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Für den schnellen Überblick:
Wo gelten ab dem 2. April welche Corona-Regeln?

Selbstverständlich wird diese Karte jeden Vormittag und Nachmittag aktualisiert.
Sonderregelungen gelten im Nahverkehr, im Fernverkehr, am Wochenende, bei Meldeverzug für den auf den meldeverzugsrelevanten Zeitraum folgenden Tag bis 23 Uhr, in Atomkraftwerken, bei Impfstoffmangel, an Markttagen, im grenzüberschreitenden Verkehr, für Angehörige von Mangelberufen, auf dem Gelände bundesunmittelbarer Behörden, nicht jedoch bei denen, für die das Bundesland die Auftragsverwaltung verliehen bekommen hat, ebensowenig beim TÜV, mit Ausnahme der Termine am Dienstag Vormittag für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, die der EU-Abgasnorm 3/II entsprechen, für freiwillig länger dienende Wehrpflichtige, für Flüchtlinge aus der Ukraine, für Schulkinder mit einer 1 im Zeugnis, allerdings nur an dem auf die Zeugnisvergabe folgenden Wochenende und nur im Nahverkehr des jeweiligen Bundeslandes bzw. der den Nahverkehrsverbund tragenden Gebiets- oder eigens zu diesem Zweck errichteten Körperschaft, aufgrund völkerrechtlicher Verträge, auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal, wenn das Schiff stromaufwärts fährt und Güter geladen hat, die zur Produktion in Industriezweigen dient, die von der Bundesregierung oder von einer von der Bundesregierung hierzu ermächtigten Stelle kraft Rechtsverordnung als essentiell für die Versorgungslage der Bevölkerung eingestuft wurden, beim Gottesdienst einer in dem jeweiligen Gebiet als öffentlich-rechtliche Körperschaft anerkannten Religionsgemeinschaft, für V-Leute des Verfassungsschutzes, für den bei diesem Kuddelmuddel selbst nicht mehr durchblickenden Bundesgesundheitsminister, in einem durch Kirchenrecht ausschließlich der Jurisdiktion des Heiligen Stuhls unterliegenden Gebiet, aufgrund eines vormundschaftsgerichtlich genehmigten Dispenses, beim Gefangenentransport zwischen verschiedenen Einrichtungen des Justizvollzugs, für Betriebsräte, auf Ölbohrplattformen, für deutsche Astronauten ab dem Zeitpunkt der ersten orbitalen Erdumrundung und bis zu 24 Stunden nach Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, für Haustiere, für staatlich anerkannte Opfer der Polygamie, für Diplomaten auf der Durchreise, bei Vorstellungsgesprächen, insbesondere solchen zu den immer rarer werdenden erschwinglichen Mietwohnungen, für UN-Blauhelmtruppen mit Mandat des Sicherheitsrates und selbstverständlich während des Wahlkampfs in dem jeweiligen Territorium.
Ich arbeite gerade an einem Artikel über die ukrainische Hafenstadt Odessa, wo ich einst im Januar 2020 weilte, bis mich die Corona-Pandemie abberief. Weil der Artikel so umfangreich geraten wird, wie Ihr es befürchtet, werde ich dafür allerdings noch ein paar Tage benötigen.
Beim Sichten und Aussortieren der Fotos musste ich schlucken, als ich auf dieses stieß: Eine Karte von der Belagerung der Stadt 1941, fotografiert beim „Museum zur heldenhaften Verteidigung von Odessa am Standort der 411. Batterie“ und plötzlich von trauriger Aktualität.

Am Hauptbahnhof von Odessa zeigt die Stadt noch immer stolz den Lenin-Orden und den Titel „Heldenstadt“, verliehen von Stalin in Anerkennung des langen Durchhaltens angesichts der Belagerung durch die Wehrmacht und durch die rumänische Armee. Umso zynischer ist es, den gegenwärtigen russischen Feldzug als „Entnazifizierung“ zu verkaufen.

Aber es wird natürlich auch um all die anderen Seiten Odessas gehen: Kunst, Kultur, Stadtgeschichte, die filmberühmte Treppe, Katzen und warum Ihr für die Weiterreise nicht unbedingt das billigste Schiff nehmen solltet.










In der Zwischenzeit bleibt uns nur, zu hoffen, dass Odessa nicht wie andere Städte in der Ukraine komplett zerstört werden wird. Und wenn es etwas gibt, was Ihr schon immer über Odessa wissen wolltet: Hinterlasst mir einen Kommentar.
Links:
Als ich in der Ukraine wohnte, machte ich mich ein bisschen lustig darüber, dass sogar Mülleimer und Parkbänke in blau-gelb gestrichen waren. (In den Kommentaren unter jenem Link findet Ihr übrigens ein paar interessante Punkte zur politischen Situation in der Ukraine.)

Das würde ich heute nicht mehr machen. Stattdessen freue ich mich jetzt über jede blau-gelbe Fahne, die ich sehe, und hoffe, dass die Solidarität auch soweit geht, die Heizung runterzudrehen und weniger Auto zu fahren, um möglichst wenig russisches Gas oder Öl zu verbrauchen.
Mein schönstes Blau-Gelb habe ich in Bitola gesehen, auf dem alten, schon seit 100 Jahren nicht mehr genutzten türkischen Friedhof.

