Was hat die Völkerschlacht mit dem Leipziger Stollen zu tun?

Ich bin zur Zeit in Markkleeberg. Hier gibt es einige Seen, am schönsten und am größten den Cospudener See. An dessen Westufer fühlt man sich wie am Baikalsee, am Ostufer wie in den Hamptons, alles in einem etwa zweistündigen Seeumrundungsspaziergang zu erkunden, der, ob man will oder nicht, immer an einer Eis- und an einer Pommesbude vorbeiführt. Der verbleibende freie Wille des Menschen beschränkt sich auf die Frage, welche der Köstlichkeiten man als erste einnimmt.

Außerdem hat man die Aussicht auf überraschend viele Türme. Kirchtürme, Eiffeltürme, Fabriktürme, Bürotürme, Aussichtstürme, Burgtürme, Windräder und sogar Pyramiden.

Auf der Bistumshöhe gibt es einen, den zu erklimmen, um Euch die beste Aussicht zu präsentieren, ich mir vornehme.

Aber mir wird bald so mulmig zumute, dass ich von den 35 Metern maximal die Hälfte schaffe, zitternd ein paar Fotos knipse, und ohne längeren Aufenthalt wieder zur Erde zurückkehre, wo mein Herz noch immer gegen den vertikalen Ausflug protestiert. Der Job als Ausguck hoch auf einem Segelschiffmast, das wäre eindeutig nichts für mich. Ich würde ständig vor Angst die Augen schließen, und dann wäre Kolumbus doch glatt an Amerika vorbeigefahren.

Unter all den Türmen ragt in der Ferne einer heraus, der ziemlich dominierend, klotzig und fett erscheint. Das muss etwas ganz Besonderes sein. Mein Interesse ist geweckt.

Wie viele meiner ständig geweckten Interessen wäre dieses wahrscheinlich im Strudel der alltäglichen Ablenkungen und Banalitäten untergegangen, wenn nicht Ina, eine in Leipzig lebende Leserin dieses Blogs, mich angerufen und zu einem Besuch des Völkerschlachtdenkmals eingeladen hätte. Das ist schön, denn es zeigt, dass sie eine wirklich aufmerksame Leserin ist und meine Interessen richtig einschätzt. Manchmal laden mich Leute nämlich zu so Dingen ein, von denen jeder Mitlesende wissen müsste, dass ich davon nichts halte, wie Golftourniere, Hochzeiten oder Treibjagden.

Das Völkerschlachtdenkmal heißt im Volksmund „Völki“, aber kleiner oder niedlicher wird es dadurch nicht. Je näher man kommt, umso bombastischer wirkt es.

Wenn man es mir nicht anders gesagt hätte, so würde ich denken, hier wird der gefallen Sowjetsoldaten gedacht. Ansonsten baute ja nur die UdSSR so gewaltige Monumente in gewaltigen Parks.

Man kann die Größe gar nicht ermessen, wenn nicht ein paar andere Besucher zufällig ins Bild laufen, um die Proportionen zu illustrieren. Die mutigen Jugendlichen, die auf den riesigen Stufen herumturnen, erkenne ich nur durch den Einsatz eines Zooms, so hoch oben im Himmel befinden sie sich. Mit bloßem Auge sehen sie aus wie bunte Vögel, die in einer Reihe sitzen, um den Sonnenuntergang zu begutachten und Pläne für die nächste Zugvogelreise zu schmieden.

Aber Ihr wollt nicht nur staunen, sondern etwas lernen. Also will ich etwas zum Hintergrund erklären:

Im Jahr 1813 dachte man, dass Napoleon erledigt war. Gerade war sein Russlandfeldzug krachend gescheitert. Der Rückzug war schmerzlich und schmählich gewesen. Der einstige Kaiser musste sich als Autor von langweiligen Büchern wie dem „Code civil“ durchschlagen.

Dem armen Mann war langweilig. Also wollte er nach Leipzig fahren. Da war die Buchmesse und auch sonst allerhand los. Leider gab es damals noch keine Zugverbindung, weil die Leipziger den schönsten Bahnhof Europas bauen wollten, was halt ein bisschen dauert. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

„Noch keinen Bahnhof, aber den Fußballverein nach einer Lokomotive benennen? Das ist frech“, erregte sich Napoleon, der sich auf einem seiner Feldzüge die Cholerika eingefangen hatte.

Ab einem bestimmten Alter ist es schwer, alte Gewohnheiten abzulegen, also sammelte Napoleon eine Armee von 190.000 buchmessebegeisterten Soldaten ein und zog Richtung Leipzig.

Die anderen Staaten, allen voran Preußen, Russland, Österreich, Schweden und Großbritannien, hatten mittlerweile genug von Napoleon und verbündeten sich. Endlich. Das war praktisch die Geburtsstunde der NATO – und erklärt die spätere NATO-Skepsis in Frankreich. Ich habe jetzt leider kein Bild davon gefunden, aber in meiner Kindheit in den 1970er und 1980er Jahren war in der Tagesschau, wenn die NATO-Karte eingeblendet wurde, Frankreich immer schraffiert, weil es eben nur halbherzig dabei war. Damals konnte mir das niemand erklären, weshalb ich jetzt Geschichte studiere.

Aber zurück zu eben jener Geschichte: Man traf sich also vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 in Leipzig, um die Sache auszufechten. Vier Tage mussten reichen, ein langes Wochenende, denn mehr Zeit würden die späteren Reenactment-Fritzen nicht aufbringen können. (Oder habt Ihr schon mal gehört, dass jemand die 162 Tage von Stalingrad nachspielt? Na gut, russische Schulkinder vielleicht, aber die haben ja eh einen Knall dort.)

Außerdem konnten sich die beteiligten Armeen mehr als vier Tage nicht leisten.

Damals wurde nur bei Tageslicht gekämpft, mangels Flutlicht und wegen den – insbesondere bei den Franzosen – starken Gewerkschaften. Abends mussten die Soldaten einquartiert und verköstigt werden. Für die Mannschaften genügte womöglich ein Zelt, die Niederländer (bis zu jener Vielvölkerschlacht von Frankreich besetzt) hatten sogar Campingwagen mitgebracht. Aber die Offiziere wollten ein Bett, ein Bad, einen Braten und eine Bouteille. (Daraus entwickelte sich das B&B-Business.)

Wer schon mal zu Kriegs- oder Messezeiten in Leipzig war, weiß, wie schnell die Betten knapp werden.

Damals war Leipzig noch ein wenig kleiner, so dass auf 40.000 Einwohner 555.000 Soldaten kamen. Nach vier Tagen waren einfach keine Lebensmittel – und vor allem keine Spirituosen – mehr da.

Außerdem hatten die vereinigten europäischen Alliierten gewonnen.

Napoleon war geschlagen und wurde nach Elba verbannt. Wobei sich „Verbannung“ schlimmer anhört, als es wirklich war. Napoleon durfte als Fürst über die ganze Insel herrschen und erhielt dafür jährlich zwei Millionen Francs. Ich will mich jetzt nicht vordrängen, aber dafür würde ich mich auch auf eine Insel im Mittelmeer setzen.

