester herzlich aufgenommen wurde. Er ist jetzt im Einsatz.portugalfire_2634093k
  27. Fremdenfeindlichkeit beschränkt sich nicht auf Nichtdeutsche. Diese Erfahrung, die Norddeutsche beim Urlaub in Bayern machen, erlebten auch schon die deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier gibt es das Buch darüber.

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Geburtstagsreise 2017: Kaukasus

Wer will an seinem Geburtstag zuhause sitzen, wo ständig die Tür klingelt und sich gegenseitig eifersüchtig ankeifende Verehrerinnen ungefragt Kuchen und Blumen vorbeibringen? Wer will ohne Unterlass Anrufe von Verwandten entgegennehmen, aus deren Fragen hervorgeht, dass sie nicht einmal meinen Blog lesen? Wer will der Großfamilie zum zehnten Mal erläutern, dass die Welt jenseits eines 100 Kilometer weiten Radius um den zufälligen Geburtsort nicht böse und gefährlich, sondern interessant und freundlich ist? Ich nicht.

Deshalb pflege ich die Tradition der Geburtstagsreise. Mindestens am, noch besser um den 6. Juli herum bin ich in einem Land, in dem mich niemand kennt und in dem mich niemand erreicht. Falls ich überhaupt feiere, dann mit Zufallsbekanntschaften.

Dieses Jahr kommt die Besonderheit hinzu, dass ich derzeit bei meinem Vater in Bayern weile, der mich nach nur zwei Wochen schon wieder aus dem Haus haben will und deshalb großzügig anbot: „Flieg hin, wo Du willst. Ich zahle Dir den Flug.“ So etwa wie man den nicht nach Afghanistan abschiebbaren Familien Geld bietet, damit sie freiwillig verschwinden. Dennoch ein praktisches Geburtstagsgeschenk.

Keine Sekunde musste ich mit der Entscheidung zögern, denn schon seit langem empfinde ich eine Faszination für den Kaukasus, die Region, wo sich Europa und Asien leise und unaufgeregt treffen, während die Augen der Welt auf Istanbul gerichtet sind. Aber Istanbul existiert nur, weil das Schwarze Meer halt einen Abfluss braucht. Der wirkliche Grenzbereich Eurasiens liegt in Georgien,

Kloster Georgien

Armenien

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und Aserbaidschan.

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Vom 30. Juni bis zum 18. Juli werde ich also herausfinden, ob meine Faszination berechtigt ist. Da ich noch keine Ahnung habe, wo ich im Herbst hinziehen werde, halte ich auch diesbezüglich die Augen offen. Vielleicht komme ich eines Abends erschöpft in eine mir bis dahin völlig unbekannte Stadt, von der ich so verzaubert sein werde, dass sie mir die Entscheidung abnimmt. Nur Sprache und Schrift bereiten mir ein bisschen Kopfzerbrechen.

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Und weil manche Leser sich jetzt fragen „was zum Henker ist ein Kaukasus??“, hier die Landkarte:

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Für eine kleine Spende gibt es statt der Land- sogar eine Postkarte von der Reise.

(To the English version.)

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Zurück in Europa

Nach 18 Monaten in Südamerika bin ich wieder in Europa. Zu den Gründen hatte ich schon ausführlich geschrieben, hier meine ersten Eindrücke:

  1. Ihr könnt Euch mein Glücksgefühl nicht vorstellen, als ich in Funchal auf Madeira zum ersten Mal europäischen Boden betrat. Ankunft Funchal.JPGGrün, angenehmes Klima, wunderbare Architektur, kein Lärm mehr, nach eineinhalb Jahren zum ersten Mal Zeitungen auf Deutsch und Englisch, große Parks. grün Funchal.JPG
  2. Überhaupt hat mich Portugal beeindruckt. Allein in Sintra habe ich mehr verschiedene architektonische Stile gesehen als in ganz Südamerika. Pena mit Burg.JPG
  3. Wenn man mit dem Zug oder Auto durch Deutschland fährt, sieht es idyllisch aus. Grün, herausgeputzte Dörfer, hügelig, bewaldet, nicht alle fünfzig Meter eine Werbetafel.
  4. Aber Deutschland kommt mir auch zu herausgeputzt vor. Alles ist klinisch rein, täglich antiseptisch geputzt, selbst die Straßen so sauber, dass man davon essen könnte, Hecken und Rasen akkurater geschnitten als meine Haare, die Autos sauberer als mein Schreibtisch.
  5. Dabei fehlt das Leben. Man kann durch ganze Dörfer oder Wohnviertel spazieren, ohne einen Menschen auf der Straße, im Garten oder im Park zu sehen.
  6. Schön ist aber, dass man stundenlang durch den Wald spazieren kann, ohne dass einen Hunde anfallen.
  7. Südamerikaner, die schon mal in Deutschland gewesen waren, hatten mich manchmal gefragt: „Wieso gibt es bei Euch keine Kinder?“ Jetzt verstehe ich das. Es gibt wirklich wenig Kinder in Deutschland, und die wenigen verstecken sich anscheinend in ihren Zimmern.
  8. Meine Couchsurfing-Gastgeberin in Portugal stellte die vollen Einkaufstüten vor der Haustür ab, und wir mussten nochmal ums Eck, um weitere Tüten aus dem Auto zu holen. „Soll ich auf die Tüten aufpassen?“ fragte ich. „Nein“, lachte Joana, „Du bist jetzt wieder in Europa. Die können da stehenbleiben, kein Mensch klaut hier etwas.“
  9. Der größte Luxus ist es, wieder ohne Unterbrechungen durch Hundegebell/Musik/Feuerwerke/Prozessionen/Geschrei/Hupkonzerte jede Nacht durchschlafen zu können.
  10. Am ersten Tag gönnte ich mir eine Currywurst und ein MezzoMix, beides kulinarische Genüsse, die es noch nicht um die Welt geschafft haben. Um richtig in Deutschland anzukommen, muss ich mir aber noch einen Döner gönnen.
  11. Warum sind in Deutschland alle Restaurantportionen ausreichend für zwei normal essende Menschen? Das ist ja fast wie in Cochabamba.
  12. Aus Antigua habe ich noch ein paar Ostkaribische Dollar übrig, die umzutauschen sich nicht lohnt. Falls jemand unter meinen Lesern Münzen und Scheine aus fernen Gefilden sammelt, möge er sich melden. av_b
  13. Was ich am meisten an Südamerika vermisse, ist dass man dort fast zu jeder Uhrzeit aus dem Haus gehen konnte und im Umkreis von 500 Metern von Hamburgern, frisch gepressten Fruchtsäften, Hackfleisch, Glühbirnen, Notizblöcken zu Toilettenpapier alles bekam, was man brauchte. In Deutschland hingegen muss man Einkaufen zeitlich und örtlich planen wie einen Feldzug.
  14. Apropros Feldzug: Meine beiden Eltern merken, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, und haben mich verspätet mit der Ahnenforschung bezüglich unserer Familie beauftragt. Obwohl ich schon in 55 Ländern war, kam dabei ans Tageslicht, dass die Angehörigen der Großelterngeneration Gegenden gesehen haben, in denen selbst ich noch nicht war: Sie überfielen Norwegen, Polen, Russland und Nordafrika und waren in Kriegsgefangenschaft in den USA und in Jugoslawien. Zwei Großonkel sind in die USA ausgewandert. Lazarett Polen.jpgIn den nächsten Monaten werde ich also auch immer mal wieder über meine Familie schreiben, soweit ich die Nachforschungen für interessant halte. Vielleicht stehen ja auch andere vor der Frage, an welche Archive man sich wendet und wie man systematisch vorgeht.
  15. Außerdem würde mich interessieren, die „Reiserouten“ meiner Großväter im Zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren und sie nachzureisen, um zu erfahren und beschreiben, wie sich Europa in nur zwei Generationen verändert hat.
  16. Aber die nächsten paar Monate werde ich vorübergehend an einem geheimen Ort in Deutschland verbringen, um die Erlebnisse der letzten paar Jahre zu Papier zu bringen. Schreibtisch 2017.JPG
  17. Es ist schön, wieder in einem Haus mit Tausenden von Büchern zu wohnen.
  18. Ein emotionales Heimatgefühl stellt sich bei mir aber nicht ein. Ich bin zwar froh, in Europa zu sein, aber wenn ich nach Jahren der Abwesenheit wieder nach Bayern komme und sehe, dass alles genauso ist wie vor 2, 5 oder 7 Jahren, dann bestärkt das eher meine Gewissheit, hier nichts verpasst zu haben.
  19. a26b4a41ccd58c305a65401c14f3eff0Nach eineinhalb Jahren in Südamerika nach Deutschland zurückzukehren, ist, was die Attraktivität der Mitmenschen angeht, etwas enttäuschend. Und das ist noch milde ausgedrückt. Schon allein deshalb könnte Deutschland mehr Einwander(innen) vertragen.
  20. Toll ist aber, wie lange es abends hell ist! Um den Äquator herum ist ja Sommer wie Winter um 18 Uhr Schicht im Schacht, und eine lange Dämmerung gibt es auch nicht.
  21. Ein freudscher Verleser am Flughafen in Frankfurt: Statt „Weiterreise mit der Bahn“ lese ich „Weltreise mit der Bahn„.
  22. Manchmal träume ich noch auf Spanisch. Hoffentlich werde ich es nicht allzu schnell verlernen.
  23. Außerdem, liebe Europäer, was soll denn diese Unsitte, ohne Hut aus dem Haus zu gehen? 10d3b5995f0d1fa59a50ac49d8607ffdSelbst die Kinder in Südamerika haben mehr Stil.
  24. So, jetzt muss ich bald meine Geburtstagsreise an einen noch nicht bekannten Ort planen.

(Read this article in English.)

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