Bitola ist in Mazedonien, und das passt ja dann irgendwie. Denn auch diesem sympathischen Land wird von manchen Nachbarstaaten das Existenzrecht abgesprochen. Zum Glück ist Mazedonien seit 2020 in der NATO, was hoffentlich ein bisschen Schutz verspricht.
Links:
Na sowas. Kaum erwähnt man die Illuminati, schon bekommt man eine E-Mail von ihnen:
Grüße vom Welteliteimperium der Illuminaten. Die Armen, Bedürftigen und Talentierten ins Rampenlicht von Ruhm, Reichtum und Macht, Wissen, geschäftlichen und politischen Verbindungen bringen. Dies ist der richtige Zeitpunkt für Sie, all Ihre Sorgen, Ihre Gesundheitsprobleme und finanziellen Probleme zu beenden, indem Sie der Elite-Familie der Illuminaten beitreten!. Sind Sie krank, unfruchtbar oder haben Sie Scheidungsprobleme und finden es schwierig, an Ihrem Arbeitsplatz Beförderungen zu bekommen, um im Leben so zu glänzen, wie Sie es sich wünschen? Falls ja! Dann treten Sie dem Illuminati-Imperium bei, Sie erhalten all diese zahlreichen Vorteile und Lösungen für Ihre Probleme.
Hinweis: Diese E-Mail-Nachricht wurde ausschließlich für den Zweck unseres Rekrutierungsprogramms erstellt, das nächsten Monat endet, und dieses Angebot gilt nur für einzigartige; Wenn Sie es nicht ernst meinen, sich dem Illuminati-Imperium anzuschließen, sollten Sie uns überhaupt nicht kontaktieren. Dies liegt daran, dass Untreue hier in unserer Organisation absolut nicht toleriert wird.
Bist du damit einverstanden, ein Mitglied der neuen Weltordnung der Illuminaten zu sein? Falls ja!. Dann antworten Sie uns bitte nur auf unsere direkte Rekrutierungs-E-Mail unter: illuminatiinvite6@gmail.com
Bitte beachten Sie, stellen Sie bitte sicher, dass alle Ihre Antworten direkt an die oben angegebene E-Mail-Adresse gesendet werden, nur an: > illuminatiinvite6@gmail.com
Weitere Anweisungen zu unserem Mitgliedschaftsprozess.
Hinweis: Einige E-Mail-Anbieter platzieren offizielle Illuminati-Nachrichten fälschlicherweise in ihrem Spam-/Junk-Ordner oder Werbeordner. Dies kann unsere Antworten auf Ihre E-Mails umleiten und ausschließen.
Die Illuminati.
Obwohl ich tatsächlich zu den Armen, Bedürftigen und, wie ich glaube, Talentierten gehöre, ist das wohl eher nichts für mich. Imperium ist mir zu groß, Rampenlicht zu nervig. Und das mit der Beförderung am Arbeitsplatz hört sich dann doch viel petit-bourgeoiser an, als ich mir die Illuminati immer vorgestellt habe.
Deshalb reiche ich das Angebot hiermit einfach mal weiter, in der Hoffnung, dass es Euer Leben zum Besseren verändern wird. – Falls sich jemand bewirbt, gebt doch bitte Bescheid, wie das abläuft!

In diesen Tagen komme ich endlich dazu, die den Leserinnen und Lesern versprochenen Postkarten zu schreiben und zu versenden, auf die manche von Euch bereits seit Monaten warten.
Aber wie so oft: Gut, dass ich gewartet habe!
Denn derzeit weile ich in Bad Mergentheim, wo der wahrscheinlich schönste Postkasten Deutschlands steht. Und eine von hier versandte Postkarte ist doch etwas ganz besonderes.

Dieser historische Briefkasten steht vor dem Schloss des Deutschritterordens, eines dubiosen Verschwörerbundes, der sich während der Kreuzzüge den Heiligen Gral gekrallt und anschließend halb Osteuropa in Schutt und Asche gelegt hat, womit er eine traurige deutsche Tradition begründete. Deshalb trägt auch heute noch die Bundeswehr stolz das schwarze Kreuz auf weißem Grund auf ihren Panzern.

Wenn Ihr Pech habt, klebt an den Postkarten also etwas Blut. Wenn Ihr Glück habt, ein Tropfen aus dem Heiligen Gral. So oder so könnt Ihr Euch freuen auf den baldigen Artikel über Bad Mergentheim, einem schmucken kleinen Städtchen, das sich eigentlich nur deshalb mit den Deutschrittern plagen muss, weil diese anderswo überall rausgeflogen sind.




Illuminierte Pinguine, Illuminaten, kann das Zufall sein? Bald werdet Ihr es erfahren! Wenn mich die Kreuzritter nicht aufhalten…
Es tut mir leid für diejenigen, die den Februar aus irgendwelchen, wahrscheinlich sogar persönlichen Gründen, wie einem Geburtstag, Todestag oder was sonst Euch zu feiern beliebt, positiv konnotieren, aber objektiv ist der Februar der schrecklichste aller Monate im Jahreslauf, weil man spätestens jetzt einsehen muss, dass all die zur Winterzeitenwende gemachten Vorsätze sehr schnell und schnöde erkaltet und erloschen sind, wie wenn jemand aus Trotz gegen die Nichtinbetriebnahme von unnötigen Pipelines auch alle anderen Gashähne zugedreht hätte, wobei man sich zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels wahrscheinlich freuen würde, wenn es bei dieser Trotzreaktion geblieben wäre, anstatt ein unschuldiges Nachbarland zu bombardieren und zu überfallen, und man einem weiteren mediokren und im Großen und Ganzen oder, vielleicht passender, im Kleinen und Gemeinen vergeudeten Lebensjahr gegenübersteht, und außerdem, wie ich aus eigener, persönlicher und direkter Anschauung und Erfahrung anfügen kann, da ich diese Zeilen, wie es dem ungehemmten Schreibfluss am zuträglichsten ist, auf einem internetfreien Hügel über dem Taubertal zu Papier bringe, der Februar auch deshalb scheiße ist, weil er zumindest nördlich des 45. Breitengrades, wo sich, wie ich bei einem auf Deutsch verfassten Text seit dem Wegfall des Kolonialreiches, dessen Wiedererlangung Art. 119 des Versailler Vertrags einen Riegel vorschiebt, ausgehen kann, der Großteil der Leserschaft konzentriert, mit Scheißwetter aufwartet, was die durchaus berechtigten Gründe dafür gewesen sein mögen, dass es in Frankreich sogar eine zumindest diesbezüglich langfristig nicht sehr erfolgreiche Revolution gab, um diesen vermaledeiten Monat abzuschaffen,

