Das Nazi-Taxi in Bolivien

Kürzlich habe ich darüber geschrieben, wie sich Fußballmannschaften in Südamerika auch durch ihre politische Ausrichtung unterscheiden. Anscheinend gibt es das gleiche bei Taxis.

Dieser Moto-Taxi-Fahrer in Villa Tunari in Bolivien trug seine Einstellung so sichtbar auf dem Helm, dass es mir ein Leichtes war, einen anderen Fahrer zu wählen.

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Ein eher hässlicher Kontrast zu dem Taxifahrer in Santa Cruz, dessen Vater ein jüdischer Flüchtling aus Deutschland war.

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Dokumentation über Tim und Struppi

Für Fans von Tim und Struppi eine sehr interessante Dokumentation:

Ich habe viel Neues daraus erfahren, u.a. über

  • Hergés Anfänge bei einer Pfadfinderzeitschrift,
  • seinen ersten Job bei einer streng katholischen und nationalistischen Zeitung, die die politische Linie für die Frühwerke über die Sowjetunion und den Kongo vorgab,
  • den phänomenalen Erfolg unmittelbar nach Erscheinen der Comics (die Zeitung musste die Wochenendauflage verdreifachen),
  • die realen Vorbilder für die Figuren in den Comics,

Und schon habe ich wieder Lust auf die Bücher bekommen.

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Ich gehe wieder auf Kreuzfahrt

Für meine unmittelbar bevorstehende Rückkehr nach Europa habe ich, ganz im Einklang mit meiner romantischen und altmodischen Grundeinstellung, dem Dampfschiff den Vorzug gegenüber der neumodischen Erfindung des Düsenstrahlflugzeugs gegeben.

So werde ich also zwei Wochen durch die Karibik und über den Atlantik tuckern. Los geht es in Cartagena in Kolumbien am 11. Mai 2017 mit geplanten Aufenthalten in

  • Sint Maarten,
  • vielleicht sogar einem Spaziergang nach Saint Martin, das hoffentlich auch nach der Wahl in Frankreich noch Teil der Europäischen Union sein wird,
  • Antigua und
  • Madeira

bevor ich am 25. Mai 2017 in Lissabon ankomme.

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Mit 550 Euro ist die Reise ein wenig teurer als ein Flug, aber dafür ist das Essen für zwei Wochen inbegriffen und man hat mehr Platz, Komfort und Abenteuer. Einmal kann ich mir das gönnen, vor allem weil meine kommenden Reisen lange Spaziergänge durch Europa sein werden, die mich praktisch gar nichts kosten.

Wie bei meiner letzten Kreuzfahrt freue ich mich schon auf zwei Wochen ohne Internet. Das bedeutet aber, dass Ihr mir bis zum 10. Mai 2017 Bescheid geben müsst, wenn Ihr eine Postkarte von einer karibischen Insel wollt. Angesichts von Eisbergen, Stürmen und Piraten könnte das die letzte Chance sein. Aber selbst wenn ich überlebe, wird die Reise ziemlich rau:

Wenn Euch schon schlecht wird nachdem Ihr so etwas drei Minuten lang anseht, stellt Euch mal vor, wie es ist, das zwei Wochen lang auszuhalten – Tag und Nacht.

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Deutschland 1945-1949

Diese beiden Filme zeigen – in teilweise grausamen Bildern – wie die Alliierten unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs über Deutschland dachten. Sie sahen, meiner Meinung nach zurecht, eine Kontinuität des deutschen Militarismus und der Aggression von Preußen über das Kaiserreich bis zum Dritten Reich.

Die Lehre daraus war konsequenterweise, dass mit der bedingungslosen Kapitulation die Millionen Nazis nicht plötzlich friedliebende Demokraten geworden waren und dass man den Deutschen auch weiterhin nicht trauen könne.

Warum hat sich das nach 1945 so schnell geändert?

Dafür können wir dem Kalten Krieg danken.

Ohne die Teilung Europas wäre es gut möglich, dass diese beiden Filme und nicht der Marshall-Plan den Ton für die Behandlung Deutschlands durch den Rest der Welt in den Nachkriegsjahrzehnten angegeben hätten.

