Eine kurze Geschichte Litauens

Einer der Gründe für meinen Umzug nach Litauen 2012 war, dass das Land die perfekte Fallstudie für die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts zu sein schien: Unabhängigkeit zwischen den beiden Weltkriegen. Besetzt von der Sowjetunion. Besetzt von Nazi-Deutschland. Dann wieder besetzt von der Sowjetunion. Der Holocaust wütete hier am gewalttätigsten. Schließlich Revolution und Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991. Jetzt EU-und NATO-Mitglied.

Als ich die Preise für die Busse in Vilnius eruierte, stieß ich auf eine Liste mit verschiedenen Preiskategorien für 15 Personengruppen. Dass es unterschiedliche Preise für

  • Schüler,
  • Studenten,
  • Senioren,
  • Behinderte,
  • teilweise Behinderte,
  • u.s.w.

gibt, war ja noch normal. Aber an den zusätzlichen Kategorien der Fahrgäste konnte man regelrecht eine kurze Geschichte Litauens im 20. Jahrhundert ablesen. Rabatt bekommen nämlich auch:

  • Teilnehmer des Widerstands gegen die militärischen Besatzungen von 1940 bis 1990,
  • militärische Freiwillige unter 70 Jahren,
  • militärische Freiwillige über 70 Jahren,
  • Teilnehmer der Befreiungskämpfe,
  • Personen, die unter den Besatzungen von 1939 bis 1990 gelitten haben,
  • ehemalige politische Gefangene,
  • ehemalige Exilierte,
  • ehemalige Insassen von Ghettos,
  • ehemalige Insassen von Konzentrationslagern
  • ehemalige Insassen anderer Unterdrückungslager,
  • Verteidiger der Unabhängigkeit der Republik Litauen, die aufgrund der sowjetischen Aggression vom 11. bis zum 13. Januar 1991 oder danach körperlich eingeschränkt sind,
  • Familienangehörige der verstorbenen Verteidiger der Unabhängigkeit der Republik Litauen, die unter der sowjetischen Aggression vom 11. bis zum 13. Januar 1991 oder danach gelitten haben,
  • Bewahrer der litauischen Unabhängigkeit, die vom 11. bis zum 13. Januar 1991 oder später verwundet wurden und deshalb noch teilweise beeinträchtigt sind.

Obwohl ich damals Student war, bezahlte ich der Einfachkeit halber den normalen Fahrpreis und freute mich über die gemütlichen Oberleitungsbusse aus der Sowjetzeit.

(Foto von Bjørn Giesenbauer.)

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Mein Fitnessstudio

stairs

Jeden Tag die Treppe in den 10. Stock mehrfach hoch- und runterzulaufen ist ein gutes Training. (Der Liftjunge hat mich schon gefragt, ob ich Angst vor der Technik habe.) Ich gehe auch an jeden Ort zu Fuß, den ich so in weniger als einer Stunde erreichen kann. Wenn ich Zeit habe, sogar weiter. In vielen Städten ist man zu Fuß oder mit dem Fahrrad sowieso schneller als der Bus.

Ich kenne Leute, die ins Fitnesstudio fahren, dann mit dem Auto nach Hause fahren und sich dort vom Lift auf die Etage ihrer Wohnung katapultieren lassen. Wenn sie Hunger haben, rufen Sie einen Lieferservice. Ich rufe nie irgendjemanden für irgendetwas. Wenn ich etwas will, muss ich aufstehen, rausgehen und es mir holen. Zu Fuß natürlich. Je weiter, desto besser, denn das verringert die Gefahr, dass ich um Mitternacht noch einen Hamburger in mich hineinstopfe. (Schokolade hingegen läßt sich leider sehr leicht zuhause lagern.)

Wenn ich laufen will, gehe ich in den Park, in den Wald oder an den Strand.

In den letzten 41 Jahren habe ich dadurch Tausende von Euros an Gebühren für Fitnessstudios gespart, womit ich meine Weltreise finanziere.

Und ganz ehrlich, fast immer wenn ich mit Fitnessstudiobesuchern Wandern ging, war der-/diejenige langsam und gab nach 500 Metern auf. Jetzt akzeptiere ich gar keine Wanderpartner mehr, die prahlen: „Ich bin so fit, ich gehe jeden Tag ins Fitnesssstudio.“ Ich bitte sie, zuerst mal eine Runde um den Block zu gehen, wobei viele schon zusammenklappen.