und weshalb die relative Kürze des Februars von vielen als Segen angesehen werden mag, wobei ich persönlich in diesem Punkt widersprechen muss, denn ein kürzerer Monat bedeutet für einen die Monatsfrist für seine allmonatliche Reihe „Vor hundert Jahren …“ regelmäßig ausschöpfenden Autor am Ende eben jenes Monats weniger Zeit und mehr Stress, weshalb ich mich, und das soll eine Ausnahme bleiben, zu der Rationalisierungsmaßnahme entschieden habe, die auf den Februar 1922 rekurrierende Folge meiner sich erstaunlicher Beliebtheit erfreuenden Geschichtsreihe mit der alljährlichen Hommage nicht auf Katalonien, sondern auf den am 25. Februar und damit heute begangenen Tag des Schachtelsatzes zu kombinieren, obwohl dieser kaum schon hundert Jahre auf dem Buckel haben dürfte, denn zu jener Zeit hatten die Zeitungen noch Platz und die Leserinnen und Leser noch Geduld sowie sprachlichen Anspruch, und sowohl die schreibenden als auch die lesenden Beteiligten an der Publizistik erfreuten sich des über das schnöde Berichten von Tatsachen hinausgehenden Sprachspiels, für das gerade unsere schöne Sprache wie keine zweite geschaffen ist, obwohl, um so kurz, dass es nicht einmal für eine Parataxe reicht, zum deutschen Kolonialismus zurückzukehren, die damaligen deutschen und deutschsprachigen Kolonialherren, bei denen die Kolonialfrauen ausnahmsweise auszulassen weniger antifeministisch als vielmehr historisch korrekt intendiert ist, zwar dachten, dass am deutschen Wesen die Welt genesen solle, die deutsche Sprache dabei jedoch eher als Hindernis, denn als nützliches Instrument sahen, weshalb die Hypotaxe in der Weimarer Republik kaum eines gesonderten Feiertages für wert und würdig befunden worden sein dürfte, um damit die zwei sprichwörtlichen Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, was sich zwar brutal aber doch weniger brutal als die englische Entsprechung dieses Ausdrucks anhört, in der anstatt und anstelle der Insekten zwei Singvögel zu Tode kommen, was eine geniale Überleitung zum australischen Krieg gegen die Emus wäre, der jedoch, unpassend für diese Reihe, nicht vor 100, sondern vor 90 Jahren stattfand,

so dass ich gezwungen bin, jene Idee um, wenn ich richtig gerechnet habe, zehn Jahre aufzuschieben, zu hoffen, dass ich mich dann noch daran erinnern werde sowie dass Ihr mich dann noch lesend beehren werdet, und aus der reichhaltigen Palette historischer Ereignisse ein zeitlich passenderes zu wählen, wobei ich, wenn heute schon der Tag des ehrlichen Bloggens ist, die Leserinnen und Leser an dem Prozess der Themenfindung und -entwicklung teilhaben lassen könnte, der, wie sollte es anders sein, mit einer Kreuz-und-Quer-Recherche durch Geschichtsatlanten, Bücher über die Zwischenkriegszeit, wie z.B. „Die Besiegten“ von Robert Gerwarth, das hiermit nicht nur genannt, sondern auch empfohlen sei, weil es zum einen geographisch über die bekannte Westfrontgeschichte und zeitlich über das allgemein als das Ende des Ersten Weltkriegs betrachtete Jahr 1918 hinausgeht und damit ganz auf der Linie dieser kleinen, wenn auch nicht immer kurzen Reihe liegt, deren roter Faden, falls ein solcher in diesem Satzknäuel überhaupt auszumachen sein sollte, darin besteht, auf Vorgeschichte(n), Nachgeschichte(n) und die langen Entwicklungslinien einzugehen, sowie, außerhalb des universitären Rahmens darf man das wohl zugeben, die in den meisten Haushalten die schrankwandfüllende Enzyklopädie, leider jedoch nicht die jetzt leer, dumm und dämlich im Zimmer stehende Schrankwand abgelöst habende Wikipedia beginnt,

was in manchen Monaten, darunter, wie ich mit einem erschreckten Blick auf den Themenkalender festelle, der kommende Monat März 1922, so viele spannende Themen offenbart, dass die Qual in der Wahl liegt, in manchen Monaten nur ein paar halbseidene Ideen aufflackern, aber den findigen Blogger in keinem Monat mit leeren Händen dastehen lässt, insbesondere wenn, wie diesen Monat auch noch zwei brauch- und verwertbare Vorschläge aus der Leserschaft kommen, wobei sich der Autor einerseits fragt, warum Leserinnen und Leser nur Vorschläge, anstatt gleich ausformulierte Artikel liefern, andererseits schon ahnt, dass er durch seine Art des Formulierens Menschen abschreckt, die sich, so etwas soll es ja geben, auch wenn es mir persönlich unverständlich ist, verständlich und vielleicht sogar kurz, knapp und bündig auszudrücken präferieren, obwohl solche Artikel möglicherweise lieber und vor allem vollständiger gelesen werden würden als beispielsweise der vorliegende, weshalb ich diese kleine Vorrede endlich beenden bzw. angesichts dessen, was mir dafür noch alles vorgeschwebt hat und ist, brutal abbrechen und sogleich in das erste aus der Leserschaft vorgeschlagene Thema einsteigen werde,
das da in der allseits, so vermute ich zumindest, beliebten Luftschifffahrt besteht, denn im Februar 1922 stürzte, dagegen hilft anscheinend auch keine Popularität, das Luftschiff „Roma“ ab und brannte aus, wobei ich mich nicht dafür verbürgen möchte, dass die Reihenfolge nicht andersherum war, es sich also entzündete und dann abstürzte, was das Ende zwar nicht der Luftschifffahrt, das erst 15 Jahre später durch die Hindenburg-Explosion im Jahre 1937 herbeigeführt werden sollte, aber der Wasserstoffluftschifffahrt und die Hinwendung zur Heliumluftschifffahrt einläutete, wobei ich dieses Ereignis, auch diesbezüglich noch dem mitgedacht habenden Leservorschlag folgend, für eine Überleitung zu Umberto Nobile nutzen würde, der die „Roma“ konstruiert hatte und dessen Leben eine wirklich tolle Folge mit Luftschiffexpeditionen zum Nordpol abgäbe, von denen die erste ganz gut, die zweite weniger gut verlief, womit, so funktioniert das Schreib-Business, auf letzterer der Fokus läge, weil diese 1928 schon wieder zu einem Absturz führte, und zwar im Ewigen Eis, wie man das mittlerweile rasant schmelzende Eis damals nannte, mit Eisbären, waghalsigen Rettungsmissionen, politischer Einmischung durch Mussolini, dem wir vielleicht im Oktober 1922 anlässlich seiner Herummarschiererei durch Italien wieder begegnen werden, Abstürzen der Rettungsflugzeuge, dabei dem Tod des zumindest dem Namen nach bekannten Roald Amundsen, Rettung durch einen sowjetischen Eisbrecher, was in dem ältesten komplett erhaltenen deutschsprachigen Hörspiel für die Nachwelt überliefert wurde, anschließend Rücktritt als italienischer General, Auswanderung in die Sowjetunion und weiterer Abenteuer, die sich bei so einem Leben erwarten lassen, und die wie perfekt für unsere kleine Serie geeignet wären,