Aber zurück nach Leipzig, wo in jenen Oktobertagen im Jahr 1813 die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte stattgefunden hatte. Ja, sogar bis heute – trotz zwischenzeitlichen zwei Weltkriegen – bleibt die Völkerschlacht das tödlichste Einzelereignis auf deutschem Boden, mit geschätzt bis zu 100.000 Toten. Nur in Dresden, der ewig zweiten Stadt hinter Leipzig, gibt es ein paar unverbesserliche Lokalpatrioten, die geschichtsverfälschend den Pokal des Massensterbens für sich beanspruchen.

Jedenfalls konnte man für so eine Riesensause keinen einfachen Gedenkstein aufstellen. Da musste schon etwas Bombastisches her!

Dabei gab es nur ein Problem: Leipzig liegt in Sachsen.

Und das Königreich Sachsen hatte, mit dem sicheren Gespür für historische Fettnäpfchen, zwar an der Schlacht von Leipzig teilgenommen – allerdings auf Seiten Napoleons. Der sächsische Ministerpräsident wich Fragen von Journalisten dazu zeitlebens aus, indem er auf „die Gefahren des Linksextremismus“ verwies.

Jahrzehntelang passierte nichts. Das ist eigentlich Standard in Deutschland, wenn man die Geschichte aufarbeiten müsste. Man lässt Gras über die Sache wachsen, wartet ein paar Generationen und konzentriert sich aufs Wirtschaftswachstum.

Und dann kam wieder ein Krieg, nämlich der von 1870/71. Deutschland gegen Frankreich, nur dass Deutschland erst entstehen musste, aber das war schließlich das Ergebnis jenes Krieges. Und diesmal gehörte sogar Sachsen zu Deutschland. „Das ist praktisch, das können wir später mal den Russen geben“, dachten sich die Hohenzollern und Wittelsbacher und wer sonst noch etwas im neuen Deutschen Reich zu sagen hatte.

Jedenfalls war es jetzt an der Zeit, große, stolze, monumentale Denkmäler im national-patriotischen Stil zu erbauen, und 1898 wurde der Grundstein für das Völkerschlachtdenkmal gelegt. 1913, zum hundertjährigen Jubiläum der Schlacht, wurde es eröffnet und versetzte ganz Deutschland in solch nationalen Taumel, dass die Nation wenige Monate später den Ersten Weltkrieg vom Zaun brach. Danke, Völki!

„Wir können auch hochgehen“, sagt Ina.

Ich suche noch nach einer Ausrede, die mich nicht vollkommen uncool aussehen lässt, aber da hat sie schon zwei Eintrittskarten erworben.

„Der Eingang ist beim Erzengel Michael“, sagt der Museumsmann, und ich muss zugeben, ich hätte den Türsteher nicht erkannt. Für mich sieht er eher aus wie Siegfried der Drachentöter oder sonst irgendein Mustergermane.

Überhaupt ist es ein interessanter Stilmix. Die Figuren sehr martialisch, kantig, muskulös. Viel mittelalterliche Symbolik mit Schwertern und Schildern und Ritterrüstungen. Aber die Reliefs in einer Mischung aus Jugendstil und sozialistischem Realismus avant la lettre.

Von außen sieht es so aus, wie wenn das ganze Denkmal aus vulkanischem Porphyrstein gemauert ist, der in der Abendsonne wunderbar rostbraun schimmert. Das wäre aber eine Riesenarbeit gewesen. Deshalb sind das Fundament und die tragenden Wände in Wirklichkeit aus schnödem Beton. Wie so ein Militärbunker, aber das passt ja zum deutschen Charakter, der hier gefeiert werden soll.

Trotzdem wurde so viel Granitporphyr ausgebuddelt, dass anderswo ganze Dörfer im Boden versanken.

Die Wände sind so dick, dass keine Handystrahlen durchdringen. Hier könnte man Abiturprüfungen durchführen, ohne dass die Kinder heimlich auf Wikipedia recherchieren. Denn dass die Abiturnoten immer besser werden, ist ja schon sehr verdächtig. (Außer für die jeweiligen Eltern natürlich, die alle überzeugt sind, dass ihre kleinen Racker Genies sind. Was die Frage aufwirft, wieso Genies nicht selbständig den Bus nehmen können, sondern von den Eltern in die Schule gefahren werden müssen.)

Die Statuen im Inneren stellen eine kuriose Kombination aus den Rittern der Tafelrunde, den zwölf Aposteln und Rübezahl dar.

Und immer höher geht es.

Insgesamt 500 Stufen. Die Wendeltreppe wird so eng, dass wir gerade noch durchpassen. Wenn man sich hier einen Döner mitbringt, um ihn ganz oben auf dem Monument zu verspeisen, würde man sich durch die Gewichts- und vor allem die Umfangszunahme den Rückweg versperren. So fordert die Völkerschlacht auch 200 Jahre später noch immer jährlich ein paar Tote.

Dafür hat man eine wirklich famose Aussicht. Auf der einen Seite über den „See der Tränen“ hinweg nach Leipzig, eine, wie einem aus der Vogelperspektive bitter bewusst wird, erschreckend ebene Stadt. Wie Las Vegas. Nur dass man in Leipzig zum Glücksspielen ins Bundesverwaltungsgericht geht.

Dafür gibt es auf der anderen Seite viel Grün, und das hebt die Stimmung gleich wieder.

Ganz in der Ferne das Kraftwerk Lippendorf, das die letzte Braunkohle verfeuert. In der Halbferne gemütliche Mehrfamilienhäuser. Und direkt zu Füßen des Völkerschlachtdenkmals ein Schloss in einem Wald.

„Was ist das?“ frage ich, total begeistert von dem An- und Ausblick.

„Das ist das Krematorium“, sagt Ina.

„Nein, ich meine nicht die rauchenden Schornsteine am Horizont, sondern das Schloss im Wald“, präzisiere ich.

„Ja, das ist das Krematorium“, erklärt Ina geduldig. Es gehöre zum Südfriedhof, dem größten Friedhof Leipzigs und gleichzeitig einem wunderschönen Park. Das merke ich mir, denn wie Ihr wisst, bin ich ein großer Fan von Friedhöfen, obwohl ich mir um das eigene Verscharren explizit kein Bohei wünsche.

Ganz viel Bohei gibt es hingegen im nahegelegenen Bruno-Plache-Stadion, woher der Wind den Schlachtenlärm, die Schmerzensschreie und die Jubelrufe einer Partie aus der Regionalliga Nordost trägt. Die Fans vom FC Lokomotive Leipzig haben einen Ruf als rechtsradikale Rowdys, aber 100.000 Tote an einem langen Wochenende, das schaffen sie dann doch nicht.