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Unsortierte Gedanken (13)

  1. Stimmt es die Landesverfassungsgerichte eigentlich traurig, dass jeder nur nach Karlsruhe strebt?
  2. VW beißt sich wahrscheinlich in den Arsch beim Gedanken daran, dass die Betrügereien bezüglich erhöhter Abgaswerte im letzten Jahr der Obama-Regierung aufflogen. Die Trump-Regierung würde das wohl lockerer sehen, nicht nur weil der Präsident selbst Erfahrung mit Betrugsvorwürfen hat.
  3. Und wer denkt, dass die US-Justiz hier überreagiert, z.B. mit Festnahmen von VW-Managern, dem sei gesagt, dass VW mit außerordentlicher krimineller Energie die Behörden und Verbraucher bewusst und planmäßig täuschte und belog. Die VW-Ingenieure wussten von Anfang an, dass die Dieselmotoren nicht den Abgasnormen entsprechen würden, aber anstatt die Motoren zu verbessern entwickelten sie immer ausgeklügeltere Vertuschungsmethoden. Auf Nachfragen logen sie, und als es brenzlig wurde, wurden Beweise vernichtet. Ich habe als Übersetzer an dem Vergleich zwischen dem US-Justizministerium und der Volkswagen AG gearbeitet, und es las sich streckenweise wie ein Artikel über die Mafia.
  4. In meinem Artikel über das Österreichische Hospiz in Jerusalem erwähnte ich Max Reisch, der dort mal Rast machte. Als ich mehr über ihn und insbesondere seine Motorradreise nach Indien in den 1930ern las, wurde ich immer neugieriger. route_indien
  5. Deshalb vielen Dank an den Verlag Tyrolia für die Übersendung der Biographie von Max Reisch und an den Verlag Ennsthaler für die Neuausgabe von Max Reischs „Indien – Lockende Ferne“.
  6. Ich werde die Bücher diesen Sommer lesen und im Blog besprechen. Mein Vater, der zur Zeit die Bücherpakete für mich in Empfang nimmt, hat letzteres fast am gleichen Tag ausgelesen, was als Empfehlung zu verstehen ist.
  7. Vor 102 Jahren lautete die Fragestellung im Abitur an deutschen Gymnasien „Wann dürfen wir von einem heiligen Krieg sprechen?“ Hier ein paar der Anworten.
  8. Mit etwas Übertreibung könnte man übrigens auch sagen, dass der Dschihad ein Meister aus Deutschland ist, aber dazu schreibe ich mal einen gesonderten Artikel.
  9. Wo genau liegt die Grenze zwischen dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten?
  10. Noch mehr Unglaubliches von dem Offizier aus Nr. 10 der letzten Tagesnotizen: Er war schon seit Jahren als rechtsextrem und fremdenfeindlich aufgefallen. Das störte bei der Bundeswehr anscheinend niemanden.
  11. Aber auch das FBI hat Probleme mit dem Personal. Es geht um Daniela Greene, eine aus der Tschechoslowakei stammende und in Deutschland aufgewachsene Übersetzerin, die auf Denis Cuspert, einen aus Deutschland stammenden ISIS-Terroristen in Syrien angesetzt war. Im Jahr 2014 nahm Frau Greene Urlaub, angeblich um ihre Eltern in München zu besuchen. Tatsächlich flog sie in die Türkei, schlich über die Grenze nach Syrien, begab sich in das von ISIS kontrollierte Gebiet und – jetzt wird’s romantisch – heiratete dort Herrn Cuspert, nachdem sie ihm offenbart hatte, dass er vom FBI beobachtet wurde. 
  12. Eines Tages werden die meisten Menschen vielleicht die Idee des Tötens von Tieren, um sie zu verzehren, für offensichtlich moralisch falsch, vielleicht sogar für eklig halten.
  13. In Georgien könnte das allerdings etwas länger dauern. Dort wurden Gäste eines veganen Restaurants von einem Mob mit Würsten und Fleisch beworfen.
  14. Noch in den 1990ern dachte übrigens meine Oma, dass ich sterben würde, wenn ich kein Fleisch mehr esse. Mein Gegenargument von den zig Millionen Indern, die niemals Fleisch essen und auch alt werden, zog nicht, denn, so meine Oma: „Du bist kein Inder.“
  15. Trotzdem habe ich sie überlebt. Diskussion gewonnen.
  16. Meine Reiseplanung geht nicht über die nächsten zwei Monate hinaus. Keine Ahnung, was danach kommen wird.
  17. Mazedonien wird immer interessanter. Vielleicht ziehe ich nach meiner Rückkehr nach Europa dorthin.

