Nächste Reise: Krakau

Die Fernuniversität heisst nicht nur so, weil man aus der Ferne studieren kann, sondern auch, weil man damit in die Ferne reisen kann. Ab morgen bin ich im Rahmen meines Geschichtsstudiums in Polen, und dort natürlich in der geschichtsträchtigsten Stadt überhaupt, in Krakau.

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„Erinnerungs- und Geschichtspolitik einer polnischen Metropole von 1900 bis 1970“ lautet das Thema des viertägigen Seminars, und dabei geht es von Kulturgeschichte mit Jugendstil, Polski Jazz und einem Besuch des Wyspianski-Museums bis zu jüdischen Künstlern, dem sozialistischen Musterviertel Nova Huta, den Studentenprotesten und dem Antisemitismus in Polen nach 1945. Aber ist das jetzt in Polen überhaupt noch erlaubt, darüber zu diskutieren? Es ist auf jeden Fall die richtige Zeit für solch ein Seminar.

Einen großen Raum werden natürlich die deutsche Besatzung ab 1939 und der Holocaust einnehmen. Wir werden sowohl die Stadt Auschwitz als auch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Aber auch das ehemalige Ghetto in Podgórze und das Zwangsarbeiterlager Plaszów sind Themen, ebenso wie Oskar Schindler. An mir bleiben immer die rechtsgeschichtlichen Themen hängen, so dass ich über die Frage referieren werde, ob Entschädigungsansprüche ein Weg oder ein Hindernis der Versöhnung sind.

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Überrascht stelle ich fest, dass ich bisher noch nie in Polen war – ganz anders als meine Großväter, die dort 1939 Lebensraum für Deutsche schaffen wollten, ohne zu ahnen, dass ihre Familie nach nur zwei Generationen mangels Nachwuchs sowieso aussterben würde. (Und glaubt mir, ich würde mich auch bei noch so viel Lebensraum nicht fortpflanzen wollen.) Aber neugierig auf Polen war ich schon immer, und deshalb nütze ich diese Exkursion, um danach weitere fünf Tage in Krakau zu verweilen. Wenn es mir gefällt, komme ich gerne mal wieder, um mehr von Polen zu erkunden.

Das einzige was mir ein Sorge bereitet, ist dass ich Orte von Massenmorden, die in Osteuropa kaum zu vermeiden sind, wenn man mit offenen Augen durchs Land zieht, bisher lieber allein besuchte. Ich habe dort gerne Ruhe und Zeit zum Nachdenken und sitze stundenlang im Wald oder auf der Wiese. Das geht bei einer gemeinschaftlichen Exkursion natürlich nicht. Mal sehen, wie das wird.

Und wie immer, wenn ich auf Reisen gehe: Wer eine Postkarte möchte, meldet sich einfach.

(Click here for the English version.)

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Die deutsche Kolonie

Die deutschen Kolonien hießen nicht Kolonien, sondern Schutzgebiete. Die einzige deutsche Kolonie, die heute noch deutsche Kolonie heißt, war hingegen niemals eine deutsche Kolonie. Schon zu kompliziert? Dann hört jetzt besser auf, zu lesen.

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Mitten im besten Viertel von Haifa braucht man nicht lange, um zu bemerken, dass hier etwas deplatziert ist: Häuser mit roten Zigeldächern. Fensterläden. Massive Holzbalken, wie mein Kopf bemerken musste, als ich in einem dieser Häuser nachts versuchte, ohne Licht durch den Flur zu gehen.

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Inschriften über den Türen wie „komm Herr Jesu“ oder „Gott mit uns“. Auf Deutsch.

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Strudel und Weissbier.

Strudel
Weissbier

Groß ist sie nicht, diese deutsche Kolonie. 800 m lang ist die jetzt nach David Ben Gurion benannte Hauptstraße.

Aber nun der Reihe nach: Die Mitglieder der Tempelgesellschaft (nicht zu verwechseln mit den Tempelrittern oder dem Templerorden, mit denen die Templer, wie wir sie, um zusätzliche Verwirrung zu stiften, fortan nennen mögen, jegliche Verbindung abstreiten würden, obwohl sie alle im Heiligen Land tätig waren) wanderten ab 1868 aus Württemberg aus und gründeten zuerst eine Siedlung bei Haifa. Bald ließen sie sich auch in anderen Städten wie Jaffa oder Jerusalem nieder und gründeten Orte mit so kreativen Namen wie Waldheim, Walhalla und Wilhelma. Letzteres heißt heute Bnei Atarot, und wie der Zufall es will, habe ich dort während eines Jugendaustauschs mal zehn Tage bei einer sehr herzlichen und humorvollen Familie (Israelis, keine Templer) gewohnt.

So sah es dort früher aus,

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und so sieht es jetzt aus:

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Der Flughafen bei Tel Aviv hieß übrigens bis 1943 „Wilhelma Airport“.

Die Templer waren fleissig und bauten Straßen, richteten einen Pferdekutschendienst ein (ähnlich Wells Fargo) und dank ihnen bekam Haifa einen Hafen. Sie hatten sich aber auch einen besonders schönen Ort ausgesucht, wo es sich gut leben ließ.

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Der unprotestantische Tempel am Hang gehört allerdings nicht den Templern, sondern den Bahai.

Auch Kaiser Wilhelm II. kam mal zu Besuch. Im Oktober 1898 wollte er dem tristen Herbst und dem ungeheizten Winter in Preussen entgehen und ging deshalb auf Kreuzfahrt. Weil das Wort Kreuzfahrt wegen der Kreuzzüge ein bisschen heikel war (schon im 19. Jahrhundert litten die Deutschen unter der „Political Correctness“), nannte man es Pilgerfahrt.

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Wegen des religiösen Vorwands musste der deutsche Kaiser seinen Badeurlaub unterbrechen und nach Jerusalem reiten. Dort empfing er Theodor Herzl, der ihn um die Schirmherrschaft für den angestrebten Judenstaat bat, praktisch ein deutsch-jüdisches Protektorat. Herzl mochte geahnt haben, dass die Juden Europas ohne eigenen Staat immer schutzlos sein würden, aber die Rolle Deutschlands schätzte er falsch ein. Wilhelm II. unternahm nichts in der Richtung, und wie Deutschland sich bald darauf gegenüber den Juden positionierte, ist bekannt.

Die Geschichte der Templer in jener Zeit ist weniger bekannt, aber dafür erzähle ich sie Euch jetzt. Die Gleichschaltung der Nazis ab 1933 erstreckte sich insbesondere durch das deutsche Schulwesen auch auf die im Ausland lebenden Deutschen (Spätwirkungen kann man heute noch antreffen). Einerseits gibt es Berichte, dass die Templer und andere Palästinadeutsche, wie die im britischen Mandatsgebiet lebenden Deutschen bezeichnet wurden, in Berlin darum baten, keine Hakenkreuzfahnen für ihre deutschen Institutionen verwenden zu müssen und gegen die Boykotte jüdisch geführter Geschäfte in Deutschland Protest einlegten, jeweils erfolglos.

