Geburtstagswanderung von Wien nach Bratislava

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Die ganze Nacht hatte es gestürmt und gewittert. Das war gut, denn so war die Luft am Morgen frisch, und es hatte gegenüber dem drückenden Julidurchschnitt um wohltuende zehn Grad abgekühlt. Perfekt zum Wandern.

Andererseits hingen noch immer dunkle Wolken über Wien, die sich jederzeit wieder aquatisch und elektrisch entladen konnten. Es gab eine Sturm- und Gewitterwarnung. Weniger gut zum Wandern.

Aber das war alles egal, denn die Entscheidung zum Aufbruch fiel nicht nach Wetterlage, sondern nach dem Kalender. Der 6. Juli ist mein Geburtstag, und es ist Tradition, dass ich an jenem Tag ein neues Land bereise, bevorzugt alleine. Da ich den Sommer über in Wien weile, ist die Slowakei das einzig nahe Land, das ich bisher noch nicht kannte. Nach Bratislava gehen Züge, Busse, Schiffe, aber diese Optionen würde ich mir für die Rückfahrt aufheben. Angespornt durch eine kürzlich absolvierte 24-Stunden-Wanderung blickte ich kurz auf die Karte (Bratislava schließt sich rechts an die untenstehende Kate an) und dachte mir: „Das kann man zu Fuß gehen.“ Nebenbei könnte ich so den Nationalpark Donau-Auen kennenlernen.

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Dieser Entscheidungsprozess lief am Abend des 5. Juli an, denn irgendwie kommt dieser Geburtstag doch jedes Jahr überraschend. Um am nächsten Morgen keinen Rückzieher machen zu können und den Feiertag im Schaukelstuhl und mit Sachertorte zu verbringen, veröffentlichte ich das Vorhaben flugs auf Facebook. Die Vorbereitung beschränkte sich auf das Einpacken von Brot, Wurst, Käse, Mohrrüben und Zigarren.

Um 6:07 Uhr schaffe ich es am 6.7. aus dem Haus, verschlafen, aber stolz, so früh schon unterwegs zu sein. In der Straßen- und U-Bahn (ich musst ja erst einmal auf die richtige, also nordöstliche Seite Wiens gelangen) merke ich, dass Millionen Menschen ebenfalls schon auf den Beinen sind. Zur Arbeit, zum Flughafen, zur Uni und zur UNO. Dabei läge der Nationalpark so nah vor den Toren Wiens. Ist das keine tägliche Verlockung, den Schraubstock oder Schreibtisch hinter sich zu lassen, das Telefon auszuschalten und stattdessen den ganzen Tag im Wald herumzuspazieren? Anscheinend nicht.

Der Nationalpark hat sich hauptsächlich am Nordufer der Donau ausgebreitet, also wähle auch diese Seite. Ich will in der Natur und nicht neben der Straße laufen, wo schlimmstenfalls noch ein Auto anhält, mich mitnimmt und den sportlichen Plan zerstört. Der Weg verläuft anfangs auf einem Damm, der zum Hochwasserschutz dient. Hier bin ich also sicher, selbst wenn es den ganzen Tag regnen sollte. Auf so einem Damm entlang zu laufen, ist angenehm, weil man sich über die Orientierung keine Gedanken machen muss, weil keine Autos kreuzen und weil wegen der leicht erhöhten Lage ein Lüftchen weht, dass die Mücken vertreibt.

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Außerdem haben für mich als Bayern so Dämme durchaus etwas Exotisches an sich. Bei uns, wo wir von allen Europäern am weitesten entfernt vom Meer wohnen, gibt es nur Kartoffeläcker, keine Dämme und Deiche mit Ausblick auf Überseedampfer.

Auch der Donauradweg verläuft auf diesem Damm. Nur heute nicht, denn heute wird repariert und gebaut, ausgebessert und aufgeschüttet. Die Hochwasser werden immer höher (z.B. 2013), was auch daran liegt, dass all die Menschen, die ich morgens in der U-Bahn sah, lieber noch mehr Häuser und Parkplätze als Nationalparks bauen. Danke, Ihr Immobilienspießer! Dafür müssen die Bauarbeiter jetzt schuften wie die Biber.

Nach Schönau baut sich die erste Hürde auf meinem Weg auf. Vielleicht ein Zeichen, dass ich umkehren oder aufgeben sollte, aber das kommt jetzt nicht mehr in Frage. Außerdem wird sich die Dammsanierung vielleicht noch Jahre hinziehen, und ich bin nur diesen Sommer in Wien.

„Ja, wo möchten Sie denn hin?“

„Nach Bratislava.“

Die beiden k.u.k. Vermessungsingenieure sind gar nicht einmal so erstaunt, wie ich erwartet hätte. Es sind ja auch nur maximal zwei Tagesmärsche. Und mein Rucksack legitimiert mich als Wanderer, nicht als Hochwasserschutzsaboteur.

„Eigentlich müssten Sie da jetzt außenrum gehen, auf der Straße. Der Radweg ist auf 30 km gesperrt. Aber auf der Straße ist es ehrlich gesagt nicht so schön zum Wandern.“

Umleitung

„Ich wäre schon gerne durch den Nationalpark gewandert“, versuche ich zu flehen, auch weil ich merke, dass der Herr Zivilingenieur ganz verständnisvoll und nett ist.

“ Na gut. Dann geh weiter! Aber lauf in keinen Bagger rein und brich Dir kein Haxn.“

Ich bedanke mich, aufrichtig und hocherfreut, aber nach ein paar Kilometern finde ich dann doch einen Weg runter vom Fahrradweg und in den Wald. So praktisch ist dieser Nationalpark gar nicht, denn es gibt kaum sinnvolle Wanderwege. Die meisten sind nur Stichwege, die den Fernwanderer in die Irre und den Tod führen.

Das mit dem Tod ist nicht übertrieben. Nah am Wasser und sich der Mittagszeit nähernd, sind Flora, Fauna und Klima wie am Amazonas, mit all den Gefahren, die der Amazonas mit sich bringt: Sumpf,

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Treibsand, Schlangen, Löcher aus denen noch mehr Schlangen kommen,

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fleischfressende Pflanzen,

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Ratten,

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Kakerlaken, Giftkäfer

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und Taranteln.

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Immer wieder endet der Weg im Dschungel oder vor der reissenden Donau, in die sich zu werfen angesichts der Moskitoschwärme ein verlockender Gedanke ist. Aber ich kann nicht schwimmen.

Endlich erspähe ich einen Wegweiser. Hoffnung auf Zivilisation! Aber als ich näher komme, erkenne ich gerade noch rechtzeitig die Falle: Alle drei Pfeile weisen zum gleichen Ort. Das ist die Art von Indianerfalle, vor der Karl May gewarnt hat! Der unvorsichtige Wanderer soll damit in einen Hinterhalt gelockt werden, wo er dann aufgespießt und verspeißt wird.

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Aber ich bin schlauer und schlage mich in die vierte Richtung durchs Gebüsch. Nach einer verfluchten und fluchenden weiteren Stunde erreiche ich wieder das Ufer der Donau und sogar Reste einer einstigen Siedlung. Ich fühle mich, wie wenn ich nach etlichen Tagesmärschen Fordlandia erreicht hätte.

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Die Einwohner sind schon alle tot oder weitergezogen, aber das Höchstmaß an Luxus, das ich mir für den Geburtstag wünsche, haben sie zurückgelassen: eine Hängematte.

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Zeit für die erste Pause. Nach Bratislava sind es etwa 60 km. Das dürfte eigentlich in 24 Stunden zu schaffen sein. Aber wenn ich durch die Nacht laufen will, muss ich tagsüber ein bisschen schlafen. Überhaupt liegt mir dieser Rhythmus bei Mehrtageswanderungen mehr. So benötige ich weder Zelt noch Schlafsack. Wenn es kalt ist, bleibe ich in Bewegung, um nicht zu erfrieren. Tagsüber schlafe ich ein paar Stunden in einer warmen Wiese, im Park oder eben in einer Hängematte. So tanke ich Energie und Wärme – und übrigens auch Glück und Zufriedenheit. Probiert es einfach mal aus!

Auf der Höhe von Orth lockt eine Fähre, die mich nach Haslau am Südufer übersetzen würde. Ein Blick auf die Karte offenbart, dass dies die einzige Möglichkeit vor der Brücke ganz im noch weiten Osten des Nationalparks, ist. Sollte ich die nächsten 15-20 km am Nord- oder am Südufer gehen? So weit hatte ich nicht geplant. (Planung verdirbt das Abenteuer.) Aber wegen des gesperrten Radwegs und der Amazonasschwüle hatte ich den Norden schon satt. Es war Zeit für etwas Neues.

„Sind Sie der Fährmann?“ frage ich also den Hemingway an seinem Boot.

Er bejaht, wirft zuerst einen Tschick und dann den Motor an. Mit 115 PS zieht er gelassen an der Fluppe und vor dem unter litauischer Flagge fahrenden Dampfer „Korsika“ vorbei. Allein der Spaß ist die Überfahrt wert. „Das ist noch gar nichts“, erwidert der Kapitän. „In der Bucht dort drüben habe ich noch ein 500-PS-Boot.“ Ende Juli wird mich ein motorenfanatischer Freund in Wien besuchen, dafür merke ich mir das mal vor.

Die Fähre fährt übrigens jeden Tag bis 18 Uhr, kostet 4 € und ist unter 0664-421-0058 zu erreichen, falls Ihr am Südufer gestrandet seid und Richtung Orth übersetzen möchtet. Für mich sollte es die letzte motorisierte Hilfe auf dieser Wanderung bleiben.

Der Schiffsverkehr auf der Donau ist rege und international. Die „Зеленодольск“ aus der Ukraine fährt Stahl. Die „Rossini“ fährt Passagiere. Belgische, rumänische, estnische Flaggen rauschen vorbei, wie beim Eurovision Song Contest. Flußabwärts geht es schneller, logisch, aber in beide Richtungen sind die Schiffe zügiger als ich dachte. Meine atlantiküberquerenden Kreuzfahrten waren lahme Enten dagegen.

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Der Süden ist dann tatsächlich etwas zivilisierter als der Norden. Teilweise gehe ich auf einem Weg, der fast wie eine Römerstraße aussieht. Sollte hier einst tatsächlich die Grenze des Römischen Reichs verlaufen sein, mit der Donau als Naturlimes?

Römerstraße

Immer wieder laufe ich an kleinen Häusern vorbei, die auf Hochwasserschutzstelzen stehen. Eindeutig auch hier der römische Einfluss, von Venedig abgeguckt.

