
Fotografiert in Copacabana am Ufer des Titicaca-Sees in Bolivien.

Fotografiert in Copacabana am Ufer des Titicaca-Sees in Bolivien.
In dem Film Spotlight wurde die Studie von Richard Sipe zitiert, nach der mindestens 6% aller katholischen Priester pädophil sind und dies ausleben. Die Recherchen des Boston Globe bestätigten das, und in meiner Filmbesprechung stellte ich die Frage, wieso dies in Deutschland anders sein sollte.
Bestätigt wurde die Zahl jetzt in Australien. In den vergangenen 30 Jahren haben dort 7% der katholischen Priester Kinder sexuell missbraucht. Und nicht nur Priester, sondern auch Ordensangehörige, sowohl Mönche als auch Nonnen, und Nichtgeweihte.
Da weder die USA noch Australien so wahnsinnig kulturell verschieden von Deutschland sind, stelle ich erneut die Frage: Warum sollten es in Deutschland weniger sein? Das wären aktuell zwischen 850 und 950 Priester. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Fälle auch in diesen Recherchen nie ans Tageslicht kamen, und dass die meisten Priester mehrere Kinder missbrauchten oder vergewaltigten, manchmal Dutzende im Lauf ihrer Karriere. Die Zahl der Opfer liegt also weit höher.
Wenn man sich nur die bekannt gewordenen Fälle ansieht, wird deutlich, dass es um ein weit verbreitetes Verhalten, das innerkirchlich kaum geheim gehalten werden kann, und ein systematisches Vertuschen geht. Dabei liegen die Zahlen der Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Deutschland weit hinter den tatsächlichen Fällen, weil es keine Anzeigepflicht gibt, und weil die Verjährungsfristen relativ kurz sind. In Deutschland macht sich strafbar, wer einen Raub, eine Brandstifung oder eine Geldfälschung nicht anzeigt (§ 138 I StGB), aber wer von einer fortgesetzten Kindesmisshandlung weiß, kann darüber straflos schweigen. Dazu kommt, wie in allen Rechtskreisen, die Scham der Opfer und die Angst, dass einem nicht geglaubt werde.
Man muss es so deutlich sagen: Die größte Gefahr für Kinder in Deutschland geht nicht von Terroristen, freilaufenden Wölfen oder Schluckimpfungen aus, sondern lauert in katholischen Kirchen, Schulen, Kindergärten, Internaten und Jugendgruppen. Wenn sich ein neuer Träger für ein Kinderheim oder eine Schule bewürbe und zugäbe, dass mindestens 6% seiner Mitarbeiter pädophil sind, würde er niemals eine Zulassung als Schulträger erhalten.

(Dieser Artikel erschien auch im Freitag. – To the English version of this article.)
Woran The Hateful Eight scheiterte, das gelingt Hell or High Water: die Wiederbelebung des Westernfilms. Das macht man eben nicht mit bluttriefender Gewalt oder mit Schauspielern aus dem Handbuch der Klischees, sondern mit starken und gut gespielten Charakteren und mit dem, was einen Westernfilm ausmacht, nämlich Landschaftsaufnahmen. Ob Prärie oder Kleinstadt, hier wird etwas aus der Umgebung gemacht, die bei Quentin Tarantino noch durch ein Kammerspiel vergeudet wurde.
Es ist ein Film über Bankräuber, also wird natürlich hin und wieder geschossen. Aber hier ist man keinem überflüssigen und gehirnlosen Kugelregen ausgesetzt wie in anderen Möchtegern-Westerns. Hell or High Water ist sogar ziemlich lustig, ohne dass es ins Lächerliche abgleitet.
Hoffentlich wird der Film ein kommerzieller Erfolg, damit sich wieder mehr Regisseure und Produzenten an Western-Filmen versuchen anstatt an der 13. Verfilmung irgendeines dämlichen Comics.
Mit der balkantypischen Kappe und dem herabhängenden Schnurrbart ist es schon fast zu viel der Stereotype, aber so sieht Kunst in Montenegro aus.
Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den Köpfen von der Osterinsel, nicht wahr?
(Fotografiert im Garten des Winterpalasts in Podgorica, Montenegro.)
Wenn Du das hier liest,
Und jetzt genieße Deinen Tag!
Bolivien hat anscheinend die weltweit besten Abkommen zum geistigen Eigentum ausgehandelt (nur im Iran fand ich eine ähnliche Situation vor, aber das Land ist keine Vertragspartei der Berner Übereinkunft). Respekt für die Superjuristen, die das hinbekommen haben!
In Bolivien erhält man jeden Film auf DVD, und zwar zeitgleich mit dem Kinostart, manchmal schon vor der Premiere.
Die Verbreitung des Kulturguts erfolgt dezentralisiert durch selbständige Verkäufer, die Obstkisten voller DVDs an der Straßenecke auspacken oder die Filme aus dem Kofferraum ihres Autos verkaufen. Es ist erstaunlich, dass Bolivien für seine kleinen und mittelständischen Unternehmer das Vertriebsrecht aushandeln konnte, obwohl die großen Hollywood-Studios ansonsten gerne alles selbst kontrollieren.