Andererseits hatten die Nazis bei den Auslandsdeutschen in aller Welt oft sehr starken Zulauf (über ein Beispiel habe ich schon mal berichtet), und vor Kriegsausbruch 1939 war ein Drittel der erwachsenen Palästinadeutschen bei der NSDAP. Es gab eine „Landesgruppe der NSDAP in Palästina“, eine Hitler-Jugend in Haifa, die bizarrerweise Hebräisch-Kurse anbot, und eine NSDAP-Ortsgruppe in Jerusalem.

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Ralf Balke führt in seinem Buch Hakenkreuz im Heiligen Land: Die NSDAP-Landesgruppe Palästina die Motive der Templer auf:

Die Geschichte der Landesgruppe der NSDAP ist ein einzigartiges Beispiel für die Selbstnazifizierung einer deutschen Gemeinschaft jenseits der Grenzen des Dritten Reiches auf einem Terrain, das zunehmend jüdisch geprägt war und unter britischer Herrschaft stand. Der Antisemitismus der deutschen Siedler war tief verankert: religiöser Antijudaismus traf auf rasse-biologischen und verschwörungstheoretischen, modernen Antisemitismus. Mit Missgunst betrachteten die deutschen Siedler den Erfolg der Zionisten, der ihre Hoffnungen zunichte machte, selbst irgendwann einmal das Land zu beherrschen.

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Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde es den Briten endlich zu bunt. Sie internierten die Deutschen, die sich nicht rechtzeitig abgesetzt hatten, in den Templerkolonien und die wehrfähigen Männer in einem Gefängnis in Akko. Mit Vorrücken des Afrika-Korps der Wehrmacht auf das Heilige Land verschiffte Großbritannien die Templer und Palästinadeutschen 1941 so weit weg wie möglich, was nach britischem Verständnis Australien war. Dort blieben diese bis 1947 interniert. Interniert und borniert, muss man sagen, denn noch am 20. April 1945 feierten sie Hitlers Geburtstag. Dennoch zeigte sich Australien kulant und bot den Deutschen an, nach ihrer Freilassung im Land zu bleiben. Wie Australien halt so ist: „Ganz knusper war das nicht von Euch mit diesem Nazischeiß, aber Schwamm drüber, Jungs. Wenn’s Euch hier gefällt, dann bleibt einfach hier. Bier ist im Kühlschrank.“ Die meisten der stolzen Blut-Boden-Rasse-Arier nahmen das Angebot gerne an, ihrem jetzt in Schutt und Asche liegenden Vaterland zugunsten von Strand und Sonne den Rücken und dessen Verlängerung zuzukehren.

Der neu gegründete Staat Israel war verständlicherweise nicht so scharf darauf, unmittelbar nach dem Holocaust die einstigen Hakenkreuzfahnenschwenker wieder ins Land zu lassen. Von denjenigen Deutschen, die noch in Palästina geblieben waren, wurden ein paar von der Haganah erschossen, die anderen von den Briten nach Zypern geschickt. Sie wanderten dann nach Australien oder nach Deutschland aus.

Aber, was gute Deutsche sind, die beharren nach dem Rauswurf auf einer korrekten Nebenkostenabrechnung. Auf Heller und Pfennig! Jeder weiß, dass die Bundesrepubik Deutschland „Wiedergutmachung“ an Israel bezahlte. Fast niemand weiß, dass auch Israel Entschädigung leistete, und zwar 54 Millionen DM für das konfiszierte Eigentum der deutschen Templer.

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Wenn es ein Geschichtsblog-Bingo gäbe, hätte ich jetzt gewonnen. Templer, Nazis, Palästina, Kaiser Wilhelm II., Zionisten, Israel, Zweiter Weltkrieg, Jerusalem, der Wüstenfuchs, Verbannung nach Australien, alles in einem kurzen Artikel, das soll mal jemand toppen. Und dabei bin ich noch nicht einmal auf den Austausch von deutschen Internierten mit Insassen des KZ Bergen-Belsen eingegangen. Es fehlen eigentlich nur noch der Heilige Gral und der Mossad, und Hollywood würde anklopfen.

Wenn ich daraus einen historischen Roman erschaffen will, muss ich mich allerdings vor den überlebenden Templern in Acht nehmen. Denn die Brüder sind noch aktiv! Sie geben selbst einen Überblick über ihre Geschichte, der in guter Tradition die einstige Begeisterung für Antisemitismus und Rassenideologie ausspart.

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Gibt es die Bundesrepublik Deutschland überhaupt? Diskutieren mit Reichsbürgern

To the English version of this article.

Vor vielen Jahren spazierte jemand in meine Anwaltskanzlei, legte einen Bußgeldbescheid auf den Tisch und erklärte mir, in Verkennung unserer jeweiligen Rollen, warum er diesen auf keinen Fall bezahlen müsse: Der Bescheid sei von einer dazu nicht befugten Behörde ausgestellt, weil die Bundesrepublik Deutschland gar nicht existiere, sondern nur eine Firma sei, die den Alliierten gehöre, die unser Land noch immer besetzen. Die provisorische Reichsregierung erkenne dies auf keinen Fall an und wir müssten dagegen vorgehen.

Nun bin ich zwar schon älter, aber wir reden hier nicht von 1946, sondern etwa 2006. „Ein Querulant“, dachte ich erfreut, denn Querulanten bringen Geld. Andererseits wusste ich schon aus leidvoller Erfahrung (die fast jeder Anwalt in den ersten Berufsjahren macht), dass Querulanten auch ziemlich viel Nerven kosten. Also wies ich den Herrn auf meine zugegeben überhöhten Gebühren hin, was seinen Redefluss zum ersten Mal ins Stocken brachte. „So viel kann ich derzeit nicht bezahlen, aber denken Sie daran, dass wir bald die Macht übernehmen werden. Sie können dann Reichsjustizkommissar werden!“ Damit war die Sache ge- und bald darauf vergessen. Auf eine Arbeit im Staatsdienst hatte ich nämlich noch nie Lust gehabt.

Als die Jahre ins Land zogen, wurden die sogenannten Reichsbürger mehr, lauter und gefährlicher. Gerne bewaffnen sie sich, halten Behörden mit nichtendenwollenden Schreiben auf Trab und erschießen Polizisten. Seitdem wird das Problem dieser „flat-earther“ unter den politischen Verschwörungstheoretikern etwas ernster genommen.

Da mit deren zunehmender Zahl und dank dem Internet die Chance steigt, dass auch Ihr mal mit einem dieser BRD-Leugner zu tun bekommt, setze ich mich im Folgenden mit den gängigsten Argumenten auseinander. Das geht zurück auf eine Folge des Déjà-vu-Geschichte-Podcasts, zu der mich der Historiker, Blogger und Autor Ralf Grabuschnig eingeladen hat und die Ihr hier hören könnt. Perfekt für Leute, die lieber hören als lesen, für Multitasker beim Joggen und natürlich für Blinde.