wobei ich nicht den zweiten ebenso guten Leservorschlag verschweigen möchte, der die Unabhängigkeit Ägyptens von Großbritanniens und die Gründung des ägyptischen Königreichs zum Inhalt hatte, wovon ich natürlich, obwohl der Kanalbau in dieser Reihe schon einmal und auf dem Blog sogar mit Ägyptenbezug zum Zug gekommen ist, elegant zum Suez-Kanal und anschließend zur Suez-Krise von 1956/57 übergeleitet hätte, weil es dabei ja wieder um das Verhältnis zwischen Ägypten und Großbritannien beziehungsweise, wie der Staat vollständig heißt, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland ging, aber auch Ägypten bleibt für dieses Jahr auf der Liste, denn im November 1922 wurde das Grab von Tutanchamun entdeckt, der angeblich ein ägyptischer König war, was etwas verwundert, wenn man gerade geschrieben bzw. in Eurem Fall gelesen hat, dass Ägypten erst Anfang 1922 zum Königreich wurde, und am Ende jenes anscheinend ereignisreichen Jahres der König schon Pyramiden gebaut hatte, gestorben war und einbalsamiert wurde, um anschließend all jene zu verfluchen, die seine Totenruhe stören, weshalb ich mir wohl besser noch einmal überlege, ob ich dieses heikle Thema anfassen will, und hiermit der Aufruf an mutige Ägyptologinnen und Ägyptologen ergeht, sich dieses Themas anzunehmen,

was wahrscheinlich beides bessere Themen wären als das hundertjährige Jubiläum der Verfassung Lettlands, die damit die älteste noch gültige Verfassung in Ost- und Mitteleuropa ist, oder die Gründung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes, was zwar für mich als Jurist interessant, aber, auch wenn es mir manchmal, wie zum Beispiel bei den Hohenzollern oder den Reichsbürgern, gelingt, rechtshistorische Themen amüsant aufzubereiten, ein etwas sperriges Thema wäre, so ich es nicht brandaktuell dazu nutzen würde, um auf ein paar Grundsätze des Völkerrechts und der Geschichte Osteuropas, deren Staaten eben nicht 1991 aus einem luftleeren Raum entstanden, zu verweisen, die denen, die russische Angriffskriege zu verteidigen oder rechtfertigen zu versuchen, anscheinend nicht geläufig, wahrscheinlich aber auch egal sind,
wobei mir zum Thema Osteuropa das litauisch-polnische Kuddelmuddel im Frühjahr 1922 einfällt, das mit vorgeblich vom polnischen Staat unabhängigen Aufständischen in Litauen, zu deren „Schutz“ dann Polen eingreifen „musste“, mit blitzschnell erklärten „Republiken“, deren Unabhängigkeit vom Nachbarland sofort anerkannt wurde, mit Marionettenstaaten, Militärdiktaturen und aus dem Hut gezauberten Referenden erstaunliche Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen aufweist, und den weiteren Vorteil hätte, dass ich Litauen ein bisschen kenne, weil ich mal ein Jahr in Vilnius gewohnt habe, und zu diesem Anlass, so ich denn rechtzeitig Zeit gehabt hätte, wieder in dieses hübsche kleine Land reisen hätte können, was man ja sowieso viel öfter machen sollte, bevor diese unschuldigen Staaten der Reihe nach aufhören zu existieren, wie wenn der Molotow-Ribbentrop-Pakt noch immer in Kraft wäre, und ich außerdem darauf hinweisen könnte, dass Kaunas dieses Jahr eine der Europäischen Kulturhauptstädte ist, die alle drei, also neben Kaunas in Litauen auch Esch-sur-Alzette in Luxemburg und Novi Sad in Serbien, denn auch EU-Beitrittskandidaten dürfen, anders als das Vereinigte Königreich oder die mit einem ambivalenten Verhältnis zur EU gesegnete Schweiz, bei den Europäischen Kulturhauptstädten mitmachen, egal in welch weiter und unrealistischer Ferne ihr Beitritt liegt und wie sehr Novak Djokovic dagegen anstänkert, autostöppelnd mit einem Besuch zu beehren eine der noch unkonkreten Reiseideen für dieses Frühjahr ist, auf die beziehungsweise deren schriftliche Verarbeitung ich dann meine gefürchteten historischen Exkurse verschiebe,