„Ist ja auch praktisch, dass der Friedhof gleich neben dem Schlachtfeld liegt“, kombiniere ich.

„Ich glaube nicht, dass das zusammenhängt“, sagt Ina. „Der Friedhof wurde erst 70 Jahre nach der Schlacht eröffnet.“

„Und wo sind dann die Gräber der 100.000 Soldaten?“

„Das weiß ich gar nicht“, wundert sich Ina selbst.

Wenn Leute, die sonst alles wissen, plötzlich Nichtwissen vorschützen, dann ist das verdächtig. Weil wir noch immer hoch oben auf dem schwindelerregenden Turm stehen, sage ich erst einmal nichts, nehme mir aber vor, der Sache gewohnt gründlich nachzugehen.

Die örtliche Presse meldet alle paar Jahre den Fund eines „Massengrabs“, wobei bisher insgesamt nur 200 Skelette gefunden wurden. 200 Tote, das sind nun wirklich keine Massen, insbesondere nicht bei so einer Jahrhundertschlacht. So viele Menschen sterben im impfskeptischen Sachsen ja schon allein jeden Tag aus Angst vor der Spritze. Und wo sind die anderen 999.800 Toten? Ganz offensichtlich soll hier etwas vertuscht werden.

Dabei zeigen historische Aufnahmen, dass die toten Soldaten, Pferde und Militärkatzen in Leipzig liegen gelassen wurden. Das war damals normal, weil die Armeeführung oft gar nicht wusste, wie die einzelnen Soldaten hießen oder woher sie kamen. Es gab noch keine Wehrpflicht, die Jungs waren einfach in irgendwelchen Spelunken (zwangs)rekrutiert worden. Mit dem Ende der Schlacht wurden sie entlassen und gingen nach Hause. Oder nach Südamerika, um für Simon Bolívar zu kämpfen.

Außerdem gab es noch kein Wahlrecht, so dass sich die Kaiser und Generäle für das gemeine Volk sowieso nicht interessierten. Und Kühltransporter für den Abtransport der Leichen waren auch noch nicht erfunden worden.

Stattdessen war es Brauch, dass die örtliche Bevölkerung die Toten vergrub. Teils aus Pietät, teils weil sie dazu gezwungen wurde, und natürlich zur Prävention von Seuchen. Einen guten Dünger gaben die Soldaten auch ab. Weil die Leipziger sie vorher durchgefüttert hatten, musste deshalb niemand ein schlechtes Gewissen haben. Und wenn man beim Leichenverbuddeln noch einen Säbel, ein paar Stiefel oder eine Schnupftabakdose abstauben konnte, umso besser. Schließlich war Leipzig Messestadt, da konnte man den Touristen allerhand echte und gefälschte Schlachtensouvenirs verkaufen.

Einmal im Monat könnt Ihr auf dem Agra-Flohmarkt in Markkleeberg auch heute noch Orden, Stahlhelme, Fahnen, Soldbücher, Wehrmachtsdolche u.s.w. erwerben. Überhaupt ist das ein fantastischer Trödelmarkt, sehr zu empfehlen! Ich weiß gar nicht, wieso Leute zum moralisch sehr fragwürdigen IKEA laufen, wenn sie hier stilvolle Möbel aus dem VEB Möbelkombinat kaufen können, für die keine Bäume mehr abgeholzt werden müssen. (Die IKEA-Möbel kamen ja sowieso aus der DDR.)

Aber ich will hier nicht abschweifen, insbesondere nicht nach Schweden, denn dorthin bin ich schon einmal abgeschweift oder abgeschwiffen, was zwar zum Schreiben lustig, aber zum Lesen mühsam ist, und uns außerdem weit weg vom eigentlichen Thema brächte, das da wäre – jetzt muss ich selbst kurz nachsehen -, ach ja, die Gefallenen der Völkerschlacht.

Ab 1819, also sechs Jahre nach der Schlacht, tauchten in den Zeitungen des europäischen Kontinents plötzlich massenweise Annoncen britischer Händler auf, die händeringend nach Knochen suchten. Sie verkündeten, dass sie alles Knochenmaterial aufkaufen würden, ohne Mengenbeschränkung und zu guten Preisen. Wegen der Nähe zu den Seehäfen wurden diese Anzeigen hauptsächlich in Norddeutschland, in den Niederlanden und in Frankreich geschaltet. Leipzig liegt bekanntlich nicht am Meer, aber der Knochenhandel schien so vielversprechend, dass die Leipziger begannen, einen Kanal zum Meer zu graben. (Wie mir das bei meiner eigentlich umfassenden Geschichte des Kanalbaus entgehen konnte, ist ein unverzeihliches Rätsel.)

Das tolle am Knochenhandel war, dass er unreguliert war. Es gab keine Ausfuhrsteuern, keine Einfuhrsteuern, keine Zölle. Es gab nicht einmal EU-Richtlinien oder -Verordnungen, die den Handel mit Knochen regulierten. (Deshalb waren die Briten damals noch glücklich.) Insbesondere für die Armen auf dem Kontinent war das eine lukrative Einnahmequelle. (Mitlesende FDP-Politiker ärgern sich jetzt, diese Information zu spät für die Verhandlungen über die Reform des Bürgergeldes erhalten zu haben.)

Die Bauern um Leipzig fanden es zudem nur fair, die Knochenberge wieder auszugraben und zu Geld zu machen. Schließlich hatten ihnen diese verfluchten Armeen 1813 die ganze Ernte zertrampelt und den Wein weggesoffen, so wie später alljährlich die Reenactment-Veranstaltungen.

Zu DDR-Zeiten hieß es natürlich nicht „Reenactment“, sondern „historische Darstellung in originalgetreuen Uniformen zum Zwecke der Traditionspflege“. Dass es so etwas während der deutschen Teilung im Osten gab, hat mich als Wessi überrascht. Aber insofern ist das Völkerschlachtdenkmal ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man an einem Bauwerk im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten, teils konträren Geschichtsbilder festmachen kann.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wollte der neue antifaschistische Staat das Völkerschlachtdenkmal natürlich sprengen, wie so vieles andere in Leipzig und anderswo. Aber der 300.000 Tonnen schweren Klotz ließ sich nicht sprengen, zumindest nicht mit konventionellen Mitteln. Also entwickelte die DDR eine Atombombe. (Das war vor dem Atomausstieg und zu einer Zeit, als man die Gefahren der Kernkraft gerne verniedlichte.) Es war schon alles in die Wege geleitet, die Evakuierung der Stadt geplant, die Fernsehkameras bereit, als – praktisch in letzter Minute – 1954 der Film „Godzilla“ in die Kinos kam und sehr plastisch vor den Gefahren des Atommissbrauchs warnte.

Auf der Suche nach einem Ausweg, der ohne ein zerstörerisches Krümelmonster auskäme, meldete sich ein kreativer Historiker im Politbüro mit der Lösung: Man würde das Völkerschlachtdenkmal stehenlassen, aber einfach anders interpretieren. Der preußisch-russische Sieg von 1813 war plötzlich das Vorbild für die deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft (die ja doch eher eine Pipeline-Brüderschaft war). Die germanischen Ritter waren sozialistische Helden. Napoleon war ein westlicher Imperialist, den man gemeinsam besiegt hatte.