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Der Podcast und der folgende Artikel sind übrigens nicht deckungsgleich, es lohnt sich also das konsekutive Hören und Lesen.


Reichsbürger: Das Deutsche Reich hat nie aufgehört zu existieren. Die BRD ist kein legitimer Staat, sondern eine Firma oder eine Marionettenregierung der Alliierten. Deutschland ist noch immer von fremden Mächten besetzt, deshalb gilt die Haager Landkriegsordnung und nicht das Grundgesetz, das außerdem keine rechtmäßige Verfassung ist…

Ich: Halt, halt! Das sind so viele Punkte, die müssen wir uns einzeln vornehmen. Natürlich ist das Grundgesetz eine Verfassung. Wieso sollte es keine sein?

Wenn es eine Verfassung wäre, wieso heißt es dann Grundgesetz und nicht „Verfassung“?

Aha, ich erkenne hier den Formalismus, der Nichtjuristen kennzeichnet. Wie ein Dokument bezeichnet wird, ist für den Inhalt oder die Wirksamkeit irrelevant. Wenn Sie einen Mietvertrag aufsetzen und darüber Versicherungsvertrag schreiben, haben Sie trotzem einen Mietvertrag. Übrigens genauso, wenn Sie gar nichts darüber schreiben oder eine Fantasiebezeichnung wählen.

Es kommt auf den Inhalt an. Das Grundgesetz regelt die Organe des Staates, deren Befugnisse, ihr Verhältnis untereinander und das Verhältnis des Staates zu den Bürgern. Damit weist es alle Elemente einer Verfassung auf.

Aber alle anderen Staaten nennen solch ein Dokument „Verfassung“, nur Deutschland nicht.

Das stimmt doch nicht. Zurückgehend auf Montesquieus Begriff vom „loi fundamentale“ nennen viele Staaten ihre Verfassungen „Grundgesetz“, zum Beispiel Dänemark, Estland, Irland, die Niederlande und der Vatikan.

Ah, der Vatikan, der steckt immer hinter allem!

Ich dachte, das wären die Juden, die Freimaurer und die bayerischen Illuminaten?

Ja, aber die kontrollieren bekanntlich den Vatikan.

OK, zurück zur Verfassungsfrage. Es gibt sogar Staaten, die gar keine geschriebene Verfassung haben, am bekanntesten das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland. Niemand würde diesem deshalb die Staatlichkeit absprechen und behaupten, dass es nicht existiere.

Aber in Paragraph 146 des Grundgesetzes steht doch, dass wir keine Verfassung haben.

Zunächst einmal hat das Grundgesetz keine Paragraphen, sondern Artikel. Sein Artikel 146 lautet:

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

Damit zeigt das Grundgesetz (als Verfassung!) lediglich einen Weg auf, wie es durch eine neue Verfassung außer Kraft gesetzt werden kann. Das geht zurück auf die Situation von 1949, als man noch auf eine schnelle Wiedervereinigung hoffte und sich tatsächlich nicht ausmalen konnte, wie lange das Grundgesetz bestehen würde. Schließlich waren deutsche Staatsgebilde bis dahin nicht immer von langer Dauer gewesen, auch wenn die Politiker gerne von tausend Jahren schwafelten.

Relevant wurde Artikel 146 nie. Bei der Wiedervereinigung 1990 wurde kurzzeitig diskutiert, ob er zur Anwendung kommen solle, aber dann wurde die damalige Fassung des Artikel 23

Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Nieder­sachsen, Nord­rhein-West­falen, Rhein­land-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württem­berg-Baden und Württem­berg-Hohen­zollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.

angewendet, die den Zutritt neuer Bundesländer zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erlaubte.

Aber wussten Sie, dass dieser Artikel 23 durch den US-amerikanischen Außenminister James Baker gestrichen wurde? Damit wurde das Grundgesetz ungültig.

Was?

Ja, bei den Verhandlungen zum 2+4-Vertrag im Juli 1990 hat James Baker den Artikel 23 außer Kraft gesetzt. Damit entfiel der Geltungsbereich des Grundgesetzes und somit wurde das Grundgesetz ungültig.

Oje. Erstens bezweifle ich, dass Herr Baker das so geäußert hat.

Zweitens können Minister eines Staates A nicht durch eine hingeworfene Äußerung die Verfassung des Staates B ändern. Das Grundgesetz wird geändert durch gemeinsame Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat mit jeweiliger Zweidrittelmehrheit (siehe Artikel 79).

Drittens könnte das Grundgesetz natürlich auch ohne Artikel 23 weiter bestehen. Der Geltungsbereich ist unbestritten und wird mittlerweile unter anderem durch die Präambel festgelegt:

Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Sie übersehen, dass Deutschland nicht souverän ist, sondern sich noch im Kriegszustand befindet und von den Alliierten besetzt ist. Deshalb gilt die Haager Landkriegsordnung und …

Sagen Sie, gehen Sie auch manchmal außer Haus und fahren durch Deutschland? Wo sehen Sie denn da einen Krieg?

Aktuell sind die Kampfhandlungen eingestellt, weil die Reichsregierung nicht handlungsfähig ist und daher keinen Widerstand gegen die Besatzer organisieren kann.

Welche Besatzer?

Es befinden sich noch immer alliierte Truppen auf deutschem Boden. Das zeigt doch, dass wir besetzt sind. Wir Deutschen werden als Kriegsgefangene gehalten.

Sie meinen die NATO-Streitkräfte? Die sind doch nicht als Besatzer hier, sondern aufgrund des Nordatlantikvertrags und des NATO-Truppenstatuts, praktisch auf Einladung Deutschlands. Wenn Deutschland wollte, könnte es die ausländischen Truppen hinauswerfen (wie es mit den sowjetischen Truppen geschah). Allerdings müssten wir dann selbst mehr für die Landesverteidigung ausgeben, weswegen uns die US-Armee doch eigentlich ganz gelegen kommt.

Im übrigen ist die Bundeswehr auch in anderen NATO-Staaten stationiert, zum Beispiel in Litauen. Das ist doch keine Besatzung. Die deutsche Luftwaffe hatte bis vor kurzem sogar einen Stützpunkt in den USA.

Aber das Deutsche Reich hat nie einen Friedensvertrag unterzeichnet. Deshalb dauert der Zweite Weltkrieg noch an.

Da ist er wieder, der Formalismus. So stellen sich Nichtjuristen die Rechtswissenschaft vor, aber so einfach ist es nicht.

Kriege können nicht nur durch Friedensverträge beendet werden, sondern auch durch die vollständige Unterwerfung des Gegners oder, wie im Falle des Deutschen Reichs, durch eine Kapitulation.

Zudem beendeten 1951 die meisten Westalliierten durch Gesetz oder königliche Erklärung den Kriegszustand, die Sowjetunion tat dies 1955.

Die Reichsregierung hat nie kapituliert! Die bedingungslose Kapitulation vom 8./9. Mai 1945 wurde nur vom Oberkommando der Wehrmacht unterzeichnet.