womit als letztes Thema das mir liebste, weil komplizierteste, abstruseste und die meisten Jahrhunderte umspannende Thema verbliebe, denn im Februar 1922 wurde nach dem Tod von Papst Benedikt XV., dem numerischen Vorgänger des aktuellen Ex-Papstes, der abtreten musste, nachdem ich seine Verwicklungen in die dubiose Heilig-Geist-Bruderschaft investigiert und offengelegt hatte, zum Rücktritt gezwungen worden war, in Rom Papst Pius XI. und in Konstantinopel Patriarch Meletios IV. gewählt, den Ihr vielleicht besser als Meletios II. kennt, denn als solcher waltete er, nachdem er als Patriarch von Konstantinopel abgesetzt wurde, als Patriarch von Alexandria, obwohl er insgeheim Freimaurer, Anglikaner und gescheiterter Erzbischof von Zypern war,
woraus ich mir frech und keck die Erlaubnis ableiten würde, tief in die eigentlich unergründlichen Tiefen der Theologie ein- und hinabzusteigen, und mindestens die annähernd tausend Jahre bis zum Morgenländischen Schisma, der Kirchenspaltung zwischen Katholischer Kirche und Orthodoxer Kirche, das, und das Namenswirrwarr verdeutlicht das Schisma ganz gut, auf Lateinisch „Schisma Graecorum“, also Griechisches Schisma, und auf Griechisch „Σχίσμα Λατίνων“, also Lateinisches Schisma heißt, jedoch auch als Großes Schisma bekannt ist, was insofern schon vor dem Eintauchen in die eigentliche Materie zur Verwirrung führt, weil auch das Abendländische Schisma als Großes Schisma bekannt ist, so dass die Frage erlaubt sein muss, ob ein Schisma überhaupt ein solches wäre, wenn es nicht mindestens groß ist, zurückzugehen,
wobei natürlich darauf hinzuweisen wäre, dass sich die Katholische Kirche nach diesem Schisma erneut mehrfach abendländisch, protestantisch, calvinistisch, lutheranisch, anglikanisch und so weiter gespalten hat, und sich die Orthodoxe Kirche noch viel mehrfacher und babylonisch-byzantinischer in russisch-orthodox, rumänisch-orthodox, griechisch-orthodox, das nicht mit dem Griechisch-Katholischen und das wiederum nicht mit dem Römisch-Katholischen zu verwechseln ist, ukrainisch-orthodox, montenegrinisch-orthodox, albanisch-orthodox, japanisch-orthodox und so weiter, darunter, je nachdem ob man sie als autokephal oder nur als autonom betrachtet, auch amerikanisch-orthodox, gespalten hat,

was, insbesondere wenn ich dabei, was zum Verständnis eigentlich zwangsnotwendig und unabdingbar ist, auf den Vierten Kreuzzug, auf das Konzil von Nicäa und insbesondere die allen aufrechten Christinnen und Christen, so sie den gegen sie gerichteten Vierten Kreuzzug überlebt haben, wohlbekannten christologischen, origenistischen, konstantinischen, neuplatonischen, arianischen und ganz besonders die trinitarischen und subordinatianischen Fragen eingehe, und erkläre, wie die Wiederverwertbarkeit von Weihnachtsbäumen zu dem bei den orthodoxen Glaubensbrüdern-, -schwestern und -kindern um zwei Wochen verspätet scheinenden Kalender geführt hat, eine Komplexität annähme, in der ich einerseits aufginge, mich aber andererseits verlöre, weshalb ich stattdessen hoffe, dass sich Umberto Eco dieses Themas bereits in einem Roman angenommen hat, der irgendwann in einer Schublade seiner Bibliothek auftauchen und alle Fragen zufriedenstellend, gelehrt und humorvoll klären wird, so dass ich hier und jetzt endlich, denn sowohl Autor als auch Leserschaft sind geschafft, erschlafft und ohne Saft und Kraft, dem Punkt, einem, ohne dass es dessen Schuld wäre, heute bisher vernachlässigten Satzzeichen, zu seinem Recht verhelfen kann, nicht ohne jedoch vorher zur Beruhigung der Leserschaft zu versichern, dass die kommenden Folgen dieser Geschichtsreihe wieder ohne besondere linguistische, syntaktische oder andere kreative Mätzchen auskommen werden.

Links:
Vor zwei Wintern war ich in der Ukraine und hatte endlich einen Anlass, etwas mehr als die Klassiker wie Bulgakow oder Gogol aus diesem Land zu lesen. Trotzdem ist das Folgende nur eine ganz kleine Auswahl, die Ihr gerne mit eigenen Empfehlungen und Nichtempfehlungen ergänzen könnt. Denn ich brauche ja noch Lesestoff für meine nächste Reise in die Ukraine. Falls es das Land dann noch gibt.
Sachbücher:

Wer sich selbst nicht in die Ukraine zu reisen traut, dem sei Jens Mühling und sein Buch Schwarze Erde empfohlen. Relativ aktuell, basierend auf einer Reise 2016, und unvermeidlich immer wieder in Geschichte und Politik abgleitend, lässt einen das Buch einerseits verzweifelt über die Verfahrenheit der jeweiligen Weltbilder, aber auch immer wieder verzaubert und verzückt durch die wunderbaren Sprachbilder zurück.
Weit weniger überzeugend fand ich die Reportagen aus einem Land im Aufbruch von Ute Schaeffer. Zum einen ist es auf dem Stand von 2014 und damit teilweise einfach überholt, zum anderen fehlt mir der rote Faden. Es sind eher zusammengeschusterte Gespräche und ganz viele Zahlen. Reportagen würde ich das nicht nennen. Den Vergleich der beiden „Volksrepubliken“ im Donbass mit Transnistrien, Abachsien, Südossetien und Berg-Karabach liest man zwar nicht nur hier, aber richtiger wird er dadurch nicht.
Interessanter sind die Reportagen aus dem Donbass von André Widmer, die er in Ostukraine – Europas vergessener Krieg zusammengefasst hat. Aber auch dieses Buch auf dem Stand von 2017 ist natürlich mittlerweile von den Ereignissen überholt und überrollt worden. „Vergessen“ ist die Ukraine immerhin nicht mehr, auch wenn die Aufmerksamkeit der Welt, wie so oft, zu spät erwachte.
Auf jeder Reise muss ein Buch über die Geschichte des zu bereisenden Landes ins Gepäck. Bei wenig Platz im Rucksack gibt es zwei Reihen, die sich dafür eignen: C. H. Beck Wissen und die Reclam-Taschenbücher. Für die Ukraine nahm ich die bei Reclam erschienene Geschichte der Ukraine von Kerstin Jobst und wurde leider enttäuscht. Die Autorin versucht, von allem den Bogen zum Jetzt zu schlagen, und verliert sich in der zusammenhanglosen Aufzählung von Namen und Ereignissen, bis hin zum Wechsel der Haarfarbe von Julija Tymoschenko, den ukrainischen Eurovision-Beiträgen und Fußballspielern. Ein zusammengeschustertes Buch, das kaum brauchbar ist. Ungesehen würde ich daher das nächste Mal stattdessen zur Kleinen Geschichte der Ukraine von Andreas Kappeler greifen.
Wer Lust hat, tiefer einzusteigen, für den gibt es mittlerweile ein Standardwerk: Das Tor Europas: Die Geschichte der Ukraine von Serhii Plokhy. Streckenweise ein bisschen zu detailliert, ist es ein sehr gutes Buch, das die Geschichte der Ukraine immer in den europäischen Kontext einbettet. Gerade über ein Land, von dem man noch kaum etwas weiß, lernt man schneller, wenn es mit Wikingern, Osmanen, Habsburgern und natürlich den beiden Weltkriegen zu tun hat. Dieses Buch ist – wie einige der anderen Titel – auch als preisgünstige Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für Politische Bildung erhältlich.