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Diese Häuschen sind unbewohnt und werden anscheinend allenfalls an Wochenenden von Anglern und Grillern frequentiert. Als Haus-, Wohnungs- und heute sogar Obdachloser finde ich solche Wochenendhäuser eine schreiende Ungerechtigkeit und Vergeudung von Wohnraum. Das gleiche Gefühl beschleicht mich immer, wenn mich der Weg durch Kleingartenkolonien führt. Da stehen Häuser, die mir von Umfang, Ausstattung und Lage absolut adäquat, ja oft richtig schön, für den Lebensmittelpunkt erscheinen. Aber während ich und meine Vagabundenkollegen unter Brücken oder auf Güterwaggons erfrieren, hält sich die Bourgeoisie Zweitpaläste für ihre Orgien warm. Diese Revolution, deren hundertjähriges Jubiläum wir heuer feiern, ging wohl nicht weit genug. Aber auch ich bin heute nicht revolutionär aufgelegt und spaziere an den Hütten vorbei, ohne den Hausfrieden zu brechen. Außerdem regnet es nicht, so dass ich gerade keinen Unterstand benötige.

Außerdem macht eine Rast ohne Haus oder sonstigen Besitz- oder gar Eigentumsballast viel mehr Spaß. Wo es mir gefällt, lasse ich mich nieder. Wenn es mir nicht mehr gefällt, ziehe ich weiter. Manchmal fragen mich Leute, ob ich angesichts meines Lebensentwurfs kein „Zuhause“ vermisse, und ich verstehe die Frage kaum, denn ich habe hunderte, tausende, ja fast ungebrenzt Zuhauses in allen Wäldern und auf allen Wiesen und Bergen dieser Welt, vom Titicaca-See bis zu den Karpaten. Und das alles ohne Immobilienmakler, Hypotheken und Mietverträge.

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Auch die Römerstraße, temporäre Hoffnung auf ein schnelles Vorankommen, endet früher oder später wieder in der grünen Hölle. Zwischen Regelsbrunn und Wildungsmauer verliert sich der Weg endgültig im Dickicht. Das kommt von diesen Naturschutz- und Nationalparkideen. Wenn doch nur die Römer noch das Sagen hätten!

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Nach Wildungsmauer gebe ich auf und gehe an der Straße entlang, bis die Landschaft dem Namen der Ortschaft entspricht. Etwa einen Kilometer schleppe ich mich auf der Straße ich an einer Mauer entlang, die mich an Wanderungen in Großbritannien erinnert. Sollte hier tatsächlich auch Kaiser Hadrian gebaut haben?

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Warum steht mitten im Kornfeld ein Theater?

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Und was sollen die toskanischen Pappeln hier?

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Tatsächlich bin ich in einer römischen Stadt gelandet, in Carnuntum. Mittlerweile hat die Stadt allerdings geheiratet und trägt einen dieser nervigen Doppelnamen, sie heißt jetzt Petronell-Carnuntum.

Das Amphitheater ist schon mal sehr verlockend als Schlafstelle. Wunderbar weiches Gras, wie Samt fühlt es sich unter den nackten Füßen an. Schöne Blumen statt Dschungelungetier. Ein höher gelegener Punkt mit kühlendem Wind, aber mit schützenden Kuhlen für die Nacht. Und das Rauschen der Pappeln.

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Innerhalb des Amphitheaters steht ein riesiges Zelt, falls es regnen sollte. Es ist so groß, dass sogar noch andere Tippelbrüder Unterschlupf fänden. Da fällt mir erst auf, dass ich den ganzen Tag keinen Kollegen gesehen habe. Arbeitet denn gar niemand mehr als Landstreicher? Dabei würde das Amphitheater je nach Informationstafel 12.000, 13.000 oder 15.000 Menschen fassen.

Es ist zwar erst nach 18 Uhr, aber dunkle Wolken schieben sich vor die Sonne, wie wenn just in diesem Moment das Klimaoptimum der Römerzeit in das Pessimum der Völkerwanderungszeit umschlagen würde.

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Hier könnte ich jetzt eigentlich glücklich einschlafen, aber dann wäre ich um Mitternacht wieder wach. Naja, ich bleibe erst einmal zum Abendessen an diesem schönen Ort. (Eine Schachtel Karotten ist übrigens billig und gesund, aber wirklich langweilig.)

Während ich so meine weiteren Schritte überlege, donnert es. Noch fern, aber jetzt weiß ich, weshalb der Wind so stark kühlt: Ein Sturm zieht herauf. Mit dem Sturm kommt der Drang, in diesem Fall der Drang zum Weiterziehen.

Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren, war ein Fehler.

Durch Erfahrung klug geworden kann ich jetzt den Ratschlag geben: Wenn Ihr einen trockenen und geschützten Platz gefunden habt, legt Euch dort zur Ruhe, auch wenn die Schlafenszeit noch nicht gekommen ist. Es wird nicht besser!

Aber ich hatte auf der Karte bei Bad Deutsch-Altenburg, dem nächsten Ort, nur etwa 3 km entfernt, ein paar Höhlen entdeckt, in die ich mich retten wollte. So lief ich viel zu schnell und oberflächlich durch Petronell-Carnuntum, vorbei an Römermuseen, romanischen Kirchen und leider geschlossenen Burgen.

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Patrick Leigh Fermor war auf seiner Wanderung in solche Paläste eingeladen worden, und ich werde nicht ruhen, bis mir auch eines Tages solch ein Glück zuteil wird.

Am späten Nachmittag klopfte ich an das Tor von Schloss Deutsch-Altenburg, in einem Wäldchen direkt am Donauufer. Wiener Freunde hatten den Schlossherrn gebeten, mir ein Nachtquartier zu geben, und der alte Graf Ludwigstorff überließ mich nach einer freundlichen Begrüßung seiner hübschen Tochter Maritschi.

Der Regen wird stärker, ich werde schneller, um noch den Wald am Donauufer zu erreichen. Dort werde ich immer am Fluss entlang nach Osten laufen, hoffentlich ohne aufzuweichen, ohne in die Donau zu fallen, und ohne von Wildschweinen angegriffen zu werden.

Und dann passiert etwas, was mich vollkommen schockiert!

Ihr erinnert Euch an den Plan, tagsüber zu ruhen und nachts durchzulaufen, um der Kälte ein Schnippchen zu schlagen? Ein schlauer Plan, zugegeben. Nur einen Punkt hatte ich nicht bedacht: Nachts wird es dunkel.

„Ja klar“, sagt Ihr jetzt, aber so klar ist das nicht. Wenn man länger in der Großstadt wohnt, kann man das schon mal vergessen, weil auch nachts alles leuchtet. In Wien kann man nachts sogar noch im Park sitzen und ein Buch lesen, so hell wird man angestrahlt. Aber jetzt bin ich weit weg von Wien, weit weg von Parks, und weit weg von Lampen. Der große, runde Scheinwerfer da oben leidet gerade unter Mondfinsternis, und so wird es zuerst grau, dann dunkelgrün, dunkelbraun und schließlich schwarz. Pechschwarz. Und es schüttet. Ihr erinnert Euch an die Gewitterwarnung? Die Meteorologen haben Recht behalten. Nur mit ein ganz wenig Restlicht kann ich verhindern, dass ich in die Donau links neben mir falle. Ein falscher Schritt, und der Geburts- würde zum Todestag werden. Ein Wolkenbruch, durchzuckt von Blitzen, in deren kurzen Schein sich immer wieder zeigt, wie gefährlich nah am Wasser ich bin. Ein Wildschwein, ein Fuchs, ja selbst ein Hase, der mich erschreckt, alles könnte das Ende bedeuten. Wenn Donner und Blitz simultan zu- und einschlagen, weiß ich, dass die Himmelsmonster direkt über mir sind, wie wenn sie die einzige Seele aufgesucht haben, die sich diese Nacht in den dunklen Wald getraut hat. Und immer wieder tritt die Gefahr der Überschwemmung in den Hinterkopf.

Irgendein Schlaumeier in seinem Sessel wird jetzt fragen, „wieso nimmt der Depp denn keine Lampe mit?“ Nun, ich hatte schon eine Lampe dabei, aber wenn man allein im Wald ist, macht man sich dadurch erst recht zum Ziel für Scharfschützen. (Ich näherte mich immerhin der NATO-Außengrenze.) Ich zückte die Lampe nur einmal, um dieses Video aufzunehmen. Man beachte den Blitz, bevor ich das Licht anknipse.

Als ich total erschöpft Bad Deutsch-Altenburg erreiche, fängt es erst so richtig zu schütten an. Und hört nicht mehr auf. Eine halbe Stunde verstecke ich mich unter dem dicksten und schützendsten Baum im Park, aber dann dringen die Tropfen auch da durch. Ohne meinen Zauberhut macht der Regen einfach keinen Spaß.

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Ich laufe durch die Hauptstraße. Ein Restaurant+Gasthof ist gerade am Schließen und Staubsaugen. Ob noch ein Zimmer frei sei, frage ich. „Leider nein.“ Der Herr und die Dame sehen, wie patschnass ich bin, sehen, dass es stürmt und gewittert, aber eine Einladung, in der Gaststube zu nächtigen, erfolgt nicht. In Montenegro oder dem Iran wäre das nicht passiert, und ein Rakija oder ein Tee wäre auch noch drin gewesen.

Weiter ziehe ich durch das altdeutsche Dorf, denn der Weg zu den Höhlen ist mir jetzt zu dunkel, nass und gefährlich, aber um 22 Uhr sind schon alle Gaststätten geschlossen und die Fenster dunkel. Bei einer der „rund um die Uhr für Sie da“-Nummern an einem Hotel rufe ich an, aber niemand meldet sich. Dieses Dorf ist echt das sinnloseste Kaff Österreichs. Ich plädiere dafür, es zu Bombentestzwecken freizugeben.

Dann sehe ich die Rettung: eine Telefonzelle. Dass es so etwas überhaupt noch gibt! Als ich einsteige, merke ich sogleich, dass sie jedoch nicht mehr zur Telekommunikation, sondern als Aufzuchtstation für Giftspinnen (die ganz großen mit dem Kreuz) dient. Auch nicht ideal für eine lange Nacht. Lieber nass und kalt als gelähmt oder tot.

Die allerletzte Rettung ist der Bahnhof. Dort gibt es tatsächlich ein Glashäuschen auf dem Bahnsteig, sogar mit Tür, also windgeschützt und trocken. Ein letzter Zug kommt heute Abend noch vorbei, die S7 nach Wolfsthal um 23:22 Uhr. Das läge sogar auf meinem Weg und verlockend nah an Bratislava. Aber erstens wäre das gegen die Regeln, zweitens weiß ich nicht, ob es dort einen Unterstand gibt, drittens würde ich so den schönsten Teil der Strecke verpassen (soweit ich die Landkarte richtig interpretiert habe). Weniger regnen wird es in Wolfsthal auch nicht, eher gibt es dort noch mehr Wölfe. Wenn es morgen früh noch regnet wie bei Noah, muss ich den kleinen Ausflug sowieso abbrechen.