Ich würde den Selbstmord des Reichskanzlers sogar als ultimativen Akt der Kapitulation interpretieren. Und die kurzzeitige Regierung Dönitz hatte den Generälen die Vollmacht zur Kapitulation erteilt, verkündete selbst das Ende des Zweiten Weltkriegs und tat auch ansonsten nichts, um dem Eindruck der bedingungslosen Kapitulation entgegenzuwirken.

Außerdem kann eine Friedensordnung nicht nur durch einen Vertrag geschaffen werden, über dem „Friedensvertrag“ steht, sondern auch durch andere Verträge, wie den Deutschlandvertrag, die Beitritte zu EWG und NATO, den 2+4-Vertrag und nicht zuletzt durch die normative Kraft des Faktischen, gegenseitige diplomatische Beziehungen, Handel und einfach die dauerhafte Abwesenheit von Krieg.

Im übrigen verstehe ich nicht den Zusammenhang zwischen angeblich fehlendem Friedensvertrag und angeblich fehlender Staatlichkeit, denn auch ohne Friedensvertrag kann ein Staat wirksam bestehen. Das Deutsche Reich war von 1939 bis 1945 auch nicht unexistent, oder?

Sogar das Bundesverfassungsgericht hat gesagt: „Das Deutsche Reich existiert fort.“

Erkennen Sie die Ironie, die darin liegt, dass Sie das Verfassungs(!)gericht der Bundesrepublik Deutschland, die Sie nicht anerkennen, als Beleg für Ihre Meinung zitieren?

Tja, manchmal begeht das Usurpatorenregime Fehler.

Und nur Ihnen fällt das auf?

Aber lassen Sie mich das erklären. Sie berufen sich auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR aus dem Jahr 1973. Das ist tatsächlich ein sehr unglückliches Urteil, mit dem das Gericht den Vertrag mit der DDR billigen, aber dennoch der DDR keine Staatlichkeit zusprechen wollte. Aus der schizophrenen Situation, dass die DDR für die BRD weder Ausland noch Inland war, aus dem westdeutschen Alleinvertretungsanspruch und aus dem grundgesetzlichen Verbot der Anerkennung der faktisch bestehenden deutschen Teilung konnte nur ein Urteil entstehen, das man nicht lesen kann, ohne verrückt zu werden.

Die Stelle, auf die sich die Reichsbürger gerne berufen, geht noch weiter:

Das Deutsche Reich existiert fort, besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation, insbesondere mangels institutionalisierter Organe selbst nicht handlungsfähig. […]

Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht „Rechtsnachfolger“ des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat „Deutsches Reich“, – in bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings „teilidentisch“, so daß insoweit die Identität keine Ausschließlichkeit beansprucht. Die Bundesrepublik umfaßt also, was ihr Staatsvolk und ihr Staatsgebiet anlangt, nicht das ganze Deutschland, unbeschadet dessen, daß sie ein einheitliches Staatsvolk des Völkerrechtssubjekts „Deutschland“ (Deutsches Reich), zu dem die eigene Bevölkerung als untrennbarer Teil gehört, und ein einheitliches Staatsgebiet „Deutschland“ (Deutsches Reich), zu dem ihr eigenes Staatsgebiet als ebenfalls nicht abtrennbarer Teil gehört, anerkennt. Sie beschränkt staatsrechtlich ihre Hoheitsgewalt auf den „Geltungsbereich des Grundgesetzes“, fühlt sich aber auch verantwortlich für das ganze Deutschland (vgl. Präambel des Grundgesetzes). […] Die Deutsche Demokratische Republik gehört zu Deutschland und kann im Verhältnis zur Bundesrepublik Deutschland nicht als Ausland angesehen werden.

So geht das seitenweise weiter, und jeder kann sich die Sätze herauspicken, die ihm am besten passen. Besser ist es jedoch, man ignoriert dieses Urteil einfach als Tiefpunkt der Verfassungs- und Völkerrechtsdogmatik, wie es die Professoren während meines Jurastudiums taten.

Das Verfassungsgericht deutete in dem Urteil sogar selbst an, dass es nicht viel davon hielt, vom Freistaat Bayern (von wem auch sonst) mit der Klage behelligt worden zu sein:

Der Vertrag kann rechtlich nur gewürdigt werden, wenn man ihn in einen größeren Zusammenhang stellt.

Außerdem ist das mittlerweile durch die Wiedervereinigung alles überholt, denn seit 1990 ist entweder die Bundesrepublik Deutschland wieder vollidentisch mit dem Deutschen Reich oder das Deutsche Reich mangels effektiver Staatsgewalt endgültig untergegangen. Nach dem (logischeren) Staatsrechtsverständnis der DDR war das Deutsche Reich übrigens untergegangen, und die DDR war einfach ein neuer Staat, praktischerweise ganz ohne Schulden und andere Altlasten.

Dass das Deutsche Reich derzeit (wegen der Besatzung) nicht handlungsfähig ist, erkenne ich schon an. Deshalb ist unsere Regierung ja provisorisch.

Das ist wiederum etwas, das ich nicht verstehe. Selbst angenommen, Sie hätten in allen Punkten recht, woher nehmen gerade SIE die Befugnis, das Deutsche Reich zu vertreten?

Wir machen das nur als Statthalter, bis sich eine neue Reichsregierung konstituiert.

Aber wer wird dann wissen, welche dieser Regierungen legitim ist? Da gibt es die Kommissarische Reichsregierung, den Freistaat Preußen, die Exilregierung Deutsches Reich sowie die davon zu unterscheidende Exil-Regierung Deutsches Reich und die Regierung des Deutschen Reiches, den Volks-Reichstag, den Volks-Bundesrath, die Interimspartei Deutschland, den Staat Germanitien, das Fürstentum Germania, die Republik Freies Deutschland, das Königreich Deutschland, den Bundesstaat Bayern, die Heimatgemeinde Chiemgau und hunderte weiterer.

Ich habe den Eindruck, das ist mehr ein Geschäft, denn mit dem Verkauf von (übrigens sinn-, nutz- und wertlosen) Ausweispapieren und Führerscheinen dürften Sie ganz gut verdienen.

Na und? Die BRD ist doch auch nur eine GmbH. Und wir sind eben aus dieser GmbH ausgetreten, weshalb sie uns nichts mehr zu sagen hat.

Nein, ein Staat ist keine GmbH. Dieser Mythos kommt anscheinend von der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH, einem Unternehmen im Bundesbesitz, das die Kreditaufnahme und Finanzierung auf den Finanzmärkten abwickelt (früher war das die Bundeswertpapierverwaltung). Dadurch wird doch nicht ganz Deutschland zur GmbH.

Außerdem kann man aus einer GmbH nicht so einfach austreten. Das ist wieder so ein Punkt, woran man merkt, dass Ihre Theorien nicht einmal in sich selbst schlüssig sind.