Vom gleichen Autor ist Chernobyl: History of a Tragedy. Zu diesem Thema las ich aber Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft von Swetlana Alexijewitsch, der Literaturnobelpreisträgerin. Anders als die meisten Tschernobyl-Bücher ist das keine minutiöse Technikgeschichte der Reaktorkatastrophe. Wie in allen ihren Büchern konzentriert sich Alexijewitsch auf die menschlichen Auswirkungen und Reaktionen. Aus vielen individuellen Geschichten entwickelt sie eine Collage aus Stimmen, die man auch lange nach der Lektüre nicht vergisst.
Ebenfalls nur auf Englisch gibt es die Reportagen von Tim Judah. Anders als der Titel In Wartime suggeriert, geht es dabei nicht nur um den Krieg, sondern auch um Geschichte, um Generationenkonflikte, um Umweltschutz. Was das Buch besonders auszeichnet, ist, dass Judah nicht nur in Kiew, in Odessa oder in Donezk recherchiert, sondern auch in die entlegenen Dörfer von Bessarabien bis in die Karpaten fährt.
Als Jurist und angehender Historiker fand ich die Idee von Philippe Sands interessant, die Geschichte des Völkerstrafrechts anhand der Biographien von Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin zu erzählen. Das Buch Rückkehr nach Lemberg: Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist aber leider überfrachtet von der Familiengeschichte des Autors und unwichtigen Details aus dem Leben der Protagonisten. Eine Ideengeschichte wäre interessanter gewesen als das Aufzählen der Wohnorte, Bekanntschaften und Musikstücke, die sie gehört haben. Und, wenn man die Abgrenzung zwischen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Hintergrund der Ukraine erörtert, warum dann kein Wort zum Holodomor? Schwach.
Belletristik:
In Odessa steht im Stadtpark an der Derybasivska-Straße ein leerer Stuhl. Zwischen all den Zaren-, Königs-, Generals- und Kapitänsmonumenten ist dieser Stuhl das beliebteste Denkmal, denn er erinnert an die Zwölf Stühle von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow. Erstmals 1928, aber erst 1997 in der unzensierten Fassung erschienen, ist dieser rasante, sprach- und aberwitzige Schelmenroman eine bissige Satire auf die frühe Sowjetunion, aber auch heute ein Lesegenuss. Eines der großartigsten, lustigsten Bücher der Weltliteratur!


Aber auch kontemporäre ukrainische Autoren können Humor, z.B. Andrej Kurkow. Ein sehr amüsanter Einstieg in sein Werk ist Picknick auf dem Eis mit dem Nachfolger Pinguine frieren nicht. Wer Kurt Vonnegut mag, wird auch Kurkow mögen. Manche Romane erscheinen für westliche Leser vollkommen unwirklich, fast märchenhaft, wie Jimi Hendrix live in Lemberg. Aber wer schon mal in der Ukraine war, wird viele der geschilderten Typen und Charaktere wiedererkennen. Mit der Welt des Herrn Bickford bin ich selbst nicht so warm geworden, Samson und Nadjeschda hingegen fand ich wunderbar, ebenso Graue Bienen.
Mordor kommt und frisst uns auf von Ziemowit Szczerek ist ein köstlicher und kurzweiliger Roman über einen polnischen Journalisten, den in der Ukraine vor allem eines interessiert: Dass dort alles noch etwas ärmer und kaputter als in Polen ist, so dass man sich als Pole im Vergleich so richtig mitteleuropäisch fühlen kann. Die Protagonisten trinken ein bisschen zu viel, aber die Sprache fetzt und die Unterhaltungen und Beobachtungen sind durchaus tiefgehend. Nebenbei – oder vielleicht hauptsächlich – ist der Roman eine Satire auf den Reisejournalismus.
Links:
Schriftsteller, Dichter und Autoren müssen arm sein. So will es die Tradition.

So will es auch der Kapitalismus. Denn wenn man mit Denken und Schreiben Geld verdienen könnte, dann fänden sich nicht mehr genügend Menschen zur Ausbeutung in Schlachthöfen, auf dem Spargelfeld oder als Pizzalieferanten bereit.
Nun macht es sich für das Image des Landes aber nicht so gut, wenn man aus den Bibliotheken und Intellektuellenkneipen jeden Abend verhungerte Schriftsteller wegkarren muss. Was tun? Ein Grundeinkommen für alle wäre eine Lösung. „Viel zu einfach!“, protestierten Politiker und Verbände und erfanden die „Verwertungsgesellschaft zur Wahrnehmung der gesetzlichen, vertraglichen und finanziellen Rechte und Ansprüche der Urheber und Urheberinnen sowie Übersetzer und Übersetzerinnen von schöngeistigen, dramatischen, journalistischen und wissenschaftlichen Texten, Textkomponenten und textähnlichen Werken“ (VG Wort).
Zur Finanzierung herangezogen werden alle, die Geräte kaufen, betreiben, herstellen, importieren u.s.w., mit denen sich vorgenannte Texte lesen, drucken, vervielfältigen, anzeigen u.s.w. lassen. Jeder, der ein Faxgerät, einen Kopierer und wahrscheinlich auch eines dieser modernen schnurlosen Telefone kauft, zahlt unbemerkt einen kleinen Beitrag an die VG Wort. Und diese Millionen werden dann nach dem folgenden undurchsichtig-komplizierten Schlüssel an die darbenden Autoren ausgeschüttet.