Nachdem die S7 weg ist, bleibt das Wartehäuschen geöffnet und beleuchtet. Danke, ÖBB! So verbringe ich also meinen Geburtstag. Nass und kalt habe ich nicht einmal Lust auf eine der mitgebrachten Zigarren. Zu trinken gibt es in diesem Kaff übrigens auch nichts.

Gegen Mitternacht wird der Regen noch stärker (er ist jetzt auf tropischem Regenzeitniveau). Wenn ich noch unterwegs gewesen wäre, hätte ich vielleicht sogar eine Überschwemmung erlebt. Fehlt nur noch ein Erdbeben zum perfekten Geburtstag.

Oh, die Anzeigetafel kündigt schon den nächsten Zug an: Die S7 nach Wien um 6:11 Uhr. Wieso fahren eigentlich nachts keine Züge, obwohl die Gleise rund um die Uhr zur Verfügung stehen? (Für solche Verbesserungsvorschläge sollte ich mit einer Österreichcard belohnt werden.)

Was mache ich jetzt die ganze Nacht? Die Bänke/Sitze sind nicht zum Hinlegen geeignet, und es wird stündlich kälter werden. Eine ganze Nacht ohne Schlaf war als Student und Rechtsanwalt normal, aber jetzt ist es fast unschaffbar. Zum Glück habe ich einen dicken Wälzer dabei. Sechs Stunden Habsburgergeschichte, das wird hart.

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Bald gewinnt die Müdigkeit. Ich lege mich einfach auf den Steinfußboden, mit dem Ruckack als Kopfkissen. Sofort schlafe ich ein. Erst um 2:30 Uhr wache ich das erste Mal auf, so unbequem kann es also nicht sein. Und das Beste: Es hat zu regnen aufgehört! Aber ich fühle mich auf dem blanken Beton und ohne Decke so wohl wie in einem Bett und will oder muss noch weiterschlafen. Hoffentlich wird der kommende Tag sonnig, so dass bald eine trockene Wiese zu finden sein wird. Denn ohne eine solche Rast wäre es auf keinen Fall drin, die noch fehlenden etwa 20 km nach Bratislava zu gehen.

Um 3:50 Uhr fühle ich mich schon fitter. Oder ich will einfach weg von diesem Ort. Die Vögel zwitschern schon, also packe ich den Rucksack und ziehe los, noch ins Dunkle hinaus.

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Dieses Dunkle ist auch weiterhin tückisch, denn neben dieser Kirche wollte ich übers Feld laufen. Es sieht nach einer Abkürzung aus, findet Ihr nicht auch?

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Zum Glück stand da ein Zaun, der mich zum Außenherumlaufen zwang. Denn als ich auf der anderen Seite angekommen war, erkannte ich, dass hinter der Kirche eine steile Klippe abfiel (vielleicht auch von den Römern erbaut, so wie die in Dover). Mit diesem perfiden Trick füllt dieses Kirchlein wahrscheinlich seinen Friedhof.

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An wie vielen gefährlichen Stellen ich wohl letzte Nacht im Dunkeln knapp vorbeigestolpert bin? Mit meinem Glück sollte ich die nächste Wanderung durch ein Minenfeld machen.

Jetzt kann ich Euch mitteilen, dass es in Mitteleuropa im Sommer um 4:30 Uhr hell wird und dass Ihr mit jeder darüber hinausgehenden Stunde Schlaf beste Lebenszeit vergeudet. Und es sieht nach einem wunderschönen Tag aus!

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Um 6 Uhr bin ich schon in Hainburg. Bis auf die schönen Ausblicke auf Donau und Burgen nützt mir das aber nichts, weil noch kein Laden offen hat. Dies ist der letzte Ort vor Bratislava. Ohne einige Liter Wasser kann ich das letzte Teilstück nicht angehen. Auf der Suche nach einer Tankstelle, einem Supermarkt oder einem hochmotivierten 24-Stunden-Dönerladen ziehe ich durch die Stadt. Fehlanzeige. Lidl und Hofer öffnen um 7:40, Penny um 7:30, also bleiben mir noch eineinhalb Stunden.

Dann sehe ich mir eben Hainburg an. Zwischen den drei Supermärkten steht das Pestkreuz, zum Gedenken an Pest von 1679. Wahrscheinlich hat sich die Pest nur ausgebreitet, weil die Märkte geschlossen waren und niemand Medizin, Impfstoffe oder Seife kaufen konnte.

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„Altes Kloster“ steht an einem Gebäude, das eher wie eine Kaserne für eine gesamte Infanteriedivision aussieht. Überhaupt ist es eine imposante Stadt, die ausweislich ihrer Gebäude mal militärisch bedeutsam war.

Wegen des Hochwassers fährt die Eisenbahn hier auf der Stadtmauer.

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Vor der Kirche finde ich endlich einen Trinkwasserbrunnen, aber leider habe ich meine leeren Flaschen schon weggeworfen. Ein schwerer Fehler, der mich einige Stunden kostet. Wie ein Anfänger, peinlich.

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Vor dem Penny-Supermarkt, dessen um 10 Minuten frühere Öffnungszeit sich auszuzahlen scheint, versammeln sich schon die Hungrigen. Eine Frau, die ständig mit ihrem Minihund und auf den Regen von letzter Nacht schimpft (da stimme ich zu), will gar nicht glauben, dass man allein Wandern geht. „Ist das nicht gefährlich?“ Nein, nur nass.

Ich müsse sehr aufpassen, wenn ich nach Bratislava käme, warnt sie mich: „Die Leute dort stehlen alles. Nachts können Sie da nicht auf die Straße gehen, sonst werden Sie erschlagen.“ Bei solch dramatischen Prophezeiungen kann ich meinen amüsierten Unglauben nicht verhehlen. „Doch, doch, glauben Sie mir,“ insistiert die Apokalyptikerin, „meine Schwiegertochter ist Slowakin.“

Dann öffnet der Supermarkt, und die Österreicherin, die Angst vor den nahen Nachbarn hat, steckt ihren Hund in den Einkaufsbeutel. „Sonst kann ich ihn nicht mit reinnehmen, weil Hunde im Supermarkt nicht gestattet sind.“

Drei Liter Wasser und eine Tafel Schokolade müssen reichen, auch weil sonst das Geburtstagsbudget gesprengt würde.

Am Ausgang von Hainburg, schon wieder an der Donau, wartet ein älterer Mann mit Hund auf mich. Er schimpft weder mit seinem Hund, noch über sonst etwas, sondern begrüßt mich freundlich: „Wir haben Sie schon von Weitem gesehen, und waren neugierig.“ Ich erzähle ihm, wohin ich gehe, und er freut sich für mich: „Da haben Sie eine schöne Strecke vor sich, im doppelten Sinn“, grinst er aufmunternd. „Aber in Bratislava können Sie sich dann erholen.“

Dieses Phänomen habe ich immer wieder erlebt: Menschen, die grundsätzlich eher ängstlich, pessimistisch oder negativ sind, haben auch Angst vor Fremden und der Fremde. Menschen, die eher positiv, optimistisch und fröhlich veranlagt sind, freuen sich eher über das Fremde und Neue. Manchmal habe ich den Eindruck, dass diese Grundeinstellung mehr mit der Meinung gegenüber Fremden, Ausländern oder Flüchtlingen korreliert als alle politischen Einstellungen.

Wie erwartet hat der fröhliche Mann Recht und die missmutige Frau Unrecht. Gefährlich ist das Alleinwandern nicht, aber der Weg ist tatsächlich der schönste Abschnitt des ganzen Wochenendes. Weit weg von der Straße, von Dörfern, von Verkehr geht es auf kleinen Pfaden durch Laubwälder, durch in den Fels gehauene Durchgänge und durch ein Meer aus dutzenden Schattierungen von Grün.

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Und dann ein Ausblick, der für alle Strapazen entschädigt, der die harte Nacht, das Stapfen durch den Regen, den Durst und die Verzweiflung vergessen macht.

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Hier lasse ich mich nieder!

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Gegenüber ist schon die Slowakei, genauer die Burg Devín (auf Deutsch: Theben) am Zusammenfluss der beiden Grenzflüsse March und Donau. Hier liegen – Achtung, geschichtsverfälschender Nationalismuskitsch – die Wurzeln der slowakischen Nation, die sich hier aus dem Großmährischen Reich entwickelt hat. Devín war über Jahrhunderte Pilgerstätte und Projektionsort slowakischer Rebellen und Dichter, die hier an der Identität des zu schaffenden Staates bastelten.

Jedenfalls sollte eigentlich hier die Hauptstadt sein, nicht in Bratislava. Ist sie aber nicht. So habe ich noch ein paar Stunden vor mir, weniger wegen der Entfernung (7 oder 8 km), als wegen Müdigkeit und Mittagshitze.

Die Grenze wird die Grenzschutzfanatiker, deren Zahl in Österreich zu- dann aber bei eigenen Urlaubsreisen wieder abnimmt, übrigens enttäuschen. Man läuft da einfach durch den Wald, ohne Zaun, ohne Stacheldraht, ohne Hunde, ohne Grenzposten, ohne Pass, ohne Stempel, ohne Schlagbaum, ohne Schießbefehl. Es hängt noch ein slowakisches Schild am Baum, das österreichische ist schon abmontiert.

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„So eine Sauerei! Da kommen die ganzen Horden zu uns“, würde die wütende Frau vor dem Supermarkt wahrscheinlich sagen. Und der freundliche Herr am Fluss würde antworten, dass es doch schön sei, dass wir jetzt alle Europäer sind und niemand mehr erschossen wird oder in der Donau ertrinken muss. Nicht einmal die Hasen haben noch Angst vor dem Tod im Kugelhagel.

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Auf der slowakischen Seite entdecke ich dann tatsächlich noch richtige Grenzschutzanlagen, die 1938 jedoch den deutschen Einmarsch nicht verhindert haben.

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Gegen das Münchner Abkommen hatte selbst der dickste Betonbunker keine Chance. (Wer mehr davon sehen will, für den gibt es das Museum der Tschechoslowakischen Befestigungsanlagen.) Tja, wenn die Deutschen damals doch mehr Geduld gehabt und noch zwei Generationen gewartet hätten. Jetzt kann jeder, der will, in die Slowakei wandern, dorthin umziehen, sich niederlassen, und das alles ohne Krieg und Völkermord. Und dazwischen war hier zwei Generationen lang das Ende Westeuropas bzw. Osteuropas, eine fast undurchdringliche Grenze. Solchen ernsten Gedanken hänge ich nach, als Bratislava zum ersten Mal Sichtkontakt herstellt.