Haben Sie sich noch nie gefragt, warum wir in Deutschland keine Bürgerausweise, sondern Personalausweise haben? Weil wir alle Personal, also Angestellte der BRD-GmbH sind.

Da fällt mir auf, dass ich einen Führerschein habe. Und als Führer befehle ich Ihnen jetzt, die Klappe zu halten!

Außerdem haben Sie übersehen, dass das Römische Reich niemals kapituliert hat und noch weiterbesteht. Sie machen sich also besser schon mal gefasst auf die Machtübernahme durch einen kommissarischen Kaiser.

Oh Mist. Daran haben wir gar nicht gedacht.


Puh. So Unterhaltungen mit Verschwörungstheoretikern sind ganz schön anstrengend, weil die einfach immer wieder neue Behauptungen aufstellen, auf Logik und Fakten pfeifen und alle Gegenargumente ihrer Theorie unterordnen. Die Präsenz der Bundeswehr in anderen NATO-Ländern ist demnach zum Beispiel nur ein Ablenkungsmanöver, mit dem die schlauen Alliierten die deutsche Bevölkerung an der Nase herumführen. Denn merke: Nur der Verschwörungstheoretiker ist schlau genug, das alles zu durchschauen, der Rest der Bevölkerung ist dumm. Dieses Gefühl, zu einer Elite zu gehören, ist anscheinend ziemlich verlockend.

Links:

  • Wer jetzt noch mehr über die Reichsbürger lesen will, dem empfehle ich das Buch von Andreas Speit, das auch als preiswerte Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung – wieder so eine Einrichtung, die im Auftrag fremder Mächte die deutsche Bevölkerung an der Erlangung der wahren Erkenntnis hindert – erhältlich ist.
  • Und vergesst nicht, dass Ihr Euch noch den Podcast anhören wolltet!
  • Dieser Artikel erschien auch im Freitag.
  • Wenn Ihr mehr solcher Artikel wollt, freue ich mich über Eure Unterstützung für diesen Blog.
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Bundeszentrale für Sparfüchse

Dass es bei der Bundeszentrale für politische Bildung das Grundgesetz kostenlos und auch sonst eine Menge interessanter Schriften zu günstigen Preisen gibt, fällt wie die verschiedenen Basen der Nukleotide oder die Epochen der deutschen Literaturgeschichte mit dem Ende der Schulzeit dem sofortigen Vergessen anheim. Dabei eignen sich viele der Publikationen auch reisevorbereitend und -begleitend, wie das ebenfalls kostenlose Heft über Israel.

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Erst jetzt habe ich erfahren, dass die Bundeszentrale für politische Bildung auch Sonderausgaben von bei anderen Verlagen erschienenen Büchern herausgibt. Gleicher Inhalt, niedrigerer Preis!

Ein paar Beispiele:

  • Lenins Zug: Die Reise in die Revolution von Catherine Merridale für 4,50 € statt 25 €
  • Ein Volk, ein Reich, ein Führer: Die deutsche Gesellschaft im Dritten Reich von Dietmar Süß für 4,50 € statt 18 €
  • Die Farbe Rot: Ursprünge und Geschichte des Kommunismus von Gerd Koenen für 7 € statt 38 €
  • 1517: Weltgeschichte eines Jahres von Heinz Schilling für 4,50 € statt 24,95 €
  • Der grosse Ausbruch: Von Armut und Wolstand der Nationen von Angus Deaton für 7 € statt 26 €
  • Der Fluch des Reichtums: Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas von Tom Burgis für 4,50 € statt 24 €
  • Reichsbürger: Die unterschätzte Gefahr von Andreas Speit für 4,50 € statt 18 € – Aber zu den Reichsbürgern könnt Ihr auch einfach meinen ausführlichen Artikel lesen oder den Podcast dazu anhören.
  • Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte für 4,50 € statt 20 €.
  • Dimensionen der Mittäterschaft: Die europäische Kollaboration mit dem Dritten Reich von Klaus Kellmann für 7 € statt 50 €
  • Desintegriert euch! von Max Czollek für 4,50 € statt 10 €
  • Lütten Klein: Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft von Steffen Mau für 4,50 € statt 22 €
  • Der Hunger von Martín Caparrós für 4,50 € statt 14 €
  • Mythos Trümmerfrauen von Leonie Treber für 4,50 € statt 29,95 €
  • Der Wert der Geschichte: Zehn Lektionen für die Gegenwart von Magnus Brechtken für 4,50 € statt 20 €
  • Schatten des Kaiserreichs von Eckart Conze für 4,50 € statt 22 €
  • Wir konnten auch anders: Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit von Annette Kehnel für 7 € statt 24 €
  • Die Hohenzollern und die Nazis von Stephan Malinowski für 7 € statt 35 €
  • Berlin: Biographie einer großen Stadt von Jens Bisky für 7 € statt 38 €
  • Eine kurze Geschichte der Gleichheit von Thomas Piketty für 4,50 € statt 25 €
  • Die Reise ins Reich von Tobias Ginsburg für 4,50 € statt 12 €
  • Kleptopia von Tom Burgis für 4,50 € statt 22 €
  • Antisemitismus gegen Israel von Klaus Holz und Thomas Haury für 4,50 € statt 35 €
  • Putin vor Gericht? von Gerd Hankel für 4,50 € statt 14 €
  • Die umkämpfte Einheit: Die Treuhandanstalt und die deutsche Gesellschaft von Dierk Hoffmann für 4,50 € statt 25 €
  • Ungleiche Brüder: Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart von Andreas Kappeler für 4,50 € statt 18 €
  • Der Dienstbetrieb ist nicht gestört: Die Deutschen und ihre Justiz 1943-1948 von Benjamin Lahusen für 4,50 € statt 34 €
  • Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen: Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung von Achim Doerfer für 4,50 € statt 24 €
  • Revolusi: Indonesien und die Entstehung der modernen Welt von David van Reybrouck für 7 statt 34 €
  • Heldendämmerung: Wie moderne Gesellschaften mit umstrittenen Denkmälern umgehen von Alex von Tunzelmann für 4,50 € statt 17 €
  • Offene Wunden Osteuropas. Reisen zu Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs von Franziska Davies und Katja Makhonita für 4,50 € statt 28 €
  • Im Strudel: Eine Umweltgeschichte der modernen Welt von Frank Uekötter für 7 € statt 49 €
  • Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine von Serhii Plokhy für 4,50 € statt 30 €
  • Anfänge: Eine neue Geschichte der Menschheit von Davig Wengrow und David Graeber für 7 € statt 16 €
  • Das Deutsche Demokratische Reich von Volker Weiß für 5 € statt 25 €

Ihr seht schon, da sind auch aktuelle Titel und Bestseller dabei. Aber die Auflage ist anscheinend limitiert, also schnell zugreifen bzw. regelmäßig die Neuerscheinungen durchsehen.

Das ersparte Geld könnt Ihr dann an diesen Blog spenden. 😉 Dafür gibt es ein Dankeschön, das garantiert einmalig ist und das es niemals in einer Billigausgabe geben wird.