Warum sollte Euch das interessieren? Keine Ahnung.
Aber für mich ist es interessant, weil auch Blogger aus diesem Finanztopf bedacht werden. Und zwar schon seit 2008, was ich immerhin rechtzeitig für 2021 bemerkt habe. Allerdings zählen dabei nur Artikel, die in einem Jahr mindestens 1500 Zugriffe aus Deutschland erhalten haben. Ich mache mir ja eigentlich nichts aus Zahlen. Ich finde, das lenkt vom Schreiben ab. Aber durch die Abrechnung bei der VG Wort habe ich so endlich mal erfahren, welche meiner Artikel die beliebtesten waren. Und das ist dann vielleicht doch wieder interessant für Euch.
Zuerst einmal freut mich, dass einige der ausführlichen, gründlich recherchierten und historisch fundierten Beiträge dabei sind, nämlich die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Reichsbürger sowie die Nazi-Geschichte der Hohenzollern. Obwohl letztere von Twitter gelöscht wurde, nachdem sich die Hohenzollern oder einer ihrer Vasallen darüber beschwert hat.
Da Twitter meinen Beitrag nur in Deutschland aus dem Verkehr gezogen hat, nehme ich an, dass die im Beitrag gezeigten Hakenkreuze als Vorwand für die Zensur gedient haben. Denn Hakenkreuze sind pfui, das sagt sogar § 86a I Nr. 1 StGB.
Aber was soll ich machen, wenn sich die deutsche Herrscherfamilie so kleidet, wenn sie Pressefotografen ins Haus lässt? Außerdem fallen meine Beiträge gleich unter mehrere Ausnahmen des § 86a III StGB in Verbindung mit § 86 III StGB (staatsbürgerliche Aufklärung, Kunst, Wissenschaft, Berichterstattung über Vorgänge der Geschichte).
Leider nicht in die Bestenliste geschafft hat es mein Beitrag zur unendlichen Schlussstrich-Debatte. Aber dennoch nehme ich den Hinweis auf, dass es sich manchmal lohnt, richtig in die Tiefe zu gehen. (Hoffentlich kommt nie jemand und will so einen Überblicksartikel über den Nordirlandkonflikt oder das Konzil von Nicäa.)
Überhaupt war Geschichte sehr populär. Meine neue Reihe „Vor hundert Jahren …“ ist sehr gut angenommen worden. Gleich 8 Beiträge haben den Sprung in die Bestenliste geschafft, nämlich über Kaiser Karl I. von Österreich und seine Putschversuche, über vor hundert Jahren gegründete und mittlerweile total vergessene Staaten, über das Sprachenwirrwarr in Belgien, über die deutschen Kolonialverbrechen, über das Begräbnis der letzten deutschen Kaiserin, über den armenischen Attentäter, der das Völkerstrafrecht begründete, über die im Bermudadreieck verschwundenen Katzen sowie über den völlig durchgedrehten baltischen Baron, der die Nazis in die Mongolei brachte. (Dessen Familie ist übrigens viel lockerer als die Hohenzollern. Ein aktueller Baron von Ungern-Sternberg überraschte mich sogar mit einer freundlichen E-Mail und einer Spende für den Blog.)

Ach verdammt, schon wieder Hakenkreuze! Aber das wird im Artikel über Roman von Ungern-Sternberg erklärt.
Schade, dass die Republik von Fiume und die Black Wall Street es nicht unter die beliebtesten Artikel geschafft haben. Denn ersterer war der Auftakt zu der Reihe und setzte insofern den Ton, während zweiterer eine ausnahmsweise ernste Folge darstellt. Auch das wird immer wieder einmal vorkommen, wofür ich mich bei all den Spaßvögeln entschuldige. Aber wenn man jeden Tag lacht, ist es nichts Besonderes mehr.
Auch an Reiseartikel mit historischem Schwerpunkt besteht durchaus Interesse, wie ich erfreut feststellte. Das Referat über den Schlachtfeldtourismus an die Westfront des Ersten Weltkriegs sowie mein Besuch der Nazi-Ordensburg Vogelsang in der Eifel schafften es auf die Liste.

Schade nur, dass meine Besuche in Mauthausen und in Babi Jar nicht genauso oft gelesen wurden. Anscheinend herrscht mehr Interesse an den Tätern als an den Opfern.
Aber auch vollkommen unbeschwerte Reiseberichte stießen auf Zuspruch, und zwar quer über alle Fortbewegungsmethoden hinweg.
Unter den Zugreisen schaffte es die Fahrt nach Stockholm auf die Liste. Das ist schön, denn der dort praktizierte assoziative und unkontrollierte Gedankenstrom ist relativ einfach zu schreiben, weil er nicht von Recherche unterbrochen wird. Wenn ich ankomme, tippe ich mein unterwegs vollgeschriebenes Notizbuch ab, und fertig. Das könnte ich eigentlich öfter machen.

Für Eisenbahnfreunde gibt es übrigens noch viel mehr Berichte, insbesondere meine Trilogie über eine Durchquerung Kanadas mit der Eisenbahn.

Von den Wanderungen war die Geburtstagswanderung nach Levico Terme am beliebtesten, sowie zwei kleine Geschichten, die ich am Rande von Wanderungen aufgeschnappt habe: Einmal die Einsilbigkeit der Schweden. Und mein unerwarteter Spaziergang durch ein Atomkraftwerk. Wenn Ihr das auch erleben wollt, müsst Ihr Euch übrigens beeilen, denn Ende 2022 wird das AKW Neckarwestheim abgeschaltet. (Ich kann das echt empfehlen, denn seit ich mir dort eine Strahlendosis abgeholt habe, verspüre ich viel mehr Energie und bin jeden Tag um 4:30 Uhr wach.)

Auch für Wanderfreunde hält dieser Blog noch Unmengen an weiteren Artikeln bereit. Wenn ich etwas herausheben sollte, so wären dies die Anleitung zum Abenteuer sowie die Wanderung zu den bayerischen Königsschlössern.
Fehlt noch die letzte meiner Fortbewegungsarten, nämlich das Trampen. Hier war die Trilogie über eine Fahrt per Anhalter von der Schweiz nach Bayern erfolgreich, was praktischerweise meine im Hotel in Ulm vorgetragene Notlüge, ich sei Schriftsteller, nachträglich rechtfertigt.