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So eine Wanderung ist wie ein Marathon. Die letzten Kilometer hauen ganz schön rein. Ich hätte den ganzen Tag gegenüber der Burg Devín bleiben sollen, unter den Bäumen, und den Schiffen zusehen, etwas schlummern, dazwischen lesen und rauchen, und erst am Abend weiter wandern, wenn es nicht mehr so heiß wäre. Aber so nah am Ziel wirkt die slowakische Hauptstadt wie ein Magnet.

Dabei weiß ich gar nicht, was mich dort erwartet. Zuerst einmal eine Parkbank an der Donau und die Kombination aus Erschöpfung und Erleichterung, gewürzt mit einer Prise Stolz. So kaputt sitze ich endlich im Schatten, dass sich die vorbeisausenden Jogger, Skater, Rollschuh- und Radfahrer wundern, was mich so fertig gemacht hat. Die können ja nicht ahnen, dass ich erst einen Tag zuvor in der Hauptstadt des benachbarten Landes losgegangen bin. Wer geht schon in zwei Tagen von Hauptstadt zu Hauptstadt? Ich fordere meine Leser aus Berlin, Paris und Moskau auf, das erst einmal nachzumachen!

Ich merke, dass ich zu kaputt bin, um Bratislava zu genießen. Da ich mit dem Bus oder Zug jederzeit in einer Stunde hier sein kann, entscheide ich mich, die Erkundung der Stadt auf später zu verschieben, und jetzt erst einmal in mein Bett zu reisen. Mit bis zu 70 km/h brause ich mit dem Twin City Liner in 90 Minuten stromaufwärts. Ein teures Vergnügen (35 €), und nach der Wanderung fast zu schnell, aber durch den Fahrtwind bleibe ich wenigstens noch wach. Und wenn ich jetzt die Ufer und Buchten, die Burgen und Wälder von der Donaumitte in umgekehrter Reihenfolge aus sehe, spult sich der ganze Film der Wanderung rückwärts ab.

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Übrigens: In Bratislava war ich zwar nur ein paar Stunden, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass man dort Raub und Totschlag fürchten muss. Der ängstlichen Dame würde etwas Reisen gut tun. Sie muss ja nicht alles zu Fuß gehen.

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Österreichisch für Deutsche

Dass der erste Monat im Jahr Jänner heißt, wusste ich schon. Den Begriff heuer für das gegenwärtige Jahr verwende ich als Süddeutscher ebenfalls. Und weil ich manchmal für eine österreichische Kanzlei Schriftsätze ins Englische übersetze, habe ich über die Zeit österreichische Fachbegriffe aufgeschnappt, wie Exekution für Zwangsvollstreckung, Firmenbuch für Handelsregister oder Verlassenschaftskurator für Nachlassverwalter.

Aber bevor ich nach Wien zog, war mir nicht bewusst, wie viele neue Vokabeln und Redewedungen ich lernen muss, um nicht als Piefke aufzufallen.

Es beginnt im Detailverkauf (Einzelhandel), wo man Paradeiser (Tomaten), Erdäpfel (Kartoffeln), Marillen (Aprikosen) und Faschiertes (Hackfleisch) kauft und an der Kassa gefragt wird, ob man ein Sackerl wünscht, während man im Geldbörsel kramt. Übrigens geht hier kein Einkauf und keine Essensbestellung vonstatten, ohne dass man sich mehrfach guten Appetit und einen schönen Tag wünscht und sich gegenseitig immer wieder für die Wünsche bedankt.

Bei Halbmarathons oder ähnlichen Bewerben gibt es die Jause an der Labestation.

Im Heurigen oder im Schanigarten hilft mir oft auch die Speisekarte nicht viel weiter. Was zum Henker ist ein Blunzengröstl? Da bleibe ich sicherheitshalber bei den Mehlspeisen. Die Topfenmäuse werden schon keine echten Mäuse sein.

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Manchmal denkt man, der Österreicher will lustig sein, aber Mistkübel ist wirklich das gängige Wort für Mülleimer. Die Männer, die diese berufsmäßig leeren, heißen Mistkübler. Die Textilreinigung heißt Putzerei. Im Flieger nutzt man zum Entsorgen notfalls das Speibsackerl.

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Die politische Berichterstattung wartet auch mit etlichen Austriazismen auf. Manche, wie Asylwerber, erschließen sich sofort. Andere, wie Klubobmann, erst aus dem Zusammenhang. Klubs sind keine Vereine zum Singen, Trinken oder Kicken, sondern die Fraktionen im Nationalrat. Und die Klubobmänner und Klubobfrauen sind die jeweiligen Franktionsvorsitzenden. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer heißen Landeshauptmänner, Landeshauptfrauen bzw. Landeshauptleute. Politiker werden nicht vereidigt, sondern angelobt. Der Tarifvertrag heißt Kollektivvertrag.

Bis jetzt war es relativ einfach. Es ging ja nur um neues Vokabular. Aber auch Verben werden in Österreich anders verwendet. Sich ausgehen ist darunter wohl das wichtigste. Es beudetet so viel wie „passen“, vor allem in zeitlicher, aber auch in räumlicher und organisatorischer Hinsicht. Beispiele: „Der Zug fährt erst um viertel drei, das geht sich locker aus.“ „Ich hätte 15 Seiten für Sie zum Übersetzen. Bis wann geht sich das bei Ihnen aus?“ Verwirrenderweise bedeutet das, dass sich das Geld für den Monat nicht ausgeht, wenn es voraussichtlich ausgehen wird.

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Ausfassen hat auch eine andere Bedeutung, wie ich der Berichterstattung über das Urteil im NSU-Prozess entnommen habe: „Ein hartes Urteil fasste auch der Mitangeklagte Ralf Wohlleben aus, er muss als Waffenbeschaffer zehn Jahre hinter Gitter.“

Sogar Präpositionen werden anders verwendet. So heißt es in einer Einschaltung (Annonce), dass man 10 Ausgaben einer Zeitung um nur 10 Euro abonnieren könne.

Ich habe diesen Artikel bewusst schon nach meinen ersten zwei Wochen in Wien geschrieben, so dass Ihr allfällige Ergänzungen beisteuern könnt. Das wäre leiwand (super, dufte). Bisher bin ich beeindruckt von der Menge und dem Ausmaß der Unterschiede zwischen Deutsch und Österreichisch. Wir bräuchten ja fast Übersetzer, wie zwischen den verschiedenen serbokroatischen Sprachen. Aber ich werde das schon schupfen! Insbesondere, wenn ich weiterhin jeden Tag mit offenen Augen und Ohren durchs Grätzl gehe.

Bis dahin, baba!

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Erste Eindrücke

Am Bahnsteig in Regensburg wartet neben mir ein junger Mann ebenfalls auf den Zug nach Wien. Er ist ganz in schwarz gekleidet, mit schwarzem Baseball-Cap, schwarzer Sonnenbrille (die Sonne scheint nicht), schwarzen Kopfhörern und schwarzem Rucksack. Mit seinen Muskeln könnte er den einfahrenden ICE per Hand stoppen.

Im Zug finde ich mich auf einem Sitzplatz gegenüber von ihm wieder. Der Bodybuilder packt einen dicken Wälzer – „Was ein Einzelner vermag – Politische Zeitgeschichten“ von Heribert Prantl – und eine Tupperware-Box mit Gurkensalat aus seinem Rucksack und vertieft sich in die Lektüre.

Ich habe mich wohl in ihm getäuscht und schäme mich etwas über meine Oberflächlichkeit.

Kaum rollen wir aus Regensburg hinaus, bauen sich zwei Männer in Zivilkleidung neben uns auf: „Polizei, Ausweiskontrolle“, wenden sie sich nur an den jungen Mann, der die Sonnenbrille und Kopfhörer schon abgenommen, aber das Käppi noch auf hat.

„Sprechen Sie Deutsch?“ fragt der Polizist.

„Selbstverständlich“, antwortet der anscheinend Verdächtige freundlich, aber mit einem nicht ganz zu unterdrückenden Lächeln.

„Das sehen Sie doch an dem Buch“, werfe ich hilfreich ein, auch weil ich genervt bin, dass bei einer Zugfahrt zum wiederholten Mal mein Gegenüber kontrolliert wird, während ich in Ruhe gelassen werde.

„Darauf habe ich gar nicht geachtet“, erwidert der Kriminalist. „Ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren.“

Was das Wesentliche ist, das den lesenden jungen Mann von allen anderen Reisenden in diesem Waggon unterscheidet, erfahren wir nicht. Aber wir können es uns denken.

Falls mal jemand Geld, Drogen oder Waffen schmuggeln muss, heuert einfach so jemanden wie mich an (weiß, Mitte 40, konservativer Kleidungsstil, kurze Haare, keinen Bart). Wir werden nie kontrolliert.

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Anthony Bourdain, 1956-2018

Essen ist ein wichtiger Bestandteil des Reisens. Für manche ist es sogar der wichtigste und interessanteste Teil.

Für mich persönlich ist die Nahrungsaufnahme leider der Teil des Lebens, in dem ich am wenigsten abenteuerlustig bin. Ich wünsche, ich wäre offen genug, um alles einmal zu kosten, aber wenn etwas komisch aussieht (Meeresfrüchte), wenn es aus komischen Teiles eines Tieres zubereitet wird (gekochte Schafsköpfe) oder wenn es sich um ein Tier handelt, das ich niemals mit Essen in Verbindung gebracht habe (Meerschweinchen), dann probiere ich es nicht einmal. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diesem Blog wegen der Artikel über Essen folgt.

Aber es gab zwei kulinarische Fernsehsendungen, die ich mir gerne ansah: No Reservations und Parts Unknown, beide mit Anthony Bourdain.

Was die Nahrung angeht, gefiel mir sein Fokus auf einfache Gerichte und auf Imbissbuden am Straßenrand.

Weil ich weder zu viel Zeit noch zu viel Geld für Essen ausgeben möchte, setze ich mich auch oft an den Straßenrand und bestelle einen Teller von was auch immer in einem großen Kochtopf blubbert oder auf dem Grill schmort. So entdeckte ich Falafel in Israel, Arancini in Sizilien und Trancapechos in Bolivien. Alles Gerichte, die besser sind als das meiste, was man in schnieken Restaurants bekommt.

Aber was mir wirklich an den Sendungen von Anthony Bourdain gefiel, ist dass sie übers Essen hinausgingen und im Grunde viel ernsthafter waren als die meisten Reisesendungen. Niemals belästigte er die Zuschauer mit der hundertsten Fahrt durch die Lagune von Venedig oder einen Besuch des Eiffelturms, sondern er spazierte in die Seitenstraßen, kam mit Leuten ins Gespräch und hoffte immer, dass sie ihn nach Hause einladen würden.