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Fronleichnam in Bolivien

Ich dachte immer, Fronleichnam sei eine ernste und andächtige Angelegenheit. In Quillacollo in Bolivien gab es zwar einen kurzen religiösen Umzug zur Kathedrale, wo Eis- und Bierverkäufer schon ihrem Geschäft nachgingen, während der Pfarrer etwas von Jesus erzählte. Aber die meisten Leute waren für das sich unmittelbar anschließende Fest erschienen, bei dem Musik- und Tanzgruppen stundenlang durch die Stadt ziehen würden.

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

Die Hauptstraße war geschmückt mit mehreren großen Gemälden aus Sand und Blüten, die Szenen aus der Bibel und andere religiöse Symbolik zeigten.

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

Wenn Ihr Euch die Schuhe der folgenden Gruppe anseht, bedenkt bitte, dass die Jungs damit mindestens 4 bis 5 Stunden durch die ganze Stadt ziehen, tanzen und musizieren mussten.

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

Ja, diese Dame trank während der Aufführung eine Dose Bier.

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

By Edward John Allen

Dieses riesige Spektakel war jedoch nur die Probe für die eigentlichen Feiern, die im August für die Jungfrau von Urkupiña, die Schutzpatronin der nationalen Integrität Boliviens, begangen werden. Ziemlich hilfreich war sie anscheinend nicht, denn seit der Staatsgründung 1825 hat Bolivien mehr als die Hälfte seines Territoriums verloren.

Mann muss schon bewundern, wie Bolivien Tänze von Mädchen in sehr, sehr kurzen Röcken mit andächtiger Verehrung einer angeblichen Jungfrau vereinbart.

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Schusswaffe im Flugzeug

Heute mal ein praktischer Tip für vielfliegende Geheimagenten.

Immer wieder hastet man sich nach erfolgreich beendeter Mission erschöpft zum Flughafen und bucht zur Verwirrung der Verfolger einen Flug nach Slowenien und einen nach Slawonien. Bei der Gepäckaufgabe wird einem die Liste verbotener Gegenstände vor die Nase gehalten, die auf keinen Fall in ein Flugzeug dürfen: Plutonium, Sprengstoff, Mineralwasser, das nicht im überteuerten Flughafenbereich erstanden wurde, und – oh Schreck – Schusswaffen.

Rein aus Reflex ist man ehrlich und gibt zu, eine Pistole dabeizuhaben. „Tur mir leid“, sagt der Aeroput-Angestellte dann ungerührt und unflexibel, „Schusswaffen sind an Bord verboten.“ Wohin also mit der Wumme? Nur selten sind die Toilettenspülungen ausreichend stark, um eine Beretta hinunterzuspülen (die Toiletten am Flughafen Mehrabad sind die ungeeignetsten, kann ich Euch sagen), und nicht an allen Flughäfen gibt es praktische Topfpflanzen zum Vergraben des ansonsten so nützlichen, aber plötzlich umständlich gewordenen Agentenwerkzeugs. Man denkt kurz daran, sich den Weg freizuschießen, erinnert sich aber gerade noch rechtzeitig, dass das Töten Unschuldiger verboten ist. Steht irgendwo im Arbeitsvertrag, glaube ich.

Und so endete die Flucht vieler geschätzter Kollegen, die ihren Flug verpassten und dafür von Idi Amins Schergen eine verpasst bekamen.

„Und das alles wegen irgendeiner Verordnung aus Brüssel“ rufen die, die immer „Brüssel“ für alles verantwortlich machen, weil sie die EU-Kommission, das EU-Parlament, den Europarat, den Europäischen Gerichtshof und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht auseinander halten können.

Aber nein, daran kann es nicht liegen. Denn in Tschechien (nicht Tschetschenien, also mitten in der EU) gibt es eine Fluggesellschaft, die kein Problem mit bewaffneten Passagieren hat. Als ich bei dem mir bis dahin unbekannten Travel Service nach den Gepäckgebühren suchte, fiel mein Blick auf dieses einmalige Angebot:

Waffe im Fugzeug.JPG

59 Euro sind zwar happig, aber andererseits bekommt man für die gleiche Gebühr nur ein Kind oder ein lebendes Tier, beide bekanntermaßen weit nervigere Reisegenossen. Da der Aggregatszustand beim Tier hervorgehoben wird, gehe ich übrigens davon aus, dass man Kadaver kostenfrei in den Koffer packen kann. Auch das ziemlich kulant.

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DSGVO – Datenschutzerklärung

Click here for the English version.

Jetzt ist also die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten, und im ganzen Land bricht Panik aus, wie wenn vorher kein Datenschutzgesetz gegolten hätte. Die zweijährige Vorbereitungszeit hat anscheinend jeder verschlafen.

Ich sollte mich eigentlich nicht beschweren, denn als Jurist und Übersetzer für Deutsch und Englisch habe ich dank der DSGVO derzeit Arbeit bis unters Dach. Andererseits habe ich Arbeit gar nicht so besonders gern, denn sie hält mich von wichtigeren Dingen ab. Und irgendwie ist es doch traurig, wie jetzt im Internet jeder jeden anlügt: Die Unternehmen heucheln, dass sie am Schutz unserer Daten interessiert seien und diese niemals missbrauchen würden. Und die Nutzer klicken jedes Mal blind auf „Ja, ich habe die Nutzungsbedingungen dieser Website/App gelesen und stimme zu“. Niemand hat die je gelesen!

Was will man auch erwarten von Menschen, die sich Geräte ins Schlafzimmer stellen, die jedes Wort (und andere Laute) aufzeichnen und an ein Unternehmen übermitteln? Dafür zahlen Leute sogar noch! Oder sie kaufen sich sündteure Armbanduhren, um nicht nur alle privaten Daten und jederzeit ihren Aufenthaltsort, sondern sogar ihre Blut-, Puls- und Leberwerte ständig an ein Unternehmen zu übertragen. Armbanduhr ist eigentlich sowieso die falsche Bezeichnung für das Ausforschungsteil, denn eine Uhr, die nicht einmal 24 Stunden hält, ohne dass man die Batterie aufladen muss, verfehlt doch ihren Zweck. Und wieviele hochwichtige Geschäftsverhandlungen konnte ich schon im Zug belauschen, wieviele Excel-Tabellen mitlesen, weil Leute mit Mobiltelefon und Laptop niemals warten können, bis sie zuhause sind.

Welche Daten erhebe ich von Euch?

Gar keine. Wozu auch?

Ihr könnt/sollt natürlich kommentieren, und die Kommentare werden gespeichert und angezeigt. Das ist der Sinn von Kommentaren. Aber ich wette, das war Euch vorher schon klar.

Ganz selten kommt es vor, dass mich jemand bittet, einen früher abgegebenen Kommentar zu löschen. Ich lösche dann meist nur den Namen und lasse den Kommentar stehen. Kommentare sind so etwas wie Leserbriefe. Wenn Ihr es Euch nach drei Jahren anders überlegt, werden auch nicht alle alten Zeitungen vernichtet.