Diese Fitnessstudios scheinen eine riesige Betrusgmasche zu sein.

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Mein TEDx-Vortrag: ein Leben mit Veränderungen

Wenn man mich in einer Stadt, in der rumänisch, ungarisch und deutsch gesprochen wird, zu einem Vortrag einlädt, dann entgehe ich sprachpolitischen Minenfeldern, indem ich Englisch spreche. Ich hoffe, dass das für meine deutschsprachigen Leser und Zuschauer keine zu große Hürde darstellt.

Kurz gesagt ging es darum:

  • Wir werden heutzutage zu alt, als dass wir ein Leben lang das Gleiche tun können, ohne uns zu langweilen.
  • Außerdem haben die meisten Menschen hoffentlich mehr als ein Interesse oder Talent. Wieso sollte man sich für eines entscheiden, anstatt sie nacheinander anzugehen?
  • Es ist also vollkommen normal, alle paar Jahre etwas Neues zu beginnen.
  • So bleibt das Leben spannender als wenn man 40 Jahre am gleichen Ort wohnt und den gleichen Job bei der gleichen Firma macht, und die gleichen Freunde hat, mit denen man jedes Wochenende das gleiche macht.
  • Wartet mit so einer Entscheidung nicht, bis der perfekte Zeitpunkt kommt. Der kommt nämlich fast nie.
  • Ihr habt dennoch Angst vor dem Ungewissen? Dann stellt Euch vor, was das Schlimmste ist, das passieren kann. Wie ich in dem Vortrag am Ende erkläre, ist das Worst-case-Szenario eigentlich gar nicht so schrecklich, wenn man es logisch analysiert. 

    TED stage 2

Wenn mich mal eine TEDx-Konferenz in Deutschland oder Österreich einlädt, kann ich den Vortrag auch gerne auf Deutsch halten.

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Wie gefährlich ist Wandern in Israel?

Die Frage ist einfach zu beantworten: Überhaupt nicht gefährlich.

Aber anscheinend bin ich nicht der Einzige, dem sie ständig gestellt wird, denn die Wikitravel-Seite über den Fernwanderweg Israel National Trail besagt ausdrücklich:

Das Tragen einer Waffe ist vollkommen unnötig.

Dieser Wanderer, den ich in Jerusalem sah, war mit Stock und Pistole also ein bißchen übertrieben ausgestattet.

hiker with gun

Ich bin mal den Jesus-Pfad im Norden Israels gewandert, vier Tage von Nazareth nach Kapernaum am See Genezareth, und es war überhaupt nicht gefährlich. Dabei fällt mir ein, dass ich mir mal ein paar Tage freinehmen muss, um den Artikel über diese Viertageswanderung zu schreiben und veröffentlichen.

Ich nehme an, dass der Teil des Israel National Trail, der durch die Negev-Wüste geht, gefährlich sein kann, wenn man nicht genug Wasser und keinen coolen Wanderhut hat. Aber das ist komischerweise nicht, was Menschen im Kopf haben, wenn sie fragen „Aber ist Israel nicht gefährlich?“

Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich tatsächlich Lust, den Israel National Trail zu wandern. Die ganze Strecke vom Golan bis zum Roten Meer ist nur etwa 1000 km lang, das wäre in ein paar Monaten zu schaffen.

(Read this in English.)

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„Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada

jeder-stirbt-fuer-sich-alleinWenn ein Roman 62 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ein Weltbestseller wird, dann macht das neugierig. Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada erschien in Deutschland schon 1947, aber ich wurde auf das Buch erst 2009 aufmerksam, als es unter dem Titel Alone in Berlin in jedem Buchladen in London stapelweise auslag und das meistgelesenste Buch in der dortigen U-Bahn war. Der Roman erzählt die auf Tatsachen basierende Geschichte eines einfachen deutschen Ehepaares und ihres Widerstands gegen die Nazis.

Ich könnte diese Rezension kurz halten: Das Buch hat 600 Seiten, und nach ein paar Abenden hatte ich es ausgelesen. Bis weit nach Mitternacht hielt es mich wach und gefesselt, wie es nur ein spannender Thriller vermag.