DDR-Briefmarken würdigten nicht nur das eigentlich deutsch-nationale Völkerschlachtdenkmal, sondern auch den preußischen Generalfeldmarschall Fürst Blücher von Wahlstatt, den preußischen Feldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau, den preußischen General von Scharnhorst und das Lützowsche Freikorps – in den Reihen „Nationaler Befreiungskampf 1813“ und „Deutsche Patrioten“.

Vielleicht war die DDR das deutschere, ja das preußischere Deutschland?

Ich habe mich schon immer gefragt, wieso die Züge in der DDR unter der Marke „Deutsche Reichsbahn“ fuhren. Und Besucher aus aller Welt berichteten nach einem Besuch in der DDR sehr verstört von mit Stechschritt zur Schau gestelltem Militarismus, absurderweise vor dem „Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus.“

Halt, das war das falsche Video.

Hier das richtige, aber die Ähnlichkeit ist verblüffend, oder? Ebenfalls verblüffend ist die Ähnlichkeit zu dieser bolivianischen Schulband, aber das ist jetzt wirklich ein anderes Thema.

Im Westen gab es so etwas nicht. Da waren ja alle Hippies und in Woodstock. Und wenn einer zur Bundeswehr ging, dann eigentlich nur, um einen gefütterten Parka für die damals noch kalten Winter abzustauben.

Das war so gang und gäbe, dass man mit der Ausstattung am ersten Tag schon Formularvordrucke für Verlustmeldungen in die Hand gedrückt bekam. Den Parka „verlor“ eigentlich jeder mindestens einmal in seiner Soldatenlaufbahn, dazu gerne die langen Unterhosen und das Kochgeschirr aus stabilem Blech. Ehrlich, mich wundert gar nicht, dass es jetzt bei der Bundeswehr enormen Materialmangel gibt.

Ich selbst habe nichts mitgehen lassen. Ich bin gar nicht erst hingegangen. Das war allerdings nicht mehr in Westdeutschland, sondern schon im wiedervereinigten Deutschland. Apropos Wiedervereinigung: Vielleicht ist am höheren Nazi-Anteil in Ostdeutschland doch nicht die Treuhand schuld, sondern der „unverkrampfte“ Umgang mit Nation und Deutschtum, den die DDR pflegte?

Am jährlichen Nachspielen der Völkerschlacht störte die Stasi auch nicht das Waffenklirren oder der Pulverdampf, sondern dass dazu Teilnehmer aus Westeuropa anreisten. Ein Franzose wollte für das Reenactment 1983 sogar ein „historisches Schussgerät“ einschmuggeln. Und die Belgier zerstörten „nach größerem Alkoholkonsum“ die Einrichtung einer Gastwirtschaft, wo übrigens, das immerhin sei zur Ehrenrettung der DDR gesagt, der Bismarckhering als „Delikatesshering“ verkauft und verzehrt wurde.

Aber zurück zum Thema: Was zum Teufel wollten die Briten mit all den Knochen?

Dazu muss man wissen: Knochen enthalten Phosphat. Und Phosphat ist ein guter Dünger.

Jahrhundertelang hatten die Briten (und viele andere Völker) die Felder dadurch gedüngt, dass sie ihre Nachttöpfe auf dem Acker ausleerten, um das möglichst wenig unappetitlich zu beschreiben. Wer auf dem Land wohnt, kennt das ja, Gülle, Jauche, das ganze eklige Zeug. Nun ergab es sich aber zu jener Zeit, dass die Industrielle Revolution die Menschen in die Städte lockte. Die Landflucht führte nicht nur dazu, dass es teilweise an Arbeitern für die Bewirtschaftung der Felder mangelte, sondern eben auch an menschlichem Dünger.

Deshalb die panische Suche nach Knochenmaterial.

Natürlich wollten die Händler eigentlich Pferde-, Rinder- und Walfischknochen. Aber zur Not tut’s auch ein Preuße oder ein Franzose. So genau sieht niemand hin, und es wird ja sowieso alles zu Knochenmehl zermalmt.

Das ging ein paar Jahre gut. Aber wie das immer so ist bei neuen Geschäftsfeldern, bald kommt die Regulierung. Es wurden Ausfuhrzölle erlassen. Es wurden Gesundheitsschutzvorschriften erlassen, nach denen die Zwischenlagerung von Knochen in der Wohnung verboten war. Und schließlich wurde das Öffnen von Gräbern verboten. (Zumindest von europäischen Gräbern. In Ägypten durfte man natürlich weiter graben, was das Zeug hielt. Deshalb leiden wir noch immer unter dem Fluch des alten Tutanchamun.)

Zu allem Überfluss wurde auch noch ein besserer Dünger entdeckt, nämlich Salpeter. Der kam aus der Wüste in Chile, aus der Stadt Humberstone, die ich bereits für Euch besucht habe.

An dem Tag wäre ich übrigens fast verdurstet. Die Atacama-Wüste ist wirklich so trocken, wie man immer hört. Irgendwann bringt mich das noch um, dass ich immer alles selbst überprüfen will. So wie damals in Bolivien, als ich testen wollte, wie sich Höhenkrankheit anfühlt. Oder wie in Montenegro, wo ich in dunkle Schächte kletterte und in einem geheimen U-Boot-Hafen herauskam. Mal sehen, was mir als Nächstes einfällt.

Aber zurück zu den Knochen. An die Stelle der britischen Landwirtschaft trat ab den 1830er Jahren die Zuckerindustrie als Großabnehmer für Skelette aller Art. Und jetzt wird es wirklich fantastisch, wie Politik, Kriege, Wirtschaft, Landwirtschaft, Wissenschaft und überhaupt alles zusammenhängt. Deshalb macht Geschichte so Spaß!

In Europa wurde ursprünglich kein Zucker produziert. Aller Zucker kam von den Zuckerrohrplantagen in der Karibik und aus anderen Kolonien, weswegen Zucker nicht nur schlecht für die Zähne, sondern auch verantwortlich für die Sklaverei ist. Im Rahmen der kleinen Auseinandersetzung, an deren Ende die Völkerschlacht stand, verhängte Napoleon 1806 die sogenannte Kontinentalsperre, eine Wirtschaftsblockade gegen Großbritannien und dessen Kolonien. Importierter Rohrzucker wurde unerschwinglich teuer.

Dummerweise hatten sich die Menschen in Europa schon an Zucker gewöhnt. (Macht ja schließlich süchtig, dieses Teufelszeug.) Also gingen findige Forscher daran, ein Substitut zu finden. Die deutschen Lebensmittelchemiker Andreas Sigismund Marggraf, Franz Carl Achard und Carl Scheibler experimentierten mit verschiedenen Rüben und veredelten die Runkel- schließlich zur Zuckerrübe. So profane Themen schleckten wir in der BRD ab, wenn wir eine Postkarte verschicken wollten. Da war nichts mit Patriotismus und nationalem Befreiungskampf.