Statistiken

Ich kann bei WordPress abrufen, wieviele Leute welche Artikel lesen und aus welchen Ländern sie kommen (deshalb die interessante Aufstellung der Flaggen/Länder rechts). Das kann ich aber keiner bestimmten Person zuordnen. Ich weiß also nicht, wer von Euch meinen Blog liest oder nicht. (Das erfahre ich eher dadurch, dass Leute den Kontakt zu mir abbrechen.)

Außerdem gucke ich mir die Statistiken sowieso nicht oft an, weil es nur deprimierend ist.

Cookies und Plugins

Ach ja, sowas gibt es hier wahrscheinlich auch, denn die sind ja überall im Internet. Was die machen, könnt Ihr bei WordPress, Facebook, Twitter und YouTube nachlesen.

Auf jeden Fall empfehle ich Euch, sich impfen zu lassen.

Widerspruch

Ich widerspreche hiermit ausdrücklich Kommentaren und Nachrichten, die dumm, langweilig oder belanglos sind oder die grammatikalisch nicht korrekt formuliert sind.
Zuwiderhandlungen können zu Blockieren, Ignorieren und Respektverlust führen.

E-Mails

Ich bin nicht der Meinung, dass A durch das Schreiben einer E-Mail an B einen Anspruch darauf erwirbt, dass B antwortet.

Es ist gar nichts Persönliches (wie auch, oft lese ich sie ja nicht einmal), aber ich habe einfach nicht die Zeit, alle E-Mails zu lesen oder gar darauf zu antworten. Wenn ich antworten will, nehme ich mir aber gerne ausreichend Zeit und Muße, so dass es durchaus mal ein halbes Jahr dauern kann. Am besten nutzt Ihr die Wartezeit für Bücher und lange Spaziergänge.

Material für den Blog

Wer mit mir per E-Mail, persönlich oder sonstwie interagiert oder ohne eigenes Zutun in mein Blickfeld gerät oder mein Interesse auf sich zieht, muss damit rechnen, sich in einem Artikel auf diesem Blog oder auch mal in einem Buch wiederzufinden.

Das ist alles?

Ja. Beim Datenschutz ist es wie beim Autokauf oder bei der Heirat: Wenn Euch jemand im letzten Moment einen Vertrag mit 20 Seiten zur Unterschrift vorlegt, will er/sie Euch bescheißen. Ich finde, dass AGB und Datenschutzerklärungen von über zwei Seiten Länge verboten sein sollten. Oder man sollte die jeweiligen Seiten/Apps erst nutzen dürfen, wenn man den gesamten Text laut vorgelesen hat (aber bitte nicht im Zug), um zu bestätigen, dass man ihn wirklich gelesen hat.

Schreibtisch voll
Meine Strategie: Datenschutz durch Unordnung.
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Spanisch B1

Diplom B1 klein

So, anscheinend kann ich jetzt Spanisch. Zumindest auf dem (Fortgeschrittenen-)Niveau B1. Aber wenn man bedenkt, dass zur Erlangung der spanischen Staatsbürgerschaft nur das A2-Niveau erforderlich ist, ist das nicht einmal so schlecht.

Zertifikat B1.JPG

Allerdings war ich enttäuscht, dass ich den schriftlichen Teil nur knapp bestanden habe. Vielleicht habe ich das Thema verfehlt und über etwas komplett anderes geschrieben. Oder es reflektiert die Art, wie ich Spanisch gelernt habe: Hauptsächlich durch Unterhaltungen und Diskussionen, nicht im Unterricht. Allerdings habe ich auch die Bücher von Pons und Assimil verwendet.

Dass ich fürs Sprechen mehr Punkte als fürs Zuhören bekommen habe, wird niemanden überraschen, der mich kennt. 😉 Vielleicht habe ich hier auch nur die volle Puntkzahl erreicht, weil die Prüfer nicht wussten, wie sie mich sonst zum Schweigen bringen konnten. Oder das Instituo Cervantes erkannte, dass ich mit bolivianischem Akzent sprach und dachten sich: “Was für ein wunderschönes, reines, klares und perfektes Spanisch! Nicht so wie bei uns in Spanien.”

Das B1-Niveau genügt jedoch nicht zum Studium an einer spanischsprachigen Universität, also werde ich wohl noch weiterlernen müssen. Wenn es doch nur interessantere Fernsehserien auf Spanisch gäbe als diese verdammten Telenovelas…

(Click here to read this in English.)

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Drei Deutschlandreisen

Bücher über Wanderungen durch Deutschland gibt es wie Wanderwege in diesem wanderfreudigen Land: an jeder Ecke schon einen, und trotzdem werden jeden Monat neue eröffnet. Aber drei dieser kürzlich erschienenen Bücher habe ich mir mal für Euch angesehen.

978-3-498-06307-8Der ZEIT-Journalist Henning Sußebach hat es sich in Deutschland ab vom Wege zur Aufgabe gemacht, abseits der Städte und sogar abseits von Straßen von Nord nach Süd zu wandern. Was wie ein ökologisch motivierter Trip auf der Suche nach unversiegelter, unbetonierter Fläche beginnt, wird zu einer Entdeckungsreise des flachen Landes, der Provinz und der Menschen in diesen Dörfern.

Hier begegnet Sußebach den Menschen, die ansonsten nie als Einzelpersonen, sondern als Protestwähler, Abgehängte oder Jammerossis auftauchen. Beeindruckend, erhellend und auch motivierend finde ich, wie offen Sußebach für die Sichtweisen von Menschen ist, mit denen er politisch oder weltanschaulich nicht viel gemein hat. Niemals ist er abwertend, nicht einmal bewertend.

Von Nord nach Süd wird Deutschland etwas unfreundlicher und in Bayern dann regelrecht kommerziell. Wo man Wanderer als Touristen gewöhnt ist, scheint es nicht (mehr) üblich zu sein, Fremde einfach so zum Abendessen hereinzubitten oder ihnen gar ein Bett anzubieten.

Ein ruhiges, nachdenkliches, schönes Buch, das mir Lust darauf gemacht hat, auch mal unsere deutsche Provinz kennenzulernen. Und wieder habe ich gemerkt, dass ich den Osten Deutschlands weniger kenne als viele andere Länder.

Auf die wichtigste Frage, die ich nach der Lektüre von Deutschland ab vom Wege hatte, antwortete der Autor übrigens prompt – aber leider negativ:

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Trotzdem bleibe ich ein eifriger Spaziergänger, teils aus Notwendigkeit, weil ich kein Auto habe, aber auch, weil ich gemerkt habe, dass es die intensivste Art ist, die Umwelt zu beobachten. Uli Hauser, Journalist beim Stern, sieht es zudem als „Widerstandsakt gegen eine Form von Ungeduld und Geschwindigkeit, die mir zunehmend auf den Geist geht“.