Und dennoch konnte er dabei auch ernste Themen behandeln und sie einem Pulikum zugänglich machen, das anfänglich nur an exotischen Speisen interessiert war. Ein bisschen wie dieser Blog, der auch mehr als ein Reiseblog sein will.

Mit aller Kraft versuchte Anthony Bourdain den Menschen zu zeigen, dass die Welt erst einmal nicht gefährlich, sondern interessant ist, auch die Länder, die eine Konnotation der Gefahr mit sich tragen. Hoffentlich geht diese Botschaft nicht verloren, jetzt wo Anthony Bourdain nicht mehr unter uns weilt.

Weil jeder davon auszugehen scheint, dass sein Tod ein Suizid war (oder war es Russland?), sollte ich auch dazu ein paar Gedanken äußern.

Mich überrascht die Zahl der Leute, die überrascht reagieren. „Er war doch immer so lebenslustig.“ Ich hatte hingegen immer jemanden gesehen, der eher nachdenklich und etwas bedrückt war. Aber selbst wenn jemand nach außen immer lustig und voller Energie ist, was erwarten die Leute denn? Denken die, dass jeder, den das Leben ankotzt oder einfach nur langweilt, weinend in der Ecke sitzt?

Eine weitere Reaktion, die mich stört, ist dass sofort „psychische Probleme“ vermutet werden, oft in Verbindung mit dem Wunsch, dass er sich doch „professionelle Hilfe“ hätte holen sollen, dann wäre er noch am Leben. Es geht niemanden etwas an, ob jemand anders leben will oder nicht. Es ist die Entscheidung des Betroffenen und seine Entscheidung allein. Der Grund muss nicht einmal eine schwerwiegende pyschologische Angelegenheit sein. Die Entscheidung, sein Leben zu der selbstgewählten Zeit und in einer selbstgewählten Art zu beenden, kann vollkommen rational sein. Ich habe ehrlich gesagt Respekt für Menschen, die den Mut für diese ultimative Entscheidung aufbringen.

Wie immer in solchen Fällen suchen die Menschen nach Anzeichen. „Wie hätten wir das früher bemerken können?“, anscheinend in dem Glauben, dass es ein entscheidendes Merkmal gibt, das alle Menschen teilen, die sich mit dem Gedanken an einen Suizid befassen. Das gibt es nicht, und bis Menschen verstehen, dass nicht jeder wie sie denkt, werden sie diese Anzeichen nie erkennen. Falls man es überhaupt kann. Denn wo der eine ein erfülltes Leben sieht, erkennt der andere, dass es nicht so ist. Wo jemand einen Grund sieht, am Leben zu bleiben, ist der andere nur gelangweilt. Wo einer Angst vor dem Tod hat, weiß der andere, dass ein erfolgreicher Selbstmord die eine Entscheidung im Leben ist, die man sicher niemals bereuen wird.

Und lasst Euch niemals täuschen von der „Abenteuerlust“ oder sonstigen scheinbar lebensbejahenden Einstellung. Schließlich ist die Suche nach Abenteuern (und das Essen von komisch aussehenden Tieren) auch eine Art, jeden Tag und jeden Teller mit dem Tod zu spielen. Mir scheint sogar, dass Selbstmord durch Abenteuer die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form des Suizids ist.

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Mieten in Deutschland

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Wohnungsmiete überall auf der Welt:

Man schaut sich die Wohnung an, der Vermieter gibt einem den Schlüssel, man zieht ein und zahlt jeden Monat die Miete. Wenn es ein Problem gibt, ruft man an und bespricht es.

Wohnungsmiete in Deutschland:

Selbst für eine klitzekleine Wohnung müsst Ihr Euch mit Lebenslauf, Empfehlungsschreiben, Kontoauszügen, Arbeitsvertrag, Schufa- und Bundeszentralregisterauszug bewerben. Der Vermieter wird trotzdem darauf bestehen, dass mindestens zwei weitere Personen, am besten die wohlhabenden Eltern, als Bürgen unterzeichnen.

Den Schlüssel bekommt Ihr erst nach Zahlung einer Kaution in Höhe von drei Monatsmieten, der Miete für den ersten Monat, der Anzahlung für Wasser, Strom, Gas, Müllabfuhr und Straßenreinigung sowie dem Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Am liebsten hätte der Vermieter noch eine Vollmacht für das Bankkonto.

In der Wohnung sind keine Möbel, oftmals nicht einmal Glühbirnen oder Fußabstreifer. (Wenn Eure Wohnung schon eine Toilette aufweist, habt Ihr den Jackpot geknackt.)

Der Mietvertrag wird von da an Euer gesamtes Leben kontrollieren. Ihr denkt, ich übertreibe hier? Keineswegs, Ihr könnt mir schon glauben, denn ich übersetze oft Mietverträge. Vor kurzem stolperte ich über einen Paragraphen, in dem der Vermieter unmissverständliche Anweisungen darüber gibt, wie oft, wie lange und wie weit die Fenster geöffnet werden müssen.

Kipplüftung

Und Ihr könnt Euch darauf verlassen, dass der Vermieter jeden Tag am Haus vorbeigeht, um Euer vertragsgetreues Verhalten zu überprüfen. Wenn Ihr den Zeitplan nicht genau einhaltet, findet Ihr am nächsten Tag ein Schreiben im Briefkasten, höchstwahrscheinlich von einem Rechtsanwalt und per Einschreiben versandt.

Ehrlich, selbst wenn ich es mir leisten könnte, in Deutschland eine Wohnung zu mieten, ich hätte gar keine Lust darauf. In fast allen anderen Ländern der Welt geht es unkomplizierter zu. Bisher wollten nur zwei Vermieter überhaupt einen schriftlichen Vertrag, in Vilnius und in Mollendo. Und wenn man einzieht, sind Möbel, Teppiche, Waschmaschine und Geschirr schon da.

In La Paz hatte ich eine Wohnung ohne Küche gemietet (aber das wusste ich vorher, es war also kein Problem, und die guten vegetarischen Restaurants waren gleich um die Ecke und günstig: 2-3 Euro für ein Menü mit Getränk, Suppe und Nachspeise). Eines Tages traf mich die Vermieterin im Treppenhaus und fragte, „sag mal, Andreas, hättest Du eigentlich gerne eine Küche?“ Naja, ich würde manchmal schon gerne selbst kochen (Kaiserschmarrn!), aber ich wollte natürlich keine Investitionen in Küchengeräte tätigen. „Nein, nein,“ wurde ich sogleich beruhigt, „wir besorgen das alles für Dich.“ Mehr zahlen musste ich nicht. Mein Beitrag beschränkte sich darauf, den Herd und den Kühlschrank mit in den dritten Stock zu tragen. – In Deutschland hingegen gibt es Ärger, wenn die Schuhe im Flur stehen.

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Nächste Reise: Krakau

Die Fernuniversität heisst nicht nur so, weil man aus der Ferne studieren kann, sondern auch, weil man damit in die Ferne reisen kann. Ab morgen bin ich im Rahmen meines Geschichtsstudiums in Polen, und dort natürlich in der geschichtsträchtigsten Stadt überhaupt, in Krakau.

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„Erinnerungs- und Geschichtspolitik einer polnischen Metropole von 1900 bis 1970“ lautet das Thema des viertägigen Seminars, und dabei geht es von Kulturgeschichte mit Jugendstil, Polski Jazz und einem Besuch des Wyspianski-Museums bis zu jüdischen Künstlern, dem sozialistischen Musterviertel Nova Huta, den Studentenprotesten und dem Antisemitismus in Polen nach 1945. Aber ist das jetzt in Polen überhaupt noch erlaubt, darüber zu diskutieren? Es ist auf jeden Fall die richtige Zeit für solch ein Seminar.

Einen großen Raum werden natürlich die deutsche Besatzung ab 1939 und der Holocaust einnehmen. Wir werden sowohl die Stadt Auschwitz als auch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Aber auch das ehemalige Ghetto in Podgórze und das Zwangsarbeiterlager Plaszów sind Themen, ebenso wie Oskar Schindler. An mir bleiben immer die rechtsgeschichtlichen Themen hängen, so dass ich über die Frage referieren werde, ob Entschädigungsansprüche ein Weg oder ein Hindernis der Versöhnung sind.

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Überrascht stelle ich fest, dass ich bisher noch nie in Polen war – ganz anders als meine Großväter, die dort 1939 Lebensraum für Deutsche schaffen wollten, ohne zu ahnen, dass ihre Familie nach nur zwei Generationen mangels Nachwuchs sowieso aussterben würde. (Und glaubt mir, ich würde mich auch bei noch so viel Lebensraum nicht fortpflanzen wollen.) Aber neugierig auf Polen war ich schon immer, und deshalb nütze ich diese Exkursion, um danach weitere fünf Tage in Krakau zu verweilen. Wenn es mir gefällt, komme ich gerne mal wieder, um mehr von Polen zu erkunden.

Das einzige was mir ein Sorge bereitet, ist dass ich Orte von Massenmorden, die in Osteuropa kaum zu vermeiden sind, wenn man mit offenen Augen durchs Land zieht, bisher lieber allein besuchte. Ich habe dort gerne Ruhe und Zeit zum Nachdenken und sitze stundenlang im Wald oder auf der Wiese. Das geht bei einer gemeinschaftlichen Exkursion natürlich nicht. Mal sehen, wie das wird.

Und wie immer, wenn ich auf Reisen gehe: Wer eine Postkarte möchte, meldet sich einfach.

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Die deutsche Kolonie

Die deutschen Kolonien hießen nicht Kolonien, sondern Schutzgebiete. Die einzige deutsche Kolonie, die heute noch deutsche Kolonie heißt, war hingegen niemals eine deutsche Kolonie. Schon zu kompliziert? Dann hört jetzt besser auf, zu lesen.

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Mitten im besten Viertel von Haifa braucht man nicht lange, um zu bemerken, dass hier etwas deplatziert ist: Häuser mit roten Zigeldächern. Fensterläden. Massive Holzbalken, wie mein Kopf bemerken musste, als ich in einem dieser Häuser nachts versuchte, ohne Licht durch den Flur zu gehen.

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Inschriften über den Türen wie „komm Herr Jesu“ oder „Gott mit uns“. Auf Deutsch.

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Strudel und Weissbier.

Strudel
Weissbier

Groß ist sie nicht, diese deutsche Kolonie. 800 m lang ist die jetzt nach David Ben Gurion benannte Hauptstraße.