Aber Jeder stirbt für sich allein ist mehr als ein Thriller. Es ist eine Geschichte über das Leben unter den Nazis, über politischen Widerstand, es ist eine äußerste spannende Detektivgeschichte und zuletzt geht es um einen Mann und eine Frau, die durch eine gemeinsame Idee wieder zueinander finden. Dennoch ist das Buch nicht überladen, sondern diese verschiedenen Stränge sind perfekt miteinander verwoben.

Anna und Otto Quangel leben während des Zweiten Weltkriegs in Berlin und sind weder Mitglieder in der NSDAP, noch sind sie übermäßig kritisch gegenüber dem Regime. Das ändert sich, als ihr einziger Sohn als Soldat an der Front getötet wird. Aus diesem Gefühl des persönlichen Verlusts heraus entscheidet Otto Quangel, dass er „etwas tun“ müsse und beginnt, handschriftliche Postkarten mit Parolen gegen das NS-Regime zu schreiben und sie in Treppenhäusern an verschiedenen Orten der Stadt liegenzulassen. Als sie von der Idee hört, fragt seine Frau Anna „Ist das nicht ein bißchen wenig?“, aber beide stimmen überein, dass jeder Akt des Widerstands besser ist als gar nichts, und sind sich bewußt, dass sie selbst damit ihr Leben riskieren.

Ein erheblicher Teil der Handlung spielt in dem Mietshaus, in dem die Quangels leben, das einen Mikrokosmos des Deutschland von 1940 oder 1941 abbildet. Da gibt es die bestialische Nazi-Familie, die das Regime nicht zuletzt deshalb unterstützt, weil es ihr persönlich Macht gegeben hat. Es gibt eine alte und angsterfüllte jüdische Dame, deren Mann „abgeholt“ wurde. Es gibt den pensionierten Richter, der noch immer respektiert wird, obwohl er keinen Hehl aus seiner Skepsis gegenüber dem Nationalsozialismus macht. Und im Hinterhof leben die Spieler und Huren, die keinerlei politische Affiliation haben, aber auf ihren persönlichen Vorteil schauen, wo immer sie können.

Die desaströsen wirtschaftlichen Auswirkungen der Nazi-Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs sowie die ökonomischen Anreize, die das für die Deutschen jener Zeit mit sich bringt, spielen immer wieder eine wichtige Rolle. Sowohl die Nazi-Familie als auch die Schläger in dem Mietshaus betrachten die jüdische Dame als potentielles Opfer, um sich selbst zu bereichern. Nachdem dieses Ziel erreicht wurde, bestehlen und betrügen sie sich gegenseitig. Der Polizei werden Informationen gesteckt, um Belohnungen zu kassieren, oder Verdächtige werden erpresst, um von ihnen Schutzgeld zu kassieren. In dem Kriegsdeutschland, wie es Hans Fallada darstellt, kümmern sich die meisten Deutschen gar nicht so sehr um den Krieg (das Buch spielt vor den Wendeschlachten in Stalingrad, El-Alamein und der allierten Landung in der Normandie), politische Freiheiten, Einparteienherrschaft oder den Holocaust, wobei Fallada durchaus erwähnt, dass die Deutschen von den Konzentrationslagern und den Morden dort, ja sogar von den Massakern der Wehrmacht, der SS und anderer Einheiten in Osteuropa wussten. Wenn Deutsche in dem Buch sauer auf die Nazis sind, dann aber nur deswegen, weil sie bloß mit Lebensmittelkarten einkaufen können.

Ein weiteres betonendes Element bei der Beschreibung der deutschen Gesellschaft zu jener Zeit ist die Angst. Nicht nur die Angst vor der Gestapo und der SS, sondern auch die Angst vor Denunzierung durch die Nachbarn, Arbeitskollegen und sogar Verwandten. Das ganze Land lebt unter einer Wolke der Angst und des Misstrauens. Vielleicht ist Fallada deshalb besonders gut darin, diese Stimmung im Roman zu erschaffen, weil er als einer der ganz wenigen Schriftsteller während der gesamten 12 Jahre der Nazi-Herrschaft in Deutschland leben blieb (weswegen er nach 1945 ein bißchen umstritten war) und so Land und Leute besser beobachten konnte als die Schriftsteller im Exil.