Also wurden überall, wo es der gute Boden erlaubt, Zuckerrüben angebaut und zu Sirup gepresst. Um daraus den raffinierten weißen Zucker zu generieren, auf dem die verwöhnte Kundschaft besteht, muss man diesen jedoch filtern. Und diese Filterung geschieht mit – Ihr habt es schon geahnt – Knochenkohle. Die Zuckerindustrie benötigte massen- und tonnenweise Knochen, damit der Zucker rein und weiß aussieht.

Dass die Fabrik der Südzucker AG in Zeitz errichtet wurde, nur 40 km vom Ort der Völkerschlacht entfernt, war also kein Zufall. Überhaupt deckt sich die Karte der Zuckerrübenanbaugebiete und der Zuckerfabriken verdächtig mit den Orten großer Schlachten. (Das ganz im Westen ist wohl der Hürtgenwald, daran traf Napoleon ausnahmsweise keine Schuld.)

Wie Horaz schon sagte: „Süß ist es, fürs Vaterland zu sterben.“

Und jetzt wisst Ihr, warum der Puderzucker auf dem Leipziger Stollen immer so schön fein und weiß ist. Darüber, welche Knochen der Kinderschokolade ihren Namen gegeben haben, denkt man besser gar nicht nach.

Tut mir leid, falls ich Euch jetzt den Appetit verdorben habe. Ich selbst bin durch die lange Befassung mit diesem Thema abgehärtet und nehme etwaige Restbestände an Stollen und Schokolade gerne entgegen!

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„For Eyes Only“, der erste James-Bond-Film der DDR

Weil James Bond in „No Time to Die“ 2021 bekanntlich gestorben ist – sorry, falls Ihr das noch nicht wusstet -, und es deshalb keine neuen James-Bond-Filme mehr geben wird, muss ich mich anderweitig nach Spionagefilmen umsehen.

„Endlich Rente!“ – „Hoppla.“

Leider gibt es da gar nicht so viel Gutes. Der letzte OSS 117 („Liebesgrüße aus Afrika“) war schlecht. Die ganzen „Mission Impossible“-Filme haben spektakuläre Stunts, aber immer eine sehr seichte Story. Unter den Serien fand ich nur „Kleo“ herausragend. „Argylle“ hat großen Spaß gemacht, aber ich bin mir nicht sicher, ob das ein seriöser Agentenfilm sein wollte.

Da ich jetzt in Ostdeutschland wohne und der Vormieter den Fernseher zurückgelassen hat, habe ich mittlerweile aber ganz andere Filme zur Auswahl.

Gestern war wieder so ein Abend, an dem ich nicht arbeiten, sondern mir einfach einen Drink mixen, die Füße hochlegen und einen Agentenfilm reinziehen wollte. Beim Zappen durch die vielen DDR-Kanäle blieb ich bei „For Eyes Only“ aus dem Jahr 1963 hängen.

Zum Inhalt, so knapp wie möglich: Hansen ist ein DDR-Spion, der in der BRD für eine Tarnfirma des US-Militärgeheimdienstes arbeitet. (Natürlich ohne ihnen zu sagen, dass er bei der Stasi ist. Logisch.) Die USA und die BRD arbeiten an einem geheimen und teuflischen Plan, die friedliebende DDR hinterrücks anzugreifen. Nur Hansen, der körperlich, geistig aber auch moralisch überlegene Held, kann das stoppen, indem er die Pläne für die westliche Militäroperation aus dem Safe seines Chefs stibitzt und in die DDR bringt, wo sie dann rechtzeitig der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden sollen, um die Invasion noch abzuwenden.

Das erinnert stark an einen anderen Geheimagenten, und spätestens bei den Casino-Szenen wird einem klar, dass hier schamlos von „James Bond jagt Dr. No“ (1962) abgekupfert wurde. Nur ohne Farbe, denn in der DDR verlief bekanntlich das gesamte Leben in schwarz-weiß.

James Bond hat ein paar Jahre später wiederum abgekupfert, nämlich den Filmtitel. 1982 erschien „For Your Eyes Only“, eine Hommage des britischen Geheimdienstes an die Kollegen von der DEFA.

Bei einer Sache blieb die DDR-Kinoindustrie jedoch unübertroffen: beim Marketing.

Um die Menschen in Scharen in die Kinos zu locken, heckte das Ministerium für Staatssicherheit und Filmförderung einen genialen Plan aus. Bereits ein Jahrzehnt vor der Premiere wurde ein echter ostdeutscher Doppelagent, Horst Hesse, in den US-amerikanischen Militärgeheimdienst in Westdeutschland eingeschleust. 1956 gelang es ihm, zwei ganze Panzerschränke zu entwenden und mit diesen in die DDR zu entkommen – ähnlich wie im Film.

Bei dem Material handelte es sich zwar hauptsächlich um Agentenkarteien (schlimm genug, wenn die in die falschen Hände fallen). Aber um die Spannung für den Film so richtig anzuheizen, verlautbarte die DDR-Führung auf mehreren Pressekonferenzen, dass ihre Agenten geheime NATO-Pläne, nicht nur für einen Angriff auf die DDR, sondern „zur Vorbereitung eines dritten Weltkriegs“, entwendet hatten.

Die Pläne waren natürlich eine Fälschung.

Weil die DDR-Bevölkerung nach diesen Enthüllungen jedoch aus Angst vor einer Invasion kaum mehr ruhig schlafen konnte, musste die DDR-Führung im Sommer 1961 zum Schutz eine Mauer bauen. Und das alles nur wegen einen Kinofilms!

Obwohl sich das mit der Mauer, soweit ich weiß, mittlerweile erledigt hat, ist „For Eyes Only“ auch heute noch spannend anzusehen. Nach 102 aufregenden Minuten, von denen keine einzige langweilig oder langatmig war, merke ich, dass ich den Drink, den ich mir für den Kinoabend gemixt habe, noch gar nicht angerührt habe.

Der Systemkonflikt der Agentenfilme ging unerschrocken weiter. „Das unsichtbare Visier“ war die Antwort auf James Bond, Armin Mueller-Stahl die Antwort auf Sean Connery.

„Was soll das heißen: Mein Auto wird erst in 12 Jahren geliefert?“

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Die Erfindung des Plattenbaus

Vielen wissen das nicht, aber die praktischen Plattenbauten wurden deshalb erfunden, weil man in der DDR beim Umzug die eigenen vier Wände mitnehmen musste. Die Inneneinrichtung hingegen konnte in der Wohnung verbleiben, weil landesweit sowieso jeder das gleiche Sofa und die gleiche Küche hatte.

Beweisfoto aus Karl-Marx-Stadt

Aber die Wände mussten jedes Mal mit in die Umzugskartons, weil darin die personalisierte Überwachungseinrichtung („Wanzen“) installiert war.