Aber nun der Reihe nach: Die Mitglieder der Tempelgesellschaft (nicht zu verwechseln mit den Tempelrittern oder dem Templerorden, mit denen die Templer, wie wir sie, um zusätzliche Verwirrung zu stiften, fortan nennen mögen, jegliche Verbindung abstreiten würden, obwohl sie alle im Heiligen Land tätig waren) wanderten ab 1868 aus Württemberg aus und gründeten zuerst eine Siedlung bei Haifa. Bald ließen sie sich auch in anderen Städten wie Jaffa oder Jerusalem nieder und gründeten Orte mit so kreativen Namen wie Waldheim, Walhalla und Wilhelma. Letzteres heißt heute Bnei Atarot, und wie der Zufall es will, habe ich dort während eines Jugendaustauschs mal zehn Tage bei einer sehr herzlichen und humorvollen Familie (Israelis, keine Templer) gewohnt.

So sah es dort früher aus,

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und so sieht es jetzt aus:

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Der Flughafen bei Tel Aviv hieß übrigens bis 1943 „Wilhelma Airport“.

Die Templer waren fleissig und bauten Straßen, richteten einen Pferdekutschendienst ein (ähnlich Wells Fargo) und dank ihnen bekam Haifa einen Hafen. Sie hatten sich aber auch einen besonders schönen Ort ausgesucht, wo es sich gut leben ließ.

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Der unprotestantische Tempel am Hang gehört allerdings nicht den Templern, sondern den Bahai.

Auch Kaiser Wilhelm II. kam mal zu Besuch. Im Oktober 1898 wollte er dem tristen Herbst und dem ungeheizten Winter in Preussen entgehen und ging deshalb auf Kreuzfahrt. Weil das Wort Kreuzfahrt wegen der Kreuzzüge ein bisschen heikel war (schon im 19. Jahrhundert litten die Deutschen unter der „Political Correctness“), nannte man es Pilgerfahrt.

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Wegen des religiösen Vorwands musste der deutsche Kaiser seinen Badeurlaub unterbrechen und nach Jerusalem reiten. Dort empfing er Theodor Herzl, der ihn um die Schirmherrschaft für den angestrebten Judenstaat bat, praktisch ein deutsch-jüdisches Protektorat. Herzl mochte geahnt haben, dass die Juden Europas ohne eigenen Staat immer schutzlos sein würden, aber die Rolle Deutschlands schätzte er falsch ein. Wilhelm II. unternahm nichts in der Richtung, und wie Deutschland sich bald darauf gegenüber den Juden positionierte, ist bekannt.

Die Geschichte der Templer in jener Zeit ist weniger bekannt, aber dafür erzähle ich sie Euch jetzt. Die Gleichschaltung der Nazis ab 1933 erstreckte sich insbesondere durch das deutsche Schulwesen auch auf die im Ausland lebenden Deutschen (Spätwirkungen kann man heute noch antreffen). Einerseits gibt es Berichte, dass die Templer und andere Palästinadeutsche, wie die im britischen Mandatsgebiet lebenden Deutschen bezeichnet wurden, in Berlin darum baten, keine Hakenkreuzfahnen für ihre deutschen Institutionen verwenden zu müssen und gegen die Boykotte jüdisch geführter Geschäfte in Deutschland Protest einlegten, jeweils erfolglos.

Andererseits hatten die Nazis bei den Auslandsdeutschen in aller Welt oft sehr starken Zulauf (über ein Beispiel habe ich schon mal berichtet), und vor Kriegsausbruch 1939 war ein Drittel der erwachsenen Palästinadeutschen bei der NSDAP. Es gab eine „Landesgruppe der NSDAP in Palästina“, eine Hitler-Jugend in Haifa, die bizarrerweise Hebräisch-Kurse anbot, und eine NSDAP-Ortsgruppe in Jerusalem.

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Ralf Balke führt in seinem Buch Hakenkreuz im Heiligen Land: Die NSDAP-Landesgruppe Palästina die Motive der Templer auf:

Die Geschichte der Landesgruppe der NSDAP ist ein einzigartiges Beispiel für die Selbstnazifizierung einer deutschen Gemeinschaft jenseits der Grenzen des Dritten Reiches auf einem Terrain, das zunehmend jüdisch geprägt war und unter britischer Herrschaft stand. Der Antisemitismus der deutschen Siedler war tief verankert: religiöser Antijudaismus traf auf rasse-biologischen und verschwörungstheoretischen, modernen Antisemitismus. Mit Missgunst betrachteten die deutschen Siedler den Erfolg der Zionisten, der ihre Hoffnungen zunichte machte, selbst irgendwann einmal das Land zu beherrschen.

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Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde es den Briten endlich zu bunt. Sie internierten die Deutschen, die sich nicht rechtzeitig abgesetzt hatten, in den Templerkolonien und die wehrfähigen Männer in einem Gefängnis in Akko. Mit Vorrücken des Afrika-Korps der Wehrmacht auf das Heilige Land verschiffte Großbritannien die Templer und Palästinadeutschen 1941 so weit weg wie möglich, was nach britischem Verständnis Australien war. Dort blieben diese bis 1947 interniert. Interniert und borniert, muss man sagen, denn noch am 20. April 1945 feierten sie Hitlers Geburtstag. Dennoch zeigte sich Australien kulant und bot den Deutschen an, nach ihrer Freilassung im Land zu bleiben. Wie Australien halt so ist: „Ganz knusper war das nicht von Euch mit diesem Nazischeiß, aber Schwamm drüber, Jungs. Wenn’s Euch hier gefällt, dann bleibt einfach hier. Bier ist im Kühlschrank.“ Die meisten der stolzen Blut-Boden-Rasse-Arier nahmen das Angebot gerne an, ihrem jetzt in Schutt und Asche liegenden Vaterland zugunsten von Strand und Sonne den Rücken und dessen Verlängerung zuzukehren.

Der neu gegründete Staat Israel war verständlicherweise nicht so scharf darauf, unmittelbar nach dem Holocaust die einstigen Hakenkreuzfahnenschwenker wieder ins Land zu lassen. Von denjenigen Deutschen, die noch in Palästina geblieben waren, wurden ein paar von der Haganah erschossen, die anderen von den Briten nach Zypern geschickt. Sie wanderten dann nach Australien oder nach Deutschland aus.

Aber, was gute Deutsche sind, die beharren nach dem Rauswurf auf einer korrekten Nebenkostenabrechnung. Auf Heller und Pfennig! Jeder weiß, dass die Bundesrepubik Deutschland „Wiedergutmachung“ an Israel bezahlte. Fast niemand weiß, dass auch Israel Entschädigung leistete, und zwar 54 Millionen DM für das konfiszierte Eigentum der deutschen Templer.

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Wenn es ein Geschichtsblog-Bingo gäbe, hätte ich jetzt gewonnen. Templer, Nazis, Palästina, Kaiser Wilhelm II., Zionisten, Israel, Zweiter Weltkrieg, Jerusalem, der Wüstenfuchs, Verbannung nach Australien, alles in einem kurzen Artikel, das soll mal jemand toppen. Und dabei bin ich noch nicht einmal auf den Austausch von deutschen Internierten mit Insassen des KZ Bergen-Belsen eingegangen. Es fehlen eigentlich nur noch der Heilige Gral und der Mossad, und Hollywood würde anklopfen.

Wenn ich daraus einen historischen Roman erschaffen will, muss ich mich allerdings vor den überlebenden Templern in Acht nehmen. Denn die Brüder sind noch aktiv! Sie geben selbst einen Überblick über ihre Geschichte, der in guter Tradition die einstige Begeisterung für Antisemitismus und Rassenideologie ausspart.

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Gibt es die Bundesrepublik Deutschland überhaupt? Diskutieren mit Reichsbürgern

To the English version of this article.

Vor vielen Jahren spazierte jemand in meine Anwaltskanzlei, legte einen Bußgeldbescheid auf den Tisch und erklärte mir, in Verkennung unserer jeweiligen Rollen, warum er diesen auf keinen Fall bezahlen müsse: Der Bescheid sei von einer dazu nicht befugten Behörde ausgestellt, weil die Bundesrepublik Deutschland gar nicht existiere, sondern nur eine Firma sei, die den Alliierten gehöre, die unser Land noch immer besetzen. Die provisorische Reichsregierung erkenne dies auf keinen Fall an und wir müssten dagegen vorgehen.

Nun bin ich zwar schon älter, aber wir reden hier nicht von 1946, sondern etwa 2006. „Ein Querulant“, dachte ich erfreut, denn Querulanten bringen Geld. Andererseits wusste ich schon aus leidvoller Erfahrung (die fast jeder Anwalt in den ersten Berufsjahren macht), dass Querulanten auch ziemlich viel Nerven kosten. Also wies ich den Herrn auf meine zugegeben überhöhten Gebühren hin, was seinen Redefluss zum ersten Mal ins Stocken brachte. „So viel kann ich derzeit nicht bezahlen, aber denken Sie daran, dass wir bald die Macht übernehmen werden. Sie können dann Reichsjustizkommissar werden!“ Damit war die Sache ge- und bald darauf vergessen. Auf eine Arbeit im Staatsdienst hatte ich nämlich noch nie Lust gehabt.

Als die Jahre ins Land zogen, wurden die sogenannten Reichsbürger mehr, lauter und gefährlicher. Gerne bewaffnen sie sich, halten Behörden mit nichtendenwollenden Schreiben auf Trab und erschießen Polizisten. Seitdem wird das Problem dieser „flat-earther“ unter den politischen Verschwörungstheoretikern etwas ernster genommen.

Da mit deren zunehmender Zahl und dank dem Internet die Chance steigt, dass auch Ihr mal mit einem dieser BRD-Leugner zu tun bekommt, setze ich mich im Folgenden mit den gängigsten Argumenten auseinander. Das geht zurück auf eine Folge des Déjà-vu-Geschichte-Podcasts, zu der mich der Historiker, Blogger und Autor Ralf Grabuschnig eingeladen hat und die Ihr hier hören könnt. Perfekt für Leute, die lieber hören als lesen, für Multitasker beim Joggen und natürlich für Blinde.

Podcast Ralf Grabuschnig Andreas Moser-001

Der Podcast und der folgende Artikel sind übrigens nicht deckungsgleich, es lohnt sich also das konsekutive Hören und Lesen.


Reichsbürger: Das Deutsche Reich hat nie aufgehört zu existieren. Die BRD ist kein legitimer Staat, sondern eine Firma oder eine Marionettenregierung der Alliierten. Deutschland ist noch immer von fremden Mächten besetzt, deshalb gilt die Haager Landkriegsordnung und nicht das Grundgesetz, das außerdem keine rechtmäßige Verfassung ist…

Ich: Halt, halt! Das sind so viele Punkte, die müssen wir uns einzeln vornehmen. Natürlich ist das Grundgesetz eine Verfassung. Wieso sollte es keine sein?

Wenn es eine Verfassung wäre, wieso heißt es dann Grundgesetz und nicht „Verfassung“?