Auch übers Trampen findet Ihr natürlich noch viele weitere Geschichten.
Überhaupt frage ich mich oft, ob Euch Zugreisen, Wanderungen oder Anhalterabenteuer mehr interessieren. Und warum. Oder warum nicht.
Eine wirkliche Überraschung auf der Bestseller-Liste war mein Schriftwechsel mit dem Arbeitsamt. Schade, dass ich sonst keine Probleme mit Behörden habe, wenn das literarisch so ergiebig ist. Da bekommt man fast Lust, sich absichtlich in halblegale Situationen zu manövrieren, um endlich wieder das juristische Handwerkszeug auspacken zu können. Aber nicht einmal Francois von den Azoren hat seine Klagedrohung wahr gemacht. Bourgeoises Ferienwohnungsbesitzerweichei! – Also, wenn Ihr mal eine lustig zu lesende Verfassungsbeschwerde braucht, meldet Euch. (Wahrscheinlich der Satz in diesem Beitrag, den ich am meisten bereuen werde.)
Und jetzt zur Dekonstruktion dieser Bestenliste:
Das Ganze beruht natürlich nicht auf Qualität. Sonst wäre Dirk Roßmann nicht auf der Bestseller-Liste. (Ehrlich, ich kenne Mülltonnen, die bessere Thriller schreiben.) Und sonst wäre diese kleine Geschichte von den Azoren und diese große Geschichte von den Azoren nicht übersehen worden. Oder meine Einführung in die persische Kultur. Ganz zu schweigen von meinen Schachtelsätzen. Leider hängt der mathematische Erfolg von Blogs allein davon ab, dass er von vielen Menschen auf Facebook, Twitter, Instagraph, TikTak, und was es da noch so alles gibt, geteilt wird.
Also, wenn Ihr hier etwas lest, das Euch gefällt oder aufregt, teilt es. Kommentiert es. Kritisiert es. Verlinkt es in Euren Blogs. Übersetzt es ins Chinesische, Rumänische oder Montenegrinische. (Mein absoluter Traum wäre, wenn mal ein Artikel ins Schwizerdütsch übersetzt würde.) Und seid Euch meines ewigen Dankes sicher. Ich weiß, ich melde mich manchmal erst mit ein paar Monaten – oder Jahren – Verspätung. Aber ich bin allen Unterstützerinnen und Unterstützern wirklich sehr dankbar! Ohne Euch hätte ich den Blog schon lange enttäuscht in die Ecke gefeuert. Oder im Fluss versenkt.
Das gilt übrigens auch für alle anderen Blogs. Die Leute machen sich eine Riesenarbeit, bekommen einen krummen Rücken und ruinieren ihre Beziehungen. Es ist eine einsame Tätigkeit. Da tut jede Reaktion gut. Mit Ausnahme der Drohanrufe. Und der Typ, der in Ritterrüstung und mit Schwert vor meiner Wohnung auf und ab läuft und „Rache für die Hohenzollern!“ ruft, der nervt auch.

Das Licht am frühen Morgen versprach einen sonnigen Tag, und am Horizont tauchte schon die erste Burg auf.

Zur Zeit ist es so grau, kalt und regnerisch, dass man solch einen Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen darf. Also ließ ich die To-do-Liste links liegen, packte stattdessen Zigarren, Zeitung und Gummibärchen ein, schnürte die Schuhe und war schwuppdiwupp aus dem Haus.
In dieser Gegend um die Löwensteiner Berge kann man wunderbar von Burg zu Burg wandern. Hat man eine erklommen, sieht man vom Hügel aus schon die nächsten Türme, Festungen oder Ruinen. Wer allergisch gegen Burgen ist (zum Beispiel wegen eines vererbten Kreuzrittertraumas), muss woanders wandern.



Und so führte mich der spontane Weg über die Burgen Lichtenberg, Beilstein, Helfenberg, Wildeck bis nach Stettenfels.









Das monumental auf dem Weinberg thronende Schloss Stettenfels war leider geschlossen und wurde von einer kauzigen Eule bewacht. Diese Burg war einst als NSDAP-Ordensburg vorgesehen, wozu es wegen des Zweiten Weltkriegs jedoch nicht mehr kam.
Mir selbst sind diese Burgen aber eigentlich zu pompös. Für meine Zwecke würde eines der kleinen Häuschen am Hang oder auch nur eine Bank in der Sonne genügen.



In dem unterhalb des Spukschlosses liegenden Ort Untergruppenbach finde ich mysteriöse Markierungen und, aufgeknüpft an einem Pfahl in der Mitte des Dorfes, eine ausdrückliche Warnung.



Weil auch der Himmel drohend schwarz und dunkel wird, nehme ich die Warnung ernst und mache mich auf den Rückweg. Als ich an der Straße stehe und versuche, nach Oberstenfeld zurückzutrampen, kommt ein älterer Herr auf mich zu und informiert mich: „Das ist aber gefährlich, was Sie da machen.“
„Aber nein, das ist doch nicht gefährlich“, wiegele ich ab und denke, dass ich zum hundertsten Mal die Vorurteile übers Trampen widerlegen muss.
„Ich hatte einen Verwandten, der wurde beim Trampen ermordet“, sagt er. Da schlucke ich und nehme den ausgestreckten Arm runter. „Er war 22 Jahre alt. Bei Tübingen ist das passiert. Allerdings schon vor 40 Jahren.“
Mir selbst macht das eigentlich keine Angst, aber ich will die Gefühle des Hinterbliebenen nicht verletzen. Zum Glück weiß er, dass in fünf Minuten ein Bus fährt. Um sicherzustellen, dass mir unterwegs nicht passiert, steigt er auch ein. Allerdings weiß er zu jedem Ort eine Horrorgeschichte: „Hier an der Kreuzung sind schon viele Autofahrer tödlich verunglückt.“ „In Abstatt wohnte ein Ehepaar, die sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Haben vier Kinder hinterlassen.“ „In Beilstein müssen Sie aufpassen. Hier residiert die Spätregenmission.“
Hm, dabei schien während der Wanderung alles so friedlich.
Ich habe später versucht, etwas über den Mord an dem jungen Tramper herauszubekommen. Aber alles, was ich gefunden habe, war ein Bericht über Richard Schuh, ein Tramper, Mörder und der letzte Mensch, der in Westdeutschland hingerichtet wurde.
Irgendjemand muss sich wirklich darum kümmern, das Image des Trampens aufzupolieren. Und ich habe sogar eine Ahnung, wer das machen könnte.

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