In diesem Zusammenhang kamen viele DDR-Bürger unschuldig in den Knast, wenn sie ihre Wohnungen über AirBnB an Touristen vermieteten. Die von den Ausländern durchgeführten Konspirationen wurden dann nämlich den unwissenden Wohnungseigentümern zugerechnet. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum auch heute noch im Beitrittsgebiet eine leicht erhöhte Skepsis gegenüber Fremden besteht.

Solche Missverständnisse hätten sich mit einem guten Rechtsanwalt leicht aufklären lassen, aber in der gesamten DDR gab es nur etwa 600 Anwälte. Viel zu wenige!

Immerhin, letzteres Problem ist mittlerweile behoben.

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Hüben und Drüben von Außen betrachtet

Früher, vor Erasmus, war das mit dem akademischen Auslandsaufenthalt noch kompliziert: Visum, Krankenversicherung, Geld wechseln. Außerdem gab es kein Internet, so dass man nicht schon aus der Ferne eine Wohnung suchen konnte. Die erste Woche schlief man also im Hotel und telefonierte täglich die Kleinanzeigen der örtlichen Zeitung ab. Wenn man als ausländischer Student nach Deutschland wollte, trat eine zusätzliche Schwierigkeit hinzu: Man musste sich entscheiden, in welchem der beiden Deutschlands man studieren wollte.

Wen der letzte Satz überrascht, der ist entweder zu jung oder wurde (wie ich) in Westdeutschland sozialisiert, wo man ganz selbstbewusst davon ausging, dass jeder, der es sich aussuchen könne, den Westen dem Osten vorziehen würde. „In die DDR konnte man doch gar nicht so einfach“, werden viele einwerfen, aber ein Tondokument aus dem Jahr 1988 macht diese und weitere meiner diesbezüglichen Annahmen zunichte.

Der Deutschlandfunk interviewte im letzten vollständigen Jahr der deutschen Teilung britische Germanistik-Studentinnen, die Auslandssemester in der BRD und der DDR verbracht hatten, teilweise alternativ, teilweise kumulativ, und so von beiden deutschen Staaten aus erster Hand berichten und vergleichen konnten. Ich empfehle, die Sendung selbst anzuhören. Die erfrischende Offenheit und treffenden Beobachtungen der Studentinnen sind es wert. Und man wird doch immer wieder überrascht, schon von der Tatsache, dass es zwischen der DDR und Großbritannien einen Studentenaustausch gab. Den britischen Studierenden erschien die DDR exotischer als die BRD und letztere konnte man ja immer noch als Tourist bereisen, so dass sich viele von ihnen für den Aufenthalt in einem sozialistischen Land entschieden.

Wie es auch heute noch in Deutschland so ist, fanden die britischen Kolleginnen die BRD-Universitäten als anoyme Masseneinrichtungen vor, in denen sie sich alleingelassen fühlten. Es war schwer, Anschluss oder gar Freunde zu finden. „Die Deutschen hatten kein Interesse, mit uns zu sprechen“, erzählten sie, und viele, die sich derzeit in Deutschland zu integrieren versuchen, nicken wissend. In der DDR hingegen war die Aufnahme besser organisiert, aber auch freundlicher und herzlicher. Die britischen Studentinnen selbst vermuteten, dass es daran gelegen haben mag, dass sie als Westeuropäer in der DDR einen Exotenstatus genossen. Denn sie berichteten auch, dass die Gaststudenten aus „sozialistischen Bruderländern“ (z.B. Bulgaren und Polen) gar nicht brüderlich, sondern mit deutschnationalstolzer Überheblichkeit behandelt wurden.

Jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland kommt, hat Angst vor der Bürokratie (auch heute noch). Bürokratisch waren beide Staaten. Aber in der DDR erklärte sich immer jemand bereit, zu helfen, während die in der BRD Studierenden am häufigsten die Sätze „dafür sind wir nicht zuständig“ und „das ist Dein Problem“ hörten.

Besser fanden sie in der BRD aber das Studium an sich. Zwar war die Freiheit an den bundesdeutschen Hochschulen am Anfang verwirrend, aber die Veranstaltungen lagen auf hohem wissenschaftlichen Niveau. In der DDR fühlten sich die Germanistinnen unterfordert und fanden den Unterricht sogar „kindlich“ in seiner antikapitalistischen Propaganda.

Große materielle Unterschiede konnten sie übrigens nicht feststellen. Wie wir im Westen hatten die Britinnen Geschichten von langen Schlagen vor leeren Geschäften in Ostdeutschland gehört und waren dementsprechend überrascht, als sie davon nichts sahen. Sie fanden zwar die Menschen in der BRD materialistischer (wenn sie das in den 1980ern schon feststellten, was würden sie heute sagen?), die Lebensqualität in der DDR aber etwas höher. Dort waren die Restaurants besser und für Durchschnittsbürger zugänglich. Selbst Studenten kochten nicht selbst, sondern gingen essen. Das Mensa-Essen war in beiden deutschen Staaten identisch: „Jeden Tag Kartoffeln, Fleisch und irgendeine Soße. Und in beiden Ländern das gleiche billige Plastikgeschirr. So habe ich mir immer eine Gefängniskantine vorgestellt.“

Außenstehende sind natürlich die idealen Gesprächspartner, um zu eruieren, was die Westdeutschen über die Ostdeutschen und umgekehrt dachten. Die Germanistinnen, die in Großbritannien anscheinend beide deutschen Staaten landeskundlich untersuchten, waren in der BRD schockiert über das mangelnde Wissen, ja das mangelnde Interesse an der DDR. Man hatte ein unumstößliches, negatives Bild, das nicht durch eigene Erfahrungen zustande gekommen war und das man auch gar nicht durch eigene Erfahrungen ins Wanken bringen wollte. Diese Schilderungen kamen mir sehr vertraut vor, denn noch heutzutage entspricht dies dem Osteuropa-Bild vieler Deutscher. Es ist arm, es ist negativ, man will nicht dorthin, man will niemanden von dort kennenlernen, und man will es auch gar nicht besser wissen. Eine der Studentinnen beschrieb, dass sie immer die gleiche Reaktion erhielt, wenn sie in der BRD erzählte, dass sie vorher in der DDR gelebt hatte: „Oh“ und dann Schweigen. Genauso geht es mir, wenn ich in Deutschland von Rumänien oder Litauen erzähle. „Oh“ und dann ein leerer Gesichtsausdruck, der die östlich der Oder-Neisse-Linie leere geistige Landkarte offenbart.