Geht doch von Uli HauserAuch er ging von Nord nach Süd: von Hamburg nach Rom. Sein Buch Geht doch! handelt etwas weniger von dem durchwanderten Land, als vielmehr von der positiven Wirkung des Gehens selbst, wie schon der Untertitel Wie nur ein paar Schritte mehr unser Leben besser machen verrät.

Der anfängliche Rat des Autors könnte meiner Anleitung entnommen sein: „Gehen ist keine Zauberei: Man braucht dafür keine Warnweste und keine bunten Schuhe, auch keine Extrahose mit Leuchtstreifen.“ Leider wird Hauser dann zunehmend besessen, was seinen Gang und die Gehwerkzeuge angeht, und verbringt immer mehr Zeit bei Schuhmachern, in Schuhgeschäften, bei Orthopäden und bei Gehtrainern, schreibt über Klumpfuß, Stoßdämpfung, Faszien und Einlegesohlen. Das nimmt einen zu breiten Raum im Buch ein. (Wer davon überrascht ist, dass Gehen die Füße beansprucht und dass eine Wanderung von mehr als 1000 km anstrengend ist, sollte diese Überraschung vielleicht besser für sich behalten. Bei Sußebach kann ich mich nicht daran erinnern, dass er einmal gejammert hätte. Andere Schriftsteller gingen durch ganz Europa, ohne sich einmal dazu herabzulassen, über eine Blase oder eine wundgelaufene Ferse zu schreiben.)

Dennoch gebe ich auch für Geht doch! eine Empfehlung ab. Schon allein wegen der Sprache. Genauso pedantisch, wie Hauser gerne den perfekten Schuh entwerfen würde, hat er an diesem Buch geschliffen, bis jeder Satz sitzt und jedes Wort wirkt. Außerdem sind einige der thematischen Ausflüge durchaus interessant, zum Beispiel auf der Altstraßenkarte von Professor Dietrich Denecke, die noch Standorte von Galgen oder die Orte zum Pferdewechseln markiert, oder dem „Raißbüchlin“, dem ersten deutschen Reiseführer von 1563.

Das dritte Buch gehört keinesfalls mit auf die Wanderung. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es ein 1,6 kg schwerer, prächtig gestalteter Band ist, den man eher kapitelweise während der Winterpause vor dem Kamin liest: Das Buch der Deutschlandreisen.

Mit dieser Anthologie reist man nicht nur geographisch, sondern auch historisch durch Deutschland, von Cäsar und Tacitus über Montesquieu, Hume, Stendhal, Twain und Fermor bis zu Frisch, Forsyth, Noteboom und Stasiuk. Auch unbekanntere Autoren sind dabei, bzw. Menschen, die eher für anderes als für ihre Deutschlandbeobachtungen bekannt sind, wie der Schah von Persien (es geht um den Besuch von 1873, nicht den von 1967) oder John F. Kennedy (es geht um seine Deutschlandreise als Student, nicht als Präsident). Aber allesamt sind es Ausländer, die als Besucher auf unser Land blicken.

Das Buch ist opulent gestaltet und hochwertig verarbeitet, mit Karten, Zeichnungen, Stichen oder Fotos auf fast jeder Seite. Ein Genuss für Bibliophile und perfekt zum Schmökern. Dabei geht es keineswegs nur um das romantische Schloss- , Schwarzwald- und Wanderdeutschland, sondern auch um Kriege, Politik und die Berliner Mauer.

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Aufgrund des Preises von 48 Euro ist Das Buch der Deutschlandreisen wohl eher etwas für Geburtstage oder Weihnachten. Aber wenn Ihr es verschenken wollt, bestellt es sicherheitshalber ein paar Monate vor dem Fest, um ausreichend Zeit für die eigene Lektüre zu haben.

(Diese Rezension erschien auch im Freitag.)

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Wenn Ihr 18 seid, zahlt Euch die EU den Sommerurlaub

Für mich kommt das leider zu spät (verdammte Altersdiskriminierung), aber vielleicht sind einige von Euch 18 oder haben Kinder in dem Alter. Dann habt ihr Glück! Denn die Europäische Union finanziert 15.000 Reisen für Einzelpersonen oder Gruppen von bis zu fünf Personen.

Ihr müsst Euch zwischen dem 12. und 26. Juni 2018 online bewerben. Das Bewerbungsformular wird dann auf dem Europäischen Jugendportal bereit stehen. Als kleine Hürde gibt es ein Quiz über europäisches Kulturerbe zu bestehen. Ebenso wird erwartet, dass die Reiseroute mindestens einen Ort des Kulturerbes beinhaltet. Zufällig ist 2018 auch das Europäische Kulturerbejahr, so dass es dazu noch Tausende von Veranstaltungen gibt.

Ihr könnt Euch bewerben, wenn Ihr am 1. Juli 2018 im Alter von 18 Jahren seid und die Staatsbürgerschaft der Europäischen Union habt. Liebe Teenager aus dem Vereinigten Königreich, das ist Eure letzte Chance. 😉 Beachtet, dass Ihr zwar eine EU-Staatsbürgerschaft benötigt, aber nicht in der EU leben müsst. Das ist ein weiterer Grund, mal Euren Familienstammbaum zu erforschen und nach einem deutschen oder spanischen Großvater oder einer niederländischen oder irischen Großmutter zu suchen, von der Ihr Eure EU-Staatsbürgerschaft ableiten könnt.

Die Gewinner werden Anfang Juli 2018 benachrichtigt und können die Reise dann zwischen Juli und September 2018 durchführen. Ihr habt dafür bis zu 30 Tage Zeit, und ich empfehle Euch, das bis zum letzten Tag auszuschöpfen!

Eure Route muss mindestens ein weiteres Land über das Startland hinaus beinhalten, und Ihr könnt bis zu vier Länder bereisen. Dabei würde ich nicht dorthin fahren, wo sowieso schon jeder immer hinfährt (London, Rom, Paris), sondern diese Möglichkeit nützen, mal etwas vollkommen Neues zu erforschen. Lublin statt London, Rumänien statt Rom, Piran statt Paris.

Die EU bezahlt die Zugtickets (oder falls nötig die Fähre oder andere Verkehrsmittel, aber es gibt doch kein entspannenderes und romantischeres Reisen als das mit der Eisenbahn). Unterkunft und Essen werden nicht bezahlt, und auch deshalb empfehle ich Euch eher eine Route abseits von den Touristenschwärmen. Wenn Ihr zum Beispiel aus West- oder Nordeuropa nach Osteuropa kommt, werdet Ihr überrascht sein, wie lange Ihr dort mit Eurem Taschengeld überleben könnt. Und denkt auch an Couchsurfing, wo Ihr Einheimische findet, bei denen Ihr kostenlos wohnen könnt und die Euch sogar noch ihre Stadt zeigen. So wird die Reise zu einem richtigen Erlebnis! Schließlich geht es bei #DiscoverEU genau darum, dass man seine Mit-Europäer besser kennenlernt.

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(Read this article in English.)

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