Aha, ich erkenne hier den Formalismus, der Nichtjuristen kennzeichnet. Wie ein Dokument bezeichnet wird, ist für den Inhalt oder die Wirksamkeit irrelevant. Wenn Sie einen Mietvertrag aufsetzen und darüber Versicherungsvertrag schreiben, haben Sie trotzem einen Mietvertrag. Übrigens genauso, wenn Sie gar nichts darüber schreiben oder eine Fantasiebezeichnung wählen.

Es kommt auf den Inhalt an. Das Grundgesetz regelt die Organe des Staates, deren Befugnisse, ihr Verhältnis untereinander und das Verhältnis des Staates zu den Bürgern. Damit weist es alle Elemente einer Verfassung auf.

Aber alle anderen Staaten nennen solch ein Dokument „Verfassung“, nur Deutschland nicht.

Das stimmt doch nicht. Zurückgehend auf Montesquieus Begriff vom „loi fundamentale“ nennen viele Staaten ihre Verfassungen „Grundgesetz“, zum Beispiel Dänemark, Estland, Irland, die Niederlande und der Vatikan.

Ah, der Vatikan, der steckt immer hinter allem!

Ich dachte, das wären die Juden, die Freimaurer und die bayerischen Illuminaten?

Ja, aber die kontrollieren bekanntlich den Vatikan.

OK, zurück zur Verfassungsfrage. Es gibt sogar Staaten, die gar keine geschriebene Verfassung haben, am bekanntesten das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland. Niemand würde diesem deshalb die Staatlichkeit absprechen und behaupten, dass es nicht existiere.

Aber in Paragraph 146 des Grundgesetzes steht doch, dass wir keine Verfassung haben.

Zunächst einmal hat das Grundgesetz keine Paragraphen, sondern Artikel. Sein Artikel 146 lautet:

Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.

Damit zeigt das Grundgesetz (als Verfassung!) lediglich einen Weg auf, wie es durch eine neue Verfassung außer Kraft gesetzt werden kann. Das geht zurück auf die Situation von 1949, als man noch auf eine schnelle Wiedervereinigung hoffte und sich tatsächlich nicht ausmalen konnte, wie lange das Grundgesetz bestehen würde. Schließlich waren deutsche Staatsgebilde bis dahin nicht immer von langer Dauer gewesen, auch wenn die Politiker gerne von tausend Jahren schwafelten.

Relevant wurde Artikel 146 nie. Bei der Wiedervereinigung 1990 wurde kurzzeitig diskutiert, ob er zur Anwendung kommen solle, aber dann wurde die damalige Fassung des Artikel 23

Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Nieder­sachsen, Nord­rhein-West­falen, Rhein­land-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württem­berg-Baden und Württem­berg-Hohen­zollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.

angewendet, die den Zutritt neuer Bundesländer zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erlaubte.

Aber wussten Sie, dass dieser Artikel 23 durch den US-amerikanischen Außenminister James Baker gestrichen wurde? Damit wurde das Grundgesetz ungültig.

Was?

Ja, bei den Verhandlungen zum 2+4-Vertrag im Juli 1990 hat James Baker den Artikel 23 außer Kraft gesetzt. Damit entfiel der Geltungsbereich des Grundgesetzes und somit wurde das Grundgesetz ungültig.

Oje. Erstens bezweifle ich, dass Herr Baker das so geäußert hat.

Zweitens können Minister eines Staates A nicht durch eine hingeworfene Äußerung die Verfassung des Staates B ändern. Das Grundgesetz wird geändert durch gemeinsame Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat mit jeweiliger Zweidrittelmehrheit (siehe Artikel 79).

Drittens könnte das Grundgesetz natürlich auch ohne Artikel 23 weiter bestehen. Der Geltungsbereich ist unbestritten und wird mittlerweile unter anderem durch die Präambel festgelegt:

Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Sie übersehen, dass Deutschland nicht souverän ist, sondern sich noch im Kriegszustand befindet und von den Alliierten besetzt ist. Deshalb gilt die Haager Landkriegsordnung und …

Sagen Sie, gehen Sie auch manchmal außer Haus und fahren durch Deutschland? Wo sehen Sie denn da einen Krieg?

Aktuell sind die Kampfhandlungen eingestellt, weil die Reichsregierung nicht handlungsfähig ist und daher keinen Widerstand gegen die Besatzer organisieren kann.

Welche Besatzer?

Es befinden sich noch immer alliierte Truppen auf deutschem Boden. Das zeigt doch, dass wir besetzt sind. Wir Deutschen werden als Kriegsgefangene gehalten.

Sie meinen die NATO-Streitkräfte? Die sind doch nicht als Besatzer hier, sondern aufgrund des Nordatlantikvertrags und des NATO-Truppenstatuts, praktisch auf Einladung Deutschlands. Wenn Deutschland wollte, könnte es die ausländischen Truppen hinauswerfen (wie es mit den sowjetischen Truppen geschah). Allerdings müssten wir dann selbst mehr für die Landesverteidigung ausgeben, weswegen uns die US-Armee doch eigentlich ganz gelegen kommt.

Im übrigen ist die Bundeswehr auch in anderen NATO-Staaten stationiert, zum Beispiel in Litauen. Das ist doch keine Besatzung. Die deutsche Luftwaffe hatte bis vor kurzem sogar einen Stützpunkt in den USA.

Aber das Deutsche Reich hat nie einen Friedensvertrag unterzeichnet. Deshalb dauert der Zweite Weltkrieg noch an.

Da ist er wieder, der Formalismus. So stellen sich Nichtjuristen die Rechtswissenschaft vor, aber so einfach ist es nicht.

Kriege können nicht nur durch Friedensverträge beendet werden, sondern auch durch die vollständige Unterwerfung des Gegners oder, wie im Falle des Deutschen Reichs, durch eine Kapitulation.

Zudem beendeten 1951 die meisten Westalliierten durch Gesetz oder königliche Erklärung den Kriegszustand, die Sowjetunion tat dies 1955.

Die Reichsregierung hat nie kapituliert! Die bedingungslose Kapitulation vom 8./9. Mai 1945 wurde nur vom Oberkommando der Wehrmacht unterzeichnet.

Ich würde den Selbstmord des Reichskanzlers sogar als ultimativen Akt der Kapitulation interpretieren. Und die kurzzeitige Regierung Dönitz hatte den Generälen die Vollmacht zur Kapitulation erteilt, verkündete selbst das Ende des Zweiten Weltkriegs und tat auch ansonsten nichts, um dem Eindruck der bedingungslosen Kapitulation entgegenzuwirken.

Außerdem kann eine Friedensordnung nicht nur durch einen Vertrag geschaffen werden, über dem „Friedensvertrag“ steht, sondern auch durch andere Verträge, wie den Deutschlandvertrag, die Beitritte zu EWG und NATO, den 2+4-Vertrag und nicht zuletzt durch die normative Kraft des Faktischen, gegenseitige diplomatische Beziehungen, Handel und einfach die dauerhafte Abwesenheit von Krieg.

Im übrigen verstehe ich nicht den Zusammenhang zwischen angeblich fehlendem Friedensvertrag und angeblich fehlender Staatlichkeit, denn auch ohne Friedensvertrag kann ein Staat wirksam bestehen. Das Deutsche Reich war von 1939 bis 1945 auch nicht unexistent, oder?

Sogar das Bundesverfassungsgericht hat gesagt: „Das Deutsche Reich existiert fort.“

Erkennen Sie die Ironie, die darin liegt, dass Sie das Verfassungs(!)gericht der Bundesrepublik Deutschland, die Sie nicht anerkennen, als Beleg für Ihre Meinung zitieren?

Tja, manchmal begeht das Usurpatorenregime Fehler.

Und nur Ihnen fällt das auf?

Aber lassen Sie mich das erklären. Sie berufen sich auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR aus dem Jahr 1973. Das ist tatsächlich ein sehr unglückliches Urteil, mit dem das Gericht den Vertrag mit der DDR billigen, aber dennoch der DDR keine Staatlichkeit zusprechen wollte. Aus der schizophrenen Situation, dass die DDR für die BRD weder Ausland noch Inland war, aus dem westdeutschen Alleinvertretungsanspruch und aus dem grundgesetzlichen Verbot der Anerkennung der faktisch bestehenden deutschen Teilung konnte nur ein Urteil entstehen, das man nicht lesen kann, ohne verrückt zu werden.

Die Stelle, auf die sich die Reichsbürger gerne berufen, geht noch weiter:

Das Deutsche Reich existiert fort, besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation, insbesondere mangels institutionalisierter Organe selbst nicht handlungsfähig. […]

Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht „Rechtsnachfolger“ des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat „Deutsches Reich“, – in bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings „teilidentisch“, so daß insoweit die Identität keine Ausschließlichkeit beansprucht. Die Bundesrepublik umfaßt also, was ihr Staatsvolk und ihr Staatsgebiet anlangt, nicht das ganze Deutschland, unbeschadet dessen, daß sie ein einheitliches Staatsvolk des Völkerrechtssubjekts „Deutschland“ (Deutsches Reich), zu dem die eigene Bevölkerung als untrennbarer Teil gehört, und ein einheitliches Staatsgebiet „Deutschland“ (Deutsches Reich), zu dem ihr eigenes Staatsgebiet als ebenfalls nicht abtrennbarer Teil gehört, anerkennt. Sie beschränkt staatsrechtlich ihre Hoheitsgewalt auf den „Geltungsbereich des Grundgesetzes“, fühlt sich aber auch verantwortlich für das ganze Deutschland (vgl. Präambel des Grundgesetzes). […] Die Deutsche Demokratische Republik gehört zu Deutschland und kann im Verhältnis zur Bundesrepublik Deutschland nicht als Ausland angesehen werden.

So geht das seitenweise weiter, und jeder kann sich die Sätze herauspicken, die ihm am besten passen. Besser ist es jedoch, man ignoriert dieses Urteil einfach als Tiefpunkt der Verfassungs- und Völkerrechtsdogmatik, wie es die Professoren während meines Jurastudiums taten.

Das Verfassungsgericht deutete in dem Urteil sogar selbst an, dass es nicht viel davon hielt, vom Freistaat Bayern (von wem auch sonst) mit der Klage behelligt worden zu sein:

Der Vertrag kann rechtlich nur gewürdigt werden, wenn man ihn in einen größeren Zusammenhang stellt.

Außerdem ist das mittlerweile durch die Wiedervereinigung alles überholt, denn seit 1990 ist entweder die Bundesrepublik Deutschland wieder vollidentisch mit dem Deutschen Reich oder das Deutsche Reich mangels effektiver Staatsgewalt endgültig untergegangen. Nach dem (logischeren) Staatsrechtsverständnis der DDR war das Deutsche Reich übrigens untergegangen, und die DDR war einfach ein neuer Staat, praktischerweise ganz ohne Schulden und andere Altlasten.