Die Verteilung der Postkarten durch die Quangels geht nur langsam voran. Pro Woche deponieren sie zwischen 2 und 3 Postkarten. Aber bald erfährt die Gestapo von den Karten und nimmt Ermittlungen auf. Kommissar Escherich, ein intelligenter Ermittler, jagt den/die vermuteten Täter mit zunehmender Besessenheit, aber es wird noch lange dauern – und unschuldige Opfer fordern – bis er von den Quangels erfährt. Diese Detektivgeschichte im Roman ist so außerordentlich spannend, mit immer wieder überraschenden Wendungen und Beinahe-Zusammentreffen zwischen Jäger und Gejagten, dass Jeder stirbt für sich allein auch als Thriller empfohlen werden kann, selbst wenn Ihr Euch überhaupt nicht für deutsche Geschichte interessiert.

Die Lektüre dieses Buches läßt einen noch bewegter zurück, wenn man weiß, dass es überwiegend auf der wahren Geschichte von Elise und Otto Hampel basiert. Neuere Ausgaben des Buches enthalten im Anhang Auszüge aus der Gestapo-Akte, einschließlich einiger der Postkarten, sowie Vernehmungsprotokolle. Wenn man sich diese durchliest, sticht die Ähnlichkeit zwischen echter und fiktiver Handlung ins Auge.

Die Geschichte der Hampels (oder Quangels) und anderer deutscher Versuche zum Widerstand – von denen es peinlich wenige gab – führt zu der Frage, was die Lektion dieser Geschichte ist. War der Widerstand das Risiko und das Opfer nicht wert, weil er vollständig scheiterte? Oder gab es nicht genug Widerstand? Im vollen Bewusstsein, dass ich keine Ahnung habe, wie ich selbst in einer Diktatur agieren würde, tendiere ich zur zweiten Ansicht. Zumindest für die Quangels war der Widerstand auch zu etwas geworden, dessen Aussichtslosigkeit sie ausblendeten, aber das ihnen das gute Gefühl persönlichen Muts und moralischer Überlegenheit bescherte. Und es wiederbelebte ihre Ehe, wie wohl kaum ein anderes Unterfangen dazu in der Lage gewesen wäre.

Primo Levi nannte Jeder stirbt für sich allein „das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde“. Auf jeden Fall bietet es neben seiner Qualität als Detektivgeschichte eine zeitnahe Studie des Milieus, aus dem sich die meisten „Mitläufer“ und „Minderbelasteten“ rekrutierten.

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Kriminalitätsprävention in Bolivien

Während meiner Wanderung auf den Chacaltaya fand ich in den Bergen ein entlegenes und verlassenes Dorf vor.

HäuserHäuser 3

Die Türen der teilweise schon verfallenden Häuser stehen offen, aber keines enthält etwas Interessantes. Nur an einer Tür steht: PROHIBIDO ROBAR („Diebstahl verboten“).

prohibido robar

Dieser Hinweis ist absurd, weil das

  1. schon durch das Strafgesetzbuch geregelt ist,
  2. auch Nichtjuristen bekannt sein dürfte,
  3. eventuelle Gesetzesbrecher kaum von ihrem Vorhaben abhalten wird.

Aber wir sind in Bolivien, dem Land der Höflichkeit und des Respekts. Diese Tür ist tatsächlich als einzige nicht aufgebrochen.

Die Leser, die vor Wohnungseinbrüchen Angst haben, sollten es vielleicht einfach mal mit dieser direkten Ansprache der potentiellen Täter versuchen.

Der Ehrlichkeit halber muss ich aber erwähnen, dass es in Bolivien auch Fälle von Lynchjustiz gibt, vor allem gegenüber mutmaßlichen Dieben und Einbrechern.

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Unsortierte Gedanken (9)