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Himmelstreppe

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Fotografiert in Capo Milazzo, Sizilien.

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Das Massaker von Milluni

In meinem Artikel über den Chacaltaya erwähnte ich den Friedhof in Milluni am Fuße des Huayna Potosí und bemerkte nebenbei, dass scheinbar das ganze Dorf gestorben war.

Es stellt sich heraus, dass ich damit Recht hatte, aber dass die dahinterliegende Geschichte brutaler als vermutet ist. Im Jahr 1965 streikten die Bergleute und errichteten in Milluni so etwas wie eine Basis der Opposition gegen die bolivianische Regierung, einschließlich einer Radiostation, die ins nahe La Paz sendete. Die Regierung (eine der vielen Militärdiktaturen im Laufe der Geschichte des Landes, die sich übrigens Ratschläge von Klaus Barbie holte) entsandte Truppen, Panzer und Bomber, die am 24. Mai 1965 das „Massaker von Milluni“ begingen.

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Obwohl dieser Friedhof jetzt vor der Bergkulisse schön und ruhig daliegt, hoffe ich, dass Ihr diese Geschichte im Kopf behaltet wenn Ihr Euch noch ein paar der Fotos anseht, die ich von dort mitgebracht habe.

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Nachtrag:

Dieser schaurig-schöne Ort ist einer der Schauplätze in dem Western Blackthorn.

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Der echte Q

Manche Leute glauben noch immer, dass James Bond eine fiktive Person sei. Wie naiv.

Operation MincemeatIn dem Buch Operation Mincemeat erzählt Ben Macintyre die wahre Geschichte einer britischen Geheimdienstoperation während des Zweiten Weltkriegs. Eine Leiche wurde mit gefälschten Papieren ausgestattet und in Spanien an Land gespült. Die Briten hofften (zurecht), dass die Spanier die Papiere an das Deutsche Reich weitergeben würden, und dass man dort den (gefälschten) Plänen einer Landung auf Sardinien, Korsika und Griechenland Glauben schenken würde. Damit sollte die Wehrmacht von der tatsächlich bevorstehenden Landung auf Sizilien abgelenkt werden.

Der Plan ging auf.

Mit der Konstruktion des Behälters für den Transport des schon verwesenden Leichnams nach Spanien wurde Charles Fraser-Smith von der „Abteilung Q” beauftragt.

Sein Auftrag war die Ausstattung von Geheimagenten, Saboteuren und Kriegsgefangenen mit einer Reihe von Apparaten wie Miniaturkameras, unsichtbarer Tinte, versteckten Waffen und in Bleistiften verborgenen Kompassen.

Meine Lieblingserfindung war jedoch dies:

Er erfand Schokolade mit Knoblauchgeschmack, die von Agenten verzehrt werden sollte, die mit dem Fallschirm über Frankreich absprangen, damit ihr Atem schon bei der Landung ausreichend gallisch roch.

Es ist schön, wenn wenigstens einer im Büro an jede Kleinigkeit denkt.

Wenn Euch Fraser-Smith an Q aus den James-Bond-Filmen erinnert, ist das kein Zufall. Ian Fleming, der Autor der zugrundeliegeden Romane, diente während des Zweiten Weltkriegs im Geheimdienst der britischen Marine.

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Büchermarkt im Mittleren Osten

Im Irak lassen Buchhändler die Bücher nachts einfach neben der Straße stehen, weil man sich sagt: „Leser stehlen nicht, und Diebe lesen nicht.“

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Das erinnert mich an eine Episode aus dem Iran.