In der DDR hingegen herrschte ein mit der Realität nicht übereinstimmendes positives Westbild vor. Eine lustige Anekdote: Die britischen Jungakademikerinnen erzählten von der Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die ostdeutschen Kommilitonen waren ganz erstaunt, denn „wir haben davon immer in unseren Büchern gelesen, aber wir dachten, das sei antiwestliche Propaganda und haben es nicht geglaubt.“

Am Ende noch ein überraschender Moment (ab Minute 42:25). Die Interviewerin fragt die Studentinnen, die beide deutsche Staaten kennengelernt haben, wo sie lieber arbeiten würden, wenn sie zwischen der BRD und der DDR wählen müssten. Die Wahl ist eindeutig. Diese intelligenten, gebildeten Deutschlandexpertinnen (wie wir dank John le Carré wissen, rekrutierte der britische Geheimdienst damals vorzugsweise Germanisten) entscheiden sich alle für den Staat, der im darauffolgenden Jahr nicht mehr so bestehen wird, auch dank des Beitrags ihrer Kommilitonen.

Der Deutschlandfunk bietet noch drei weitere Sendungen mit Aufnahmen aus dem Jahr 1988, darunter mit Demonstranten aus Wackersdorf und den ersten Hackern jener Zeit.

(Dieser Artikel erschien auch im Freitag.)

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Warum die Demokratiebewegung der DDR keine Chance hatte

Gefunden im Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt.

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Breslau – erster Eindruck

Vor wenigen Jahren, als ich noch jung war, konnte ich problemlos 27 Stunden am Stück mit der Eisenbahn fahren. Und kurz darauf gleich nochmal. Und dann sogar sagenhafte 38 Stunden.

Aber mittlerweile bin ich alt und bequem geworden, so dass ich selbst eine kurze Zugreise ins Baltikum schon in Schlesien unterbrechen muss. Das gilt umso mehr, als es sich um eine Geburtstagsreise handelt, bei der man dummerweise schon wieder ein Jahr älter wird. (Wenn man nicht diesen völkerrechtlichen Trick anwendet.)

So bin ich diesen Sommer in Breslau gelandet, habe mich für einen Zwischenstopp entschieden und bin zwei Tage unvorbereitet und ziellos durch die Stadt gestreunt. Weil ich mich diesmal nicht in die Stadtgeschichte eingelesen hatte, kann ich Euch die langen und langweiligen Ausführungen sparen, und präsentiere Euch einfach ein paar unkommentierte Fotos. Die ersten Eindrücke.

Breslau ist eine ziemlich coole Stadt.

Eine interessante Mischung aus alt und neu. Viel Kultur. Vor allem für die Größe der Stadt erstaunlich wenig Hektik oder Stress. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Also, wenn jemand von Euch in Breslau wohnt und mal einen Katzensitter benötigt, bitte gebt Bescheid!

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Advocatus Diavolo

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Wannsee

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Ich fahre mal wieder mit dem Zug von der Kultur- in die Bundeshauptstadt, von Chemnitz nach Berlin. Weil ich das oft mache und weil mich das Deutschlandticket auf die Regionalzüge verweist, variiere ich die Strecke je nach Lust und Laune. Manchmal steige ich in Elsterwerda um, manchmal in Jüterbog, und heute in Dessau.

Der Zug ist schon ziemlich voll, so dass ich schnell entscheiden muss, zu wem ich mich platziere. Am liebsten setze ich mich zu Menschen mit Büchern. Oder zu alten Menschen, die haben interessante Lebensgeschichten.

Da sehe ich ein junges Paar, erkennbar aus Israel. Sie sprechen Hebräisch, und der Junge trägt eine Kippa. Ich setze mich zu ihnen, schon allein, damit sich beim nächsten Halt kein Antisemit dazugesellt und ihnen die Fahrt vermiest.

Weil ich nicht nur vorausschauend und stets auf das Wohlergehen all meiner Mitmenschen bedacht, sondern auch höflich bin, begrüße ich sie auf Hebräisch. So wissen die beiden Reisenden, dass ich ihre Sprache verstehe, und können ihre Konversation notfalls dementsprechend anpassen, um keine Privat- oder Staatsgeheimnisse auszuplaudern.

Die jugendlichen Reisenden befinden sich jedoch anscheinend auf Flitterwochen, denn sie unterhalten sich ganz ungeniert und verliebt.

Oder sie haben gemerkt, dass mein Hebräisch gar nicht so gut ist. Mittlerweile habe ich das meiste wieder verlernt und verstehe nur mehr die Zahlen, sowie die Wörter für Bier (בירה), Pizza (פיצה) und Kibbutz (קיבוץ). Was man halt so braucht für eine Reise durchs Heilige Land. Und das Wort „אצטרובל“ [itstrubál] für Putzelkuh. Es ist komisch, wie das Gehirn funktioniert. Was ich lernen und memorieren will, das bleibt nicht hängen. Aber dieses Wort, das ich vor mehr als 25 Jahren im Wald von Ben Shemen einmal hörte, das hat sich in einer Gehirnzelle so hartnäckig festgesetzt wie ein israelischer Siedler im Westjordanland.

Fast genauso putzig wie das Wort „אצטרובל“ sind die Namen der Orte, die wir passieren:

Jeber-Bergfrieden.

Bad Belzig.

Borkheide.

Beelitz-Heilstätten.

Oh, jetzt weiß ich endlich, wo dieser berühmte „Lost Place“ ist.

Brandenburg ist wie Oberägypten. Ein paar interessante Ruinen, aber sonst viel Sand und alle paar Jahre eine Überschwemmung. (Oberägypten ist übrigens der Teil von Ägypten, der auf der Karte unten ist. Das ist wie Oberbayern oder Obervolta.)

Ich schweife ein bisschen ab, weil ich das Unvermeidliche hinauszögern möchte. Am liebsten würde ich den Zug umlenken. Denn ich weiß ja, woran wir bald vorbeifahren werden.

„Naja,“ denke ich, „das sind junge Leute. Denen wird das gar nichts mehr sagen.“ Außerdem sind sie sehr glücklich und scherzen miteinander. Wahrscheinlich doch keine Hochzeitsreise, sondern in der schönen Zeit vor diesem fatalen Fehler, den viele Menschen trotz meiner beständigen Warnung begehen.

Falls das jemand für zu negativ empfindet: Ich bin auf dem Weg zum Familiengericht, weil sich zwei Eltern seit Monaten um die Umgangszeiten mit ihrem Sohn streiten. Eigentlich sollten heirats- und vor allem paarungswillige Menschen verpflichtet werden, sich anzusehen, wie schnell Liebe in Hass umschlägt, bevor sie „ja, ich will“ sagen dürfen. Wahrscheinlich sind deshalb die Verfahren beim Familiengericht dem Zugang der Öffentlichkeit entzogen, wie sonst nur Spionageprozesse. Der um die Bevölkerungspyramide besorgte Staat will nicht, dass die Menschen die Wahrheit sehen.

Wilhelmshorst.

Potsdam-Rehbrücke.

Potsdam-Babelsberg.

„Unser nächster Halt ist Berlin-Wannsee. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.“

Das Mädchen neben mir zuckt zusammen: „? ואנזה בגרמניה“ (Wannsee ist in Deutschland?)