  1. Diese Sendung über die Nürnberger Prozesse wartet nicht nur mit Originalaufnahmen auf, sondern rahmt diese in eine hervorragende Analyse von Peter Steinbach ein.
  2. Wieso gibt es kein LL.M.-Programm für Rechtsgeschichte?
  3. Bitte dieses Jahr nicht vergessen, den 100. Jahrestag der Russischen Revolution zu feiern! bolshevik
  4. In Bolivien unterhielt ich mich mit einer Rechtsanwältin über feminicidios, das sind Tötungsdelikte an Frauen durch ihre Partner. Seit es in Bolivien dafür einen höheren Strafrahmen als für „normalen“ Totschlag gibt, ist das ein großes Thema. Interessehalber habe ich dann mal die Zahl der in Deutschland von ihren Partnern getöteten Frauen nachgeschlagen – und war schockiert: 331 im Jahr 2015.
  5. In Russland bekommt man eine Geldstrafe aufgebrummt, wenn man auf die Rolle der Sowjetunion bei der Aufteilung Polens 1939 hinweist.
  6. Ich sollte mal eine Liste aller Länder zusammenstellen, in die ich nicht reisen kann, weil Veröffentlichungen auf meinem Blog dort zu Geld-, Haft- oder Todesstrafe führen. Den Plan, alle Länder der Welt zu sehen, kann ich mir abschminken.
  7. Die Jesuiten werden oft für ihre Schulen und Universitäten gelobt. Dass einige dieser Bildungseinrichtungen durch Sklaverei finanziert wurden, ist weniger bekannt.
  8. Ein Erfolg für die Impfgegner: In Europa sterben wieder mehr Menschen an Masern.
  9. Das ist besonders peinlich/traurig aus meiner gegenwärtigen südamerikanischen Sicht. Sowohl Nord-, Mittel- als auch Südamerika ist dank Impfkampagnen praktisch masernfrei. Seit 2002 gab es keine Epidemie mehr. Vereinzelte Fälle von Masernerkrankungen sind fast immer auf Besucher aus Übersee (meist zu Fußballmeisterschaften) zurückzuführen.
  10. Diese Frau wählte entgegen der Warnungen ihres Mannes Donald Trump. Jetzt sitzt ihr mexikanischer Mann in Abschiebehaft. Wie sich das wohl auf ihre Ehe auswirkt?
  11. In der Ukraine hat man wenigstens eine gute Ausrede, wenn man am Morgen den Zug zur Arbeit verpasst.

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Coca Cola ist überall

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Es gibt nicht viele Dinge, von denen ich abhängig bin. Monate können ins Land ziehen, in denen ich keine einzige Zigarre rauche. Bei Schokolade halte ich es nicht ganz so lange aus, etwa eine Woche maximal. Aber nach spätestens drei Tagen ohne Cola (egal welcher Marke, meist tut es die billigste) laufe ich lechzend zum nächsten Laden.

Man könnte sich vorstellen, dass dies auf tagelangen Wanderungen im Urwald oder in der Wüste zu Entzugserscheinungen führt. Aber nein! Zumindest nicht in Südamerika. Denn hier, wo das Coca für die Cola herkommt, gibt es tatsächlich überall, wo zumindest ein Einsiedler wohnt, eine Coca-Cola-Verkaufsstelle. Wie hier in Titicachi, einem zu Unrecht nur selten besuchten Weiler am Ufer des Titicaca-Sees in Bolivien:

Coca Cola Dorf

Der Titicaca-See selbst wird übrigens auch von Coca Cola gesponsort.

Coca Cola Titicaca

Im Titicaca-See liegt die Isla del Sol, auf der es keine Autos, keine Motorräder, ja nicht einmal Fahrräder und in einigen Nächten keinen Strom gibt. Aber dafür – Ihr habt es schon erraten – das wohltuende Erfrischungsgetränk. Und zwar nicht nur in den wenigen Ortschaften auf der Insel, sondern auch in diesem Laden, an dem nur selten jemand vorbeikommen dürfte.

Laden1
Laden2
Laden3
Laden4

Die um meine Ernährung besorgten Leser erkennen und anerkennen hoffentlich die zwei Äpfel, in Bolivien eine wesentlich größere Rarität als eine Flasche Cola. Übrigens hätte es an diesem entlegenen Ort auch Bier und Kohlberg-Wein gegeben.

In Chile sieht man in der Atacama-Wüste während zwei Tagen Fahrt keinen einzigen Baum, Wassertropfen oder Menschen, aber irgendjemand hat in mühe-, liebe- und hingebungsvoller Kleinstarbeit Zehntausende von Kieselsteinen so zusammengetragen, dass sie zum 125. Geburtstag von Coca Cola den berühmten Schriftzug in einer Größe abbilden, die in Südamerika sonst nur Jesusstatuen vorbehalten ist.

Coca Cola Atacama

Man erkennt hier die religionsähnliche Verehrung von Coca Cola (und nebenbei den Mangel an Regenfällen seit 2011, die den Schriftzug verwaschen hätten können), die sich auf den Friedhöfen fortsetzt. Cola-Flaschen dienen als Grabbeigabe, damit sich die Toten noch stärken und laben können, wie hier auf dem Friedhof von La Paz in Bolivien.