Dass das Deutsche Reich derzeit (wegen der Besatzung) nicht handlungsfähig ist, erkenne ich schon an. Deshalb ist unsere Regierung ja provisorisch.

Das ist wiederum etwas, das ich nicht verstehe. Selbst angenommen, Sie hätten in allen Punkten recht, woher nehmen gerade SIE die Befugnis, das Deutsche Reich zu vertreten?

Wir machen das nur als Statthalter, bis sich eine neue Reichsregierung konstituiert.

Aber wer wird dann wissen, welche dieser Regierungen legitim ist? Da gibt es die Kommissarische Reichsregierung, den Freistaat Preußen, die Exilregierung Deutsches Reich sowie die davon zu unterscheidende Exil-Regierung Deutsches Reich und die Regierung des Deutschen Reiches, den Volks-Reichstag, den Volks-Bundesrath, die Interimspartei Deutschland, den Staat Germanitien, das Fürstentum Germania, die Republik Freies Deutschland, das Königreich Deutschland, den Bundesstaat Bayern, die Heimatgemeinde Chiemgau und hunderte weiterer.

Ich habe den Eindruck, das ist mehr ein Geschäft, denn mit dem Verkauf von (übrigens sinn-, nutz- und wertlosen) Ausweispapieren und Führerscheinen dürften Sie ganz gut verdienen.

Na und? Die BRD ist doch auch nur eine GmbH. Und wir sind eben aus dieser GmbH ausgetreten, weshalb sie uns nichts mehr zu sagen hat.

Nein, ein Staat ist keine GmbH. Dieser Mythos kommt anscheinend von der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH, einem Unternehmen im Bundesbesitz, das die Kreditaufnahme und Finanzierung auf den Finanzmärkten abwickelt (früher war das die Bundeswertpapierverwaltung). Dadurch wird doch nicht ganz Deutschland zur GmbH.

Außerdem kann man aus einer GmbH nicht so einfach austreten. Das ist wieder so ein Punkt, woran man merkt, dass Ihre Theorien nicht einmal in sich selbst schlüssig sind.

Haben Sie sich noch nie gefragt, warum wir in Deutschland keine Bürgerausweise, sondern Personalausweise haben? Weil wir alle Personal, also Angestellte der BRD-GmbH sind.

Da fällt mir auf, dass ich einen Führerschein habe. Und als Führer befehle ich Ihnen jetzt, die Klappe zu halten!

Außerdem haben Sie übersehen, dass das Römische Reich niemals kapituliert hat und noch weiterbesteht. Sie machen sich also besser schon mal gefasst auf die Machtübernahme durch einen kommissarischen Kaiser.

Oh Mist. Daran haben wir gar nicht gedacht.


Puh. So Unterhaltungen mit Verschwörungstheoretikern sind ganz schön anstrengend, weil die einfach immer wieder neue Behauptungen aufstellen, auf Logik und Fakten pfeifen und alle Gegenargumente ihrer Theorie unterordnen. Die Präsenz der Bundeswehr in anderen NATO-Ländern ist demnach zum Beispiel nur ein Ablenkungsmanöver, mit dem die schlauen Alliierten die deutsche Bevölkerung an der Nase herumführen. Denn merke: Nur der Verschwörungstheoretiker ist schlau genug, das alles zu durchschauen, der Rest der Bevölkerung ist dumm. Dieses Gefühl, zu einer Elite zu gehören, ist anscheinend ziemlich verlockend.

Links:

  • Wer jetzt noch mehr über die Reichsbürger lesen will, dem empfehle ich das Buch von Andreas Speit, das auch als preiswerte Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung – wieder so eine Einrichtung, die im Auftrag fremder Mächte die deutsche Bevölkerung an der Erlangung der wahren Erkenntnis hindert – erhältlich ist.
  • Und vergesst nicht, dass Ihr Euch noch den Podcast anhören wolltet!
  • Dieser Artikel erschien auch im Freitag.
  • Wenn Ihr mehr solcher Artikel wollt, freue ich mich über Eure Unterstützung für diesen Blog.
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Bundeszentrale für Sparfüchse

Dass es bei der Bundeszentrale für politische Bildung das Grundgesetz kostenlos und auch sonst eine Menge interessanter Schriften zu günstigen Preisen gibt, fällt wie die verschiedenen Basen der Nukleotide oder die Epochen der deutschen Literaturgeschichte mit dem Ende der Schulzeit dem sofortigen Vergessen anheim. Dabei eignen sich viele der Publikationen auch reisevorbereitend und -begleitend, wie das ebenfalls kostenlose Heft über Israel.

bpb

Erst jetzt habe ich erfahren, dass die Bundeszentrale für politische Bildung auch Sonderausgaben von bei anderen Verlagen erschienenen Büchern herausgibt. Gleicher Inhalt, niedrigerer Preis!

Ein paar Beispiele:

  • Lenins Zug: Die Reise in die Revolution von Catherine Merridale für 4,50 € statt 25 €
  • Ein Volk, ein Reich, ein Führer: Die deutsche Gesellschaft im Dritten Reich von Dietmar Süß für 4,50 € statt 18 €
  • Die Farbe Rot: Ursprünge und Geschichte des Kommunismus von Gerd Koenen für 7 € statt 38 €
  • 1517: Weltgeschichte eines Jahres von Heinz Schilling für 4,50 € statt 24,95 €
  • Der grosse Ausbruch: Von Armut und Wolstand der Nationen von Angus Deaton für 7 € statt 26 €
  • Der Fluch des Reichtums: Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas von Tom Burgis für 4,50 € statt 24 €
  • Reichsbürger: Die unterschätzte Gefahr von Andreas Speit für 4,50 € statt 18 € – Aber zu den Reichsbürgern könnt Ihr auch einfach meinen ausführlichen Artikel lesen oder den Podcast dazu anhören.
  • Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte für 4,50 € statt 20 €.
  • Dimensionen der Mittäterschaft: Die europäische Kollaboration mit dem Dritten Reich von Klaus Kellmann für 7 € statt 50 €
  • Desintegriert euch! von Max Czollek für 4,50 € statt 10 €
  • Lütten Klein: Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft von Steffen Mau für 4,50 € statt 22 €
  • Der Hunger von Martín Caparrós für 4,50 € statt 14 €
  • Mythos Trümmerfrauen von Leonie Treber für 4,50 € statt 29,95 €
  • Der Wert der Geschichte: Zehn Lektionen für die Gegenwart von Magnus Brechtken für 4,50 € statt 20 €
  • Schatten des Kaiserreichs von Eckart Conze für 4,50 € statt 22 €
  • Wir konnten auch anders: Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit von Annette Kehnel für 7 € statt 24 €
  • Die Hohenzollern und die Nazis von Stephan Malinowski für 7 € statt 35 €
  • Berlin: Biographie einer großen Stadt von Jens Bisky für 7 € statt 38 €
  • Eine kurze Geschichte der Gleichheit von Thomas Piketty für 4,50 € statt 25 €
  • Die Reise ins Reich von Tobias Ginsburg für 4,50 € statt 12 €
  • Kleptopia von Tom Burgis für 4,50 € statt 22 €
  • Antisemitismus gegen Israel von Klaus Holz und Thomas Haury für 4,50 € statt 35 €
  • Putin vor Gericht? von Gerd Hankel für 4,50 € statt 14 €
  • Die umkämpfte Einheit: Die Treuhandanstalt und die deutsche Gesellschaft von Dierk Hoffmann für 4,50 € statt 25 €
  • Ungleiche Brüder: Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart von Andreas Kappeler für 4,50 € statt 18 €
  • Der Dienstbetrieb ist nicht gestört: Die Deutschen und ihre Justiz 1943-1948 von Benjamin Lahusen für 4,50 € statt 34 €
  • Irgendjemand musste die Täter ja bestrafen: Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung von Achim Doerfer für 4,50 € statt 24 €
  • Revolusi: Indonesien und die Entstehung der modernen Welt von David van Reybrouck für 7 € statt 34 €
  • Heldendämmerung: Wie moderne Gesellschaften mit umstrittenen Denkmälern umgehen von Alex von Tunzelmann für 4,50 € statt 17 €
  • Offene Wunden Osteuropas. Reisen zu Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs von Franziska Davies und Katja Makhonita für 4,50 € statt 28 €
  • Im Strudel: Eine Umweltgeschichte der modernen Welt von Frank Uekötter für 7 € statt 49 €
  • Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine von Serhii Plokhy für 4,50 € statt 30 €
  • Anfänge: Eine neue Geschichte der Menschheit von Davig Wengrow und David Graeber für 7 € statt 16 €
  • Das Deutsche Demokratische Reich von Volker Weiß für 5 € statt 25 €

Ihr seht schon, da sind auch aktuelle Titel und Bestseller dabei. Aber die Auflage ist anscheinend limitiert, also schnell zugreifen bzw. regelmäßig die Neuerscheinungen durchsehen.

Das ersparte Geld könnt Ihr dann an diesen Blog spenden. 😉 Dafür gibt es ein Dankeschön, das garantiert einmalig ist und das es niemals in einer Billigausgabe geben wird.

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Fronleichnam in Bolivien

Ich dachte immer, Fronleichnam sei eine ernste und andächtige Angelegenheit. In Quillacollo in Bolivien gab es zwar einen kurzen religiösen Umzug zur Kathedrale, wo Eis- und Bierverkäufer schon ihrem Geschäft nachgingen, während der Pfarrer etwas von Jesus erzählte. Aber die meisten Leute waren für das sich unmittelbar anschließende Fest erschienen, bei dem Musik- und Tanzgruppen stundenlang durch die Stadt ziehen würden.

By Edward John Allen

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Die Hauptstraße war geschmückt mit mehreren großen Gemälden aus Sand und Blüten, die Szenen aus der Bibel und andere religiöse Symbolik zeigten.

By Edward John Allen

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Wenn Ihr Euch die Schuhe der folgenden Gruppe anseht, bedenkt bitte, dass die Jungs damit mindestens 4 bis 5 Stunden durch die ganze Stadt ziehen, tanzen und musizieren mussten.

By Edward John Allen

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Ja, diese Dame trank während der Aufführung eine Dose Bier.

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Dieses riesige Spektakel war jedoch nur die Probe für die eigentlichen Feiern, die im August für die Jungfrau von Urkupiña, die Schutzpatronin der nationalen Integrität Boliviens, begangen werden. Ziemlich hilfreich war sie anscheinend nicht, denn seit der Staatsgründung 1825 hat Bolivien mehr als die Hälfte seines Territoriums verloren.

Mann muss schon bewundern, wie Bolivien Tänze von Mädchen in sehr, sehr kurzen Röcken mit andächtiger Verehrung einer angeblichen Jungfrau vereinbart.

Links:

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