In einem Antiquariat fand ich so viele interessante Bücher auf Englisch und Deutsch, dass mich der Ladeninhaber nach einer Weile vorsichtig fragte, ob ich noch länger benötige. „Wieso?“ wunderte ich mich. „Es ist nur so, dass ich bald zum Mittagessen gehen will“, erklärte er. Kein Problem. Ich schlug vor, dass ich in einer Stunde wiederkommen würde. „Nein, nein, das meinte ich nicht“, erwiderte er. „Wenn Sie noch eine halbe Stunde stöbern können, würde ich einfach schnell essen gehen, und Sie können derweil hierbleiben.“ So überließ er mir, einem Fremden, seinen ganzen Laden zur Aufsicht.

In den Büchermärkten rund um die Universität in Teheran lernte ich, dass man die interessantesten und fremdsprachigsten Bücher in den entlegensten Läden findet. Wenn man in einem heruntergekommenen Haus zuerst in den zweiten Innenhof, dann in den vierten Stock und schließlich durch einige andere Läden in das letzte Zimmer gehen muss, dann hat man den Ort gefunden, wo die Literatur aus der Zeit vor der Islamischen Revolution 1979 aufbewahrt wird.

In einem Buchladen für juristische Literatur kam ich mit einem iranischen Rechtsanwalt ins Gespräch, der mich fragte, woher ich komme. „Aus Deutschland.“ „Oh, Deutschland! Ich liebe drei Dinge an Deutschland: Andreas Brehme, die Frankfurter Schule und Hugo Grotius.“ Andreas Brehme war zu dem Zeitpunkt zwar schon in Rente und Hugo Grotius war Niederländer, aber dennoch fand ich das eine beeindruckende Aufzählung. Sonst wird man ja meist nur auf Hitler und Mercedes-Benz angesprochen.

(Danke an Alaa Sattar für das Foto vom Houwaish-Markt in Nadschaf im Irak.)

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Unsortierte Gedanken (12)

  1. Wer etwas Bewegendes hören möchte, das vielleicht den Glauben an die Menschheit wiederherstellt, dem sei diese Reportage über ein israelisches Krankenhaus empfohlen, das syrische Verwundete und Kranke behandelt.
  2. Ich hätte nicht gedacht, dass viele Menschen meine extrem langen Artikel wie den über meinen Entschluss zur Rückkehr nach Europa lesen, aber die Zahl der Kommentare hat mich überrascht. Danke!
  3. Mehr als 100 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern finden Forscher noch immer neue Beweise.
  4. Im Mittelalter glaubten die Bayern, dass sie aus Armenien eingewandert wären.
  5. Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Wahl der Universität für die Promotion: In Finnland bekommt man bei erfolgreichem Abschluss ein Schwert. phd-degree-with-distinction-in-molecular-plant-pathology-biotechnology-e28093-the-ultimate-key-to-yeshitilas-succes
  6. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es zu noch mehr Verdruss auf die Eliten führt, wenn man im Bus oder bei McDonald’s mit Zylinder und Schwert auftaucht.
  7. Schon wieder etwas Neues gelernt: 1939 organisierten Nationalsozialisten einen Putschversuch in Liechtenstein.
  8. Im Irak wurden drei ISIS-Kämpfer von Wildschweinen getötet.
  9. War Dogs, ein Film basierend auf der wahren Geschichte von ein paar Jungs, die das US-Militär mit Waffen belieferten, war ganz unterhaltsam. Albanien kam allerdings zu negativ dabei weg.
  10. Kein Wunder, dass die Asylbewerberzahlen steigen, wenn sich Offiziere der Bundeswehr als syrische Flüchtlinge registieren und Asyl beantragen.
  11. Wenn sich herumgesprochen hat, wie einfach das anscheinend ist – überprüft das BAMF denn nicht einmal, ob der angebliche Syrer arabisch spricht? – würde mich nicht wundern, wenn es mehrere solcher Fälle gibt. Hoffentlich nicht zur Vorbereitung terroristischer Anschläge wie in diesem Fall, sondern nur, um die nicht gerade großzügigen Leistungen abzugreifen.
  12. Einer der KGB-Spione, die Jahrzehnte in den USA lebten und sich als US-Amerikaner ausgaben, kam aus Deutschland: Albrecht Dittrich alias Jack Barsky.

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