Grab Coca Cola
Grab Pepsi
Grab z Coca Cola offen

Auf dem letzten Foto erkennt Ihr, dass die Flasche geöffnet ist, damit der Verstorbene die Cola auch tatsächlich genießen kann. Im Gegensatz zu Weihwasser ist die Wirkung von Coca Cola wenigstens wissenschaftlich erwiesen.

Die entlegenste und überraschendste Coca-Cola-Tankstelle fand ich jedoch in Brasilien, im Nationalpark Chapada Diamantina. Das ist so etwas wie der Grand Canyon, nur in Grün und mit Wasserfällen.

Schlucht 1

Dieses Tal ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Man muss über eine der beiden Bergketten steigen, wofür man etwa einen Tag benötigt. Dann kann man sich im Tal an den Flüssen orientieren, muss aber am Ende wieder über eine Bergkette, um in die Zivilisation zu kommen. Genau das habe ich gemacht, drei Tage lang.

Das Interessante an der Chapada Diamantina, neben der Natur natürlich, ist die Geschichte. Von 1850 bis 1880 gab es einen Diamantenboom, daher auch der Name. Damals lebten hier circa 50.000 Diamentenschürfer. Jetzt gibt es noch 9 „Dörfer“, wobei jedes Dorf nur aus drei oder vier Häusern und meist nur aus einer Familie besteht. An zwei dieser Stützpunkten komme ich vorbei, was praktisch ist, weil ich ja zweimal übernachten muss. Ein Häuschen, so rudimentär es auch ist, schützt wenigstens ein bißchen gegen Schlangen, Spinnen und Jaguare.

Die erste Nacht in Ruinha bleibe ich trocken, aber bei der Ankunft in Prefectura, vollkommen kaputt und verschwitzt, blitzen meine Augen auf als ich auf einem Holzschild lese, dass es hier Bier und Coca Cola gibt.

Prefectura Coca Cola 1

Egal wieviel die Cola kosten soll, wer sie tagelang zu Fuß oder mit dem Maultier hierherschleppt, verdient es, fair entlohnt werden. Überraschung: Die Dose kostet 5 R$, wenig mehr als einen Euro. Nicht mehr als an der Tankstelle, an der die Getränke mit dem LKW vor die Tür gefahren werden.

Also setze ich mich unter die Mangobäume auf der Wiese vor dem „Dorf“ und betrinke mich mit gleich zwei Dosen. Berauscht werde ich allerdings mehr von dem Anblick, den ich dabei auf den Morro do Castelo habe – und bereue, keine Zigarren eingepackt zu haben.

Morro do castelo 1.JPG

Für die höchstgelegene Coca-Cola-Werbung, wahrscheinlich weltweit, kehren wir aber wieder nach Bolivien zurück. Auf 5.200 m steht diese Alpenvereinshütte unterhalb des Gipfels des Chacaltaya.

Coca Cola Chacaltaya

Dass ich mich auf der 3700 km vom Festland entfernten Osterinsel nach einer ganztägigen Wanderung in dieser Bucht mit einer Cola erfrischen konnte, wird jetzt niemanden mehr überraschen.

Bucht im Norden nach Wanderung.JPG

(Ja, alle Fotos sind von mir. Und zu allen gäbe es noch wesentlich ausführlichere Geschichten zu erzählen. Schreibt doch bitte, was Euch am meisten interessiert, damit ich mich als erstes dranmachen kann.)

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Selfie-Statue

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Diese selbstverliebte Statue habe ich in La Paz, Bolivien gesehen.

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Hotels in Moldawien

Du weißt, Du bist in einem Hotel in Moldawien, wenn Du im Korridor Elektroingenieurwesen studieren kannst,

hotel wiring

das Bett wie im Haus Deiner Großmutter in den 1950er Jahren aussieht (bequem, aber ein bißchen kurz),

hotel bed.JPG

und die Türen mit 2-Literflaschen Bier offengehalten werden.

hotel beer

Aber um fair zu sein, mir gefiel Chișinău. Die Stadt ist ziemlich grün, mit schönen und großen Parks, in denen die Leute Geige spielen und am Abend tanzen. Die Stadtplanung ist großzügig, und es ist ein Vergnügen, einfach ziellos umherzulaufen. Ich sollte wohl auch mal die Fotos von Chișinăus schöner Seite publizieren.

Im Übrigen mag ich so altmodische Hotels lieber als die modernen, die überall auf der Welt gleich aussehen.

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