Jede DVD kostet etwa einen Euro. Vergleicht das mal mit den Eintrittspreisen im Kino oder dem, was Amazon verlangt, und erneut wird das bolivianische Verhandlungsgeschick deutlich.
Dazu kommt ein unübertroffener Service. Er nennt sich DVD-on-demand: wenn der Verkäufer an der Ecke den Film, den Ihr wollt, nicht vorrätig hat, schreibt Ihr den Titel auf einen Zettel und morgen – gleiche Zeit, gleicher Ort – hat der Verkäufer den gewünschten Film für Euch parat. Das zeigt, dass sogar die Tante-Emma-Vertriebspunkte ausgezeichnete Verbindungen zu allen Filmverleihen weltweit haben.
Einer der besten Aspekte meiner Kindheit war, dass es immer genug Bücher zum Lesen gab.
Meine Helden waren dabei nie Prinzen oder Prinzessinnen, Zauberer oder Ritter, Feuerwehrmänner oder Astronauten. Es waren auch nicht die Cowboys, die Räuber oder die Polizisten.
Es gab drei Berufsgruppen, mit denen ich mich identifizierte: Landstreicher, Reporter und Privatdetektive. In dieser Reihenfolge.
Die ersten Landstreicher, mit denen ich literarische Bekanntschaft machte, waren möglicherweise der Tiger und der Bär aus Oh wie schön ist Panama von Janosch, die sich eines Tages spontan auf den Weg nach Panama begeben. Dass sie dort nicht ankommen, macht gar nichts.
In den Karl-May-Romanen war mir der Landstreicher, der heute hier und morgen da ist und all seine Sachen in einem Bündel über der Schulter bei sich hat, sympathischer als all die großspurigen Helden. Er verkörperte Freiheit. So wie die Landstreicher bei Charles Dickens oder Jack London.
Der Taugenichts von Joseph von Eichendorff ist zwar spätromantischer Kitsch, aber die betonte Sorglosigkeit, die dann doch zum Erfolg führt, ist ein Modus Operandi, den ich zu meinem eigenen zu machen versucht habe.
Erst spät kam ich darauf, dass man so ein Vagabundenleben auch in Wirklichkeit führen kann, z.B. durch In die Wildnis: Allein nach Alaska von Jon Krakauer oder die drei Bände von Patrick Leigh Fermor über seine mehrjährige Wanderung durch Europa. „Was für ein Leben!“ rufe ich anerkennend aus, wenn ich solche Biographien lese, und beginne sogleich mit meinen eigenen Planungen.
Die Träume, die man als Kind hatte, sind die beste Richtschnur im Erwachsenenleben.
In Deutschland hätte schon längst jemand den Datenschutzbeauftragten angerufen, aber in Bolivien

und in Rumänien

hängen im Eingang von Mietshäusern die Listen der Bewohner und ihrer jeweiligen Schulden für die Nebenkosten aus.
In Rumänien konnte so jeder meiner Nachbarn einsehen, wie sparsam ich mit Elektrizität, Gas und Wasser umging. Bezahlt wurde praktischerweise bei der netten Dame in Wohnung Nr. 7, die am Küchentisch mit Blümchendecke ihr Büro hatte und die mir zum Abschied nach einem Jahr in Târgu Mureș einen Riesenteller mit Gebäck überreichte.



Normalerweise mag ich keine Hunde. Wenn Hunde nicht ganz doof sind, merken sie das und lassen mich in Ruhe.
Aber als ich auf dem Umzug von Bolivien nach Peru in Copacabana gestrandet war und dachte, mein gesamtes Gepäck, einschließlich meiner Notizbücher, meines Computers und damit aller Fotos und Geschichten der letzten Jahre verloren zu haben, und dementsprechend verzweifelt dieses Malheur in das einzige verbleibende Notizbuch kritzelte, kam dieser Hund vorbei und schmiegte sich an meine Beine.

„Alles verloren, aber wenigstens einen neuen Gefährten“, dachte ich mir. Zum Glück klärte sich das Desaster nach einigen Stunden auf. Der Hund zog treulos weiter.