Da wird mir klar, dass Wannsee für sie nur einer der vielen Orte des Holocausts ist, über die sie in der Schule gelernt hat. Und weil einige der bekanntesten davon – Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Babi Jar, Majdanek – weit im Osten liegen, entsteht manchmal der Eindruck, dass Morden sei weit weg vom Land der Mörder geschehen.

Vielleicht mögen deshalb die Deutschen diese Gedenkstätten in Osteuropa so gerne. Da kann man einmal im Leben pflichtschuldig hinfahren, und sich dann einreden, dass zuhause in Münster oder Bremen oder Fulda niemand etwas vom Holocaust hätte ahnen, geschweige denn wissen können.

Deswegen halte ich nichts davon, alle deutschen Schulklassen nach Auschwitz zu karren, wie es regelmäßig von Bildungspolitikern und Busunternehmern gefordert wird. Die sollen nach Sachsenhausen fahren, wenn sie aus Berlin sind. Nach Dachau, wenn sie aus München sind. Nach Neuengamme, wenn sie aus Hamburg sind. Nach Grafeneck, wenn sie von der Schwäbischen Alb sind. Nach Flossenbürg, wenn sie aus der Oberpfalz sind. Mit Tausenden von Konzentrationslagern, Gestapo-Gefängnissen, Zwangsarbeiterlagern, Euthanasie- und anderen Mordstätten muss man in Deutschland wirklich nicht weit schauen, um zu erkennen, wie allgegenwärtig der Völkermord und andere Verbrechen waren.

Am Bahnhof in Wannsee haben sie seit damals nicht einmal die Schilder ausgetauscht. Es wird mir immer noch unheimlich, jedes Mal wenn ich daran vorbeifahre.

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Juhu, ich bin in Timbuktu!

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Kennt Ihr das auch?

Es gibt so Orte, Länder, Städte, in die man schon immer wollte, obwohl man eigentlich kaum etwas darüber weiß. Manchmal geht der Wunsch ewig zurück, wahrscheinlich bis zu irgendwelchen Comics, die man als Kind gelesen hat. Aber die Idee setzt sich fest, gerät manchmal aus dem akuten Blick, aber verschwindet doch nie ganz. Eine unerklärliche, aber tiefe Sehnsucht.

In meinem Fall ist Timbuktu eine dieser Traumstädte, obwohl ich die längste Zeit gar nicht wusste, dass es in Mali liegt. Für uns Europäer, das muss mal selbstkritisch gesagt werden, ist der ganze afrikanische Kontinent ja viel zu oft ein einziges großes, exotisches Land.

Gegen derartige Ignoranz hilft nur das Reisen.

Und endlich bin ich in Timbuktu!

Na gut, noch nicht ganz.

Denn das Foto entstand im ODF-Park in Chemnitz. Die im Boden versenkte Marmorplatte verweist auf die Städtepartnerschaft zwischen der schönsten Stadt Sachsens und der Perle der Sahara.

Eigentlich wurde die Städtepartnerschaft 1968 zwischen Timbuktu und Karl-Marx-Stadt geschlossen. Aber Ihr beendet ja auch keine Freundschaften, nur weil ein Bekannter seinen Namen ändert. Außer natürlich, wenn jemand promoviert und darauf besteht, künftig als Doktor Soundso angesprochen zu werden. Das erinnert mich an eine Geschichte, die ich mal in Osteuropa gehört habe: Eine Akademikerin aus Deutschland, wahrscheinlich Literatur- oder Theaterwissenschaftlerin, ging für ein Jahr nach Russland. Sie bestand beim Einzug in die Wohnung darauf, dass ihr Name auf dem Klingelschild den Zusatz „Dr.“ enthielt. Daraufhin wurde sie regelmäßig mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt, und zwar von Nachbarn, die Antibiotika brauchten oder sich mit Nierenkoliken auf dem Boden wanden. Selber schuld.

Ich jedenfalls bin begeistert, dass Chemnitz so eine sagenhafte Partnerstadt hat. Denn das ist wirklich ein Grund, endlich mal nach Timbuktu zu trampen. Der Hinweis, dass man dazu für 52 Tage die Wüste durchqueren muss, nötigt einem zwar ein bisschen Respekt ab. Aber dann muss ich halt ein paar Dosen Coca-Cola mehr einpacken.

Überhaupt bin ich der Meinung, dass man alle Partnerstädte seiner (Wahl-)Heimatstadt besuchen sollte.

In Chemnitz ist das allerdings eine ziemliche Herausforderung. Nicht nur, weil die Liste ellenlang ist und manche Orte 8.000 km entfernt sind. Stalingrad liegt dummerweise in einem Land, wo man als respektloser Blogger gleich für ein paar Jahre ins Straflager muss. Und Düsseldorf, naja, da will man auch nicht freiwillig hin.

Wie sieht es bei Euch aus? Welche Partnerstädte- oder Regionen hat Eure Heimat? Habt Ihr schon welche davon besucht?

Mein ansonsten unscheinbares Heimatdorf in Bayern hat eine aktive Partnerschaft mit der Region Modi’in in Israel, deren Herzstück ein jährlicher Jugendaustausch ist. Ich war etliche Male dabei, zuerst als Teilnehmer, später als Betreuer. Eine fantastische Erfahrung, von der ich noch Jahrzehnte später profitiert habe, sowohl kulturell wie intellektuell, persönlich wie sprachlich. Also, wenn Ihr Kinder habt, schickt sie hinaus in die weite Welt! (Besser, Ihr bezahlt den Austausch oder das Interrail-Ticket, sonst müssen sich die Kinder als blinde Passagiere durchschlagen.)

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Marx und Engels wünschen einen schönen Herbstausklang

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Dies und die weiteren Fotos stammen alle aus dem ODF-Park in Chemnitz.

ODF steht für Opfer des Faschismus, und davon gibt es hier eine ganze Menge. Selbst wenn man die Opfer des Faschismus nicht mitzählt, die sich selbst Gliedmaßen abhacken, um den angeblichen Überfall der Antifa in die Schuhe zu schieben. Aber das sind vielleicht auch eher Opfer ihrer eigenen Dämlichkeit.

Jedenfalls ist der Park besonders jetzt im Herbst ein schöner Ort. Weil die Stadtbibliothek gleich ums Eck liegt, versumpfe ich hier manchmal, nachdem ich mich wieder mit Lesematerial eingedeckt habe.

Und, beim einen oder anderen Foto ist es schon durchgeschimmert, auch die Schulgebäude am Rande des Parks sind beeindruckend. Die Industrieschule (damals die größte Berufsschule in Deutschland) und das Agricola-Gymnasium wurden in den 1920er Jahren eröffnet und sind hervorragend erhaltene Beispiele des Backsteinexpressionismus.

Nur schade, dass man normalerweise die Schulbank drückt, bevor man die Möglichkeit gehabt hat, einen Sinn für Architektur zu entwickeln. Vieles im Leben läuft total falsch herum ab.

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